Samstag, 30. Juni 2012

Fussball EM

Zugegeben, im Monat Juni war ich nicht sehr produktiv, was das Erzeugen von neuen Blogeintraegen betrifft. Ich war, um es mal salopp zu sagen, etwas abgelenkt. Klar, es war ja auch Fussball-EM und wer glaubt, dass ein Blog in so einer Zeit gegen einen Fernseher bei mir eine Chance haette, der muss ja nur mal gucken, wie wenig bei mit in diesem Monat im Blog gelandet ist. Ganze zwei Beitraege, peinlich.

OK, die EM ist nun endlich vorbei, das Finale gucke ich nicht. Das letzte Mal, dass ich bei einer solchen Veranstaltung das Finale geguckt habe, war in 2008. Wir waren in einem Hotel in Luzern und im Haus befand sich das wohl einzige spanische Restaurant der Stadt. An Schlaf war nach dem Spiel jedenfalls nicht zu denken.

Ein richtig frustrierender Abend und sowas habe ich mir seitdem eben nicht mehr angetan. Das deutsche Team hat ja auch seitdem das letzte Spiel einer Meisterschaft immer ausgelassen.
Viel Erfolg morgen an die spanische Mannschaft, da gewinnt dann wenigstens einer bei uns im Haus. Denn ich unterstelle meiner lieben Frau schon seit langem, dass sie aufgrund der gleichen Muttersprache immer schon heimlich diese Suedeuropaeer unterstuetzt hat, zugeben wuerde sie das nie, aber ich habe ja Augen im Kopf.
 
Wenn wir wenigstens neben Deutschland auch noch England unterstuetzen koennten. Aber dann waeren wir wohl noch ein ganzes Stueck trauriger. Eine Europa- oder Weltmeisterschaft aus englischer Sicht ist schon eine traurige Veranstaltung. In 2006 und 2010 noch wurden die Erwartungen durch Revolverblaetter wie die "Sun" unermesslich hoch geschraubt, aber gebracht hat es nichts. Es wollte hier einfach keine echte Partystimmung aufkommen. In 2012 hat dann sogar diese Zeitung aufgegeben, Hoffnung und gute STimmung zu verbreiten. Wenn man mit englischen Kollegen und Freunden ueber die EM sprach, dann gab es meist nur ein trauriges Gesicht mit der wenig verheissungsvollen Aussage: "Warum sollten wir ueber die EM reden, unser Team ist doch einfach nur Schei...e".
Um die Kollegen etwas aufzumuntern, habe ich dieses Bild hier neben unseren Buero-Kaffeeautomat gehaengt... das hat aber auch wohl nur kurz die Stimmung erheitert.


Tja, selber Schuld, wenn man in seiner eigenen Premier League kaum noch Englaender mitspielen laesst. Ich habe mal gelesen, dass bei Arsenal London im Schnitt pro Spiel nur 1,6 Englaender auflaufen.Im Gegensatz dazu war es schon erstaunlich, dass so viele der Leistungstraeger der anderen eurpaeischen Nationalmannschaften ihre Broetchen bei einem englischen Klub verdienen.

Der Englaender hatte die EM relativ schnell abgehakt. Ich kann auch nicht wirklich behaupten, dass sich das Land waehrend der EM stark veraendert haette. Es gab kaum Haeuser, an denen die Rot-Weissen Fahnen wehten. Im Supermarkt habe ich dieses Mal kein Extra Regal gesehen, in denen England Supporter Artikel verkauft wurden. Folgerichtig fuhren auch kaum Autos mit diesen kleinen Faehnchen rum. Public Viewing oder hupende Auto-Korsos - alles Fehlanzeige.

Der Englaender ertraegt das Spiel seiner Nationalmannschaft am liebsten in der Privatsphaere seines kleinen muffigen Lieblings-Wohnzimmers - genau.. damit meine ich den Pub um die Ecke. Denn nur in einem Pub ist er genau dort, wo man nach der Niederlage seiner Mannschaft am liebsten ist: Unter Leidensgenossen und in der Naehe einer gut gekuehlten Bierzapfanlage. Da laesst sich so mancher Fehlpass oder sogar Rooneys neue Frisur viel leichter ertragen.

Auch ich hab so einen lokalen Pub. Nur 3 Minuten vom Buero entfernt befindet sich das "Thatched Cottage" - ich kann noch nichtmal ungefaehr schaetzen, wieviele Abende ich hier waehrend einer Fussballuebertragung verbracht und dabei versucht habe, als Deutscher nicht unbedingt gross aufzufallen.

Thatched Cottage
Wenn ich irgendetwas aus England mit nach Deutschland nehmen koennte, dann waere das die Pub Kultur. Ein Pub ist hier wirklich die Erweiterung des Wohnzimmers, hier geht man hin um Leute zu treffen, dabei kann man Billiard, Dart oder alle moeglichen Brett- und Kartenspiele spielen. Es gibt an jeder Ecke einen Fernseher und wenn gerade mal kein Fussball oder Cricket oder Rugby oder Pferderennen oder Tennis kommt, dann versenkt man sein Geld eben in eine Fruchtmaschine... fuer den, der jetzt glaubt, es gaebe im Pub einen Automat zur Verabreichung eines Obstsaftes, dem sei gesagt, dass "Fruit Machine" hier der Name fuer diese blinkenden und nervigen Spielautomaten ist. Habe ich vorher auch nicht gewusst, aber ein passender Name ist das irgendwie schon.

Desweiteren gibt es in so einem Pub Bier fuer die Maenner und Lager fuer die Schnoesel. Die Sorte Lager ist am ehesten mit dem deutschen Pilsner zu vergleichen, wird aber nur im Suedosten Englands bevorzugt. Da, wo die reichen Schnoesel eben wohnen.

Und man kann auch essen in solchen Pubs, wenn man es sich denn traut. Wenn man erstmal ueber die Hemmschwelle des Pub-Food hinweg ist und gegen Frittiertes nichts mehr einzuwenden hat, dann wird man so ein Essen sogar recht gut finden. Ich finde es inzwischen super, brauchte aber eine gewisse Gewoehnungszeit. In England muss man aber auch leider wirklich sehr viel Geld bezahlen, um in Restaurants ein Essen erwarten zu koennen, das ueber dem allgemeinen Pub - Niveau liegt. Eine Mittelklasse gibt es kaum, entweder Pub oder drei Sterne, dazwischen liegt fast nichts, ausser vielleicht die vielen indischen und thailaendischen Restaurants. Dass sich von den 10 Top Restaurants der Welt aber 5 in England befinden sollen, konnte ich fast nicht glauben. Das habe ich aber wirklich mal irgendwo gelesen und weil das hier gut zu dem Thema passt, schreibe ich das einfach mal in den Blog, ob es nun stimmt oder nicht. Das ist ja auch keine Doktorarbeit hier.

Ganz sicher weiss ich aber, dass wir hier in Maidenhead ein Restaurant mit dem Namen "The Fat Duck" haben, und die standen wirklich jahrelang an der Spitze der Top-Restaurants im Michelin Fuehrer. Tische dort sind fuer Monate ausgebucht und man braucht schon ein recht dickes Portemonnaie, um sich neben den 14 Gaengen auch noch etwas Wein leisten zu koennen.

Aber bleiben wir mal bei unseren finanziellen Moeglichkeiten und gehen zurueck in den Pub. Wie schon gesagt, am liebsten wuerde ich mein geliebtes "Thatched Cottage" einpacken und mitnehmen, wenn es irgendwann einmal wieder zurueck nach Deutschland gehen sollte. Aber wenn ich mir die Waltersdorfer Gestaltungssatzung angucke, dann koennte ich den ja eh nicht dort aufstellen. Was bleibt mir also uebrig?

Papier ist ja zum Glueck geduldig und da unser neues Haus ueber einen Wohnkeller verfuegen wird, in dem aber ausser meinem Motorrad keiner wohnt, koennte sich durchaus ein Platz finden lassen, in dem sich soetwas wie eine Pub - Replika unterbringen lassen wird. Es gibt ja Moebel, mit denen sich ein Pub taeuschend echt nachstellen laesst. Dazu noch ein Fernseher an die Wand und eine Bierzapfanlage, alles keine grossen Investitionen, man muesste halt nur den Platz haben. Es ist also mal wieder an der Zeit, auf unseren geplanten Grundriss zu gucken.

Wir bleiben also weiterhin im Keller. Dort hatte ich im Teil 1 unserer Grundriss-Serie ja schon ueber meine zukuenftige Motorradecke philosophiert. Zur Erinnerung, diese befindet sich in der Sued-West Ecke des Kellers, genau der Ecke also, die komplett oberhalb der Erdoberflaeche bleibt und somit mit einer grosszuegigen Fensterfassade versehen werden kann. Die Motorrad-Ecke ist Teil eines groesseren Raumes, im Plan "Hobby" genannt. Jetzt fuegen wir also das naechste Teil in unser grossesGrundrisspuzzle hinzu. Wir bewegen uns im Raum etwas nach links und so sieht das dann irgendwann einmal aus.


Wie man sehen kann. der Raum "Hobby" ist nicht nur nach links gewachsen, nein, er hat auch eine Nische nach unten bekommen. Und hier... man kann es im Bild ja schon erkennen ... werden sich Anschlussmoeglichkeiten fuer eine Kueche befinden. 

Nun kann jeder mit seinem Wohnkeller ja planen, was er will. Wenn man hier eine echte Einliegerwohnung einrichten moechte, dann macht so eine Kueche richtig Sinn. Mir sind auch schon wohlwolllende Vorschlaege angetragen worden, den Wohnkeller zu einer Art Ferienwohnung auszubauen. Und diese sollte sich speziell in der Wintersaison eventuell sogar ganz gut vermieten lassen. Und dann lass ich die Feriengaeste vielleicht auch noch auf meiner Harley sitzen, oder was?

Nein, zumindest in den ersten Jahren brauchen wir wohl keine keine vollwertige Kueche im Keller. Stattdessen, Ihr ahnt es vielleicht schon, koennte hier eine Art Theke eingebaut werden, und ich waere dumm, wenn ich mir die Chance entgehen lassen sollte, diese im Stil eines typisch englischen Pubs herzurichten.


Und dann waere er hier, mein Pub.

Der Wohnkeller wird so langsam meine Lieblingsebene. In der Zukunft dann werde ich in den oberen Etagen wohl nicht so haeufig anzutreffen sein. Was sagt da eigentlich meine liebe Frau dazu? OK, bisher habe ich ihr da nur ein: "Du bist verrueckt" entlocken koennen. Das nenne ich doch mal eine hoffnungsvolle Aussicht auf eine spaetere volle Zustimmung. Es sind ja auch noch ein paar Raeume im Keller uebrig, die dann eventuell eher den Wuenschen und Vorlieben der weiblichen Bewohner folgen muessten. Aber dazu in mehr in den spaeteren Beitraegen.

Diese Idee eines Pubs im eigenen Haus, noch dazu mit einer Harley in Sichtweite, bringt den Spass in das Planen eines Hauses. Und traeumen kostet ja auch nichts, wobei das in diesem Zusammenhang nicht ganz stimmt. Fuer das Motorrad wurde schon eine verbreiterte Eingangstuer geplant, die gab es natuerlich nicht umsonst. Und auch fuer die Strom- und Wasser - Anschlussmoeglichkeiten in dieser Kuechen (Pub)-Nische fanden sich so einige Kostenpositionen in unserem Austattungsprotokoll wieder. Traeumen ist also doch schon etwas teuer geworden.

Ob dieser Pub einmal kommen wird, das ist nicht die Frage. Die Frage ist die nach dem Wann. Die Antwort habe ich zwar noch nicht, es wird wohl erstmal keine Prioritaet haben. Aber ganz dringend wird der Pub ja erst im Sommer 2014 gebraucht. Denn dann ist wieder Fussball Weltmeisterschaft. Und dann klappt es auch endlich mit dem Titel, ganz sicher.

Traeumen ist vielleicht nicht umsonst, aber traeumen laesst sich wenigstens nicht verbieten.

Morgen wuensche ich erstmal Spanien viel Glueck. Aber 2014 wird unser Jahr. 




Donnerstag, 14. Juni 2012

Autos und Haeuser


Was ist eigentlich ein Markenname? Ab wann kann ein Produkt mit Recht von sich behaupten, alleine durch seinen Namen eine gewisse Alleinstellung am Markt zu haben? Fuer viele Firmen scheint es trotz der damit verbundenen Ausgaben fuer Werbung trotzdem extrem erstrebenswert zu sein, fuer ihre Produkte Markennamen zu finden, die Kunden dazu verleiten, trotz hoeherer Preise und eventuell auch anderer Nachteile doch genau immer wieder dieses Produkt nachzufragen. Ist der Mensch einfach ein Gewohnheitstier und greift deshalb nur zu bekannten Namen?

Werbung wirkt, auch wenn wir es fuer uns selbst nicht wahrhaben wollen. Werbung folgt der Idee, mittels farbenfroher Bilder und ausgefeilten Textbotschaften gewoehnlichen Produkten Eigenschaften zuzuschreiben, um sie damit unvergleichbar mit Konkurrenzprodukten zu machen. Wer also nach dem Genuss eines klebrigen Getraenkes Fluegel erwartet oder mit seinen Cornflakes irgendwelche Tiger wecken will, der muss dann halt zum Markenprodukt greifen.

Cornflakes und Dosengetraenke gehoeren ja zu der Gruppe der Produkte, die nicht lange im Regal liegen bleiben und deshalb besonders heftig umworben werden. Denn mit Werbung schafft man Marken und hat man erstmal einen Markennamen, dann ist alles super. Der Kunde wird aufhoeren,  Preise zu vergleichen oder Kleingedrucktes zu lesen und immer nur den gleichen Nuss-Nougat Aufstrich, die gleiche Cola oder das gleiche Waschmittel in den Einkaufswagen legen. Dabei muss Werbung noch nichtmal sehr gut sein, es reicht auch, wenn man ungewollt „komisch“ ist und trotzdem kennt man nach einer Weile sogar ein „Seitenbacher Muesli“.

Also ein Markenname muss her, will man erfolgreich und auf hohem Preisniveau verkaufen. Eigentlich ganz einfach und doch so schwer. Denn was tun, wenn sich die Firma in einem Markt befindet, in denen der Konsument die Produkte nicht jede Woche oder jeden Monat kauft, sondern vielleicht sehr viel seltener. Dann ist das schon um einiges schwieriger mit dem Markennamen. Meist ist hier der Name des Herstellers selbst die Marke. Und die meisten Hersteller haben ja nur einen Namen, und den kann man meist nur einmal am Markt positionieren. Und hat man das erstmal vergeigt, dann geht ein Umbenennen nur recht schwer, wenn ueberhaupt. Man denke nur an die Fernseh- und Radiofirma „Lucky Goldstar“ , die sich durch eine jahrelange Billigstrategie mit diesem Namen jeglichen Zugang in den hochpreisigen und edlen Marktbereich verbaut hatten, jetzt heissen die nur noch „LG“ und schon laeuft der Laden. Aber auch dieser Name musste erstmal bekannt werden, was das gekostet hat, laesst sich wohl kaum noch nachvollziehen.

Das Beispiel „LG“ hat deutlich gemacht, ein Firmenname, der schon mit einer vordefinierten Meinung ueber die zu erwartende Qualitaet belegt ist, kann trotz neuer und verbesserter Produkte jegliche Chancen fuer den Eintritt in ein interessanteres Marktsegment erschweren. Hier verlassen wir den Einflussbereich eines einfachen Markennamens. Ist der Name der Firme gleich mit dem Namen einer bekannten Marke, dann bekommt die Firma ein sogenanntes Image. Ein Image aufzubauen dauert gleich nochmal viel laenger, als eine einfache Marke, und ein solches nachtraeglich nochmal zu aendern, das ist bisher noch nicht vielen Firmen gelungen. „Skoda“ ist vielleicht ein gutes Beispiel, aber dafuer mussten die sich ja auch von „Volkswagen“ uebernehmen lassen. Und trotzdem hat es fast zehn Jahre gedauert, dass man ueber die Qualitaet dieser Autos nicht mehr laechelt.

Ein Image laesst sich also nicht ueber Nacht aufbauen, sowas wird ueber Jahre sorgfaeltig entwickelt und muss dann gepflegt werden. Daneben muss es auch zu den Produkten der Firma und zu den Zielkunden passen um moeglichst glaubwuerdig zu wirken. Ein Toyota Prius sollte also auf einem Werbeposter nicht unbedingt vor einer 30 Meter Yacht parken.

Wie ist das nun bei Haeusern? Gibt es auch Markennamen unter Hausherstellern? Und falls ja, werden mit diesen Namen dann auch bestimmte Rueckschluesse auf Qualitaet oder Preislage moeglich? Oder sind Haeuser dafuer doch zu individuell und somit wenig vergleichbar? Die meisten Hausbaufirmen werben ausschliesslich in Fachmagazinen, zielen also damit auf Kunden, die sich eh schon fuer den Hausmarkt interessieren. Das wird bei Kunden, die echte Kaufabsichten haben, vielleicht zu Interesse und einer Kontaktaufnahme fuehren. Und damit hat eine solch spezialisierte Werbung ihren Zweck wohl auch erfuellt, aber kann man damit ein Haus zu einer Marke machen?

Nun ist ein Haus ja kein Produkt, das mehrfach im Leben auf der Einkaufsliste steht. Und Haeuser kauft man auch selten spontan und mehr als einen Kunden zu einer ersten Kontaktaufnahme zu bewegen wird eine Werbeanzeige vielleicht nicht schaffen. Nur wenige Firmen dieser Branche haben es ueber die Jahre geschafft, sich ein Image zuzulegen, die meisten Namen bleiben den meisten Nicht-Bauinteressenten wohl doch eher fuer immer unbekannt.

Das ist vielleicht erstmal kein Problem, ausser fuer Journalisten, die in Nicht-Baufachzeitschriften ueber eine diese Firmen schreiben muessen und dabei nicht davon ausgehen koennen, dass die Firmennamen den werten Lesern schon irgendwie bekannt vorkommen. Wie also ueber solche Firmen schreiben, ohne den eventuell nicht bauinteressierten Leser zuerst mit einer langwierigen Beschreibungen der jeweiligen Produkte oder der Markstellung zu langweilen. Die Loesung fuer dieses Dilemma machen sich die meisten dann ganz einfach. Man macht sich zum Beispiel zunutze, dass sich bereits vorher die Autofirmen mit viel Aufwand um ein Image bemueht haben, und borgt sich dieses Image einfach.
Ich kann nun nicht fuer jede Hausfirma ein Pendant aus der Automobilbranche wiedergeben, wir lesen ja nicht jeden Artikel ueber alle moeglichen Haushersteller. Aber alleine in den letzten drei Wochen habe ich Beitraege gefunden, die folgende Vergleiche heranzogen:
  • Weberhaus – der Mercedes unter den Fertighausherstellern
  • DaVinci Haus – ein Klassiker wie der Porsche 911 (in „Der Bauherr“)
  • Und nicht zu vergessen Huf Haus, die gehen meistens fuer nicht als weniger als der Bentley oder gar Rolls Royce unter den Hausbaufirmen weg – unter anderem im „Daily Telegraph“ – aber die kennen vielleicht auch nur englische Automarken
Was wollen uns die Journalisten damit nun sagen? Bestimmt nicht, dass
  • Weber Haeuser im letzten Jahrzehnt mit einigen Qualitaetsproblemen zu kaempfen hatten und dabei bevorzugt von Taxifahrern gekauft werden
  • DaVinci Haeuser sich seit 50 Jahren kaum im Design geaendert haben (was bei einer Firma, die erst seit Ende der Achtziger Jahre Haeuser im Fachwerstil baut, ein toller Trick waere), viel verbrauchen und nur fuer kinderlose Paare oder Singles geeignet sind
  • Huf Haus Kunden gar nicht selbst im Haus wohnen, sondern dafuer meistens Bedienstete haben, die das fahren, stop, das wohnen fuer einen uebernehmen. Der Hufhausbesitzer versteckt sich lieber im Hinterhaus hinter verdunkelten Fenstern
OK, vielleicht kann man nicht jede Nuance des Images einer Automarke auf ein Haus uebertragen. Aber das wollen die lieben Journalisten ja auch gar nicht, erreichen wollen sie wohl nur, dass man mittels eines solchen Vergleiches ungefaehr einschaetzen kann, wie sich die verschiedenen Haeuser am Markt positionieren wollen. Folgt man dem, ist ein Weberhaus in der gehobenen Preisklasse und schon etwas fuer Besserverdienende und DaVinci oder Huf bliebe fuer die meisten nur ein unerreichbarer Traum. Wollen die Hausfirmen wirklich dieses Image haben?

Ich glaube nicht, dass der Vergleich mit Automarken ausschliesslich in die Richtung der Kaufkraft der angesprochenen Kaeuferschicht zielt. Das wird zwar auch eine Rolle spielen, aber zusaetzlich vermute ich, dass mittels solcher Vergleiche auch gewisse Ansprueche hinsichtlich der Qualitaet auf das Haus uebertragen werden sollen. Die gleichen Ansprueche, die auch ein Kunde dieser Automarken haben wuerde. Als potentieller Weberhaus Kunde, der jetzt weiss, dass sein Haus der Mercedes unter den Fertighausherstellern ist, sollte man also ein ueberdurschnittliches Mass an Qualitaet erwarten koennen. Und wenn dann ein potentieller Huf Haus Kunde sogar so wohlklingende Namen wie Bentley oder Rolls Royce liest, dann steigen seine Erwartungen gleich ganz ins Unermessliche. Oder gibt es Automarken, die einen besseren Ruf hinsichtlich Qualitaet haben? 

Nun kann ich ueber die Qualitaet von Weber oder DaVinci Haeusern nicht sher viel schreiben, interessiere ich mich ja nun aus bekannten Gruenden eher fuer Huf Haeuser. Ist ein Huf Haus nun der Rolls Royce unter den Systemhausherstellern? In jedem bisherigen Huf Haus Blog, in zahllosen Forumsbeitraegen, Testberichten und natuerlich auch in der beruehmten Episode in der englischen „Grand Designs“ Serie, ueberall wurde die ausserordentliche Qualitaet der Huf Haeuser bejubelt und umschwaermt. Sollten also Huf Haeuser keine Fehler haben? Stimmt der Vergleich mit Rolls Royce und Huf Haus borgt sich dieses Image zu Recht?

Gehen wir nochmal zu den Automarken zurueck. Wie wuerde zum Beispiel ein Rolls Royce Kunde reagieren, der, nachdem er im Auto fuer ein paar Monate gefahren wurde (wie schon gesagt, der faehrt ja nicht selber) auf einmal feststellt, dass, sagen wir mal, die elektrische Sitzmassage nicht richtig funktioniert. Das ist zwar kein zum Fahren wirklich notwendiges Detail, aber man hat das Auto ja auch nicht nur zum Fahren erworben sondern wollte moeglichst viel Luxus mitgeliefert bekommen. Und nun funktioniert das gute Stueck nicht mehr. Wuerde so ein Rolls Royce Kunde sich in ein Forum begeben und sich ueber die Qualitaet der britischen BMW Tochter beschweren. Und sich damit dem Gespoett und der Haeme anderer Forumsbetreiber aussetzen, die jetzt mal einem Menschen, der offensichtlich zuviel Geld hat, mal so richtig einen reinwuergen koennen? Unwahrscheinlich, oder?

Wohl wissend, dass ich mir nie einen Rolls Royce kaufen werde, so weiss ich doch, wie ich reagieren wuerde. Fragt also jemand, wie denn mein neues Auto so ist, ich wuerde jeglichen Makel unterschlagen und erzaehlen, dass dieses Auto aufgrund der herausragenden Verarbeitungsqualitaet wirklich jeden Pfennig wert ist, schliesslich reden wir hier ueber einen Rolls Royce, und da darf es einfach keine Maengel geben, das ist unmoeglich, dafuer war er einfach zu teuer. Ich wuerde ganz sicher nicht zugeben, dass auch ein Rolls Royce am Ende auch nur ein Auto ist, in unzaehligen manuellen Arbeitsschritten in den britischen Midlands erzeugt, einer Gegend, die auch fuer andere hochqualitative Produkte, wie zum Beispiel Rover oder Austin bekannt geworden ist. Und unterschlagen wuerde ich auch, dass meine Edelkarrosse zu 95% aus Materialien oder Baugruppen besteht, die auch in viel billigeren Autos verbaut werden. OK, ich wuerde mich ueber die defekte Sitzmassage aergern, aber an meinem grundsaetzlichen Verstaendnis, dass Rolls Royce die qualitativ besten Autos der Welt baut, wuerde ich nicht ruetteln. Ich habe wohl einfach nur Pech gehabt und vertraue jetzt auf das Geschick des Kundendienstes, der ja bei einem so hochpreisigen Produkt ganz bestimmt auch erstklassig ist. Soweit, so naiv.

Ich fahre ja auch keinen Rolls Royce, sondern einen schon etwas in die Jahre gekommenen Audi. Aber mit dem hat sich im Prinzip genau die oben beschriebene Geschichte abgespielt. Dieser Audi war mein allererster Neuwagen, mein ganzer Stolz, gekauft im Vertrauen, eines der qualitativ besten Mittelklassenautos zu kaufen. Dieses Image hatte Audi fuer mich schon lange, mit grosser Wahrscheinlichkeit stammt dieses Image aus meiner Zeit als KfZ Mechaniker Azubi in einer VW/Audi Werkstatt. Einen Audi durfte da nicht jeder anfassen, erst recht keine Lehrlinge mit zwei linken Haenden und dreckigen Fingern. Ein Audi war etwas Besonderes, wer in dieser Werkstatt an Audis arbeiten durfte, der stand automatisch damit auf einer hoeheren Stufe der internen Mechaniker-Hierarchy. Sowas praegt, gleich nach Bestehen der Fahrpruefung musste es einfach ein Audi sein. Und folgerichtig war mein erstes Auto dann ein Trabant, denn auch Audi kommt ja urspruenglich aus Zwickau, ich war also nahe dran an der Erfuellung meiner mobilen Autotraeume.
Ein Audi mag zwar jetzt nicht jedermanns Geschmack sein und ueberzeugte BMW oder Daimler Fans nicht hinterm Ofen hervorlocken, aber mit Bezug auf die Qualitaet und wie sich dieses Auto einfach von innen so anfuehlt, da kommt keine der anderen beiden Marken ran. Davon war ich ueberzeugt.
Irgendwann war es dann endlich soweit, ein nagelneuer Audi stand vor der Tuer, die sorgen- und maengelfreie Zeit konnte also losgehen. Und in den ersten zwoelf Monaten gab es auch nur wenige Probleme, nichts, worueber man sich aufregen muesste. Es gab:
  • Einen Riss in der Frontscheibe
  • Eine defekte Tachoeinheit, besonders schoen in der Nacht, weil das ganze Teil blieb komplett dunkel, damit war es also auch egal, dass der Tacho oder der Drehzahlmesser nicht ging
  • Einen CD Wechsler, der keine CD’s mehr findet (auch Original CD’s, fuer den Fall jemand unterstellt mir hier was)
  • Leerlaufschwankungen, besonders schoen an der Ampel, wenn das Nachbarauto glaubt, man will ein Wettrennen provozieren
Ich glaube, es haben schon Leute Neuwagen mit weniger Maengeln mit dem Verdacht auf Montagsautosyndrom zurueckgegeben. Ich war auch wirklich recht frustriert, will ich ja gar nicht abstreiten. Was stimmte denn hier nicht mit den ganzen euphorischen Testberichten und meinem eigenen Selbstverstaendnis bezueglich der hochgepriesenen Audi Qualitaet?

Habe ich damals aber entnervt Leserbriefe an Autobild geschrieben? Blogs oder Foren gab es damals ja noch nicht. Nein, habe ich nicht, denn trotz der beschriebenen Probleme, die uebrigens saemtlich kostenlos und endgueltig als Garantiefaelle behoben wurden, war das immer noch mein Traumwagen. Das Auto fuehlte sich trotz allem immer noch wie ein qualitativ hochwertiges Produkt an, nichts klapperte oder knisterte, alles fuehlte sich hochwertig an, der Motor war eine reinste Freude. Das Auto machte einfach Spass. So frustrierend diese Ausfaelle auch waren, diese konnten alle behoben werden, ab dann war Ruhe. Und inzwischen ist das Auto stolze 12 Jahre alt und hat ueber 250.000 Kilometer auf dem Buckel, ohne jeglichen weiteren Mangel.

Und jetzt kommt es zur Heiligsprechung, denn vor ein paar Tagen fuhr ein Kollege bei mir mit, ein unbeirrbarer BMW Fan. Er konnte meinen Audi mit dem nur zehn Jahre alten 5-er BMW seines Vaters vergleichen, mit nur 150.000 km Laufleistung. Hier das Original Zitat „Ich kann nicht glauben, dass dieses Auto hier aelter und mehr gefahren ist, als das Auto meines Vaters. So wie der BMW im Vergleich dazu knistert, klappert und rumpelt. Und dieser hier, man koennte glauben, der sei neu. Das Design ist vielleicht nicht mehr ganz frisch, aber ansonsten haettest Du wahrscheinlich keinen Grund, dir sehr schnell ein neues Auto zuzulegen“. Inzwischen will er seinen Vater, der seine Autos offensichtlich auch lange haelt, zu einem Kauf eines Audis bewegen. Man kann es fast nicht glauben, oder?

Worauf will ich eigentlich mit diesem Beitrag hinaus? Zuerst ging es um das Thema Marken und Image, dann ein Vergleich zwischen Autos und Haeusern. Und im letzten Abschnitt ein Bericht ueber meine Erfahrungen mit Maengeln bei einem Qualitaetsprodukt. Ich will nun aber doch noch einmal auf das Thema Hausbau zurueckkommen. Huf Haus hat ja auch schon ohne den Vergleich mit Rolls Royce einen erstklassigen Ruf beim Thema Qualitaet. Nichts anderes war bisher zu lesen oder zu hoeren. Aber auch Huf Haeuser werden von Menschen gebaut, aus Materialien, die auch andere Haushersteller verwenden. Und wichtige Komponenten, wie zum Beispiel die Heizung, werden durch dafuer besser spezialisierte Firmen hergestellt und geliefert und finden sich somit auch in Haeusern der verschiedensten Hersteller. Ganz wie bei einem Auto besteht auch so ein Huf Haus aus Tausenden Bauteilen, die zwar aehnlich wie Autos im Schutze einer Werkhalle und unter Zuhilfenahme hochpraeziser Verarbeitungsvorgaenge erzeugt werden, aber eben doch erst am Ende ein Haus ergeben und dann irgendwie als gemeinsames Ganzes funktionieren muessen. Huf scheint dabei nur wenige Fehler zu machen, der gute Ruf kommt ja nicht von irgendwo her. Aber es ist unausbleiblich, dass bei einem so komplexen Produkt eben doch hin und wieder Dinge passieren, die man bei einem Haus dieser Preisklasse vielleicht nicht erwartet haette. Muss man da wirklich viele Worte darueber verlieren? Ganz sicher gibt es doch auch nagelneue Rolls Royce auf dieser Welt, an denen nach einigen Wochen schon irgendwelche Maengel abgestellt werden mussten. Wuerde ein Rolls Royce Besitzer dann gleich einen Blog eroeffnen und seinen Frust von der Seele schreiben?

Zumindest bei Huf Haus gibt es so einen Blog aber jetzt. Der erste frustrierte Huf Haus Kunde, ueber den ich lesen konnte. Was war passiert?

Ganz zum Anfang gab es wohl schon Probleme bei der Planung und mit einem recht unfreundlichen Architekten. Huf kauft die Architekten ja extern ein, das sind also keine Huf Mitarbeiter, und in dem Fall wurde der Architekt wohl auch schnell ausgetauscht. Klingt erstmal gar nicht so uebel, aber leider war das auch nur der Anfang der Problemserie. Darueber schreibt man auch noch keinen Blog.

Die richtigen Gruende fuer den Frust kommen jetzt erst, angefangen mit der Heizung. Zuerst wurde wohl eine falsche Heizungsart eingebaut, statt Erdwaerme- eine Luft-Wasser-Waermepumpe. Das klingt nun schon fast unglaublich. Nicht nur wird im Austattungsprotokoll ueber mehrere Seiten die Heizungsart beschrieben und der Kunde gebeten, jede einzelne dieser Seiten mit den Vereinbarungen gegenzuzeichen, auch in der Zeichnung des Keller-Technikraumes haette man sehen muessen, dass eine Luftwaermepumpe recht grosse Be- und Entlueftungsschaechte benoetigt. Wenn an beiden Stellen aber wirklich eine Erdwaermepumpe vermerkt war und dann trotzdem die falsche Heizung geliefert wurde, dann ist mir echt schleierhaft, wie so etwas passiert. Wobei, mir ist auch aus dem Blog von Ric Capucho ein Bericht bekannt, in dem er beschreibt, dass er die falschen Dachziegel geliefert bekam. Er hat das aber recht locker gesehen, der Fehler fiel schnell auf und wurde ohne Murren behoben, nicht einmal ansatzweise wurde der Versuch unternommen, ihn doch noch auf die neue Dachfarbe umzustimmen um die Extratour ins Lager zu umgehen.  

Inzwischen hat auch unsere Blogschreiberin die korrekte Heizung bekommen, ich hoffe mal, das lief aehnlich problemlos ab, aber immer noch ist die Bauherrin nicht zufrieden. Die jetzt eingebaute Erdwaermepumpenanlage ist wohl nur in der Lage entweder das Wasser oder die Raeume warm zu bekommen, aber wohl nicht beides gleichzeitig. Und dazu kommt, dass sie dabei weit mehr verbraucht, als versprochen oder sogar gesetzlich erlaubt. Angegeben wurde ein Jahresstromverbrauch von 9.000 kWh fuer die Heizung alleine! Rechnet man das mal kurz nach, mit einer angenommenen Jahresarbeitszahl der Waermepumpe von 3,5 (fuer eine Erdwaermepumpe kein besonders hoch gegriffener Wert) und bei 200qm Wohnflaeche komme ich auf ueber 150kWh/(qm*a). Das sind 50% mehr als laut EnEV fuer Neubauten erlaubt! Und sogar mehr als doppelt so viel, als ein KfW70 Haus eigentlich verbrauchen darf. Wir nehmen ja mal an, dass es sich bei dem genannten Haus um eines der neuen Huf Generation „Green(R)evolution“  und somit ume ein KfW70 Haus handelt. Wie ist denn sowas moeglich?
Andere Gruende fuer den Frust sind
  • eine Dunstabzugshaube, die sich mehrfach taeglich vom Stromkreis trennt und dadurch die Digitaluhr auf Null zurueckstellt
  • die kontrollierte Be- und Entlueftung, in diesem Fall besonders komplex ist, weil mit Raumluftbefeuchtung versehen, die innerhalb weniger Stunden ein schoenes Gewaechshausklima im Haus erzeugt
  • einer der Jalousiemotoren ist kaputt, somit bleibt eine der Jalousien immer unten (besser waere wohl gewesen, der Motor haette den Geist aufgegeben, als die Jalousie gerade oben war?)
  • schlecht schliessende Balkon- und andere Tueren
  • ein 15 cm Riss in einem Balken
Ich will jetzt hier nicht den gesamten Inhalt dieses etwas anderen Blogs wiedergeben. Wer Lust hat, der kann das alles viel ausfuehrlicher lesen unter diesem Link hier http://hufhausmaengel.blogspot.co.uk/

Reichen die oben aufgefuehrten Punkte jetzt schon aus, die Qualitaet bei Huf grundsaetzlich anzuzweifeln? Fuehlt sich das Haus dadurch jetzt etwa billig an oder ist es eventuell sogar in der Konstruktion gefaehrdet? Gibt es in der Liste irgendwelche Maengel, die sich gar nicht oder nur mit einem unverhaeltnissmaessig grossen Aufwand reparieren lassen?
Ich habe den Blogbeitrag, wen wundert es, jetzt schon mehrfach gelesen, die meisten der Maengel koennte man in einer der zwei unten aufgefuehrten Kategorien einsortieren:
  • Maengel, die mit Komponenten der Ausstattung (Heizung, Lueftung, Jalousien, Dunstabzugshaube) zusammenhaengen, also mit der Konstruktion des Hauses nichts zu tun haben
  • Maengel wie schlecht schliessende Tueren, Risse im Fenstersilikon, Fliegengitter – die sich eigentlich leicht und ohne grossen Kosten abstellen lassen sollten
Noch Gruende zur Sorge? Eigentlich nicht, oder? Kann man also schon Entwarnung geben und die frustrierten Aeusserungen der Bloggerkollegen schon wegsortieren?
Vielleicht noch nicht ganz. Denn dieser Blog hat eines ganz sicher gezeigt, auch ein Rolls Royce kann aufgrund einer Haeufung an Maengeln ein ganz schoen frustrierendes Auto werden. So frustrierend, dass man mit dieser Nachricht sogar an die Oeffentlichkeit will.
Wer kennt eigentlich noch die alte Marketingweisheit, dass von zehn zufriedenen Kunden vielleicht nur ein Einziger jemanden anderen von seinen guten Erfahrungen berichtet, dass aber ein unzufriedener Kunde alleine mindestens zehn weiteren Personen von seinem Pech erzaehlen wird. Und im Internetzeitalter werden aus zehn Personen ganz schnell Tausende.

Nun ist das Verhaeltnis zwischen zufriedenen und enttaeuschten Huf-Kunden ja immer noch eindeutig auf der Seite derer, die so ein Haus sofort und bedenkenlos weiterempfehlen wuerden. Wuerde Huf aber seine Haeuser bei ebay verkaufen, dann waere die 100% bei den positiven Bewertungen jetzt futsch. Das ist zwar schade, aber auch nicht das Ende der Welt. Vielleicht ist damit auch nur ein Stueck Realitaet in unsere persoenliche Huf Geschichte zurueckgekehrt. Waren ja gerade die vielgepriesene und besungene Qualitaet und das Vertrauen, dass man mit Huf ohne Sorgen ein Haus auch dann bauen kann, wenn man sich in den meisten Wochen waehrend der Bauzeit in ueber 1.000 km Entfernung befindet, die Punkte, die wohl am ausschlaggebendsten fuer unsere Kaufentscheidung waren.

An meiner Ueberzeugung, dass wir uns richtig entschieden haben, hat der Blog-Beitrag jedenfalls nicht geruettelt. Aber vielleicht ist man ja jetzt etwas sensibilisiert worden, und dafuer danke ich der Blog-Kollegin. Wir wissen noch nicht, wie es bei unserem Hausbau am Ende laufen wird, und ich habe grosse Hoffnungen, dass sich auch bei dem beschriebenen Haus die Maengel irgendwann alle abstellen lassen und die Bauherrin nebst Familie endlich zu dem Wohnerlebnis kommt, welches man in einem Huf Haus erwarten wuerde. Schliesslich baut ja keiner ein Huf Haus, weil er mal eben irgendwo bauen und leben moechte. So ein Haus ist mit Emotionen verbunden. Und es ist die Natur von Emotionen, dass sie leicht zwischen den Extremen schwanken. Aus tiefstem Frust kann schnell wieder Begeisterung werden. 

Der Vergleich von Haeusern mit Autos hinkt natuerlich und vereinfacht doch recht stark. Aber trotzdem hat mich die Geschichte der Bauherrin an meine erste Erfahrung mit einem Neuwagen erinnert. Gekauft aufgrund der Begeisterung fuer die Marke und dem fast blinden Vertrauen in die Qualitaet des Produktes, frustriert aufgrund der hohen Anzahl an Maengeln, die zwar jeder fuer sich durchaus als Lappalie haetten durchgehen koennen, das Vertrauen wiedergewonne, weil sich die Maengel irgendwann abstellen liessen und keine neuen Maengel dazukamen. Und jetzt nach zwoelf Jahren ohne groessere Probleme ein ueberzeugter Kunde, der sich nicht vorstellen kann, jemals eine andere Marke zu fahren. Ich druecke die Daumen, dass sich das am Ende auch bei dem Haus unserer Bloggerin so entwickeln wird.

Sonntag, 3. Juni 2012

Diamanten Jubiläum

Heute war mal wieder einer der Tage, an denen man mit grossen Plaenen aufgestanden ist und am Ende doch den ganzen Tag vor dem Fernseher verbracht hat.

Der grosse Plan bestand eigentlich darin, frueh aufzustehen und mit dem Auto in die Stadt zu fahren. Dort im kostenlosen (nur Sonntags) Parkhaus parken und mit dem Zug nach London, um dort wenigstens einen Teil der grossen Queen Jubiläums-Bootshow zu sehen.

Bisher haben wir von dem Jubiläum noch nicht so viel mitgekommen. Entgegen der allgemeinen Nachrichtenlage haengen in unserer Strasse kaum "Union Jacks" an den Haeusern. Auch in den Geschaeften kamen die Blau-Rote-Weissen Farben auch nur sehr sporadisch vor und "Street Parties" gab es in unserer langweiligen Strasse auch bisher keine. Man sieht zwar vereinzelt Jugendliche und Kinder in rot-weissen T-Shirts mit der Aufschrift "Come on England", aber das hat wohl eher mit der bevorstehenden Fussball-Europameisterschaft zu tun.

Um also das Jubiläum nicht ganz zu verpassen, wollten wir heute frueh eigentlich nach London fahren. Denn schliesslich koennte das hier ja schon das letzte Jahr fuer uns hier im Koenigreich sein, und da wollten wir doch wenigstens einmal die Queen sehen. Schon vor sieben Jahren, kurz nach unserem Umzug, hatten wir uns aus genau diesem Grund einmal auf den Weg nach Windsor gemacht, die Hochzeit von Charles und Camilla stand an. Beste Gelegenheit zum "Royals Gucken".
Aus rechtlichen Gruenden musste die Hochzeit ja in einem oeffentlichen Rathaus stattfinden, ganz entgegen der eigentlichen Idee von Prinz Charles, das das gerne hinter den verschlossenen Mauern des Windsor Castle stattfinden lassen wollte. Der rechtliche Grund bestand darin, dass in England jede Hochzeit in einem offiziellen dafuer vorgesehenen Gebaeude oder Raum stattfinden muss, man waere zwar bereit gewesen, fuer diese koenigliche Hochzeit einen Raum im Schloss Windsor als offiziellen Raum zu deklarieren, aber das haette bedeutet, dass danach auch jeder andere englischen Plebs das Recht gehabt haette, in diesem Raum zu heiraten. Wahrscheinlich hat der Gedanke, in Zukunft jede Menge Proletariats-Hochzeiten im Schloss zu haben, den Prinz dann doch in das normale Rathaus getrieben, also unsere Chance, davon etwas zu sehen.

OK, wir waren zwar da, und konnten auch jede Menge koenigliche und sonstige bekannte Gesichter sehen, das waren aber alles Doppelgaenger. Immerhin waren wir nah genug dran, die lange Reihe der wartenden Hochzeitsgaeste zu sehen, die geduldig auf Einlass in das Schloss warteten. Haetten wir gewusst, wer da alles auf der Gaesteliste stand, wir haetten doch mal etwas genauer hingeschaut. So haben wir neben den Royals eben auch Elton John und David Beckham verpasst.
Immerhin konnten wir von dem Event eine Erinnerungstasse mitnehmen. Das klingt jetzt vielleicht komisch und altmodisch, ich fand die Idee aber gut, dass sich auf dieser Tasse das falsche Hochzeitsdatum befindet. Denn die Hochzeit musste kurzfristig um einen Tag verschoben werden, das ungeplante Ableben des Papstes hatte den eigentlichen Termin unmoeglich werden lassen. Und so habe ich jetzt eine Tasse, die in ein paar Jahren mal Millionen in ebay bringen wird. Ich nehme ja mal, dass die anderen Sammler die anderen x-Millionen Tassen, die allesamt das falsche Datum bekommen haben, zu meinem Gunsten irgendwann einmal fallen lassen werden.

Genau ein Jahr spaeter haetten wir wieder eine gute Gelegenheit zum Queen Gucken gehabt. Im April 2006 wanderte sie mehrere Stunden durch die Haupstrassen von Windsor und liess sich vom Volk zum achtzigsten Geburtstag gratulieren. Aber auch das haben wir verpasst, ist ja auch gemein, denn das wurde gar nicht offiziell angekuendigt. Wie soll man das dann auch wissen?

Da wohnen wir nun schon fast genau neben dem Lieblingsschloss der Queen und haben es in ueber sieben Jahren trotzdem nicht geschafft, sie wenigstens einmal zu Gesicht zu bekommen. Mehrfach waren wir als Tourist sogar zu einem Zeitpunkt im Schloss, an dem sie anwesend war, gut erkennbar durch die koenigliche Standarte auf dem Dach. Aber ausser dass man dan weniger Eintritt zahlt, weil man eh nicht in die Raeume sondern nur durch den Hof schlendern darf , hat so eine koenigliche Anwesenheit keine Vorteile. Gezeigt hat sie sich bei so einer Gelegenheit noch nie. Wahrscheinlich war sie aber eh schlecht gelaunt, weil aufgrund der unguenstigen Windrichtung wieder einmal die dicken Jumbos in 200m Hoehe ueber das Schloss hinwegdonnerten um im nahe gelegenen Heathrow zu landen. Und da es sich bei dem Flughafen um einen recht betriebsamen handelt, war da einiges los in der Luft. Dieser Laerm hat mal einen amerikanischen Touristen zu der Frage hingerissen, warum die das Schloss so nahe an den Flughafen gebaut haben. Kein Witz, das habe ich mir nicht ausgedacht, mir hat ein englischer Touristenfuehrer unter Eid geschworen, dass diese Geschichte stimmt.

Aber heute sollte es soweit sein, wir wuerden nach London fahren und uns einen gemuetlichen schattigen Platz an der Themse suchen und von dort dann die wohl tausend Boote an uns vorbeischippern sehen. Und auf einem dieser Boote, wahrscheinlich dem groessten und schoensten, wird dann eine kleine aeltere Dame stehen, das wird sie dann wohl sein. Rechts und links von Ihr ein paar stattliche Gestalten in Admiralsuniform mit ganz viel Lametta, das sind die drei Generationen Prinzenrolle. Dazu noch ein paar feine Damen unter riesigen Hueten, von denen aber nur Kate ein echter Hingucker ist. Es sei denn, die lassen auch ihre Schwester mit aufs Koenigsboot, auch die ist, wenn man mal original englischen Jugendjargon einfliessen lassen darf, recht fit. 

Leider wurde wieder nichts daraus. Denn zwei Sachen hielten uns dann doch von der abenteuerlichen Reise nach London ab. Da waere zum einen der Gegensatz zwischen geschaetzten zwei Millionen Leuten mit festen Reiseabsichten und der darauf bestens vorbereitete englische Nahverkehr. Wenn sogar der Rundfunk bereits 9 Uhr morgens meldet, dass man eventuelle Absichten einer Fahrt nach London lieber sein lassen sollte, weil die Zuege jetzt schon Passagiere auf den Bahnsteigen stehen lassen, dann muss da doch was falsch laufen. Unser Wohnort liegt an der wichtigen West-Ost-Bahnverbindung. Zuege kommen hier auf dem Weg nach London entlang des M4 Korridors an einigen groesseren Staedten vorbei, man kann sich dann wohl ausmalen, wieviel Platz in der letzten groesseren Stadt vor Endstation in London Paddington dann noch gewesen waere. Das Konzept von Sonderzuegen, wie es in Deutschland einmal fuer jede Loveparade ueblich war, kennt man hier nicht, ein koenigliches 60 jaehriges Kronjubiläum scheint noch nicht genug Anlass fuer so einen Aufwand zu sein. Und an so einem Tag mit dem Auto nach London, so bloed muesste man erstmal sein.

Der andere Grund, und das war dann letztendlich ausschlaggebend fuer unsere Entscheidung Pro-Sofa, war der Wetterbericht. Jeder hat ja von London schon seine vorgefertigte Meinung ueber das zu erwartende Wetter. Und bisher haette ich dieser Meinung immer widersprochen, denn ich kann durchaus behaupten, dass auch wir hier ab und zu den blauen Himmel sehen. Im Jahresmittel regnet es in London weniger als in Mailand, das erzaehle ich jedem, der mir seine ungefragte Meinung ueber das Wetter an unserem derzeitigen Wohnort mitteilt. Nicht, dass ich diese These je nachgeprueft haette, das habe ich wohl irgendwo mal aufgeschnappt und seitdem gehoert sie zu meinen unbewiesenen Weisheiten. Aber sicher ist eines, es war hier in England, also wir uns im Sommer 2006 eine portable Klimaanlage gekauft haben. Nur mit dieser konnten wir die Temperaturen damals in einem einigermassen ertraeglichen Bereich halten, wenn auch nur im unteren Wohnbereich. Noch nie habe ich in einer unserer bisherigen Wohnungen eine Klimaanlage vermisst. Das koennte aber auch an der besonders hochwertigen englischen Bauweise unseres Hauses liegen.

Heute jedenfalls haetten wir keine Klimaanlage gebraucht, sondern einen moeglichst grossen und stabilen Regenschirm. Heute stimmte jedes Vorurteil ueber englisches Wetter bis ins Detail. Es stuermte und goss dabei aus Kannen, es war die reinste Freude fuer einen Tag Anfang Juni. Zuerst hatten wir uns wegen unseres Zuhausebleibens noch geaergert, nachdem wir das Drama aber im Fernsehen miterleben konnten, war uns klar, dass wir eine gute Entscheidung getroffen hatten.


Taten uns die Leute leid. Manche hatten seit morgens 7 Uhr in der Naehe der Themse gehockt, und dabei hatte der Regen schon gestern abend angefangen und seitdem eigentlich nicht aufgehoert. Auf das koenigliche Schiff wurde eiligst ein Regenschutz montiert, viele der fast eintausend Boote waren aber komplett offen und dem Unwetter somit voll ausgesetzt. Die Gaeste auf den Aussichtsplattformen der Dampfer haetten sich die schicke Sonntagskleidung auch sparen koennen.

Am Ende der Parade sang trotzdem noch ein Chor unter Beihilfe des London Philharmonic Orchestra Klassiker wie "Oh Britannia" und "God Save The Queen" - unter einem Regenprassel, auf den unsere Regendusche stolz gewesen waere. Patschnass waren die, die schwarzen Anzuege bzw. Kleider klebten den Saengern schwer am Koerper. Das Makeup lief den Damen foermlich aus den Augen und die vorher sicherlich top gestylten Haare, man singt schliesslich fuer die Queen nicht jeden Tag, alles ruiniert.


Die Gruppe gab aber ihr Bestes und die haben trotz widrigster Umstaende wirklich schoen gesungen. Gefragt habe ich mich nur, wieviel davon bei der Queen angekommen ist. Was hoert man schon unter einem Plexiglasdach bei stroemenden Regen?


Am Ende der Show fand noch ein kurzes Feuerwerk statt, abgeschossen von der Tower Bridge, das verschwand aber sofort in den tiefhaengenden Wolken und legte sich kurz daraud als Dampfglocke ueber das koenigliche Schiff. Nicht, dass man ohne diese Dampfhaube sehr viel mehr gesehen haette. Da fiel das wetterbedingte Wegbleiben der Royal Air Force Flugstaffel wenigstens nicht so auf.


 
Und da ging sie nun dahin, eine unserer letzten Chancen, noch vor dem Wegzug aus England die Queen zu sehen. Um jetzt ueberhaupt noch eine Chance zu haben, muessen wir wohl anfangen, uns fuer Pferderennen zu interessieren. Mein Schwager hatte da mehr Glueck, schon nach drei Monaten in Cambridge konnte er immerhin Prinz Charles einmal die Hand schuetteln. Die Welt ist ungerecht.

Mit unserem Hausbau hatte dieser Blogbeitrag nun nicht so viel zu tun, aber wie schonmal erwaehnt, ist das hier ja auch kein reines Bautagebuch. Ich will also gar nicht erst versuchen, irgendwelche Parallelen zu Huf-Haus oder der Oberlausitz herzustellen. Ich koennte zwar berichten, dass auch die Firma Huf dieses Jahr ein Jubiläum feiert, sogar 100 Jahre, aber das ist den Huf Haus Fans wahrscheinlich eh schon bekannt. Und regnen kann es in der Oberlausitz auch ordentlich, spaetestens seit meiner Motorradtour mit angehaengter Grundstuecksuche kann ich das voll unterschreiben.


Dienstag, 29. Mai 2012

Meine Ecke

es ist immer wieder interessant, zu lesen, mit welchen Suchbegriffen man irgendwie in meinem Blog gelandet ist. Wonach manche im Internet so suchen, schon witzig. Und inzwischen kann ich mit einigem Stolz behaupten, dass recht viele dieser Suchanfragen bei mir auch wirklich die eine oder andere Antwort finden, ob diese am Ende allerdings nuetzlich war, das sagt meine Statistik leider nicht.
Es gibt aber doch einen sehr prominenten Suchbegriff, den ich bisher ganz bewusst ausgelassen habe.
Denn ich habe auch wirklich noch nicht viele Worte ueber unseren "Huf Haus Grundriss" verloren.

Die meisten Bautagebuecher, bei denen ich mitlese, haengen schon meist recht am Anfang den gesamten Grundriss aller Etagen der geplanten Haeuser in den Blog. Da guckt man dann mal kurz drauf und findet das schoen oder auch nicht, aber so richtig erschliesst sich mir nie, warum der Grundriss denn genau so wie gezeigt einmal geplant wurde. Nehmen wir doch an, dass die meisten ihre Haeuser in der Idee bauen, so lange wie moeglich darin wohnen zu bleiben. Dann muessen doch auch unendlich viele Stunden Entwickeln und Verwerfen in die Gestaltung des Grundrisses geflossen sein. Und fast nichts wird ja spaeter einmal das Wohlbefinden im eigenen Haus mehr beeinflussen, als die optimale Anordnung der Zimmer, Fenster und Tueren. Trotzdem verschwenden die meisten Baublogs nicht wirklich viele Worte zu dem Thema, sondern heften einfach eine Serie von Bildern in den Text und ueberlassen es dem Leser, sich selber einen Reim auf die Zeichnung zu machen.

OK, will ich mal versuchen, hier anders zu sein. Zeit habe ich ja genug. Zugegeben, die meisten der anderen Blogs haben auch schon genuegend ueber den jeweiligen Baufortschritt zu berichten. Doch genau da kann ich leider noch nicht viel beisteuern. Nennenswerte Fortschritte auf unserem Bauland gab es seit Monaten nicht, dort wurde noch kein einziger Grashalm umgeknickt. Betrachte ich meinen derzeitigen Fortschritt bei Baugenehmigung und Finanzierung, dann wird das wohl auch noch eine Weile so bleiben.
Weil ich aber trotzdem den Ehrgeiz habe, hier jede Woche etwas schreiben, muss ich eben das Thema der Grundrisse so richtig breit angehen. Man moege es mir nachsehen. 

Wenn ich oben behauptet habe, bisher noch nichts ueber unseren Grundriss verraten zu haben, dann stimmt das nicht ganz. Denn in einem noch nicht lange zurueckliegenden Beitrag liess ich zu dem Thema ja schon ein ganz klein wenig was blicken. Besonders die geplante Nutzung eines ganz speziellen Platzes im zukuenftigen Wohnkeller wurde dort schon einmal umrissen. Und an genau diese Stelle komme ich jetzt also nochmal zurueck und starte von hier die lange Reise durch das Haus.
Diese erste zu beschreibende Stelle ist in Wirklichkeit sogar nur eine Ecke eines recht grossen Zimmers an der Suedseite unseres Wohnkellers. Genauer handelt es sich hier um die Sued-West-Ecke des sogenannten Hobbyraumes. Das ist also genau die Ecke des Kellers, die spaeter einmal aus unserem Hanggrundstueck herausgucken wird und somit vollen Zugriff auf natuerliches Licht hat.
So sieht die laut der letzten Architekten Zeichnung in dieser Ecke aus.Nichts besonderes, oder?


Das ist ja noch nicht wirklich ein kompletter Grundriss, oder?
Aber wir sind ja auch erst am Anfang. Und trotzdem geht schon alles durcheinander. Die obige Zeichnung is inzwischen schon laengst nicht mehr aktuell. Denn in der Zwischenzeit gab alleine an dieser einen Stelle schon zwei nicht unwesentliche Aenderungen. Zum einen ist die Wand rechts, also die im Westen, jetzt eine echte Betonwand und nicht mehr komplett aus Glas. Und zum anderen gibt es an der Suedwestlichen Ecke  jetzt auch keine geschlossene Glaswand mehr, sondern neuerdings eine Glas-Fluegel-Kipp-Tuer. Gegen Aufpreis laesst sich die sogar von aussen aufschliessen und auch eine Mindest-Lichte-Breite von einem Meter und eine so niedrig wie moegliche Schwelle war mir dort sehr wichtig.

Was hat es denn nun mit dieser Tuer so auf sich, warum reite ich auf der herum? Wer den frueheren Beitrag jetzt schon gelesen hat und sich noch erinnert, der wird vielleicht noch wissen, dass durch genau diese Tuer einmal ein dickes, schweres Motorrad geschoben werden muss. Eine 330kg schwere Harley traegt man auch nicht so einfach ueber eine 10cm Tuerschwelle. Und eine lichte Breite unter einem Meter haette bedeutet, dass ich die Maschine nur nach vorheriger Demontage der Rueckspiegel ins Haus bekommen haette. Wie man sieht, alles durchdacht hier.
Wer beim Betrachten des obigen Bildes wirklich gedacht hat, "Hobby" heisst bei uns "Gewichte stemmen" der hat nur zum Teil recht. Das schwerste Stueck Eisen im Haus wird allerdings nicht auf einer Hantelbank liegen, sondern auf zwei dicken Raedern im Wohnkeller stehen. Damit bin ich dem Traum eines gewissen Wolfgang Fierek, der seine Harley am liebsten im Wohnzimmer hat, so nahe wie gekommen, wie es Ehefrauengenehmigungsfaehig war.

Wir haben also noch gar nicht richtig begonnen, die ganzen Grundrisse hier zu beschreiben, und trotzden gibt es schon die erste grundlegende Berichtigung. Unten die verbesserte Variante, diesmal mit Tuer und Motorrad. Man verzeihe mir bitte das schlechte Foto. Meine bescheidenen Kenntnisse der digitalen Bildbearbeitung liessen zu dieser spaeten Nachtstunde leider kein besseres Ergebnis zu.
Haette ich einfach so, ohne jeglichen Kommentar, den Grundriss des Architekten in den Blog kopiert, ein so wichtiges Detail wie meine zukuenftige "Motorradgarage" ware da doch glatt untergegangen. Und dabei war es dem Herrn Architekten sehr wohl bekannt, dass sich bei diese, meine Ecke nicht in ein Moechtegern-Fitness-Studio entwickeln wird. Welche Firma auch immer diese Architektursoftware entwickelt hat, ein dringender Verbesserungsvorschlag waere, unbedingt ein Motorrad als Standardmoebelstueck aufzunehmen.

Denn, ich muss ja auch ehrlich sein und zugeben, das gute Teil ist die meisten Monate des Jahres nur ein teures Moebelstueck. Immerhin eine Woche Ausfahrt konnte ich bisher pro Jahr heraushandeln, verbunden mit dem obligatorischen Vor- und Nachgezaenk. In den vielen unendlich langen Wochen zwischen diesen Ausfahrten war dann nur Staub wischen und Chrom polieren das groesste der Motorradevergnuegen. Und beide Aktivitaeten finden in Zukunft eben innerhalb des Hauses statt und nicht mehr in der zugigen Garage unter der flackernden Neonroehre inmitten von Tonnen ehemals dringend anzuschaffender und jetzt komplett vergessener Kinderspielgeraete.

Ueber die weitere Gestaltung dieses Raumes bin ich mir aber noch nicht im Klaren. Sicher ist aber, dass ich darueber wohl ganz alleine entscheiden kann, meine liebe Frau naehert sich freiwillig der Maschine nicht auf zwei Meter. Und so habe ich jetzt, noch bevor das Haus ueberhaupt gebaut wurde, schon meine persoenliche Ecke gefunden. Und mit der kann ich machen was ich will. Deshalb kommen hier jetzt auch nur meine Ideen vor, in der Reihenfolge, wie sie mir in den vergangenen Wochen so in den Sinn gekommen sind.

Was fuer Ideen gab es also schon?
Zum Glueck haben wir uns vor Wochen aus Kostengruenden bei der Westwand gegen die komplette Glasvariante entschieden. Denn die nun verfuegbare Betonwand hat so viel mehr Verwendungsmoeglichkeiten. Eine der Ideen fuer diese Ecke war zum Beispiel eine kleine Werkstatt. Die neue Wand koennte herrlich zum Befestigen von Werkzeug dienen. Probiert das mal an einer Glaswand. Und eine kleine Werkbank wuerde auch davor passen.
Warum eigentlich nicht? Zwei linke Haende sollte ich ja nicht haben, denn, ich kann es selber kaum noch glauben, in meinen wilden Jugendjahren habe ich einmal den Beruf eines Automechanikers erlernt. Das ist aber schon viele Jahre her, ich habe bei dem kurzlebigen Versuch der Ausuebung dieses Berufes dann doch recht schnell gelernt, dass ich mir Autos sehr viel lieber nur angucke, als mich im Blaumann darunterzuklemmen und mir das Tauwasser in den Nacken rieseln zu lassen. So sehr ich auch die Idee einer eigenen kleinen Werkstatt romantisch verklaere, wenn ich ganz ehrlich zu mir selber bin, das ist vielleicht doch nicht so mein Ding. Also weg damit.

Eine andere Idee waere das komplette Klischee einer Wand voll mit Postern und Regalen mit allerlei Harley Memoralien. Vielleicht noch die eine oder andere "Born to be wild" oder "Live to ride" Fahne, alles schoen in Schwarz und Orange gehalten, die perfekte Kopie der Stammkundenecke jedes x-beliebigen Harley Haendlers. Fehlt eigentlich nur noch, dass ich mir ein Tattoo wachsen und einen Bart stechen lasse. Diese Idee hielt sich doch recht lange, aber ich hasse Baerte und deswegen wurde auch das Bild recht schnell verworfen.

Mein derzeitiger Favorit fuer das Design dieser Motorradecke kommt eher aus der Kategorie Motorradreisen. Das kleine Motorrad mag vielleicht nicht wirklich viele Ausfahrten pro Jahr bekommen, aber wenn es rausgeht, dann auch richtig. Wales, Norwegen, 50 Alpenpaesse in einer Woche, fast alle deutschen Mittelgebirge, all das hat die dicke Berta schon gesehen. Und noch viele andere Ziele stehen auf der Wunschliste. Was koennte also an diese neue Betonwand besser passen, als eine taeuschend echt aussehende Fototapete mit einer Szene aus der Kategorie Motorrad-Reise-Traumziele. Stellt man es geschickt an, dann herrscht in unserem Wohnkeller in Zukunft alsbald die perfekte Illusion einer Hochalpenstrasse, oder haettet Ihr etwa gedacht, dass es sich im Bild unten um etwas anderes als eine Fototapete handelt?


Nein?
Ich schon, ist ja auch keine. Aber ganz sicher kann man sich da nie sein. Man muss halt auch ein kleines bisschen Phantasie haben. Solche Fototapeten kann man heutzutage in sehr beeindruckender Qualitaet und unglaublicher Detailtiefe im Internet bestellen. Das hat mit den Vertretern aus den Sechziger Jahren einfach gar nichts mehr zu tun. Einfach das richtige Motiv und die Groesse auswaehlen, und schon parkt man seine Maschine auf absoluten Traumstrassen, wie zum Beispiel dieser hier vom "Tal des Feuers" in der Wueste Nevadas, gefunden bei bilder-welten.net.


Ein Motorrad und eine Tapete, damit waere diese Ecke des Hauses schon so gut wie eingerichtet.
Weitere Moebel braucht es da auch nicht, eventuell nur noch ein bequemer Stuhl fuer die vielen Stunden, in denen "Mann" das Motorrad und die Tapete huldigen wird. Um dabei dann ganz langsam den Bezug zur Realitaet zu verlieren und sich dabei zu erwischen, die Chancen fuer eine echte Ausfahrt nach Nevada auszuloten.
Doch das ist wohl erstmal nur eine Traeumerei. Bis dahin bleibt das Sitzen in eben diesem Schaukelstuhl das wohl ungefaehrlichste und einzige Motorradvergnuegen. Welche Art von Bestechung ich an meine liebe Frau fuer so eine Ausfahrt aufbringen muesste, ich will es mir lieber gar nicht erst vorstellen. Eine schicke Kueche jedenfalls interessiert sie kein bisschen. Waere ja auch zu einfach gewesen, wenn meine liebe Gattin hier auch mal ueber ein paar geschlechtstypische Stereotypes verfuegen koennte.

So ich muss jetzt aufhoeren zu schreiben, die Waschmaschine ist fertig.

Mittwoch, 23. Mai 2012

Olympische Fackeln und andere Leuchten


Sehr oft in den letzten sieben Jahren habe ich mir die Frage gestellt: Wie populaer ist man als Deutscher in England eigentlich?

Es ist ja nun nicht so, dass es zwischen den beiden Nationen keine Geschichte geben wuerde. Fast taeglich laeuft auf irgendeinem Kabelsender eine Dokumentation ueber den zweiten Weltkrieg, mitten in Vergnuegungsparks befinden sich Museen mit Nachbauten von Ruinen aus dem London in den 40er Jahren, inklusive einer Simulation eines Bombenangriffs. Zur Feier des Queenjubilaeums wird am Himmel die Battle of Britain nachgestellt. In der England / Deutschland Wettkampf - Episode der beliebten Fernsehserie "Top Gear" wird das englische Moderatoren Team mit original Spitfires eingeflogen und sogar auf dem kleinen Sportflugplatz neben unserem Haus parken deutsche Weltkriegs - Oldtimerflugzeuge in original Kriegsbemalung. Komplett mit dem bekannten Kreuz.
Sogar in Kinderfilmen duerfen Fensterkit fressende Kraehen deutsche Bomben entschaerfen, einfach mal Nanny McPhee gucken und schon weiss man, dass so eine Bombe aufgrund eines akuten Niesanfalls des Piloten auch mal mitten auf einem Weizenfeld fernab jeder Zivilisation abgeworfen werden kann.
Das Bild vom boesen Deutschen. Zumindest im Fernsehen wird es noch eifrig aufrechterhalten.

Auch wenn ich wohl weiss, dass nicht alles so ernst gemeint ist, als Deutscher in England ist man wohl trotzdem gut beraten, ein "Low Profile" zu fahren. Pubs, in denen die Fussballuebertragung zwischen Chelsea und Muenchen laeuft, werden dann doch eher gemieden. Besonders beim Fussball scheint es noch eine besondere Wuerze in den Deutsch - Britischen Beziehungen zu geben, immerhin wurden bis vor kurzen noch in den Musikgeschaeften die DVD's mit der Auzeichnung eines England - Deutschland 5:1 Sieges verkauft.

Man nimmt es zur Kenntnis und das Leben geht weiter. Meine Nachbarn haben sich inzwischen an deutsche Nachbarn gewoehnt, was sollen sie auch anderes machen. Kurzzeitig wohnten alleine auf unserer Strasse insgesamt drei deutsche Familien. Das macht Mut und so haengt man zum WM 2010 England - Deutschland Spiel sogar mal die deutsche Fahne raus. Die wurde zwar prompt von besonders lustigen Nachbarn um ein paar englische Papierfaehnchen erweitert, aber das war nur eine nett gemeinte kleine Provokation.
Nach dem Spiel waren jedenfalls immer noch alle Scheiben in unseren Fenstern und nicht ein Reifen unseres Autos platt. Und das trotz deutscher Nummernschilder. Ach, und die 5:1 Sieg - DVD's wurden aus den Laeden genommen, aber das kann auch nur Zufall gewesen sein. 

Im Vergleich zum Geschehen rund um Fussballspiele ist es im Buero dann eher egal, welcher Nationalitaet man angehoert. Die deutsche Arbeitseinstellung wird hier aber sehr geschaetzt und nebenbei darf man als Deutscher auch oefter mal die Hausaufgaben der Toechter der englischen Kollegen korrigieren oder ein paar Stellen der Bedienungsanleitung unserer deutschen Firmensoftware uebersetzen.
Deutsch als Fremdsprache ist in Englands Schulen durchaus recht populaer, viel davon ins Erwachsenenleben wird aber nicht heruebergerettet. Es kommt schon oft vor, dass man den Kollegen Begriffe wie "Vorsprung durch Technik" oder "Freude am Fahren" erklaeren muss. Denn bei aller Skepsis lieben sie deutsche Autos doch wirklich sehr.

Zusammenfassend kann ich sagen, trotz der nicht enden wollenden "wir haben den Krieg gewonnen" Attituede kann man es hier doch ganz gut aushalten. Und vor wenigen Wochen stieg meine Popularitaet sogar noch um ein paar Punkte. Denn ich hatte mitbekommen, dass viele Englaender, zumindest viele meiner Kollegen bei der Verlosung der Olympiatickets leer ausgegangen waren. Denn diese Tickets wurden hier nicht einfach so verkauft, stattdessen durfte man sich auf einer Internetseite um diese bewerben. Man hat dort ein paar Sportarten ausgewaehlen muessen und musste einfach nur hoffen. Durch die Auswahl ganzer Ticketpakete konnte man seine Chancen zwar etwas erhoehen, und haette dann eventuell solche Highlights wie Unterwasser-Rugby auf seinen Olympiaprogramm, wenn das denn olympisch waere. Aber es bleib trotzdem ein Gluecksspiel, bei dem am Ende die meisten komplett ohne Karten dastanden.

Aber was ein richtiger Brite ist, der regt sich ueber sowas nicht auf. Im Gegenteil, man ist stolz darauf, dass diese Spiele im Gegensatz zu denen vor vier Jahren zur Abwechslung mit Zuschauern stattfinden und wohl ausverkauft sein werden. So ein Gezeter wie in Deutschland 2006 bei dem WM Ticketdisaster gab es hier nicht.
Aber ich wollte ja eigentlich erzaehlen, was das Ganze mit meiner ploetzlichen Popularitaet hier im Buero zu tun hat. Ganz einfach, ich war der Schluessel fuer einige meiner Kollegen zu einem Olympiaticket, wusste ich doch, dass man diese ueber das deutsche Internet ganz regulaer und ohne aufregende Verlosung kaufen kann. Man muesste halt nur ein wenig deutsch koennen. Und genau da konnte ich helfen. Haette ich mich zu einer Vermittlungsprovision durchringen koennen, es waere schon einiges dabei herumgekommen.

Aber so schamlos nutzt man die allgemeine Fremdsprachenschwaeche des Inselvolkes ja nun auch nicht aus. Vielmehr freut man sich, dass sie sich freuen und nimmt teil an der allgemeinen Aufregung, die sich so langsam aber sicher hier aufbaut. Jeden Tag berichten die Zeitungen oder das Fernsehen etwas mehr ueber die bevorstehenden Spiele, man ist froher Zuversicht, dass in London das Nahverkehrssystem zusammenbrechen wird und gibt schon Empfehlungen aus, es doch mal mit dem laufen auf dem Weg zur Arbeit zu versuchen.

Das Laufen ueberlassen die meisten Englaender aber doch eher den Anderen. Denn vor wenigen Tagen ist endlich die olympische Fackel auf der Insel angekommen und diese wird nun im Eileschritt kreuz und quer durchs Land getragen. Die Tatsache, dass die Fackel dabei ab und zu auch mal ausging, schaffte es sogar in die BBC Hauptnachrichten, man nimmt eben nichts richtig ernst hier, aber das sagte ich ja schon.

Alles koennte also bestens sein als Deutscher in England im Jahr des groessten internationalen Sportfestes mit den zu erwartenden Tausenden an Besuchern aus aller Welt. Man ist jetzt einfach ein Teil des ganzen wilden Mixes aus Nationalitaeten, die Welt zu Gast in Britannien und der eigene Pass spielt keine Rolle.

Ach ja... Ausser natuerlich, man kommt aus Deutschland. Mit Erstaunen habe ich hier eine Diskussion miterlebt, in der ernsthaft debattiert wurde, ob man diese Tradition mit der Fackel nicht einfach abschaffen und vergessen sollte, und das nur aus dem Grund, weil das ja von den boesen Deutschen zu Olympia 1936 eingefuehrt wurde. Und es sind keine betrunkenen Pubbesucher, die so reden. Denn diese wuessten wahrscheinlich schonmal gar nicht, wo eigentlich 1936 die Olympiade stattgefunden hat.

Da stehen wir also wieder und gucken betreten. Was soll man zu solchen Diskussionen auch sagen? Sollen die doch die Fackel auspusten und bei ihrer britischen Olympiade einfach drauf verzichten. Und wennman schonmal dabei ist, warum nicht auch gleich in einem Schwung alles mitverbieten, was in den dunklen dreissiger Jahren noch so in Deutschland erfunden wurde. Wer braucht schon Fernseh-Liveuebertragungen oder Volkswagen?

Ist diese Herrschaftsrassenfackel erst mal aus, wird es ein kleines Stueckchen dunkler in England. Das nehmen wir aber in Kauf, viel Licht macht so eine Fackel ja eh nicht. Das kann man also im Hinblick auf die Ausleuchtung der Insel durchaus verschmerzen. Viel mehr schmerzt vielleicht jetzt, wie ich hier gerade unter groessten Anstrengungen versuche, von olympischen Fackeln irgendwie auf das Thema Licht und Lampen in einem Huf Haus umzuschwenken. So ein Schnitt tut weh, ich kann es nachvollziehen. Aber irgendwie wollte ich schon wenigstens noch kurz erzaehlen, was es bei uns in den letzten Tagen so neues am Haus gab. Sonsten denken noch alle, die mittes des Links aus der Bautagebuchliste hier gelandet sind, sie haetten sich verklickt.

Also legen wir los. Lampen sind bei einem Huf Haus Teil des Konzeptes. So schoen eine grossflaechige Verglasung am Tag auch sein mag, nachts ist der Effekt weg und die lebenden Tapeten werden durch tiefstes Schwarz ersetzt. Und um dieser Bedrueckung zu entgehen, trifft man sich am besten mit dem Lichtberater der Firma StilArt und laesst sich durch die verschiedenen Beleuchtunsszenarien fuehren.

Wieviele Lampen braucht man denn nun? Fuer den Anfang vergleicht man diese Frage vielleicht erstmal mit einem, sagen wir mal, normalen Haus. Vielleicht sogar mit unserem Haus hier in England. Mal kurz die Raeume zaehlen, Korridor und Gaeste WC, Kueche, Ess- und Wohnbereich. Das war das Erdgeschoss. Dazu noch eine Garage und dann geht es schon oben weiter. Unser Haus ist ein sogenanntes 4 Bedroom Haus, also oben nochmal 4 Zimmer, in drei von denen passt sogar ein Bett, geradeso. Dazu kommt noch das Hauptbadezimmer. Das war es auch schon und wer haette es gedacht, unser derzeitiges Haus hat, wenn wir den Keller weglassen, genausoviele Raeume wie unser zukuenftiges Huf Haus. War mir bisher noch gar nicht aufgefallen.

OK, also unser Haus hier ist hinsichtlich der Anzahl der Zimmer gleich gross, dann sollte es doch bei der Anzahl Lampen einen guten Referenzwert abgeben.

Na dann zaehlen wir mal:

Deckenlampen: Genau eine pro Zimmer, warum sollte man auch mehr brauchen. Aussnahmen sind das obere Bad (2) und der Korridor (auch zwei). Insgesamt zaehle ich also 12 Deckenlampen. Und weil wir ja keinen Keller haben, zaehlen wir einfach mal die Garage dazu, nochmal zwei , also 14 im Total.

Wandlampen... Das sind Lampen, die an der Wand haengen. Wandlampen eben. Und dabei ist es hier jetzt mal egal, ob die nach unten oder zur Decke strahlen. Wir haben eh nur eine davon, und die ist im oberen Bad ueber dem Spiegel.

Stehlampen: zaehle ich einfach mal dazu,wir wollen ja keine Lampen unterschlagen. Wir haben zwei davon. Wobei, eine steht gar nicht mehr, die liegt schon, und zwar im Kofferraum, vorbereitet zum wegschmeissen.

Aussenlampen: Ich lasse mal die superteuren selbstaufladenden Solarlampen aus dem 99Cent Laden weg, die sind ja auch nicht wirklich am Haus sondern stecken so in der Wiese, dass man mit dem Rasenmaeher einfach drueber muss. Und ohne diese Lampen haben wir hier nur zwei echte Aussenlampen. Wobei, die vorne geht gerade nicht. Zaehlt die dann trotzdem?

Das war es auch schon, immerhin 19 Lampen inklusive der Liegelampe in meinem Kofferraum.

Klingt doch schon viel, oder? Auf jeden Fall mehr als genug, so dachte ich bisher. Nicht aber mit einem Huf-Haus.

Fangen wir hier mal mit den bereits oben beschrieben Glaswaenden an. Diese habe nicht nur das Problem, dass sie nachts schwarz sind. Sie reflektieren eigentlich auch kein Licht zurueck in den Raum sondern lassen das frecherweise einfach in die Umwelt hinaus. Will man also Licht im Raum und das Ganze auch noch mit einen schoenen Lichteffekt verbinden, sollte das Licht indirekt in die Raeume gestrahlt werden. Im Bereich der Fensterflaechen also am besten an die weisse Decke. Von dort verteilt sich das das Licht dann schoen im Raum und man bekommt den gewuenschten Effekt. Die Firma StilArt bietet unter anderem diese Lampe fuer diesen Platz an:


MINI SURF



Wieviele solcher Fensterwandelemente hat unser Haus nun? Stolze 23. Ueberbiete ich hier schon alleine mit diesen Deckenflutern die Anzahl der Lampen in unserem bisherigen Haus? Das faengt ja gut an, oder?
Und das geht auch gleich lustig weiter, denn nicht jede Zimmerseite wird ja komplett Glas. Wir werden auch normale Wandelemente haben, und dann stellt sich auch die Frage, ob man auch an den Wandflaechen die gleichen Lampen vorsehen sollte. Ob man sie als Lichtquelle wirklich braucht, sei dahingestellt, hier geht Design vor Funktion. Mit den gleichen Lampen an diesen Waenden sieht das Zimmer einfach harmonischer aus und die Lichtbestrahlung wirkt gleichmaessiger. Und damit kommen nochmal vier Lampen dieses Modells dazu.

Sind wir also schon bei 27.

Nun gibt es ja im Huf Haus auch Innenwaende, an die man eventuell ein Sofa stellen moechte. Auf dem Sofa koennte man eventuell auch mal lesen wollen und dann reicht das indirekte Licht eventuell nicht. Also wir suchen nach Lampen die sowohl die Decke als auch das Sofa anleuchten. Im Angebot von Stil Art hat uns dafuer diese Lampe besonders gut gefallen.


Diese Lampe kann man auch mit verschiedenen Farbfiltern ausruesten und damit tolle Effekte an einer weissen Wand erzielen. Da es sich hier um eine besonders schoene und repraesentative Beleuchtung handelt, kommt diese auch noch an andere besonders schoene Stellen im Haus, zum Beispiel in die Galerie. Weiterhin wollen wir auch noch eine ins Schlaf-, Lese- und Kinderzimmer (dort wahrscheinlich mit einem Farbfilter in Pink). Von dieser Lampe werden wir also 7 verbauen.

So haben wir also schonmal zwei Typen Lampen im Haus, die, die das schoene indirekte Licht machen, und die, die schoenes farbiges Licht machen und dann auch noch schoen aussehen. Es gibt aber auch die eine oder andere Stelle im Haus, in der eine Lampe vor allem eins machen soll, naemlich alles was darunter liegt moeglichst gut ausleuchten. Solche Art von Lampen braucht man in der Kueche, im Windfang und der Diele, im Hobby- und Arbeitsraum, ueber dem Esstisch und natuerlich auch in solch interessanten Raeumen wie dem Heizungskeller oder dem Abstellraum. In den beiden letzteren kann das so billig wie moeglich gehen, diese Raeume sind schliesslich rein funktional und somit ist hier das einfachste schon gut genug. OK, nehmen wir lieber das Zweiteinfachste, man will ja auch nicht nur eine lose baumelnde Fassung mit einer nackten Gluehlampe. Eine Anbauleuchte mit Neonroehren ist hier aber ausreichend. Und davon brauchen wir drei.




Die anderen Deckenlampen folgen dem Prinzip, dass sie zwar Licht machen, aber ansonsten das Design des Hauses moeglichst wenig stoeren sollten. Am besten eignen sich hier sogenannte Spotlights. Dem Lichtkonzept der Firma Stil Art folgend werden gleich stolze 26 dieser Spotlights im Haus verbaut, davon alleine 14 in den Wohnraeumen des Kellergeschosses.




Sind wir damit dann durch?
 
Noch nicht ganz. Innen fehlen noch Lampen in den Baedern, in der Ankeide, im Treppenhaus und ueber dem Esstisch.

Die Entscheidung bei den Baedern war einfach, auch diese Lampen sind auch eher funktional und sollten moeglichst wasserdicht sein. Ausserdem waere ein nicht allzu grelles Licht ganz gut, warmes Licht laesst ein unausgeschlafenes Gesicht einfach etwas schoener wirken und der Morgenschock ist dann etwas leichter zu ertragen. Bei drei geplanten Baedern brauchen wir drei dieser Leuchten: 






Die Ankleide ist uns im Vergleich fast genauso egal wie der Keller. Das einzige Problem ist, dass diese Ankleide unter der Dachschraege liegt und spaeter mit Einbauschraenken recht vollgestellt sein wird. StilArt schlaegt ein Schienensystem vor, das sieht dann ungefaehr so aus.










Das Problem der schraegen Dachflaechen stellt sich auch an einer anderen, aber viel oeffentlicheren einer Stelle im Haus. Wie leuchtet man am besten einen Esstisch aus, der zum einen unter einer offenen Galerie und damit auch noch unter der Dachschraege steht. Hinzu kommt, dass genau ueber dem Esstisch ein Dachflaechenfenster geplant wurde. Und in das bohrt man nicht so einfach ein Loch rein um einen Haken fuer einen tiefhaengenden Kronleuchter anzubringen.
Zusaetzlich stellt dieser Raum durch die offene Galerie auch noch eine weitere lampentechnische Herausforderung dar. Denn auf die spaetere Lampe wird man ja von oben herabgucken koennen. Wir sollten also nicht unbedingt eine Lampe planen, die in ihrer Groesse die Sicht nach unten komplett verdeckt. Irgendetwas Schlankes, Edles stellen wir uns hier vor. Diese Lampe hier mit dem schoenen Namen Grace ist unser derzeitiger Favorit. 





Bleiben wir noch kurz im Esszimmer. Ein besonderes Huf Haus Detail sind ja die offen liegenden Balken, und als besonders schoenen indirekten Lichteinfall sollte man Lampen in die Verkofferungsblenden planen. Eine unsichtbare Lichtquelle, die indirekt den gesamten Erker ausleuchten wird und deshalb in jedem Huf Haus eigentlich ein Muss sein sollte.


Noch einen Raum vergessen? Ach ja, das Treppenhaus. Hier ist eigentlich nur wichtig, dass die Lampen so flach wie moeglich an der Wand liegen sollten. Alles andere koennte eine Unfallgefahr darstellen, sie werden sich ja wohl nur in einer Hoehe von 1,75m befinden. Wobei, wenn ich da nochmal drueber nachdenke, eigentlich haette keiner in unserer Familie damit ein echtes Problem. Aber wer weiss, vielleicht wachse ich ja noch. 






Kurz mal gerechnet. Ich komme jetzt schon auf stolze 82 Lampen! Das ist mehr als das Vierfache unserer heutigen Lampenanzahl. So richtig hat unser derzeitiges Haus also doch nicht als Referenz getaugt.

Und bei 82 ist hier auch noch nicht einmal Schluss. Denn jetzt kommen ja auch noch die Aussenlampen hinzu. Unser heutiges Haus kommt hier mit ganzen zwei Lampen aus, im Huf Haus werden es stolze 15 sein.
Wer schonmal ein Foto eines hell erleuchteten Huf Hauses bei Nacht gesehen hat, der weiss, solche Aussenlampen sind absolut notwendig fuer den finalen bombastischen Showeffekt. Auch hier wieder die alte Regel, kein direktes Licht, sondern indirekt die Dachueberhaenge und die Waende anstrahlen. Und somit das ganze Haus zum leuchten bringen.









Wer haette also gedacht, dass man in einem einzigen Einfamilienhaus 97 Lampen unterbringen kann?
Wenn ich die alle spaeter mal gleichzeitig anschalten sollte, wird man unser Haus vom Weltraum aus sehen. Wir werden heller strahlen, als der Stern von Muecka. (Muecka ist ein kleiner Ort in der Lausitz, die haben sich Dank einer umfangreichen Zuwendung aus Solidaritaetsbeitraegen Radwege in jede moegliche Himmelsrichtung gebaut und dabei alle 5 Meter eine Strassenlaterne angebracht. Nachts leuchtet das so hell, dass das Ganze aus dem Weltraum aufgrund der Ausrichtung der Radwege eben wie ein Stern aussehen muss. Nachgeprueft hat das aber noch niemand. Wenn ich das naechste mal Spacenight auf Bayern Alpha gucke, passe ich da mal fuer euch auf)

Also eine ganze Menge Lampen, und fuer die sollte man einiges im Budget uebrighalten. Wohl wissend, dass Huf auch bei den Lampen keine Billigware anbieten wird, preislich kann man ohne Probleme beim  Gegenwert eines gut ausgestatteten Mittelklassewagens landen.

Wobei alles it relativ. Fuer das Geld bekommen wir nicht nur eine ganze Reihe Lampen sondern auch ein voll ausgearbeitetes Beleuchtungskonzept. Und vergleicht man den Preis hier mit dem, den so eine olympische Wanderfackel gerade bei ebay erzielt hat, dann ist der Preis bei Huf geradezu lachhaft niedrig. Schlappe 193.000 britische Pfund hat gestern ein Verrueckter fuer so eine Fackel bezahlt. Ob der diesen Preis auch geboten haette, wenn man ihm vorher gesagt haette, dass die Idee zu der Fackel einmal von den Nazis kam?

Dienstag, 15. Mai 2012

Was man sagen sollte....

.... wenn man mit sich selber spricht

Diese Woche habe ich es mir sehr schwer gemacht, ein Thema fuer den Blog zu finden. Nicht, dass ich keine Ideen mehr haette. Die gehen mir wohl noch fuer eine ganze Weile nicht aus. Aber irgendwie wollte nichts so recht aufs Papier kommen. Oder besser, auf den Laptop.

Was ist der Grund fuer meine Schreibsperre?

Soviel kann ich schon vorwegnehmen. In diesem Monat hatte ich echt anderes im Kopf. Der Mai 2012 wird mit Sicherheit einen ganz besonderen Stellenwert in unserer privaten Familiengeschichte bekommen. Er wird uns als der Monat der Vorfreude und der Erleichterung, aber auch der Angst und der Unsicherheit in Erinnerung bleiben. Geht Euch das auch so, dass manche Monate irgendetwas Magisches zu haben scheinen? Viele Wochen und Monate passiert fast gar nichts und dann gleich alles auf einmal. Und das Ergebnis ist ein Mix aus Gefuehlen hervorgerufen durch unterschiedlichste Einfluesse. Aber dazu spaeter.

Vielleicht habt Ihr euch schon ueber den komischen Titel des heutigen Beitrages gewundert? Das ist der Titel eines erfolgreichen Selbst-Motivations-Buches aus den Achtzigern, eines der vielen Buecher, die einem einreden wollen, dass, wenn man nur positive Gedanken in sein Gehirn erlaubt, alles am Ende auch gut gehen wird und man sich auf den sicheren Weg zum Erfolg befindet. Das lag bei uns im Buero rum, und nach zoegerlichem Blaettern ist das inzwischen meine Bibel.


Jetzt meint Ihr sicher, ich bin endgueltig verrueckt geworden. Verfalle ich hier einem amerikanischen Motivations-Guru und fange auch noch an, andauernd mit mir selbst zu reden?
OK, verfallen ist ein starkes Wort, aber das Ding liest sich wirklich recht interessant und die ganze Zeit hat man das Gefuehl, dass man alles dort Beschriebene eh schon wusste, aber eben nie wirklich anwende. Das Buch empfiehlt im Prinzip, dass, wenn man schon mit sich selber redet, man wenigstens kontrollieren sollte, was man sagt. Dann muss man nur noch auf seine innere Stimme hoeren und schon wird man auch bald zu der Gruppe Menschen gehoeren, die immer Glueck zu haben scheinen, denen alles zufaellt.
Auf jeden Fall sollte man in diesen Selbstgespraechen vermeiden, sich auf die potentiellen Gruende fuer ein moegliches Scheitern eines Projektes zu konzentrieren. Diese Gedanken also gleich komplett streichen, kein "Was waere wenn..?" Anstattdessen sollte man sich besser noch einmal die Fakten, Ergebnisse und das bisher Erreichte vor Augen fuehren, die uns schon bisher ein gutes Stueck auf dem Weg zum Zieles gebracht haben. Also einfaches Motto, alles wird Gut. Man muss es sich nur staendig selber einreden und mit Erfolgen aus der Vergangenheit belegen.

Hat der Mai jetzt eine neue philosophische Seite in mir hervorgebracht? Warum brauche ich auf einmal Motivationsbuecher, um auch weiterhin an den Erfolg unserer Baustory zu glauben? Bisher ging es doch auch ohne diesen Quatsch und trotzdem haben wir einiges geschafft. Wir haben Bauland gekauft, uns fuer eine Baufirma entschieden, die Planung fuer das Haus abgeschlossen, den Kaufvertrag unterschrieben und uns auch in der Austattung mehr oder weniger festgelegt. Alles bestens also, oder?
Wie sollte das ein einzelner Monat denn noch toppen?

Wer meinen Blog bisher schon verfolgt hat, der wird sich vielleicht erinnern, dass unser Huf Haus Projekt mehr als nur ein Hausbauprojekt sein wird. Das Haus ist hier nur das i-Tuepfelchen, die Sahne auf dem Eis. Es ist ein Teil der Motivation in unserem Projekt der Rueckuebersiedelung nach Deutschland. Immerhin neun Jahre haben wir im Ausland, davon sieben in England.
Jetzt soll es also zurueck gehen, kein ganz leichter Weg, aber der Gedanke an unser zukuenftiges Leben in einem Huf Haus in einer so reizenden Gegend Deutschlands spornt uns schon maechtig an.
Nun stellt so ein Huf Haus in diesem Projekt auch noch eine ganz besondere Herausforderung dar. Zum einen ist es um einiges teurer, als ich jemals getraeumt hatte, fuer ein Haus auszugeben. Aber dafuer gibt es ja schliesslich Banken, denen man nur irgenwie glaubhaft machen muss, dass man sich das Ganze schon irgendwie leisten kann. Leider bisher ohne Erfolg, denn deutschen Banken sind englische Arbeitsvertraege nicht ganz geheuer. Wenn man ein ganz normales ortsuebliches Haus bauen wuerde, eins, das beim Wiederverkaufswert im ortsueblichen Rahmen liegen wuerde, dann koennte man vielleicht nochmal reden. Aber ein Huf Haus in der Oberlausitz? Bleiben Sie mal mit beiden Fuessen am Boden. So ein Haus ist nichts fuer Traeumer. Da koennte ja jeder kommen. Morgen wollen Sie wohl auch noch einen Kredit fuer eine Zwanzig-Meter Yacht auf dem Olbersdorfer See? Und um das ganze nun noch richtig kompliziert zu machen, dann legen wir auch noch eine strenge Gestaltungssatzung oben drauf. Logisch, dass wir Ihnen davon erst verraten, nachdem die Unterschrift beim Notar getrocknet war.
So, unser Huf Haus in der Oberlausitz steht also hinsichtlich Finanzierung oder Baugenehmigung auf sehr wackeligen Beinen.

Aber ich will ja positiv bleiben. Wir lesen ja schliesslich ein Motivationsbuch. Und da wir den Lehren des Buches eben glauben, haben wir das Projekt trotzdem vorangetrieben. Alles wird gut werden, wenn wir nur fest genug daran glauben. Notfalls haben wir ja noch die Ruecktrittsklausel im Huf-Kaufvertrag. Das Motivationsbuch sagt ja nicht, wir sollen auch noch naiv sein. So ein Bauland wird sich auch wieder verkaufen lassen, irgendwann. Und wenn nicht, auch gut. Das Land gibt einen klasse privaten Rodelhang her, und wer hat das schon. Wir koennten sogar in Erwaegung ziehen, doch in England zu bleiben. So schlimm ist es hier auch wieder nicht, das Leben wuerde auf jeden Fall weitergehen. Wer sagt denn, dass es meiner Familie in Deutschland ueberhaupt gefallen wuerde?

Ich koennte also ganz gelassen sein. 

Doch damit ist es nun langsam vorbei. Es scheint langsam Ernst zu werden.
Innerhalb nur einer Woche gab es gewisse Entwicklungen, die dem Projekt Umzug mit Huf Haus einen ordentlichen Kick geben koennten. Es sind Prozesse in Gang gesetzt worden, die nicht mehr ganz so leicht umkehrbar sein koennten. Vorausgesetzt, die juengsten Entwicklungen zeigen die erhofften Ergebnisse, dann ist es mit der Idee eines Abbruchs des Projektes wohl vorbei. Dann ist Schluss mit Lustig. Dann muessten wir Farbe bekennen und dem schoenen theoretischen Gedankenspiel an ein Leben in Deutschland wohl eine echte praktische Umsetzung folgen lassen. Alles andere waere jedenfalls furchtbar peinlich.  
Was ist passiert?

Das Ganze haengt natuerlich mit meinen oben bereits beschriebenen Problemen mit der Finanzierung und der Baugenehmigung zusammen. Habe ich etwa beides? Nein, so schnell dreht sich die Welt nun doch nicht, aber reden wir erstmal darueber, warum ich vielleicht doch ein klein wenig optimistisch sein darf.

Es gibt erste zaghafte Lichtblicke bei meiner Chance auf einen deutschen Arbeitsvertrag! Und ein deutscher Arbeitsvertrag bedeutet eine Chance auf eine Finanzierung. Dann ist sogar egal, wie teuer das Haus ist, vorausgesetzt, das deutsche Gehalt entspricht den Erwartungen der Bank. Wer genug verdient, kann wohl jedes Haus finanzieren. Nur, wieviel ist genug?
Bisher haben wir immer mit einer Finanzierung gerechnet, die in ihrer monatlichen Belastung ungefaehr der  Hoehe unserer englischen Mietkosten entspricht. Leider interessiert so eine Rechnung eine Bank nur wenig. Wenn die kein leicht verkaeufliches Haus als Sicherheit kriegen koennen, dann wollen Sie nur eins, naemlich sichergehen, dass man sich fuer den Fall der Faelle die ausstehenden Tilgungszahlungen vom Gehalt des Schuldners holen koennte. Ist doch schoen, wenn man hoert, wie sich die Banken um unser Wohlergehen sorgen.
Da wir es in England offensichtlich bisher geschafft haben, nach Abzug der stattlichen Miete auch noch die anderen Lebenshaltungskosten zu meistern, machte mir die Finanzierung eigentlich wenig Sorgen. Blieb nur die grosse Unbekannte; wie sieht das mit einem deutsche Einkommen aus? Die Oberlausitz ist ja  oekonomisch nun nicht wirklich mit dem reichen Westen Londons zu vergleichen. Nur weil mein Einkommen in England fuer eine unverschaemte Miete reicht, heisst ja nicht, dass es bei einer aehnlich hohen monatlichen Kreditbelastung bei einer Huf Haus Finanzierung genauso ist.
Das ist ein ganz schoenes Dilemma. Dazu kommt auch noch, dass ein neuer Arbeitsvertrag ja mit grosser Sicherheit eine Probezeit beinhaltet. Und auch das finden Banken gar nicht lustig.
Zum Glueck gibt es einen Ausweg, und dieser liegt in einer verbalen Zusage meines Arbeitgebers, mich in ein deutsches Arbeitsverhaeltnis mit einem hohen Anteil Heimarbeit zu ueberfuehren. Und das ganze ohne Probezeit. So viel Glueck muss man erstmal haben!  Den unglaeubigen Blick meiner Mutter konnte ich sogar durchs Telefon sehen.
Jetzt handelt es sich bei meinem Arbeitgeber aber um keinen ganz kleinen Laden. Und je groesser die Firmen werden, um so mehr Leute koennen bei solchen Personalentscheidungen mitreden und mitentscheiden. Es gibt fuer alles vordefinierte Prozesse und Ablaeufe, die jeweiligen Abteilungen muessen in der genau richtigen Reihenfolge befragt und um Zustimmung gebeten werden. Und sowas dauert.

Aber jetzt ist Mai, der Monat, in dem dieser Prozess endlich offiziell begonnen wurde. Bisher war alles nur verbal und unverbindlich. Es gab muendliche Zugestaendnisse der britischen Vorgesetzten und sogar die netten Damen vom Personal konnten trotz anfaenglichem Gezicke zur Zusammenarbeit ueberzeugt werden. So leicht lassen wir keinen von der Insel runter. Verbale Zusagen sind zwar schon viel wert, aber etwas schriftliches durfte ich nie bekommen. So eine schriftliche Absichtsaerklaerung haette vielleicht sogar schon fuer eine Finanzierung des Hauses gereicht, aber nein, da war nichts zu machen.
Leider habe ich schon ein paar Beispiele gesehen, die mir zeigten, dass verbale Zugestaendnisse bei einer Veraenderung der Gesamtsituation nicht viel Bestand haben. Dem Klima der derzeitigen Weltwirtschaftslage sei es gedankt.
Also muss etwas schriftliches her. Und genau in dem Moment, als ich das hier gerade schreibe, feilt mein Chef gerade an einer Stellenbeschreibung fuer eine neue Position in seinem Team am Standort Deutschland, und auf diese darf ich mich dann offiziell bewerben. Ich bewerbe mich also um meine eigene Stelle, nur eben in einem anderen Land. Klingt wie eine Formalitaet, ist es aber nicht, denn das ganze wird richtig mit Vorstellungsgespraech und allem drum und dran laufen. Hoffentlich muss ich keine Bewerbungsfotos machen!
Schon aufregend, oder? Soll ich es noch aufregender machen? Das ganze wird hier als echte Stellenauschreibung laufen muessen, den Standardprozess sei es gedankt. Und wenn ich Pech habe, bewirbt sich intern irgendeine andere Nase um meinen Posten. Dann wird es richtig spannend.

Aber Moment. Was rede ich da? Ich muss besser aufpassen, was hier fuer Gedanken in meinem Kopf herumschwirren. Es wird einfach keinen anderen Bewerber auf diese Stelle geben, die deutsche Personalabteilung wird an meiner Person nichts auszusetzen haben, ich werde die Stelle bekommen, den deutschen Arbeitsvertrag erhalten und das Gehalt wird fuer die Finanzierung und einen angenehmen Lebensstandard reichen. Basta. Das soll bitte schoen auch meine innere Stimme endlich einsehen und mir bei meinen Selbstgespraechen nicht immer so eine Angst machen.

Eigentlich sind diese Entwicklungen beim Thema Finanzierung und deutscher Arbeitsvertrag ja schon genug Aufregung fuer einen Monat. Aber es ist ja Mai, der Monat in dem alles geht. Der Wonnemonat, der die Energie in die mueden Knochen zurueckbringt, die Grillsaison startet, die Hexen sind verbrannt, alle Blumen bluehen, Manchester City wird Meister und das Gras waechst. Kurzum der beste Monat also, um sein Glueck auch ein wenig herauszufordern und seinen Antrag zur die Baugenehmigung abzuschicken. Eine weise Entscheidung unseres Architekten. Fruehlingsgefuehle im Amt werden bestimmt bewirken, dass das Papier einfach nur durchgewunken wird. Hurra, die Welt ist bunt!

Aber erstmal zu den Fakten, denn vorgestern kam der Antrag als Kopie bei uns an, ein dicker Packen voller Formulare, Berechnungen, Lageplaene und Baubeschreibungen. Derselbe Stapel in sogar dreifacher Ausfuehrung tuermt sich gerade bei einem fruehlingshaft gut gelaunten Sachbearbeiter in der Bauaufsichtsbehoerde des Landkreiss Goerlitz. Und weil der Mensch so gut gelaunt ist, will er auch andere an seiner Freude teilhaben lassen und setzt wohl bald einen Prozess in den Gang, gegen den der Prozess zum Aufsetzen eines Arbeitsvertrages in unserer Firma aussieht, als haette man nur einen neuen Bleistiftanspitzer bestellt. Alleine die zu erwartende Anzahl Personen, die in so einem Baugenehmigungs-Entscheidungsprozess involviert werden, sprengt jegliches Vorstellungsvermoegen. Neben der Bauaufsichtsbehoerde werden auch unsere bereits bekannten Sachbearbeiter im Bauamt in Grosschoenau mitreden duerfen, dann geht das auch noch an das Amt fuer Denkmalschutz, die Naturschutzbehoerde und so weiter. Das ganze Unterfangen mit nur drei Kopien anzugehen, war wohl recht optimistisch. Ich hoffe aber, unser Architekt hat sich da vorher schlau gemacht.
Beim Bauamt in Grosschoenau hatten wir ja schon etwas vorgearbeitet und unser Projekt persoenlich vorgestellt. Wir wissen also schon, dass sich der technische Ausschuss des Ortes positiv zum Vorhaben geaeussert hat und wir kennen auch die Meinung des Walterdorfer Ortschaftsrates. Denn im ehemals eigenstaendigen Ortsteil Waltersdorf wird das Haus ja einmal stehen, und zu wissen, dass die zukuenftigen Nachbarn das Projekt nicht ablehnen, ist schon ein gutes Gefuehl.

Trotzdem bleibt da eine gewisse Rest-Angst. Was waere denn unsere Option fuer den Fall einer Ablehnung? Die sehr strenge Gestaltungssatzung haette ja schon das Potential, unserem Haus das Leben recht schwer zu machen, und das trotz unserer Bemuehungen, dieser mit einem Huf-untypischen Dachwinkel und Dachdeckung entgegenzukommen. Wir haben sogar typisch Oberlausitzer Kopfbaender in die Holzrahmen geplant, damit sieht das ganze sogar ein klein wenig wie ein Umgebindehaus aus.
Was aber, wenn der Dachueberhang, den Nachbarn der gleichen Strasse aber offensichtlich auch schon einmal genehmigt bekommen haben, oder die Ausrichtung des Hauses, die zwar parallel zum Nachbarn und damit die einzig sinnvolle Ausrichtung ist, aber, weil nicht parallel zur Strasse, eigentlich der Satzung widerspricht, doch der Stein des Anstosses sein sollte. Wie reagiert man dann?
Hat schonmal jemand ein Huf Haus nicht durch die Baugenehmigung bekommen? Sogar mein Herr Hufhausverkaeufer konnte sich an keinen solchen Fall erinnern, aber er wollte mir ja aus berechtigten Gruenden auch keine Angst machen. 
Aber Bangemachen geht jetzt nicht mehr. Das Haus ist wie geplant zur Genehmigung vorgelegt worden. Ab jetzt heisst es Hoffen. Hoeren wir in drei Monaten nichts von der Behoerde, dann ist der Antrag genehmigt, dann gilt die Baugenehmigung als automatisch erteilt. Aber darauf spekulieren wir mal lieber nicht.
In der Zwischenzeit versuchen wir es eben nur mit der Kraft der Gedanken irgendwie positiv zu beeinflussen. Wir stellen uns ganz stark das Bild vor, wenn das Haus so wie geplant bezugsfertig auf dem Huegel steht. Was koennen wir auch sonst machen?

Der Monat Mai hat es wirklich in sich. Dem werden mir einige meiner werten Leser bestimmt jetzt schon zustimmen. Aber wird er deshalb gleich zu einem unvergesslichen Monat in der Geschichte unserer Familie werden? Ungewissheit und Unsicherheit, Angst und Vorfreude... das sind zwar alles Komponenten unserer derzeitigen Gemuetslage, aber geben wir dem Gehmigungs- und Finanzierungsprozess hier nicht etwas zuviel Gewicht? Werden wir uns in 20 Jahren wirklich noch an den Monat erinnern, in dem wir unseren Antrag auf Baugenehmigung eingereicht haben? Wohl eher nicht.

Trotzdem ist sicher, den Monat Mai 2012 wird unsere Familie nie vergessen. Denn vor wenigen Tagen bin ich auf einen Schlag zweifacher Onkel geworden. Zwillinge in unserer Familie, das hat es vorher noch nie gegeben. Allesamt sind gesund und putzmunter. Und dabei hat meine Schwester noch nicht einmal etwas von so einem komischen Buch aus Amerika gehoert, das hat auch ohne Selbstmotivation geklappt.
Ein aufregender Moment, der die ganzen Sorgen um eine Baugenehmigung oder Finanzierung wieder auf einen normalen Stellenwert zurechtrueckt.
Na dann ist doch alles bestens.