Freitag, 28. Dezember 2012

Ein Jahr im Blog

Nicht mehr lange und dieser Blog wird ein Jahr alt. Angefangen hatte alles einmal mit der Frage, wozu die Welt noch einen weiteren Blog braucht. Beantwortet habe ich die Frage damals natuerlich nicht, so vermessen zu glauben, dass die Welt auf genau diesen Blog gewartet hat, bin ich nun auch nicht. 

Aber die Anzahl der Seitenaufrufe seit Januar hat dann doch gezeigt, dass hier ein gewisser Informationsbedarf zu bestehen scheint. Ich werde zwar jetzt nicht verraten, wieviele Klicks dieser Blog bis heute hatte, mit Justin Bieber oder GangNam Style Youtube Videos kann ich definitiv nicht mithalten. Wenn ich aber auf vielen zeitgleich gestarteten Baublogs die Zaehler so sehe, dann kann ich auf mein Ergebnis hier schon recht stolz sein. 

Ein Jahr im Blog, und auch das Jahr 2012 findet gleichzeitig zu seinem Ende. Kurz vor jedem Jahreswechsel faellt den Fernsehsendern ja meistens nur ein, uns mit Top X Listen des Jahres zu langweilen. Das ist in England genauso wie in Deutschland. Seien es nun die besten Songs, TV-Shows, Nachrichtenversprecher des Jahres - immer so weiter. Und weil sich damit mit relativ wenig Aufwand das Programm fuellen laesst, erlaube ich mir das einfach auch mal. Denn in diesem Beitrag gibt es ein klein wenig Blog Statistik, nach einem Jahr und 41 Blogbeitraegen durchaus mal angebracht.

Nun moechte ich das Ganze aber doch wenigstens etwas interessant halten. Irgendwelche Listen abzudrucken, waere zu einfach. Womit aber kann man eine Statistik wirklich spannend halten? Am besten waeren ein paar unerwartete Ergebnisse. Na mal sehen. 

Und leider kann ich schon in der ersten Rangliste nicht unbedingt mit diesen dienen, denn dass 75% der Leser aus Deutschland kommen, ist nicht wirklich eine Ueberraschung. Der Blog ist ja nunmal auf Deutsch, was auch bedeutet, dass meine Frau den noch nie gelesen hat. Auf Platz 2 und 3 wuerden wir dann die deutschsprachigen Nachbarlaender vermuten, was auch sonst? Gaehn!! 
Doch weit gefehlt. Die USA schnappt sich Platz 2 - wer haette gedacht, dass sich Internetbenutzer dieser Nation aus dem englischsprachigen Web heraustrauen. Das wird doch nicht etwa nur das ansaessige Huf Haus Verkaufsbuero gewesen sein? Vielleicht haben die US Surfer ja auch nur nach Bildern gesucht, das gibt die Statistik nun leider doch nicht her. Platz 3 ist dann aber wirklich die Schweiz. Aber dass danach nicht Oesterreich kommt, sondern auf Platz 4 erst noch Grossbritannien, ist auch eine kleine Ueberraschung. Und ich verspreche mit grossen Ehrenwort, dass man mich nicht dafuer verantwortlich machen kann. Ich habe ganz artig die Option gewaehlt, dass meine eigenen Klicks nicht gezaehlt werden. Ganz ehrlich.  

Interessiert eventuell jemanden, dass die meisten User hier mit Firefox oder Safari reinsurfen? Oder dass IPads auf Platz 2 hinter Windows landen? Wie sieht dieser Blog eigentlich auf einem IPad aus? Ich habe vor ein paar Monaten extra die Variante "Mobile Display" aktiviert, nachdem es aus dem Familienkreis  Beschwerden gab, dass der Blog zu lange braucht, bis der auf dem Handy geladen ist. Hat das geholfen? Naechstes Jahr brauche ich wohl endlich auch so ein IPad oder IPhone Dings, bisher habe ich mich darum immer gedrueckt. Aber wir haben ja die Huf Option der IPad KNX Steuerung bestellt, waere doch schade, wenn ich das nicht gleich ausprobieren kann.

Gehen wir aber weiter in der Statistik und kommen zu den Traffic Sources. Hier kann man sehen, ueber welche Seiten oder Links die Leser hier gelandet sind. Platz 1 der verlinkten Seiten ist die Bautagebuchliste. Dort sind wir nach fast einem Jahr immer noch der einzige Blog in der Rubrik "Huf Haus". Und dabei gibt es derzeit noch mindestens einen zweiten aktiven Huf Haus Blogger, naemlich den hier. Also lieber Bastian, trag Dich doch einfach mal in die Bautagebuchliste ein, damit wir dort nicht mehr so einsam sind. Das bringt richtig Leser.

Die Top Einstiegsseite in den Blog ist natuerlich Google. Platz 1 fuer Google.de, Platz 3 fuer .com und Platz 4 fur .ch, Platz 6 fuer .at - erst auf Nummer 7 kommt die eigene URL meines Blogs. Das heisst also, dass immer noch die meisten Leser diesen Blog ueber die beliebte Suchmaschine finden und nicht direkt aus den Favoriten aufrufen. Allerhand. Aber immerhin gibt mir die Statistik auch die Information, mit welchen Suchworten im Google dieser Blog gefunden wurde. Und ich gebe es zu, fast jede Woche gucke ich auf diese Liste. Schon interessant, was manche Leute so alles im Internet suchen, um dann doch hier zu landen. Hier jetzt also die Top 10 der Suchbegriffe aus 2012. 

Platz 1 in der Hitliste der Suchanfragen ist der Begriff "Huf Haus" - hier bin ich immerhin schon auf Seite 2 der Ergebnisliste, wenn man mit Google.de suchen laesst. Kein schlechtes Ergebnis, war ich doch vor wenigen Monaten noch nicht einmal auf den ersten zehn Seiten. 

Platz 2: "Huf Haus Preise" - in einem Artikel in der FAZ habe ich einmal gelesen, dass ein Huf Haus Kunde im Schnitt eine Million Euro fuer sein Haus ausgibt. Ich bin da jetzt wirklich etwas peinlich beruehrt, dass ich mit unserem Haus den Schnitt derart nach unten reisse. Soviel Geld kann man zwar, muss man aber fuer ein Huf Haus nicht ausgeben, es geht auch billiger. Aber es muss einem Huf Haus Interessenten trotzdem klar sein, laesst man die direkten Konkurrenten einmal weg, dann koennte man fuer das gleiche Geld bei anderen Anbietern gut und gerne zwei Haeuser bauen. Dieser Fachwerk mit Glas Baustil ist kostspielig, aber das wird fuer jeden, der nach "Huf Haus Preisen" gesucht hat, hoffentlich keine Ueberraschung mehr sein.

Platz 3 und 4 sind Suchbegriffe, die die Woerter "Huf Haus" und "Oberlausitz" vereinen. Warum sollte man denn danach im Internet suchen? Doch wohl nur, um diesen Blog finden, oder? Wobei ich jetzt zugeben muss, dass uns gar nicht die Ehre gebuehrt, das erste oder sogar einzige Huf Haus in die Oberlausitz gestellt zu haben. Denn bereits im August diesen Jahres gab es in diesem Landstrich die erste Huf Hausuebergabe im nicht weit entfernten Sohland / Spree. Platz 2 ist aber immer noch drin fuer uns, denn es gibt in der Oberlausitz derzeit keine weiteren Huf Haus Projekte. Fuer die Silbermedaille muss unser Haus jetzt eigentlich nur noch fertig werden. 

Platz 5: Und auch hier gab es fuer mich nur den zweiten Platz, denn in der Google Hitliste fuer den Suchbegriff  "Huf Haus Blog" geht Gold an Ric Capucho in die Schweiz. Zwischenzeitlich hatte ich zwar  den ersten Platz besetzt und haette auch nicht gedacht, dass ich den wieder abgeben muss, aber dann ist Ric wieder aufgewacht und hat nach drei Jahren Pause mal wieder einen neuen Beitrag in seinen Blog gestellt. Und irgendwie schien das fuer die Berechnung der Platzierung eine Rolle zu spielen, denn dass Ric insgesamt mehr Besucher in seinem seit 2006 bestehenden Blog hat, ist ja nur logisch. Dass ich aber trotzdem bis Oktober auf Platz 1 stand, muss damit zu haben, dass Google wohl auch registriert, wann der letzte Update auf der jeweiligen Seite erfolgt ist. Aber wie auch immer die Google Logik funktioniert, gegen Ric zu verlieren ist keine Schande. Immer noch der beste Huf Haus Blog ueberhaupt, wie ich finde. 

Platz 6 ist fuer den "Huf Haus Grundriss" - schoen, dass man damit in diesem Blog landet, immerhin unseren Kellergrundriss habe ich ja in diesem Jahr komplett beschrieben. Und tatsaechlich wurde unser Keller kurz nach Vollendung der Grundrissbeschreibung im Blog dann auch wirklich gebaut. Wenn ich aberglaeubisch waere, dann koennte ich jetzt glauben, dass der Grund, warum unser Haus entgegen der Anfang 2012 erdachten Planung in diesem Jahr doch nicht fertig wurde, genau der ist, dass ich die anderen Stockwerke noch nicht beschrieben habe. Es gibt also fuer 2013 dringenden Nachholbedarf. Aber auch ohne Aberglauben war der Aufbau des Hauses in 2012 wohl nicht wirklich realistisch.
  • Im November 2011 hatten wir unseren ersten Besuch in einem Musterhaus, 
  • im Dezember dann das erste Planungsgespraech, 
  • im Februar 2012 der Abschluss der Planung mit Unterschrift Kaufvertrag, 
  • im April das Austattungsprotokoll, 
  • im Mai wurde der Antrag auf die Baugenehmigung abgeschickt und 
  • diese lag erst im August vor
  • im November wurde dann mit dem Tief- und dem Kellerbau begonnen
Es haette theoretisch durchaus noch Zeit gegeben, in 2012 nicht nur den Tief- und Kellerbau, sondern auch den Hausaufbau zu schaffen, aber fuer die anschliessenden drei Monate Innenausbau waere es dann wohl doch recht knapp geworden. Mit der heutigen Erfahrung wuerde ich bei einem Huf Haus Projekt von einer Laufzeit von 18 Monaten ausgehen, ich habe also noch 6 Monate Zeit, die Grundrisse der oberen Etagen lang und breit zu beschreiben.

Platz 7 in der Liste ist fuer einen Fremdkoerper. Wie um alles in der Welt habe ich es mit dem Suchbegriff "Da Vinci Haus Preise" auf Seite 1 bei Google geschafft? OK, ich habe im April mal einen recht langen und bestimmt nicht sehr objektiven Vergleich zwischen beiden Hausanbietern im Blog veroeffentlicht. Preise habe ich dort nicht genannt, nur angedeutet. Dieser Huf vs. Da Vinci Vergleich ist uebrigens bei weitem der am meisten gelesene Beitrag dieses Blogs. Mehr als doppelt so viele Aufrufe wie mein Platz 2 "Einschaltquote" - und dabei war doch genau der Einschaltquoten Beitrag mit der Idee geschrieben worden, nur die beliebtesten Google Suchbegriffe zu behandeln, um meine Trefferquote dort etwas zu verbessern.
Wer uebrigens Huf Haus auf Facebook verfolgt, der weiss inzwischen auch, welcher der beiden maennlichen ABBA Saenger ein Huf Haus Besitzer ist. Ich hatte ja damals beim Huf vs. DaVinci Beitrag ein kleines Ratespiel an das Ende des Vergleichs gestellt. Kurze Zeit spaeter hatten auch wirklich ein paar Leute mit dem Suchbegriff "Huf Haus ABBA" meine Seite angeklickt. Das Internet is schon recht interessant. 

Platz 8 verwundert mich noch mehr als Platz 7. Kann ich mir die Platzierung fuer "Da Vinci Preise" noch irgendwie erklaeren, dann faellt mir fuer den Begriff "Kein Sommer" wirklich gar nichts ein. Und suche ich heute selbst mal nach diesem Keywort, dann finde ich meinen Blog auch ueberhaupt nicht. Und das soll trotzdem mein Platz 8 sein? OK, es gab mal einen regenreichen Beitrag zum Jubileum der Koenigin mit dem Namen "Sommer?" Also der Beitrag hiess so, die Koenigin heisst immer noch Elisabeth. Aber trotzdem, wer nach "Kein Sommer" sucht und einen Baublog findet, hat sich ganz schoen versurft. Und warum sucht eigentlich keiner nach Winter? Auch da koennte man meinen Blog finden, denn es gab mal einen Beitrag mit diesem Titel, der den Versuch zum Inhalt hatte, einen energetischen Vergleich verschiedener Hausbautypen zu ziehen. Ob mir dieser Vergleich gelungen ist, bezweifel ich. Es gibt zum Thema Energieverbrauch bei Neubauten ja wirklich viel bessere Experten als mich. Wahrscheinlich auch ein Grund, warum niemand jemals diesen Blog mit dem Suchbegriff "Energievergleich Fertighaus" oder so gefunden hat. Immerhin ein Update zu diesem Thema gibt es heute aber doch von mir.
Seit neuestem sind alle Huf Haeuser KfW55 foerderfaehig, bisher galt "nur" KfW70. Somit hat sich das Lesen also fuer den werten Surfer, der hier nicht nur nach Ablenkung und Unterhaltung sucht, wenigstens ein klein wenig gelohnt. Und das ist auch das Letzte, was ich zu diesem Thema noch erwaehnen will, schliesslich wurde ich im Beitrag "Winter" ja bereits durch einen Gastkommentar recht nett darauf hingewiesen, dass ich von den verschiedenen KfW Standards eigentlich keine Ahnung habe.

Bleiben wir aber noch ein klein wenig im Winter. Das Bild unten hatte ich schon im damaligen Beitrag im Februar in den Text eingefuegt. Und weil es so schoen ist, hier nochmal.



Und jetzt kommt auch gleich noch ein neues Raetsel. Hat Huf ja mittels Facebook schliesslich schon das ABBA Raetsel geloest. Das Bild unten der gleiche Blick, auch wieder mit Schnee und nur ein paar Monate spaeter als das Bild oben fotografiert worden. Koennt Ihr erkennen, welche einschneidende Veraenderung es durch unser Bauvorhaben in der Zwischenzeit im Ort gegeben hat?


Platz 9 und 10 fuehre ich auch wieder auf den Huf - Da Vinci Vergleichsbeitrag zurueck. Den Platz 9 bekommt der Suchbegriff "Regenkette" - ein Wort, welches ich nur ein einziges mal im Blog erwaehnt habe. Und Platz 10 ist "DaVinci Haus" - auch hier habe ich seit dem populaeren Beitrag vom April keinen neuen Stoff geliefert. Ich werde zwar noch vereinzelt zu Besichtigungen gerade fertiggestellter Haeusern von Referenzkunden eingeladen, habe aber seit einem Kurzbesuch im April im Musterhauspark Bad Vilbel keine weiteren DaVinci Haeuser mehr von innen gesehen. Der Besuch in Bad Vilbel war auch mehr fuer meine Frau, denn die hatte bis dahin noch kein DaVinci Haus live erlebt. Zum Glueck hat sie mir die Entscheidung fuer Huf nach diesem Besuch nicht um die Ohren gehauen, diese Gefahr bestand ja durchaus.

Und so geht es nun zu Ende, das spannende und ereignisreiche Jahr 2012. Erreicht wurde vieles, aber laengst nicht alles, was Anfang des Jahres einmal geplant war. Das neue Jahr startet gleich am ersten Januar mit dem deutschen Arbeitsvertrag, irgendwann im gleichen Monat steht dann auch der Umzug nach Deutschland an. Es wird nur eine Light Version eines Umzugs werden, geht es ja erst einmal nur in eine moeblierte Pension. Ein paar Wochen spaeter kommen dann die Moebel zur Lagerung in einer Scheune fuer unbestimmte Zeit. Unbestimmt deshalb, weil wir leider auch die Unsicherheit der Finanzierung ins neue Jahr nehmen muessen.

Es wird also spannend bleiben und wieder viel zu berichten geben in 2013. Freuen wir uns also einfach drauf. In diesem Sinne wuensche ich allen Stammlesern und auch allen versehentlichen Surfern einen guten Start ins neue Jahr. Vielen Dank fuers Lesen und auch fuer die reichlichen Kommentare.

Und denkt immer daran, jeder Klick zaehlt, im neuen Jahr will ich den Platz eins vom Ric wiederhaben.

Freitag, 21. Dezember 2012

Unterirdisch - die Geschichte vom Keller


nochmal kurz zur Erinnerung unsere Situation in der letzten Woche vom November.

Die Hecke vor dem Bauland wurde entfernt, der Weg war somit frei fuer die schweren Geraete.
Die Baugrube war bereits ausgehoben und ein grosser Teil unseres schoenen teuren Grundstuecks kostenpflichtig entsorgt. Das mit Bangen erwartete zweite Bauleitertreffen fuehrte zur Abnahme der Tiefbau- und anderer Vorarbeiten. Grosses Aufatmen, hiess das doch, dass wir mit unserem eigenem Projektmanagement des Tiefbaus gar nicht so schlecht gewesen sein koennen. Unser Haus hatte also seine "wertvolle Basis", ab jetzt hat nur noch Huf die Verantwortung und ich kann mich als Bauherr gemuetlich zuruecklehnen und den weiteren Baufortschritt geniessen.

Ein letztes Telefonat noch mit dem Bauleiter und dann ging es wieder einmal in Richtung Flughafen. Denn ich wollte wirklich nur ungern verpassen, wie der Keller jetzt in die Baugrube kommt. Und da es neben der geplanten Baumassnahme bei so einem Rueckzug nach Deutschland noch so einige andere Amtswege zu erledigen gibt, musste auch die ganze Familie mit.
Einwohnermeldeamt, Schularzt, Schuldirektor, Finanzamt - was man eben alles so machen muss, um im deutschen System nach immerhin 10 Jahren wieder anzukommen. Ach ja.. und Banken wollten wir auch noch aufsuchen. Die Gruende duerften dem Stammleser hinreichend bekannt sein.

Bis zu diesem Telefonat war das Thema Bau fur mich doch noch irgendwie sehr abstrakt. Man konnte zwar auf der Webcam sehen, wie sich das Bauland langsam von gruen in braun verfaerbte. Auch Fotos mit Baggern kamen via email an und sollten mir einen gewissen Fortschritt der Arbeiten demonstrieren. Aber so richtig verinnerlicht, dass wir jetzt wirklich bauen, das hatte ich noch nicht. Erst als der Bauleiter am Telefon sagte, er hat gerade unseren Keller auf der Autobahn auf dem Weg nach Sachsen ueberholt, gab es den Moment, ab dem alles irgendwie viel realer erschien. Es ging alsonun wirklich los.

Ab jetzt stieg die Aufregung. Waere es bei unsere Ankunft in Sachsen nicht schon so stockdunkel gewesen, ich haette den Umweg ueber Walterdorf auf dem Weg zur Unterkunft genommen. Ich wollte mich endlich vergewissern, dass das Ganze jetzt wirklich Realitaet wurde, diese 40 Minuten Umweg machen bei so einer Entfernung dann auch nichts mehr aus. Nur noch einmal schlafen.

Am naechsten Morgen klingelte dann auch um 5:30 Uhr der Wecker, nur keine Zeit verlieren, denn mir wurde vom Bauleiter ja gesagt, dass schon ab 7 Uhr die Bauarbeiten beginnen werden. Den ersten Spatenstich bei der Baugrube hatte ich ja schon verpasst, noch einmal sollte mir das nicht passieren. Und auch wollte ich wenigstens einmal doch die Baugrube noch in ihrer urspruenglichen Schoenheit sehen, bevor sie wieder komplett umgegraben wird.

Auf dem Weg zum Land kam ich an dann an der neuesten Touristenattraktion in Waltersdorf vorbei. Auf der ehemaligen Umgehungsstrasse standen sie, unsere ersten Betonelemente des zukuenftigen Kellers. Irgendwie erinnerte mich das an ein Open Air Museum der Berliner Mauer. Zum Glueck hatte hier bisher noch keiner die Idee einer Verschoenerungs mittels Graffiti.

Reste der Waltersdorfer Stadtmauer?

Interessant an dieser Art der Lagerung war, dass sich auf den abgestellten Anhaengern auch recht grosse Mengen Stahl befanden, wohl spaeter benoetigt in der Bodenplatte und Kellerdecke. Wird denn nicht so viel geschrieben und geredet vom grossen Metallklau in Deutschland? Horrorstories von geraubten Gullideckeln wurden mir erzaehlt, immer verbunden mit dem drohenden Zeigefinger, in was fuer einer kriminellen Gegend wir doch wohnen werden. Und hier lagen nun gleich mehrere Kilos Stahl fertig zum bequemen Verladen auf einer verlassenen Strasse fernab aufmerksamer Nachbarn. Erstaunlich, dass trotzdem nichts geklaut wurde. Denn auch wenn ich nicht wirklich alle dieser Horrorstories des diebischen Volkes jenseits der Grenze glaube, soviel Vertrauen haette wohl nicht mal ich gehabt.

Auf der Baustelle selbst war zu dieser Uhrzeit natuerlich noch nicht viel passiert. Die drei Huf Arbeiter standen noch etwas verloren und verfroren in der Baugrube rum und versuchten sich erst einmal in den Plan hineinzudenken. Ein ToiToi Klo gab es bereits, statt eines Huf Autos stand ein Miet-Mercedes auf dem Feld, ich hatte ja in einem frueheren Beitrag bereits von der Panne des Huf VW berichtet. Nach zirka zehn kalten Minuten wusste ich dann auch nicht mehr, warum ich hier so frueh ankommen wollte. Die Arbeiter warteten eh noch auf einen weiteren Material Transport , die Zeit bis dahin machten sie es sich im warmen Fahrerhaus gemuetlich.So sieht also ein Baustart bei Huf haus. "Oack ne jechn", wuerde der Oberlausitzer sagen.

Die Ruhe vor dem Sturm

Immerhin wurde eine Frage bei diesem Besuch bereits beantwortet. Das mit der Organisation des Bauwassers hat wirklich "super" geklappt. Dass wir noch keine Wasserleitung auf dem Land haben werden, war ja lange bekannt, aus dem Grund hatte ich mich ja um ein paar alternative Loesungen gekuemmert. Der Nachbar aber hatte seine Aussenwasserhaehne in Erwartung eines strengen Winters natuerlich bereits abgestellt und die Tuer zum Brunnen war verschlossen. Und das waren im Prinzip schon zwei meiner Alternativen, denn der Nachbar sonnte sich zur gleichen Zeit auf irgendeinem Dampfer in der Karibik und war natuerlich zu dem Thema nicht zu befragen. Zum Glueck war als letzte Variante noch vereinbart, dass seine Angestellte, die sich in seiner Abwesenheit in der Pension so ruehrend um die Huf Arbeiter kuemmerte, uns Zugang zum Wasser verschaffen wird. Doch leider wusste auch diese nichts von ihrem Glueck und hatte natuerlich keine Schluessel. Zum Glueck war das Wasser noch kein Grund fuer eine Verzoegerung, ich hatte also noch etwas Zeit, dieses Problem zu loesen. Weitaus wichtiger ist Baustrom, schon am ersten Tag wuerde hier nichts laufen ohne. Aber es befand sich ja ein Baustromkasten auf dem Land, alles bestens also.

gleich zwei Stromkaesten - doppelt abgesichert
Wenig besorgt ging es wieder in unsere Unterkunft zwecks Fruehstueck. Inzwischen sollte meine Familie ja aus dem Bett gefunden haben. Am Nachmittag wollten wir nochmal gemeinsam vorbeischauen, mal sehen, wieviel dann schon passiert ist. Aus dem ruhigen Fruehstueck wurde aber dann doch nichts, kaum angekommen klingelte das Telefon, der Bauleiter war dran, diesmal hatte er keinen Keller ueberholt sondern wollte mich ueber die ersten Probleme unterrichten. Das erste der beiden Probleme kam gaenzlich unerwartet. Wir hatten sehr wohl einen Baustromkasten, nur hatte wohl keiner in der Bestellung genau spezifiziert, dass dieser auch angeschlossen sein sollte. Nichtmal einen Zaehler gab es darin, das Ding war komplett leer, also so wie er ist nur als Aussenschrank zu gebrauchen.

Was nun? Waehrend der Herr Bauleiter noch sein Leid klagte, wie wenig man ohne Strom auf der Baustelle arbeiten koennte, ging ich gedanklich schon die Liste der Leute durch, denen ich dann gleich in den Hintern treten muss. Fangen wir also zuerst bei der Firma an, die auf dem Kasten steht, schliesslich wurde die ja von der oertlichen Energieversorgung mit dem Anschluss beauftragt. Der arme Mann ging auch ans Telefon, war aber am Ende doch gaenzlich unschuldig. Seine Firma hat nur den Stromanschluss bis zum Hausanschlusskasten erstellt und den Stromkasten an eine andere Elektrikerfirma vermietet. Naemlich genau an die, die ich mit dem Baustromkasten beautragt hatte. Soviel zum Thema, dass ich nicht gerne zwischen vielen Sub-Unternehmen vermitteln wollte.

Also ging der zweite Anruf an den anderen Elektriker, dieses mal ging aber keiner ran. So ein Mist, ich wollte doch wirklich jemanden in den Hintern treten, der naechste in der Reihe war in Ermangelung eines weiteren Elektrikers die Person, die mir den Elektriker empfohlen hatte. Also noch ein Anruf, und dieses Mal gab es sogar eine echte Information. Mein Freund konnte in Erfahrung bringen, dass sich Elektriker 2 auch im Urlaub befindet. Seit wann macht man denn im November Urlaub? Und warum ist nun schon der zweite, den ich fuer den Fortschritt des Kellerbaus so dringend vor Ort benoetigt haette, einfach nicht erreichbar wegen Urlaub.

Die Erloesung kam mit der rettenden Idee eines Stromaggregates. Das ist doch besser als nichts, auch wenn sich der Herr Bauleiter anfaengs dagegen straeubte. Das macht zuviel Krach und wird in kurzer Zeit saemtliche Nachbarn veraergern. Aber welche andere Option hatten wir denn noch? Zum Glueck hatte mein Freund mit der Elektrikerempfehlung so ein Ding rumstehen, das muss jetzt nur noch anspringen. Nicht unbedingt eine Selbstverstaendlichkeit fuer ein Stromaggregat, welches das letzte Mal vor vielen Jahren benutzt wurde. Ich brauchte wirklich ein Wunder. Und das Wunder kam. Schon beim dritten Zerren an der Reissleine erwachte der kleine Motor zum Leben, schluckerte etwas und puffte, dass es uns die Schweissperlen auf die Stirn trieb, blieb aber an. Laut war der schon etwas, aber nichts, was man den Nachbarn nicht zumuten wuerde. Was soll man in der Karibik davon auch schon hoeren? "Bei uns laermen nur die Voegel" steht als Werbung an seiner Pension. Ab heute laermen wir mit.

Noch nie empfand ich ein Stromaggregate als so schoen
Das Problem war damit erstmal geloest, wenigstens vertagt, denn so ein Stromaggregat ist auch nur fuer die kleineren Geraete in den ersten Tagen gut. Ich hatte ja geschrieben, dass der Bauleiter gleich wegen mehrerer Probleme angerufen hat. Das andere klang noch viel bedrohlicher, als der fehlende Strom.
Wieviele Bauherren koennen von Ihrer Baustelle behaupten, dass schon am ersten Bautag das Ordnungsamt bei der Baufirma angerufen hat? Wir kriegen hier wohl wirklich das volle Programm. Herr Bauleiter bat mich um Klaerung, ein Rueckruf ergab dann den Grund fuer den Einsatz des unbeliebtesten aller Aemter. Es gab tatsaechlich bereits erste Beschwerden vom Nachbarn.
Wie geht das denn, hat der etwa doch das Aggregat gehoert? Und sogar mehrere Stunden bevor das Aggregat ueberhaupt auf dem Land angekommen ist? Nein, das war es natuerlich nicht. Die Beschwerde kam von der anderen Strassenseite und hatte etwas mit der Verschmutzung und Beschaedigung der Strasse zu tun.

Gut, ich gebe zu, die Strasse hat auch wirklich etwas gelitten. Von Beschaedigungen kann ich aber nicht berichten, dreckig ist sie aber ganz sicher geworden. Denm Nachbarn hatte ich ja schon vor ein paar Wochen bei meinem letzten Besuch kennengelernt, ich hatte den eigentlich als recht nett in Erinnerung. Und nun hetzt er uns das Ordnungsamt auf den Hals. Aber im Vertrauen auf meine Menschenkenntnis dachte ich, dass ein persoenliches Gespraech hier vielleicht etwas ausrichten kann, am besten, man hoert sich mal seine Seite der Geschichte an. Und siehe da, das Problem ist wohl nicht wirklich unser Bau sondern eher die Tatsache, dass er die LKW zu breit fuer die Strasse empfindet. Eine Seite der Achse der LKW ist also permanent neben der Strasse und hat den Gruenstreifen in einem recht bedauernswertem Zustand hinterlassen. Nun ist das allerdings ja eigentlich kein Problem, unter diesen Gruenstreifen, jetzt Braunstreifen, kommt ja in ein paar Monaten unsere Wasserleitung, damit wird der eh nochmal aufgerissen und kann beim Verfuellen wieder repariert werden. Damit waren dann am Ende alle zufrieden, beim Ordnungsamt wurde das ins Protokoll aufgenommen und die Sache war erledigt. Fuer heute jedenfalls.

enge Strasse - etwas ramponiert
Ein recht vielversprechender Start in die Bauphase, es konnte doch eigentlich nur besser werden. Immerhin hatte der Tag auch seine schoenen Seiten. Am Nachmittag hatten wir naemlich den Termin beim Schularzt.  Schon interessant, was Kinder alles schon so koennen muessen, bevor sie in die Schule kommen. Wir waren am Ende die stolzesten Eltern, als unsere Kleine diesen Eignungstest mit Bravour bestanden hatte. Dass wir gleich am ersten Tag nach unserer Ankunft schon den Spracheignungstest zu bestehen haben, erfuellte mich doch etwas mit Sorge. Aber ist ja alles gut gegangen. Gratulation.

Und auch auf der Baustelle ging es an dem Tag doch noch etwas voran. Am Abend lagen die meisten Abwasserleitungen im Schotter, die Holzumwehrung war fast fertig und das Schnurgeruest sah auch recht final aus. Wir lagen wieder im Plan, wer haette das nach der Morgenaufregung gedacht.

der erste Tag
Der zweite Tag verlief dann im Vergleich fast ereignislos. Der Bagger vom Tiefbauer durfte wieder anruecken und im vorderen Bereich des Kellers ein paar Graeben ziehen. Dort wird eine sogenannte Frostschuerze angelegt, die das Unterfrieren der Bodenplatte im Bereich der freistehenden Kellerwaende verhindern soll. Wieder was gelernt, ich hatte den Begriff Frostschuerze zwar schon in der Huf Baubeschreibung gelesen, konnte mir dazu aber nur ein albernes Kleidungsstuecke vorstellen.

Frostschuerzen - nur da, wo der Keller mal rausgucken wird
Am dritten Tag habe ich endlich den Elektriker ans Telefon bekommen, wir sollen am Montag gleich morgens den Strom bekommen. Nochmal Glueck gehabt. Und Wasser gab es jetzt auch, ich konnte mir vom Nachbarn Wasser mittels 50m Gartenschlauch eine Leitung auf das Land legen. Auf jeden Fall bequemer als ein Brunnen. Uebrigens war das genau der gleiche Nachbar, der auch das Ordnungsamt gerufen hatte. Ich wusste doch, dass der eigentlich in Ordnung war, warum also die ganze Aufregung. Schwamm drueber.

Trotz Wochenende ging es auch auf der Baustelle munter weiter. Bis in den spaeten Abend wurde hier gearbeitet, das notwendige Licht besorgte der Leih-Mercedes mittels Scheinwerfer. Denn von Flutlicht stand zum Glueck nichts drin in den Huf Haus Lieferbedingungen, auch wenn die Jungs das im Winter bestimmt gut gebrauchen koennten. Fuer Montag war der Betonmischer bestellt, dann soll die Bodenplatte gegossen werden. Immerhin war Sonntag ein freier Tag, der fuer einen Besuch in Dresden genutzt wurde, allerdings nur unter der Massgabe, dass man puenktlich zum letzten Formel 1 Rennen der Saison wieder im Hotel ist. Das wohl spannendste Rennen der Saison, mit Vettel am Ende als Weltmeister. Die neue Woche fing also richtig gut an.

Alles fertig fuer den Beton
Montag 8 Uhr morgens standen dann zwei etwas groessere Fahrzeuge bei uns in der Einfahrt. Den besten Job des Tages hatte hier der Fahrer der Betonpumpe, dieser konnte mit einem ueberdimensionalen Joystick den schoenen langen Ausleger bedienen, alle anderen mussten im Beton rumwaten.





Das Giessen der Bodenplatte dauerte nur ein paar Stunden, jetzt musste der Beton nur noch trocknen. Noch nicht einmal einen Tag hatte er dafuer Zeit, trotz Temperaturen im niedrigen einstelligen Bereich. Unglaublich.
Und auch der Strom war inzwischen angeschlossen, dem Stromaggregat wurde allerdings keine Traene nachgeweint. Trotzdem muss man sich bei dieser Maschine einmal bedanken, hat sie doch den Fortschritt auf der Baustelle erst ermoeglicht. Jetzt wird sie wieder fuer Jahre in der Garage verschwinden. Das hat sie eigentlich nicht verdient.

Als wir mit dem Bauleiter den Termin des Kelleraufbaus besprochen hatten, lautete die Empfehlung, dass, wenn ich nur einen Tag auf der Baustelle zubringen kann, das unbedingt der Dienstag sein sollte. Der Tag, an dem am meisten auf der Baustelle passiert, der Tag, an dem der Keller wirklich aufgebaut wird. Wenn der Nachbar bisher schon Bedenken hatte, dass die Bau- und Lieferfahrzeuge zu gross fuer die kleine Anliegerstrasse sind, dann legen wir heute noch einen drauf.
Frueh 8 Uhr erschien ein Monstrum von einem Kran, der auch wirklich in keinem Verhaeltnis zur Strasse stand. Und das zweite Bild zeigt erst richtig deutlich, wie eng es hier wirklich zuging. Keine Hand passte zwischen LKW und Nachbars Zaun. Ich bin zwar auch der stolze Besitzer eines LKW Fuehrerscheins, aber durch diese Strasse waere ich nicht mit einem halb so grossem Auto gefahren. Und dann mussten die da spaeter sogar rueckwaerts wieder raus. Ich konnte die Sorgen der Nachbarn recht gut verstehen.




Leider konnten wir nicht warten, bis das erste Betonteil auf die Bodenplatte gehoben wird. Wir hatten noch einen anderen Termin, wollten aber in maximal zwei Stunden wieder auf der Baustelle sein. Was soll man denn in zwei Stunden auch gross verpassen? Tja, bei der Geschwindigkeit, in der so ein Keller heutzutage gebaut werden kann, leider doch recht viel, wie wir nach unserer erneuten Ankunft feststellen mussten.



Dieser Dienstag war wirklich ein sehr aufregender Tag. Einen Kelleraufbau mitzuerleben, das ist schon etwas besonderes und wird wohl noch lange in unserer Erinnerung bleiben. Sogar die erste Kellerbegehung wurde vorgenommen, Raeume, die uns bis vor kurzem nur zweidimensional als Grundriss vorlagen, waren jetzt Realitaet geworden. So langsam bekommt man ein Gefuehl fuer die Groesse der einzelnen Zimmer. Und auch wenn es fuer ein Fazit noch zu frueh ist, der erste Eindruck ist sehr positiv. Ein schoener Grundriss wird das im zukuenftigen Wohnkeller. Und kein Raum ist ernsthaft zu klein geworden, ich hatte da so meine Bedenken beim spaeteren Heimkino. Mal sehen, ob der Eindruck haelt, wenn da noch die Innendaemmung drankommt.

Der Dienstag war aber auch ein aufregender Tag aus einem anderen Grund. Und schon wieder spielte mein Nachbar eine Rolle. Nach der Freude ueber den Keller waren wir am Nachmittag auf dem Weg zu wichtigen Familienbesuchen, als es wieder einmal einen Anruf vom Bauleiter gab. Inzwischen hatte dieser schon den Ruf weg, nur noch ein Ueberbringer schlechter Nachrichten zu sein. Wenn ich seine Nummer auf dem Display sehe, ueberkommt mir sofort ein ungutes Gefuehl. Und das Gefuehl truegte auch dieses Mal nicht.

Ich hatte ja weiter oben im Text schon vermutet, dass dem Nachbarn die heute doch recht grossen Autos, die da im Zentimeterabstand an seinem Haus vorbeifahren, bestimmt keine Freude machen werden. Heute wollte er es wissen und Fakten schaffen. Der schon etwas betagte Mercedes wurde daraufhin so in die Einfahrt geparkt, dass der maechtige Kofferaum in die enge Strasse ragte. An ein Vorbeikommen mit den grossen LKW war nicht mehr zu denken. Der Kran war aber nur fuer einen Tag gemietet, Tageslicht gab es nur noch fuer eine Stunde, und ich war zirka 45 Fahrminuten von der Baustelle entfernt.

Anrufen und beruhigen ging nicht, auf Klingeln oder Klopfen reagierte der Nachbar nicht. Nur noch eine Ladung mit Betonteilen haette an die Baustelle herangefahren werden muessen, dann waeren die Kollegen fertig gewesen. Diesmal war zur Abwechslung ich es eben, der das Ordnungsamt einschalten musste. Eine oeffentliche Strasse zuparken ist ja auch nicht die Art. Mit einem mulmigen Gefuehl ging es also ungeplanterweise noch einmal auf die Baustelle.

Dort hatte sich die Situation in der Zwischenzeit zum Glueck wieder etwas entschaerft. Schon von weitem sah ich den Nachbarn mit dem mir heute so nett erscheinendem Herrn vom Amt lamentieren. Wichtiger aber war, dass ich schon sehen konnte, dass inzwischen doch ein weiterer LKW den Weg zur Baustelle gefunden hatte, der letzte fuer heute. Ich war an der Diskussion Nachbar - Amt dann auch gar nicht mehr beteiligt, der Streit ging ja nie wirklich um die Baustelle, sondern um den Fakt, dass die Gemeinde bei der Strasse am Asphalt gespart hat und diese deshalb eigentlich nur mit PKW befahren werden sollte. Jedenfalls sah das der Nachbar so, aber dem wollte der Herr vom Amt zu unserem Glueck nicht zustimmen. Sobald wir eingezogen sind, kann das ja gerne eine Strasse nur fuer PKW werden, aber fuer ein paar Monate brauche ich die Strasse auch fuer LKW.Hoffen wir also mal, dass das auch so bleibt.

Aber nichts fuer ungut. Der Keller wurde wie geplant am gleichen Abend fertig, fuer die naechsten Tage waren dann nur noch Restarbeiten wie das Vergiessen der Waende und der Decke geplant. Nicht wirklich aufregend. Besser waren da schon die nun nicht mehr virtuellen Rundgaenge durch unseren zukuenftigen Wohnkeller. Gedanklich wurden die ersten Einrichtungen vorgenommen, die Harley geparkt oder am imaginaeren Schreibtisch Platz genommen. Fuer Donnerstag war noch einmal der grosse Betonmischer zwecks Vergiessen der Kellerdecke angemeldet. Und angemeldet hatte sich auch der erste richtige Schnee.Blieb nur die Frage, wer schneller ist.

Ich kann nur soviel sagen, der Schnee hat gewonnen. In wenigen Stunden schneite es so viel, dass an ein Vergiessen der Kellerdecke nicht mehr zu denken war. Aber warum sollte ein Kellerbau, der turbulent anfing und auch dazwischen nicht wirklich zur Ruhe kam, am Ende ganz planmaessig sein Ende finden? Die Baustelle wurde notgedrungen abgebrochen, dass hatte noch nicht einmal der Nachbar geschafft. Aber es reichte wohl, alles wurde irgendwie verpackt und fuer uns alle, fuer die Huf Jungs und auch fuer meine Familie, ging es wieder nach Hause.

Und da steht er nun, unser Keller. Wird er am Ende eine Investitionsruine werden, wie in einem frueheren Beitrag befuerchtet? Denn noch immer haben wir kein konkretes Finanzierungsangebot, beide noch ausstehenden Banken leiden wohl unter einem grossen Sturm an Jahresendkreditanfragen. Aber es ist ja bald Weihnachten, und zu Weihnachten darf man sich was wuenschen. Man sollte nichts unversucht lassen.

Ich wuensche jedenfalls allen, die diesen Blogg seit nun fast einem Jahr regelmaessig lesen, eine schoene und besinnliche Weihnachtszeit. Wir werden Weihnachten weit weg von Baustelle und Keller verbringen, uns gedanklich aber bestimmt nicht vollstaendig loesen koennen. Wer weiss schon, was das neue Jahr bringen wird.

Zum Abschluss noch ein stimmungsvolles weihnachtliches Bild, welches mir unser Tiefbauer geschickt hat. Im Hintergrund sieht man Waltersdorf im Schnee, sogar einen Weihnachtsbaum kann man erkennen. Dominiert wird das Bild aber von unserer grossen Box im Vordergrund. So einen grossen Container hatte wohl noch keiner von uns je unterm Baum. Das Bild nimmt also schon ein kleines wenig vorweg, wie im naechsten Jahr einmal die Aussicht aus dem Wohnzimmer zur Weihnachtszeit werden koennte. Na wenn da keine Vorfreude aufkommt.

Frohe Weihnachten von der Baustelle




Sonntag, 16. Dezember 2012

Wertvolle Basis

vor ueber einem Jahr, wir waren noch mitten im Prozess, uns fuer eine Baufirma zu entscheiden, besuchte ich ein Kundenhaus in Sachsen, welches von einer ortsansaessigen Baufirma realisiert wurde. Der Chef dieser Firma, ein Herr Ober-Ingenieur, wurde von unserem zukuenftigen Nachbarn so sehr empfohlen, dass der Druck, uns mit dieser Firma zwecks Beratung zu treffen, irgendwann zu gross wurde.

Diese Beratung wurde leider recht schnell zu einer Belehrung, anders konnte man das nicht wirklich nennen. Eigentlich wurden uns nur herablassend schmunzelnd die Gruende genannt, warum so ein Huf Haus Typ in dieser Gegend ja fast gar nicht geht. Und wenn man das Glueck hat, mit ihm bauen zu koennen, dann nur, indem man ihn am liebsten einfach machen laesst. Laien wie wir haben da eh nichts zu suchen. Um uns von seiner Qualitaet und Kreativitaet zu ueberzeugen, bewarb er ganz stark seine letzte Kreation, das oben genannte Kundenhaus.
Vielleicht ist ja was dran, vielleicht haben wir wirklich zu wenig Ahnung und sollten uns doch auf solche Fachleute verlassen. Huf Haus Schnappsidee, eingeschuechtert machten wir uns auf in das Gebirgsvorland zur Hausbesichtigung. 

Das Haus war natuerlich massiv gebaut, laut Ober-Ingenieur (auf den Titel legte er wert) die einzige Bauweise, die ueberhaupt erlaubt sein sollte. Von aussen machte das Haus auch einen ganz ordentlichen Eindruck, nicht unbedingt das Design, das wir im Kopf hatten, aber durchaus vorzeigbar. Besonders die Lage mit der unglaublichen unverbaubaren Aussicht in das Bergland liess unsere Kinnlade nach unten fallen. Traumhaft. Aber das hatte der Ueber-Ingenieur ja nicht zu verantworten.

Blick von Leutersdorf
Die Bewohner des Hauses waren auch extrem nett, obwohl wir nicht einmal wirklich angemeldet waren, gaben sie uns eine komplette Tour durch ihr Haus, beschrieben alle guten und auch die nicht so guten Erfahrungen mit dem Herrn Ober-Ingenieur. Zum Glueck konnten sie ja offen sprechen, wir haben aus gutem Grund diesen Besuch ohne den Bau-Gott vorgenommen.

Man bedenke, die Baufamilie war gerade erst eingezogen und bestimmt noch betrunken vor Glueck ueber ihr neues Haus. Man haette bei der Begehung eine gewisse Euphorie und auch Stolz durchaus erwarten und verstehen koennen. Stolz gab es durchaus, ein wenig, aber euphorisch ueber die Bauerfahrung war die Familie definitiv nicht. Es gab wohl doch einiges mehr an Problemen, als dass man diese den neugierigen Eindringlingen vorenthalten wollte. Ein oder zwei Probleme haette man bestimmt unterschlagen, aber wir bekamen das volle Programm.

Die meisten Probleme und wohl auch der Grund, warum die Baufamilie am Ende ihres Budgets immer noch kein komplett fertiges Haus hatten, kamen von der Tatsache, dass es sich bei dem Ober-Ueber-Ingenieur nur um eine Firma handelte, die nach der Planung des Hauses saemtliche Gewerke an viele kleine Sub-Unternehmen vergibt, die sich am Ende gegenseitig die Schuld zuschieben koennen, wenn etwas nicht ganz so lief, wie geplant.

Beispiele waren der fehlende Fussbodenbelag im Obergeschoss, es muss ein Missverstaendnis gewesen sein, als man glaubte, diese waeren im Preis inklusive. Dann die bodentiefe Dusche, aus der sich das Wasser waehrend des Duschvorgangs auch im Rest des Badezimmers verteilen durfte, inzwischen fachmaennisch repariert mittels zusammengerolltem Badetuch. Oder der Keller, der entgegen der Wohnkeller-Idee der Bauherren am Ende doch nur den Charme eines Beton-Bunkers hatte.

Der Hoehepunkt war aber die Treppenanlage, welche nach Einbau erfolgreich das Oeffnen des Treppenhausfensters unmoeglich machte. War hier der Rohbauer schuld - schliesslich behauptete der Treppenbauer, im Plan waere an der Stelle gar kein Fenster gewesen - oder war es doch der Treppenbauer, der die Plaene nicht richtig lesen konnte. Vielleicht gab es ja zwei Plaene, dann waere sogar der Ober-Ueber-Super Ingenieur schuld gewesen. Undenkbar. Am Ende konnte man sich zum Glueck einigen, dass als Alleinschuldiger nur der Bauherr in Frage kam, warum hat er auch eine so grosszuegig dimensionierte Wendel-Treppe haben wollen. Die Loesung war dann genauso kreativ wie kostenguenstig, aus der Treppe wurde ein Stueck herausgesaegt, das schadete zwar dem Design etwas aber wenigstens konnte man jetzt das Fenster oeffnen.

Klar war uns nach dem Besuch immerhin eines. Ein Haus von vielen Sub-Unternehmen zusammenbauen zu lassen mag kostenguenstig sein, doch wenn man sein Haus auf diese Art bauen laesst, dann muss man vor Ort sein. Mehrfach in der Woche nach dem rechten schauen zu koennen, kann zwar nicht immer jeden Pfusch verhindern, aber immerhin muss man sich danach seine Abwesenheit nicht vorwerfen. Ohne Zweifel ist es fuer die Abstimmung der einzelnen Firmen besser, wenn derjenige, der am Ende alles bezahlen darf, immer irgendwie praesent ist, um im Fall der Faelle schnell hinzugezogen werden zu koennen.

Der Einwand koennte jetzt kommen, dass diesen Job auch ein Bausachverstaendiger haette uebernehmen koennen, aber genau diesen Job hatte ja der Herr Ober-Ueber-Ingenieur. Laut Beratungsgespraech ist er in der Woche fuenf (5!) mal auf der Baustelle und laesst sich auch zugeschuettete Baugruben wieder ausheben, wenn er unter der Erde Murks vermutet. Mehr als ein gecharteter Baubegleiter leisten wuerde. Allerdings auch nicht ganz die Erfahrung, die der Bauherr hatte, das Original-Zitat war - "der war vielleicht fuenfmal in der gesamten Bauzeit auf der Baustelle".

Wie schon frueher hier geschrieben, am Anfang unserer Hausbau-Termin-Planung gingen wir ja ganz fest davon aus, dass wir uns waehrend der heissen Phase des Hausbaus in England aufhalten werden. Eine Koordination verschiedenster Klein-Firmen ist aus so einer Entfernung eine Einladung fuer Probleme. Dass man bei Huf von der Bodenplatte bis zum Klopapierhalter alles aus einer Hand bekommen kann, erschien da irgendwie einfacher und hat zu unserer Entscheidung sicher beigetragen. Das Rund-Um-Sorglos Schluesselfertig Paket wollten wir haben, und bei Huf kann man das sogar mit dem guten Gewissen bekommen, dass diese Firma aus Gruenden der Gewinnmaximierung keine Gewerke an guenstigere Fremdfirmen vergeben wird. Das Einzige, was der Bauherr in Eigenleistung schaffen muss, ist, beim ersten Aufschliessen der Haustuer den Goldenen Schluessel nicht zu verbiegen. Und sonst nichts.

Leider stimmt das so nicht ganz. Denn das hier wird dem zukuenftigen Huf Haus Bewohnern in den Musterhaus Siedlungen nur im Nebensatz gesagt. Huf macht zwar wirklich alles am liebsten selber, nur den Tiefbau, den fassen sie nicht an. Und wenn man schonmal am Verantwortung verschieben ist, um Strom, Wasser, Telekom, TV, Gas und was auch sonst noch so angeschlossen werden muss, um alles darf sich der Bauherr selber kuemmern. Dazu kommen dann noch Zufahrt, Erdwaermebohrungen, Baufeldfreimachung, Kranstellplatz, Materiallagerstaette, Baustrom, Bauwasser, Baustellensicherung, Strassensperrungen, Grob- und Feineinmessung, Kaffee und Aschenbecher fuer die Monteure. Wenigstens besorgt Huf das Dixie-Klo selber, aber ansonsten besteht die Erwartung, dass sich der Bauherr wirklich um jeden Sch....selber kuemmern muss. Die einzige Unterstuetzung ist ein 11 Seiten PDF - in diesem verstecken sich alle Angaben zu den Arbeiten, mit denen man als Huf Bauherr doch eigentlich nichts zu tun haben wollte.

Man kann aber auch drum herumkommen, wenn man das noetige Kleingeld hat. Denn Huf bietet fuer den faulen aber fluessigen Bauherrn das sogenannte "Begleitende Projektmanagement" an. Damit, so das Versprechen, wird das Ganze wirklich zu einem Sorglos Paket. Fuer diejenigen, die wie wir ein Haus in der Entfernung bauen wollten und auch sonst wenig Interesse an der Koordination und Qualitaetskontrolle von verschiedenen Lieferfirmen haben, empfiehlt es sich dringend, auf dieses Angebot im Austattungsprotokoll einzugehen und sich danach wieder schlafen zu legen. Genau das hatte uns auch unser Huf Haus Owner Group Freund geraten. In unserer Situation ist die Wahl dieses Paketes ein sogenannter "No-Brainer" - also eine Entscheidung, ueber die man nicht lange nachdenken muesste. Es sei denn, dass so ein Service ueber 8.000 Euro kostet - da wurde aus dem No-Brainer ganz schnell ein No-Way.

Ist denn dieser Service wirklich so viel Geld wert? Die Kosten fuer den Tiefbau und die Anschluesse kommen ja trotzdem noch oben drauf, wir wuerden Huf ja nur die Koordination und Ausschreibung ueberlassen. Sollte sich mit ein klein wenig Organisationstalent dieses Geld nicht sparen oder besser in die Austattung des Hauses stecken lassen? Wie wuerdet Ihr euch entscheiden, wenn man ein paar Wochen Stress gegen die Option eines Super-Duper KNX Systems haelt? Bei uns hat jedenfalls das KNX System gewonnen, davon versprechen wir uns langsfristig einfach mehr Freude. Wir hoffen ja mal ganz stark, dass sich aufgrund unserer Tiefbau-Sparvariante das Haus nicht irgendwann einmal hangabwaerts bewegt.

Also die Entscheidung war, kein begleitendes Projekt-Management, ich denke mal, damit sind wir unter den Huf Kunden kein Sonderfall. Aber eine gewisse Unsicherheit blieb. Schliesslich machen wir uns jetzt selbst fuer alles unterhalb der Bodenplatte selbst verantwortlich und koennen bei einem Versagen einer unserer Firmen des Vertrauens durchaus einiges an Kosten und Verzoegerungen verursachen. Das Lesen des PDF Files machte das Leben auch nicht leichter, der erhobene Zeigefinger, dass man sich ja schliesslich selbst in diese Misere durch die Abwahl des Gluecklich Paketes gebracht hatte, klang auf fast jeder Seite durch.

Kurze Zeit spaeter kamen dann doch zwei grosse Briefumschlaege von Red-Blue Energy - darin waren die bereits ausgefuellten Antraege fuer Strom und Wasser, einfach nur noch unterschreiben und weiterleiten. Es gibt also durchaus etwas Unterstuetzung auch fuer die ignoranten Bauherren, die es einfach nicht besser wissen wollten. Wenn der Rest der Organisation auch so einfach bleibt, dann wird es keine Probleme geben. Frohen Mutes ging es also los.

Wasser und Strom war also bereits auf dem Weg, Gas brauchen wir nicht. Telekom war auch nach kurzer Zeit beantragt. Die einzige Schwierigkeit dort bestand eigentlich nur darin, diesen Anschluss aus dem Ausland zu bestellen. Denn 0800- Nummern funktionieren nur im Inland und das Internetformular liess sich auch nicht dazu bewegen, eine englische Postleitzahl in der Kundenadresse zu akzeptieren. Nicht sehr Ruecksiedlerfreundlich. Immerhin war eine Erdwaermebohrfirma recht schnell gefunden, aber davon gibt es in der Gegend ja auch nicht viele. Und siehe da, diese bieten auch ein Rundum-Sorglos Paket, inklusive Hausanschluss, Tiefbau und Einholen aller Genehmigungen. So koennte das weitergehen.

Blieb nur noch der Tiefbau, ein Blick in die gelben Seiten und schon wurden alle Firmen, die mutig genug waren, in ihren Anzeigen eine Email Adresse anzugeben, mit meiner Anfrage belaestigt. Immerhin zehn Emails gingen raus, und ganze zwei haben geantwortet. Man scheint sich nicht wirklich um nervige Bauherren mit ihren wenig profitablen Einfamilienhaeusern zu reissen. Viel lieber kuemmern wir uns doch um die Hochwasserschaeden des Jahres 2010, das gibt noch fuer Jahre genug Arbeit. Aber zwei Firmen sind ja auch besser als nichts, und da wir im August eh in Deutschland waren, habe ich mich mit beiden auf dem Land getroffen, um das Angebot zu besprechen. Zusaetzlich gab es noch Treffen mit dem Bohrer und noch einem weiteren Tiefbauer, fast jeden Morgen um 8 Uhr stand ich also auf dem Land und wartete, sehr zur Erheiterung der Pensionsgaeste des Nachbarn, die jeden Morgen auf dem Weg zum Fruehstueck an mir vorbei mussten. Ich hatte schnell den Namen weg: "Der auf die Baufirmen Wartende".

Immerhin zwei der Tiefbauer haben mir dann auch tatsaechlich ein Angebot geschickt, vom Dritten bekam ich nur eine Belehrung, dass ich doch gefaelligst erst mit einem Architekten eine ordentliche Tiefbauplanung organisieren sollte. Nur dann kann man ueberhaupt erst zum ueberaus komplexen Thema eines Angebots schreiten. Die empfohlene Architektin hatte aber auf diese Planung leider ueberhaupt keine Lust, sie war wohl auch mit dem Rechnungen schreiben an die hochwassergeschaedigten Gemeinden schon ueberfordert. Aber zwei Angebote sind ja auch schon gut. Wie entscheidet man sich aber fuer eines, wenn beide fast genauso teuer sind, aber inhaltlich nur wenig miteinander zu tun haben. Die Kubikmeter, Abtransport oder Lagerung, die Tonnen Mineralgemisch, die Baggerstunden - nichts passte zusammen. Deutlich wurde immerhin, dass eines der Angebote, obwohl um ein paar hundert Euro teurer, viel mehr Material und Leistungen aufgelistet hatte. Sogar an die Entsorgung der Hecke, den Kranplatz und die Zufahrt wurde hier gedacht. Das Bauchgefuehl tendierte zu diesem Angebot, das andere hatte einfach zuviel Spielraum fuer Ueberraschungen.

So viel Erde und so wenig Platz - Danke an das Biotop

Verschaetzt hatten sich am Ende eh beide. Das erste Angebot wollte 100 Kubikmeter Erde seitlich lagern, das andere sogar 300 - am Ende moeglich waren nur 80. Denn auf das Biotop darf ja kein Dreck, dann wuerde ja meine schuetzenswerte Wiese leiden. Ein Lagern auf dem Grundstueck ist natuerlich billiger, als den Aushub abzutransportieren. Hier hatte sich das eine Angebot also bereits das erste Mal etwas schoen gerechnet.

Und auch die dort angebotenen 40 Tonnen Mineralgemisch verhalfen zwar zu einer geringen Angebotssumme, erschienen mir aber doch recht wenig, zumal der andere Tiefbauer hier gewaltige 250 Tonnen geschaetzt hatte. Wirklich gebraucht wurden nur 92 - aber auch das sind mehr als doppelt so viel als vom billigeren Tiefbauer angeboten. Somit war hier das zweite Angebot wieder ehrlicher, wir haben uns also richtig entschieden, davon bin ich inzwischen mehr als ueberzeugt.

Denn auch die Art und Weise, wie flexibel hier auf meine oder Huf Haus Sonderwuensche waehrend der Bauphase eingegangen wurde, alles bestens und ohne Probleme. Trotz erschwerter Bedingungen durch den auftretenden Fels gab es am Ende auch keine Ueberraschung in der Schlussrechnung. Dass zwar immerhin 100 Kubikmeter mehr Erde abtransportiert wurden, als im Angebot geschaetzt, hatte gar keinen Einfluss. Das hatte sich mit der geringeren Menge Mineralgemisch wieder ausgeglichen. Die Rechnung landete fast auf den Euro genau beim Wert des Angebots. Klasse.

Erschwerte Bedingungen

Jetzt musste nur noch die Baugrube vom Huf Bauleiter abgenommen werden. Dazu war noch ein weiterer Besuch vom Geologen notwendig, Huf will sich hier nicht auf das Bodengutachten alleine verlassen.
200 Euro um zehn Minuten in der Baugrube rumzuwandern, kein schlechter Verdienst. Und auch der Vermesser sollte noch bedacht werden, schliesslich ist ja bald Weihnachten. Die Feinabsteckung mit Hoehenueberpruefung war aber leider zwingende Voraussetzung fuer den Stempel vom Huf Bauleiter. Wenn irgendwas wirklich nicht passt, dann wird ein zweiter Besuch zur Abnahme notwendig, und der kostet dann richtig Geld. Der drohende Zeigefinger aus dem PDF zeigte seine Wirkung, besser also, man kriegt das beim erstem Mal richtig hin.

Baugrube - Fast fertig


Zum Glueck wurde die Baugrube aber ohne Beanstandungen abgenommen und das Kellerteam konnte anruecken. Die finale Bestaetigung, dass wir mit unserem Tiefbauer einen guten Griff gemacht haben. Und wir haben jetzt auch endlich die Gewissheit, dass dieses teure Projektmanagement zwar eine schoene Nerven-Beruhigung darstellt, aber nicht unbedingt notwendig ist. Am Anfang gab es zwar durchaus Momente, in der wir aufgrund der Groesse der Aufgabe geglaubt hatten, dass wir uns hier zuviel zumuten. Das "helfend" gemeinte PDF klang schon recht bedrohlich, aber am Ende wurde nichts so heiss gegessen wie gekocht. Ein PDF ist auch geduldig, wenn ich das jetzt lese, weiss ich gar nicht mehr, worueber ich mir diese ganzen Sorgen gemacht habe.

Ging also alles wirklich so glatt? Nicht ganz, ich will ja ehrlich sein. Bei der Baugrubenabnahme wurde dann doch ein recht wichtiges Detail uebersehen, aber davon wird erst mein naechster Beitrag handeln.

Dienstag, 11. Dezember 2012

Loecher

Irgendwo habe ich mal gelesen, dass man schon im Alter von 18 Jahren fast 50% seines Lebens gelebt hat. Der Grund dafuer liegt darin, dass man sich im Rueckblick nicht an irgendwelche Lebensjahre erinnern wird, sondern an bestimmte Ereignisse und Erlebnisse. Allerdings ist das Leben voller Wiederholungen. Nach dem ersten Kuss kommt fuer die meisten irgendwann einmal der zweite. Und auch die meisten anderen besonderen Begebenheiten wird es im Leben wohl noch ein zweites Mal geben. Im Gedaechtnis bleiben wird aber eben doch nur das beruehmte erste Mal.

Die Theorie besagt jetzt, dass nach dem 18ten Geburtstag diese sogenannten ersten Male schon zur Haelfte verbraucht sind. Man wird sich also an die Jahre vor diesem Geburtstag so erinnern, als ob diese mindestens dreimal so lang waren, wie die Jahre danach. Und das soll einzig und allein daran liegen, weil es immer seltener wird, dass man nach dem 18ten etwas zum ersten Mal erlebt. Die spaeteren Jahre fliegen somit vergleichsweise ereignislos an einem vorbei und irgendwann wird man sagen: Was? Schon vierzig?

Zum Glueck kann man das aber leicht verhindern. Man muss einfach nur jedes Jahr etwas zum ersten Mal machen. Die Hoffnung ist nun, dass dieses "Erste Mal Erlebnis" dann genuegend Spuren im Gedaechtnis hinterlaesst, die dieses Jahr nicht auch noch in den Sog der Vergessenheit ziehen. Das ist doch mal ein Lebensziel, mit dem ich mich sehr anfreunden kann. Bestimmt wird man sich irgendwannn nicht mehr an das genaue Jahr erinnern, in dem dieses Erlebnis stattgefunden hat. Aber das Leben wird ereignisreicher und dadurch vielleicht auch als laenger in Erinnerung bleiben. Und das ist doch schon mal was.

Das Jahr ist nun bald rum, Zeit fuer einen Rueckblick also. Dieses Jahr sollte eigentlich keine Probleme haben, in unserer Erinnerung zu bleiben. Diese ganze Aufregung rund ums Haus, die meisten Erlebnisse, die wir in dem Zusammenhang hatten, waren Premieren fuer uns. Allerdings wird das Haus ja erst im neuen Jahr gebaut. Und will ich mich wirklich an 2012 erinnern, weil wir in diesem Jahr ein Haus geplant haben und am Ende so viele Sorgen mit der Finanzierung hatten? Eher nicht. Wenn irgendwie moeglich, dann verschieben wir die zukuenftige Erinnerung an das Haus lieber nach 2013, das neue Jahr hat noch alle Chancen, daraus eine rundum schoene Erinnerung zu machen. Wie sieht es aber im Leben neben dem Hausbau aus? Gab es da auch etwas in 2012, woran sich eine Erinnerung lohnt?

Erinnern werde ich mich mit Sicherheit an ein sehr gelungenes Geburtstagsgeschenk. Von meiner Schwester nebst Freund gab es endlich den lange ersehnten Gutschein fuer eine anstaendige Tour mit einem Quad. Denn schon einmal in Schottland waren wir kurz davor, so eine Runde zu buchen. Die Idee wurde dann aber im Einverstaendnis begraben und auf einen unbestimmten Zeitpunkt in die Zukunft verschoben. Ich meine auch wirklich: "im Ein-Verstaendnis" - denn genau Eine hatte diese Entscheidung auch verstanden. Bei allen anderen gab es Gergrummel.

Aber dieses Mal war das ja ein Geschenk, und das darf man nicht so einfach ausschlagen. Die Destination fuer die Quad Runde war zwar nicht Schottland, dafuer war dieses Mal das Wetter viel besser. Schottland im Regen hat zwar auch seine Reize, ob man nach 4 Stunden permanenter Naesse und Matsch von unten und oben dann immer noch auf die Mystik der einzigartigen Landschaft achten wird, sei einmal dahingestellt. Und wo fand sie nun statt, meine erste Quad Tour? Getreu dem Motto dieses Blogs, natuerlich in der Oberlausitz. Allerdings dieses Mal im noerdlichsten Zipfel dieser Gegend.

Bisher hatte ich diesen Teil des Landes insbesondere im Vergleich mit dem Zittauer Gebirge als nicht  aussergewoehnlich touristisch in Erinnerung. Alles noerdlich der Achse Loebau, Bautzen und Zittau wuerde ich eher als eine topfebene, sandig staubige Mondlandschaft beschreiben. Die einzigen nennenswerten Erhebungen dort sind Hochspannungsmasten und Braunkohlekraftwerke. Und der Rest ist Wald. Es gab in der Vergangenheit nur wenige Gruende fuer unsere Familie, in diese Gegend zu fahren, der wohl wichtigste ist wohl die Nutzung als Transitstrecke zum Spreewald.

Nicht wirklich die besten Voraussetzungen also fuer ein unvergessliches Quad-Erlebnis. So aufregend die erste Quadfahrt ja auch sein mag, nach maximal einer Stunde sandiger Waldwege wuerde wohl auch hier der Reiz des Neuen verfliegen. Zum Glueck hatte die geplante Tour dafuer aber die passende Antwort parat. Denn es gibt hier etwas, womit es eine Quad Tour in der Lausitz sogar mit dem Spassfaktor von Schottland aufnehmen kann. Es gibt hier noch richtig aktiven Braunkohletagebau - und die Quad Tour ging da mitten durch. So ein Tagebau, das ist mal nen richtiges Loch. Was ist da schon im Vergleich das Loch Ness?

Braunkohletagebau Nochten
Denn wo in der Welt kann man den Einfluss des Menschen auf die Oberflaechengestaltung der Erde noch eindrucksvoller praesentiert bekommen als hier? Innerhalb weniger Jahrzehnte wurde hier ein halbes Bundesland komplett umgegraben. Und das alles, um die Kohle anschliessend zu verbrennen und ueber den Umweg Dampf in Strom umzuwandeln. Ein ganz schoener Aufwand, der hier betrieben wurde und und immer noch wird.

Nun sind ja hoffentlich die Zeiten, in denen fuer die Kohle ganze Ortschaften dem Bagger zum Opfer fielen, vorbei. Ich erinnere mich noch sehr gut an die Geisterstadt in Olbersdorf in der Naehe von Zittau. Die Bewohner eines Teils dieser Gemeinde waren da schon komplett umgesiedelt, in wenigen Wochen oder Monaten waere dieser Ortsteil von der Karte verschwunden. Um das Ganze zu stoppen, brauchte es eine komplette politische Wende. Fuer ein paar Jahre war es eine tolle Mutprobe, nachts durch den menschenleeren Ort zu laufen. Die Haeuser sahen ja schon nach recht kurzer Zeit ziemlich unbewohnbar aus. Die perfekte Kulisse fuer einen Horrorfilm.

Inzwischen gibt es den Tagebau Olbersdorf nicht mehr. Aus dem Loch ist laengst ein beliebter See geworden. Das gleiche gilt fuer die meisten der Tagebaue in dieser Gegend. Im Norden der Lausitz entsteht derzeit eine Seenlandschaft, die es mit der Mecklenburger Seenplatte aufnehmen wird. Sedlitzer, Partwitzer, Baerwalder, Berzdorfer See. Jeder dieser Seen ist kuenstlich und alle sind in weniger als einer Stunde von unserem zukuenftigen Wohnort erreichbar. Das viertgroesste Seengebiet Deutschlands befindet sich somit fast unmittelbar vor der Haustuer. Dazu Berge in der direkten Nachbarschaft mit schneesicheren Skihaengen. Man kann mit seinem zukuenftigen Wohnort auch mehr Pech haben.

Olbersdorfer See
Die Tagebaue verschwinden und werden zu Seen. Es wird also in der Zukunft weniger Loecher in der Oberlausitz geben. Eine sehr begruessenswerte Entwicklung, ein See laesst sich touristisch ja wirklich viel leichter verwerten, ist schoener anzuschauen und macht einfach mehr Spass als so ein Loch. Nicht viele werden ein Loch wirklich aufregend oder sogar interessant finden und dafuer sogar eine weite Anreise auf sich nehmen. Es gibt eigentlich nur eine ganz besondere Gruppe Menschen, die dem nicht zustimmen werden. Und das ist die Gruppe der Bauherren.

So ein Loch in der Erde bedeutet fuer diese Gruppe die Welt. Mit einem Loch faengt fast jeder Hausbau an. Wird erst einmal Erde bewegt, dann gilt die Baustelle offiziell als eroeffnet. Ab jetzt ist die Planungsphase endgueltig vorbei, ab jetzt ist man ein echter Bauherr. Mit allem drum und dran, inklusive nagelneuen Gummistiefeln. Und wir gehoeren nun auch dazu. Hatte ich ja oben noch behauptet, dass es wieder weniger Loecher in der Oberlausitz werden, so haben wir in den letzten Wochen ein ganz klein wenig gegen den Trend gearbeitet. Denn fuer eines der neuesten Loecher im Land sind diesmal wir verantwortlich.

Ich hatte ja bereits im frueheren Beitrag "Investitionsruinen" berichtet, dass die Erdarbeiten begonnen haben. Um uns diese aber angucken zu koennen, waren wir aber bisher entweder auf die Fotos von unserem Bauleiter oder sogar auf das unscharfe Bild einer Webcam angewiesen. Das aenderte sich erst Ende November, als wir uns mal wieder auf den Weg in die alte und neue Heimat machen durften. Und dort konnten wir es endlich sehen. Unser Loch. Und das ist ab jetzt auch sicher, unser Leben wird Spuren in der Erde hinterlassen.

Und so sieht es aus, unsere Baugrube. Der Bodengutachter hat nicht uebertrieben, als er unser Grundstueck in eine mittlere Hanglage eingestuft hat. Vorne links wurde fast keine Erde entfernt und hinten rechts ging es ueber drei Meter in den Boden. Im Bild zu sehen sind auch ein paar Holzleisten, die im Schotter stecken. Das wird dann wohl mal der Erker werden. Oder in diesem Fall mein zukuenftiges Homeoffice, es handelt sich ja hier erstmal nur um den Keller. 

Unser Loch - Wobei ein echtes Loch ist es ja nicht, weil ja vorne offen
Laut Hoehenlageplan faellt unser Grundstueck Richtung Westen und Sueden ab, somit muesste das Loch dann an der nordoestlichen Ecke am tiefsten werden. Hier wird jetzt die Groesse der Aufgabe, vor der unser Tiefbauer stand, erst richtig sichtbar. Das letzte Mal, als ich so eine felsige Wand gesehen habe, stand ich am Strand vor der Steilkueste im Norden von Cornwall. Denn auch hier hatte unser Bodengutachter wieder recht. Ab 2 Metern Tiefe ist hier mit Felsen zu rechnen, zuviel fuer den Bagger, der Presshammer durfte ran. Fragt sich nun der aengstliche Bauherr, ob das im Tiefbau Angebot schon einkalkuliert war. Noch kennen wir die Schlussrechnung ja nicht, einen fuenfstelligen Abschlag durften wir aber schon ueberweisen. Immerhin ist so ein Fels schoen tragfaehig. Wir sollten also nicht unbedingt damit rechnen muessen, dass unser Haus mal versinken wird und erreichen diesen Zustand ohne nennenswertem Schotterunterbau.

Die Steilkueste von Waltersdorf

Aus anderen Blickrichtungen ist unser Bauvorhaben relativ unspektakulaer,. Denkt man sich mal diese Erdhaufen weg, dann ist unsere Bautaetigkeit bisher noch kein Grund, auf Panoramafotos vom am Grundstueck verlaufenden Wanderweg zu verzichten.

Blick von Nordost. Irgendwo hinter der Erde ist ein tiefes Loch. Die Absperrung macht also wirklich Sinn.
Diese Bilder habe ich einen Tag nach unserer Ankunft gemacht. Noch ist hier nur das Ergebnis der Arbeit des Tiefbauers zu sehen. Das hat sich aber in den nachfolgenden Tagen grundlegend geaendert. Wie man auf dem Bild erkennen kann, die Firma Huf war schon vor Ort, normalerweise deutlich zu erkennen am Firmenlogo auf dem gruenen VW Transporter. Leider wollte der VW die weite Strecke nach Sachsen nicht auf sich nehmen und gab schon nach wenigen Kilometern den Geist auf. Nichts geht ueber einen gelungenen Start in ein Bauvorhaben.

Ueber den weiteren Baufortschritt berichte ich dann in einem spaetern Beitrag. Zum Abschluss moechte ich aber noch ein Bild einfuegen, welches unsere kleine Baugrube etwas in Relation zu wirklichen Loechern setzt. Nicht dass ich wirklich geglaubt haette, dass unser kuenstliches Loch der derzeit groesste oder tiefste Eingriff in die Natur der Oberlausitz ist, so vermessen bin ich nun auch nicht. Im Vergleich zum voll in Betrieb befindlichen Tagebau auf der polnischen Seite Zittaus ist unser Bauvorhaben fast so bedeutend, als haetten wir mit einer Stecknadel in die Wiese gestochen. Dieses Loch ist in einer anderen Liga, schoen zu sehen mit dem Link hier. Laut Wikipedia ist das Tagebaugebiet derzeit 45qkm gross, das entspricht fast der Flaeche des Starnberger Sees.

Einen so grossen See wird es aber dann doch so schnell nicht in der Oberlausitz geben. Es ist ja heute noch gar kein Ende des Kohleabbaus in Sicht. Und wie lange es wohl dauern wuerde, bis sich diese Grube mit Wasser fuellen laesst, ist auch noch offen. Der viel kleinere Berzdorfer See brauchte bis jetzt schon fast 10 Jahre und ist wohl immer noch nicht ganz fertig. Meine Baugrube haette sich bei 10 Kubikmetern pro Sekunde in wenigen Sekunden fuellen lassen. Was fuer ein kleines aber doch so bedeutendes Loch.

Noch ein Loch in der Naehe - dagegen sieht der Olbersdorfer See richtig mickrig aus