Donnerstag, 26. Juli 2012

Jetzt wird es warm....

Hatte ich nicht noch vor wenigen Wochen ueber das schlechte Wetter in England geklagt und stolz Zeitungen zitiert, die uns Regen bis September versprochen haben? Hatte ich nicht auch ueber die gute Chance auf verregnete Olympische Spiele gelaestert? Ja, ich erinnere mich... und nehme jetzt alles wieder zurueck.

Denn derzeit ist es hier bruetend heiss. Also fuer englische Verhaeltnisse. Wann hatten wir hier das letzte Mal eine Temperatur ueber 30 Grad? Ich kann mich beim besten Willen nicht daran erinnern.
Endlich ist Sommer. Es fuellen sich die Hinterhoefe der Pubs in denen sogar ein klein wenig Biergartenstimmung aufkommt. Im Buero stoehnen alle ueber die nicht funktionierende Klimaanlage und seit heute weiss ich sogar, dass ich am Versagen dieser Anlage eine Teilschuld trage. Schliesslich bringe ich wohl mit meinem permanent geoeffneten Fenster die ganze Regelung durcheinander. Wenn das so weiter geht, dann erwerbe ich vielleicht wirklich noch eine Tube Sonnencreme, das waere das erste mal in sieben Jahren England. Oder ich passe mich einfach dem knallig roten Sonnenbrand-Look meiner englischen Landsleute an.

Sommer, Hitze, Urlaubszeit, Sonnenbrand - nicht wirklich der beste Zeitpunkt um ueber das Heizungssystem in unserem zukuenftigen Haus zu schreiben. Aber was soll ich machen? Da ich bei der etappenweisen Beschreibung des Grundrisses unseres Kellers damals die Richtung entgegen des Uhrzeigers eingeschlagen habe, kommt als naechster Raum jetzt eben der Heizungsraum. Und da muss ich jetzt durch.

Doch zuerst muss ich noch am Treppenhaus vorbei. Das wollte ich zuerst gaenzlich ueberspringen, einem Treppenhaus muss man ja nun wirklich keinen ganzen Blogbeitrag widmen. Ausserdem habe ich ja in den oberen Stockwerken noch weitere Gelegenheiten, einen Text ueber das Treppenhaus zu schreiben. Denn das ist das Besondere an so einem Treppenhaus, das findet man echt in allen Etagen. Und im Prinzip ist dieser Raum, wenn man es denn als Raum bezeichnen moechte, in allen Etagen fast identisch.

Aber eben nur fast, denn im Keller hat das Treppenhaus noch eine kleine Besonderheit. Es gibt da etwas toten Raum unter der Treppe. In einem normalen Haus wuerde dieser Ort wohl mit grosser Sicherheit zu einem Abstellplatz werden. Der beste Platz fuer ein Fahrrad oder irgendwelchen anderen Geruempel. Streusand koennte man hier auch gut parken, im letzten Beitrag habe ich ja ueber unsere wohl recht steile Auffahrt geschrieben. Aber ein Huf Haus ist ja nun kein normales Haus, hier wird jede Ecke durchgestylt. Und prompt hatte ich das Angebot der Firma StilArt in der Inbox mit solchen schicken Bildern eines Einbauschrankes:




Leider gibt es solche Schraenke bei dieser Firma nicht wirklich billig, auch wenn die Gegenleistung schon eine sehr ordentliche Qualitaet hat. Zumindest am Anfang ist diese Investition einfach nicht drin.

Desweiteren wird unsere Treppe auch nicht diese schoene Holzstufenvariante haben. Diesmal aber nicht nur aus finanziellen Gruenden. Wir bleiben beim Teppich, den gibt es in der Grundausstattung inklusive. Bei einer Holztreppe waere am Ende aus Gruenden des Holzschutzes und der Rutschgefahr wohl eh doch wieder ein Teppich auf den Stufen gelandet. Und das sieht dann auch wieder komisch aus.
Das soll es jetzt aber auch zum Thema Treppenhaus gewesen sein. Ausser, dass sich Huf Haus Treppen hervorragend zum Wechseln zwischen den einzelnen Stockwerken eignen, kann ich wirklich nicht viel Kluges zu diesem Thema schreiben. Also schnell in den naechsten Raum, dem Heizungsraum, da wollten wir ja eh hin.

Doch auch hier geht mein Dilemma weiter. Was soll ich denn ueber Heizungen schreiben, was nicht schon in hunderten anderen Blogs, Foren oder Fachzeitschriften lang und breit beurteilt wurde. Egal wie gut ich das Thema auch recherchieren wuerde, ich kann mir trotzdem nicht vorstellen, dass in meinem Blog am Ende sehr viel neues oder einzigartiges zu finden waere. Um hier nicht vollends in das Kopieren ganzer Fachtexte zu verfallen, belasse ich es lieber bei den mir bekannten Fakten und den Fragen, die sich bei unserer Heizungsauswahl stellten.

Welche Fakten kenne ich also? Da waere zum ersten natuerlich die Heizungsart. Im Standard kann man sich bei Huf zwischen einer Luft-Waerme-Pumpe und einer Erdwaermepumpe entscheiden. Beide Heizungstypen werden hier normalerweise im Haus aufgestellt, man muss also den Platz dafuer beim Planen vorhalten. Eine Luft-Waerme-Pumpe koennte wohl auch auch ausserhalb des Hauses stehen, wenn man den Platz auf dem Grundstueck hat und seinen Nachbarn mit den Abluftgeraeuschen auf die Nerven gehen will.
Und Krach wird so eine Anlage sicher ordentlich machen, denn in den kalten Winterwochen muessen da so einige Kubikmeter Luft durch. Alles in der Hoffnung, dass sich dieser auch bei -20 Grad noch in irgendeiner Weise irgendwelche Waerme entziehen laesst.

Aber vielleicht gewoehnt man sich irgendwann ja auch an dieses permanente Staubsaugergeraeusch im Garten / Haus. Das Abluftgeraeusch ist aber trotzdem ein Minuspunkt fuer eine Luft-Waerme-Pumpe - wenn auch sicher nicht der wichtigste. Als eigentliches Argument gegen so eine Anlage wird eher die Wirtschaftlichkeit und der schlechtere Nutzen fuer die Umwelt gesehen. Denn genau wenn es aussen so richtig schoen knackig kalt ist, sollte die Waermepumpe ja die meiste Waerme liefern. Da hat es eine Erdwaermepumpe natuerlich um einiges leichter, denn im Gegensatz zur Luft bleibt es in den tieferen Tiefen der Erde auch im Winter ertraeglich warm. Und bei so einer Erdwaermepumpe pfeift auch nichts, uns war also recht schnell klar, welche Heizung wir bevorzugen wuerden.

Nun es stimmt schon, dass Huf keinen Preisunterschied fuer die beiden Heizungsarten macht, allerdings zwingt so eine Erdwaermeanlage noch einer weiteren nicht zu unterschaetzenden Investition. Man muss ja irgendwie der Erde die Waerme mittels eines Tiefen- oder Flaechenkollektors entziehen, und das ist im Huf Haus Preis eben nicht inklusive. Irgendwo hoert der Standard da auch mal auf, klingt es mir noch in den Ohren.

Es gibt also im Prinzip diese zwei Moeglichkeiten, der Erde Waerme zu entziehen. Entweder in der Flaeche, wenn denn man ein grosses Grundstueck hat. Oder man geht in die Tiefe.

Jetzt waere ein Flaechenkollektor auf meiner Biotop-Wiese genehmigungstechnisch ganz sicher eine richtige  Herausforderung geworden. Bestimmt haette ich schon mit dem Antrag fuer recht viel Heiterkeit bei der Naturschutzbehoerde gesorgt. Nur gut, dass wir schon vom Bauamt eine eindeutige Warnung bekommen haben, somit blieb uns diese Blamage wenigstens erspart. Bleibt also nur die Tiefenbohrung. 

Diese braucht zum einen erheblich weniger Platz und fuer die Ausfuehrung sind nur zwei Voraussetzungen notwendig. Zum einen muss sich der Boden dafuer erstmal eignen und dann braucht man auch noch eine Schachterlaubnis. Glueck auf.

Wie aber kann man erfahren, ob sich ein Boden fuer eine Erdwaermepumpe eignet oder nicht? Zum Glueck hatten wir ja schon einmal gewisse Fragen an die Art und Weise unseres Baugrundes und uns vor Monaten schon um ein Bodengutachten gekuemmert. Dieses fristete bisher ein recht einsames Leben im hinteren Teil unseres Hausbauordners, aber jetzt wurde dieses Heftchen auf einmal doch interessant. Und was fanden wir da? Ab zwei Meter verfestigt sich der Boden bis zur Klasse 6 und kann dann langsam in Fels uebergehen. Das klingt aber auch nicht gut fuer eine Tiefenbohrung, so wuerde ich als Laie hier urteilen. War es das dann schon mit unserer Erdwaermepumpe? Sollten wir schonmal anfangen, unseren Staubsauger in der Nacht laufen zu lassen, damit uns spaeter das Luftpumpengeraeusch nicht mehr so stoert?

Zum Glueck sah das der Herr Dr. Bodengutachter doch anders. Er wurde fast euphorisch, als ich ihm die Idee einer Tiefenbohrung fuer eine Erwaermepumpe beschrieben habe. Beste Voraussetzunge seien das, Fels waere super waermeleitfaehig und mit den modernen Bohranlagen sei es ueberhaupt kein Problem, da ein Loch hineinzukriegen. Sieh mal an, so kann man sich taeuschen. Dass man in einen Felsen nicht bohren kann, darauf haette ich gewettet. Schliesslich habe ich mich nach mehrmaligem Genuss des Filmes "Armageddon" schon so etwas fuer einen Tiefenbohrfachmann gehalten. So kann man sich taeuschen. 

Netterweise gab der Kollege auch gleich eine Empfehlung fuer eine Spezial-Tiefbau-Firma mit, Klasse Service. Aber was genau fragt man so eine Firma, wenn man erstmal nur ein Angebot moechte. Ich haette da gerne mal Loch... Oder brauche ich zwei? Und was, wenn die fragen, wie tief dieses Loch denn sein soll? Fragen ueber Fragen.

Hilfreich waere es, wenn man zuerst einmal die geplante Leistung der Heizung kennen wuerde, aber von dieser Zahl waren wir noch Monate entfernt. Immerhin konnte der nette Herr Huf - Heizungsberater da eine Faustformel liefern, die so einfach war, dass ich sie schon wieder vergessen habe. Diese Formel ergab dann eine Zahl und mit dieser Zahl liess sich dann ein Angebot anfordern.

Das Ergebnis:

Bei einer geschaetzten 10kW Heizungsanlage wurden zwei Bohrloecher mit jeweils 75 Metern errechnet, bei 12kW sind diese Loecher dann schon 90 Metern tief. Fuer einen Meter Loch kann man mit ca. 40 Euro rechnen, dazu kommen noch fixe Kosten fuer Anfahrt, Anschluss und Material sowie das Befuellen mit dem Frostschutzmittelgemisch. Alles in allem ist diese Bohrung im 2x75 Meter Angebot fuer ca. 10.000 Euro und im 2x90 Meter Angebot fuer ca. 12.000 Euro zu bekommen. Nicht gerade billig, dafuer koennte man mit einer Luft-Waerme-Pumpe einige Winter auch rein elektrisch heizen.   

War nicht die Wirtschaftlichkeit eines der Argumente fuer eine Erdwaermepumpe. Spart man damit wirklich so viel, dass sich diese Variante trotz der doch recht hohen Anfangsinvestition am Ende immer noch lohnt?

Rechnen wir doch mal...

Unser Haus hat inklusive Wohnkeller eine beheizte Wohnflaeche von 220qm.
Ein Huf Haus ist ein KfW70 Haus, es darf also nicht mehr als 70kWh/qm*a als Waermeenergiebedarf verbrauchen.... macht 15.400 kWh.

Fuer die Berechnung nehmen wir mal an, dass eine eher schlechte Luft-Waerme-Pumpe eine Arbeitszahl von 2.5 hat - und eine sehr gute Erdwaermepumpe ist hier mit 4.5 deutlich besser. Somit braucht eine LWP 6.160 kWh Strom im Jahr und eine Erdwaermepumpe nur 3.400 kWh.

Dazu kommt noch der Bedarf fuer die Heizung des Warmwassers. Pro Person und Tag rechnen wir hier mit 2 kWh. Wir gehen in dieser Berechnung davon aus, dass auch das Warmwasser mittels Waermepumpe beheizt wird. Ob das bei Huf Hauesern wirklich so ist, weiss ich gar nicht genau.
Kurzum, bei 4 Personen und den oben angegebenen Arbeitszahlen kommen wir auf zusaetzliche 1.170kWh fuer die LWP und 650kWh bei der Erdwaermevariante.

Dazu kommen jetzt noch geschaetzte 4.200 kWh sonstiger Strom - ich ging hier von 350 kWh pro Monat aus. Dieser Wert ist ja fuer beide Heizungsvarianten eh gleich, das sollte also in einem Vergleich der Varianten keine Rolle spielen. Aber vielleicht beeinflusst die Gesamtsumme des Energiebedarfs ja den Strom Tarifes, also rein damit in die Berechnung.

Strompreise kann man zum Beispiel auf dieser Seite finden:  Strom-Preisvergleich
Fuer den 11.500 kWh Bedarf im Fall der LWP ergab sich da ein Tarif von 25 Cent / kWh plus 81 Euro Jahresgrundpreis - das sind dann schonmal stolze 2.900 Euro im Jahr.

Da musste ich ja schon ganz schoen schlucken. Das sind immerhin fast 100 Euro pro Monat mehr, als ich hier in England derzeit bezahle. Gut, unser Haus hier ist auch einiges kleiner und wir kaufen den Strom und das Gas wohl auch auch bei einem recht guenstigen Anbieter. Aber so ein Huf Haus ist ja auch um einiges effizienter, so habe ich jedenfalls gedacht. Auf der Strompreis Webseite finden sich aber auch bessere Preise, aber fuer diesen Vergleich wollen wir mal vom hoeheren Strompreis ausgehen, umso mehr kann dann die Erdwaermepumpe ihre bessere Arbeitszahl ausspielen.

Und auf dem ersten Blick scheint sich fuer diese mit den oben angenommenen Zahlen auch wirklich ein Vorteil zu ergeben. Bei einem Jahresverbrauch von 8.270 kWh sparen wir mit dieser Heizung zirka 800 Euro im Jahr.

Der letzte Schritt im Vergleich der beiden Heizungsarten ist jetzt noch, diese jaehrlichen 800 Euro gegen die 10.000 Euro Anfangsinvestition zu setzen.
Sagen wir mal, dass so eine Heizung 20 Jahre haelt - dann wuerde die einfachste Rechnung so lauten:
Ergeben 800 Euro multipliziert mit 20 mehr als 10.000 Euro - dann ist die Antwort - Ja - die Erdwaermepumpe rentiert sich - wir geben in den 20 Jahren trotz Anfangsinvestition immerhin 6000 Euro weniger aus.

Nun sind aber 800 Euro, die ich erst in 20 Jahren bekomme, erheblich weniger wert, als die 800 Euro des ersten Jahres. Das ganze sollten wir also abzinsen - nehmen wir dafuer mal 3% - fuer mehr koennte man die 10.000 Euro ja heute wohl eh nicht anlegen. Und auf einmal sind nur noch 2.000 Euro auf der Gewinnseite.

Jetzt sind wir mal richtig gemein und behaupten, dass unser Huf Haus statt 70 doch nur 50 kWh/qm*a verbrauchten wird, ein Wert, wie ich ihn in einer Hausbau-Fachzeitschrift einmal gefunden habe. Und dann wir erlauben uns auch noch ganz frech, den laut Strom Vergleich guenstigsten Anbieter zu waehlen (12,30 Cent) - was ja auch mein gutes Recht ist - schliesslich wurde der Strommarkt schon vor 15 Jahren liberalisiert. Und siehe da, auf einmal kostet so eine Erdwaermeanlage ueber die gesamte Laufzeit stolze 5.500 Euro mehr als die LWP. Wer haette das gedacht?

Je mehr das Haus also verbraucht und je teurer der Strom ist, desto wirtschaftlicher wird die Erdwaermepumpe. So richtige eindeutig ist das Ergebnis aufgrund der vielen Variablen jedenfalls nicht.

Nach meiner Meinung ist die Frage nach der Wirtschaftlichkeit aber auch nicht die einzige, nach der sich die Entscheidung fuer oder gegen eine Heizung richten sollte. Denn, auch das hat meine eigene Rechnerei ergeben, richtet man sich nur nach dem Geld dann siegt am Ende hier immer noch die gute alte Gastherme.

Aber das gute Gewissen, mit einer Erdwaermepumpe im Verbund mit irgendeinem Oekostrom das Haus fuer unter 100 Euro pro Monat zum Dampfen zu bringen und dabei trotzdem nicht fuer das Abschmelzen der Polarkappen verantwortlich gemacht zu werden, dass laesst einen ueber die fehlende Wirtschaftlichkeit doch hinwegsehen. So sehe ich das jedenfalls und schliesse damit die Tuer zum wohl langweiligsten Raum des Hauses.


Freitag, 20. Juli 2012

Biotop

Ich stelle jetzt mal fest, dass ich bisher noch gar nicht so viel ueber unser Bauland geschrieben habe. Und das hat auch seinen Grund, ich scheine es selbst gar nicht so genau zu kennen. Jedenfalls wurde mir das vorige Woche amtlich bestaetigt. Und dazu schreibe ich gleich etwas mehr. Heute geht es also noch einmal um unser Grundstueck.

Ich hatte ja schon den einen oder anderen Beitrag zum Thema verfasst, weiss also sehr wohl so einiges ueber unser Land. Ich bin mir zum Beispiel recht sicher, in welchem Ort es liegt (Waltersdorf) und wo in Europa sich dieser Ort befindet (Genau in der Mitte, legt man meine Berechnungsmethode zugrunde). Wer das alles nochmal nachlesen will, das war alles im Beitrag mit dem schoenen Namen "Pampa".

Auch sehr wichtig und mir deshalb durchaus schon bekannt ist die Aussicht, die man vom Land in alle moeglichen Richtungen hat. Schliesslich wird das ja mal der Blick aus den Fenstern werden. Und davon hat so ein Huf Haus ja einige. Wen also die Aussicht von unserem Land interessiert, auch da gab es schon einen Beitrag: "Die ersten Schritte - Das Bauland"

Und mein Wissen ueber das Land geht sogar noch viel weiter. Ich weiss zum Beispiel, dass es sich bei unserem Land um ein Hang-Grundstueck handelt. Fuer jeden Zipfel koennte ich genau angeben, wieviele Meter ich bis zum Meeresspiegel graben muesste. Und aufgrund eines vorhandenen Bodengutachtens koennte ich Euch sogar fuer die ersten 10 Meter mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit die zu erwartende Farbe der Erde vorhersagen. Was fehlt also noch um behaupten zu koennen, ich kenne unser Land?

Koennt Ihr es raten?

Nein? Dann will ich mal helfen. Ich hatte bis Anfang letzter Woche nur eine sehr unklare Idee, was derzeit auf dem Land denn so waechst. Warum sollte mich das auch interessieren? Eine tausend Jahre alte Eiche waere mir ganz sicher aufgefallen, eventuell sogar auch ein viel kleinerer Baum. So ein Baum mitten auf dem Land ist ja ganz sicher irgendwann mit Kosten und anderen unangenehmen Ereignissen verbunden. Vielleicht haette ich aufgrund eines solchen Baumes dann sogar Bekanntschaft mit dem zustaendigen Naturschutzbund machen muessen und dabei versprechen, als Ausgleich fuer das Entfernen beim spaeteren Bau des Hauses auf jegliches Holz zu verzichten. Keine gute Idee fuer ein Huf Haus, aber ein Baum steht da ja nicht, also Entwarnung.

Wenn man sich die Fotos in dem Bauland Beitrag nochmal anguckt, dann kann man auf dem Land eigentlich nur eine Art Gewaechs erkennen. In meiner botanischen Naivitaet wuerde ich das Gras nennen. Gras in einer groesseren Menge wird zur Wiese, und das beschreibt den derzeitigen Zustand des Landes schon recht genau. Eine Wiese ist auf dem Land, sonst nichts.

Aber Wiese ist ja nicht gleich Wiese. Und genau hier wird unser Grundstueck jetzt ganz speziell. Denn mitten im Land gibt es eine unsichtbare Grenze. Um die Wiese suedlich dieser Grenze kuemmert sich anscheinend keine Sau, auf der darf man baggern, graben, wuehlen und sich so richtig mit schwerem Geraet austoben. Aber noerdlich der Grenze faengt das Paradies an. Hier sollte eigentlich ein "Betreten Verboten" Schild stehen. Denn, so durfte ich es im amtlichen Schreiben letzte Woche erfahren, hier befindet sich das Biotop einer mageren Feuchtwiese.

Keine Wiese - Ein Biotop!
 
Ich kenne mich in den verschiedenen Klassifizierungen von Wiesen nun wirklich nicht so aus. Ich kann einen Fussballplatz von einem Campingplatz unterscheiden, mit einer anderen Sorte Wiese hatte ich bisher noch nicht so viel zu tun. Aber es ist schon sehr beeindruckend fuer mich, wie genau die Botanik als Wissenschaft bestimmen kann, ob es sich bei einer Wiese um verachtenswertes Bauland oder um ein besonders schuetzenswertes Biotop handelt. Und dass diese Wissenschaft es sogar fertigbringt, mitten auf ein und derselben Wiese solch erhebliche Unterschiede im Gras festzustellen, das gleich beide dieser doch so gegensaetzlichen Kategorien fuer diese zutreffen, das ist doch einfach unglaublich.

OK, dass wir eine Baugrenze mitten im Grundstueck haben, das war uns schon bekannt. Bisher dachte ich aber, das hat seine Gruende, damit wir mit dem neuen Haus nicht aus der Reihe tanzen und dem Butterberg (so heisst der wirklich, oben im Bild zu sehen) zu nahe auf die Pelle ruecken. Nun ist das also ein Biotop, auch nicht schlecht. Gartengestaltung abgeschlossen.

Wo ist nun aber das Problem? Schliesslich stand das Haus laut Plan ja auch schon vor Bekanntwerden des Biotops vor der Baugrenze. Jetzt ist hinter der Baugrenze eben ein Biotop, was soll das Ganze?

Und was ist so ein Biotop eigentlich? Kurz mal Wikipedia fragen, und da steht: "Der Begriff Biotop ist wertfrei".
Das hilft mir ja nun wirklich weiter. Laut Wiki duerften sogar Betonwuesten Biotop genannt werden. Die Idee, dass ein Biotop besonders schuetzenswert sein muss, kommt aus dem umgangssprachlichen. Und aus der Umgangssprache schafft es so ein Biotop dann auch in die Amtssprache, und dort klingt dass dann so:

...aufgrund des Biotopschutzes (magere Frischwiese) und der.. bla bla bla ... gilt die Baugrenze fuer jegliche Veraenderungen der Gestalt und der Nutzung. Das bedeutet, dass die Ueberbauung, Abgrabungen, Abstuetzungen ebenso unzulaessig sind, wie das Verlegen von Rohren und die Anlage eines Versickerungsbereiches. Auch das Ablagern von Baumaterial oder der Erdaushub sowie das Befahren mit schweren Baugeraeten waehrend der Bauzeit sind dort nicht moeglich. Darueber hinaus sind keine baulichen Nebenanlagen (z.B. Zaeune, Gartenhaeuschen) oder ortsfremde Bepflanzungen unzulaessig. Die Wiese noerdlich der Baugrenze ist in ihrer extensiven Nutzungsform zu erhalten....

So jedenfalls stand das im Brief. Der Brief hatte die nette Ueberschrift: "Anhoerung vor Ablehnung"

Immerhin enthielt der Brief auch den Schluessel fuer den Ausweg aus dem Dilemma. Am Ende wurde im Nebensatz gefragt, ob wir eine Aenderung der Bauvorlagen vornehmen wollen oder lieber einen rechtskraeftigen Bescheid. Mit letzterem meinen die bestimmt die Ablehnung, oder?

Was haben wir also falsch gemacht? Kurz mal auf den alten Plan geguckt, und siehe da.. hier hatte sich tatsaechlich ein Standbein des Carports hinter die Baugrenze verirrt. Laut Architekt ist das bei einer normalen Baugrenze eigentlich kein Problem, aber hier zerstoeren wir ja immerhin 0,09 Quadratmeter der mageren Frischwiese. Sollte das das Bein des Anstosses sein?



Einfachste Idee, schieben wir den Carport halt einen halben Meter nach vorne. Problem aus der Welt. Und den Versickerungsbereich verlegen wir dann auch nach Sueden, muss das Regenwasser in Zukunft eben ein paar Meter weiter wandern auf dem Weg zum Meer.

Nach einem Gespraech mit dem Architekt war ich dann aber doch etwas schlauer. Zum einen wird die Baugrube ja etwas groesser als die geplante Grundflaeche ausfallen muessen, wir wuerden also beim Buddeln unweigerlich im Biotop landen. Und auch wenn wir das in einer Nacht und Nebelaktion schnell ausgefuehrt, Keller reingestellt und fix zugeschuettet haetten, dann haette der schoene Huf Dachueberhang genau ueber dem Biotop weiterhin das gemacht, was er am besten kann, naemlich ueberhaengen. Geht auch nicht, obwohl ich das so im Brief nicht gelesen habe. Aber unser Architekt hatte ja schon mit dem Landratsamt telefoniert und somit einen gewissen Informationsvorsprung. Oder ist ein Dachueberhang etwa eine Ueberbauung?

Zum Glueck hat das Grundstueck vor dem Haus immer noch einiges an Platz. Man koennte also das ganze Haus nach vorne schieben, und genau darauf haben wir uns sehr schnell geeinigt. Ich will ja keinen rechtskraeftigen Bescheid und will auch gar nicht wissen, was das ist. Um immerhin zwei Meter musste das Haus versetzt werden, bis auch der letzte Zipfel der Dachrinne nicht mehr in das Biotop hineinragt. Da sich das Biotop ja im Norden des Hauses befindet, kann jetzt eigentlich nur noch der Schatten des Hauses auf die Feuchtwiese fallen, aber wir haben den Lageplan ja zum Glueck in der Nacht gezeichnet und konnten somit die Schattengrenzen nicht feststellen. 

Was bedeutet das Ganze nun fuer das spaetere Wohlbefinden im Haus. Auf dem ersten Blick gibt es eigentlich aufgrund dieser Verschiebung keine wirklichen Einschraenkungen. Das Haus wird auf der gleichen Hoehe bleiben, dadurch wird wohl die Auffahrt zum Carport etwas steiler. Und die war vorher schon nicht ganz flach, wie man im Bild unten erkennen kann.



Damit habe ich doch nun wirklich einen schoenen Grund fuer einen Gelaendewagen, oder? Dem kann sogar meine Frau nicht widersprechen. Aber die wollte immer schon einen Range Rover haben, und jetzt geht das ja gar nicht mehr anders.

Ich finde wirklich, das sind richtig gute Nachrichten. Nicht wegen dem Gelaendewagen natuerlich, so ein Chelsea Traktor kommt mir nicht ins Haus. Die guten Nachrichten sind eher, dass es sich hier mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit um den wohl einzigen Einwand der Bauaufsichtsbehoerde handeln duerfte. Schliesslich laeuft in nur 20 Tagen die Frist bis zur Genehmigung aus. Und auch hat der Antrag schon ueber zwei Monate beim Amt gelegen, ist in der Zeit bestimmt schon von Hand zu Hand und Amt zu Amt gewandert. Haette man bei Einwaenden nicht schon eher etwas hoeren muessen? Jetzt eben diese Nachforderung und mit der koennen wir noch ganz gut leben.
Sollte da wirklich noch etwas passieren? Koennte es eventuell doch noch passieren, dass wir trotz Ueberarbeitung der Unterlagen mit weiteren nicht genehmigungsfaehigen Problemen rechnen muessen? Oder haette das die Frau vom Amt dann nicht schon im Brief der letzten Woche erwaehnen muessen?

Man weiss es nicht. Aber ich muss zugeben, es gibt einen kleinen Hauch von vorsichtigem Optimismus im Haus. Noch ist aber der Champagner nicht kalt gestellt, geschweige denn gekauft. Aber so langsam wird es spannend.


Sonntag, 8. Juli 2012

Sommer???

Ich kaufe hier in England nun nicht wirklich jeden Tag eine Tageszeitung. In den ersten Jahren habe ich da aus Gruenden einer gewisssen Integrationsbereitschaft ein paar mal zugegriffen, es aber dann aus Langeweile sein gelassen.
Die meisten englischen Tageszeitungen aehneln sich doch wirklich sehr. Auf der ersten Seite meistens nur eine einzige Headline und ganz kurze Story, dann ein wenig Politik - dort werden aber eigentlich nur britische Belange behandelt. In den letzten Wochen kam ab und zu auch mal Europa vor, zwischen den Zeilen konnte man dort durchaus eine gewisse Erleichterung erkennen, damals nicht Teil des Euro-Clubs geworden zu sein, aber das ist natuerlich nur meine Unterstellung. In der Mitte dieser Zeitungen kommen dann so interessante Themen wie Mode, Garten, Haeuser, Autos und Stories ueber sogenannte Fernseh-Celebrities - also Leute die ausserhalb Britanniens fast niemand kennt. Und der grosse Rest ist Sport - bestehend aus 60% Rugby, 20% Kricket und der Rest verteilt sich auf Fussball, Pferderennen und Tennis. Das variiert natuerlich, Tennis ist in diesen Tagen verstaendlicherweise etwas ueberrepraesentiert, schliesslich haben die lieben Briten seit 74 Jahren das erste Mal wieder einen ihrer Landsmaenner im Wimbledon Finale.

Also wie gesagt, ausser dass ich ab und zu eine kostenlose Zeitung im Flugzeug mitnehme, kaufe ich hier eigentlich keine Tageszeitungen. Ausser gestern, da hatte mich die Schlagzeile des Daily Express doch gefangen. Und nach kurzer Ueberlegung lag die Zeitung dann doch im Wagen. Ein Thema hatte ich oben doch noch vergessen. Ein Thema, ueber das Englaender auch sehr gerne reden und der Grund, warum ich die Zeitung gekauft habe: Das Wetter.


Folgt man der englischen Meinung, dann ist England das einzige Land der Welt, in dem soetwas wie Wetter ueberhaupt gibt. Alle anderen Laender haben Klima. Ich hatte das Thema Regen ja schon einmal in einem Beitrag uber das Queen Jubilaeum besprochen, wollte es aber aus gegebenen Grund doch noch einmal aufgreifen.
Kein Sommer - mal wieder? Stattdessen wieder nur Regen? Kann man da gar nichts machen? Wie man im unteren Bild erkennen kann, wurde das wohl durchaus versucht, aber recht erfolglos. 


Da stehen wir nun und suchen nach Moeglichkeiten, uns irgendwie wetterunabhaengig zu betaetigen. Zum Glueck gibt es ja Kinos und Schwimmhallen, in jeder Stadt gibt es mehrere dieser Indoor-Spielplaetze und auch in den Urlaub fahren viele Briten, wenn sie denn im Land bleiben muessen, bevorzugt in Parks wie Butlins. Das ist so eine Miniversion eines Disneyland - aber alles unter einem riesigen Kuppelzelt. Wetterunabhaengig eben.

Leider laesst sich nicht alles so wetterunabhaengig planen. Derzeit rennt ja die olympische Fackel quer duchs Land, und so viele Tunnel gibt es auch nicht, um da halbwegs trocken zu bleiben. Und so sieht das dann eben aus:

Seht ihr die Flamme? Ich nicht, wie soll die bei dem Wetter auch an bleiben. Aber keine Sorge, die Flamme reist im Bus in einem wetterfesten Container mit, Olympia findet also trotzdem statt. Und weil Englaender ja so gerne auf alles wetten, wurden auch schon die Chancen auf Regen waehrend der Eroeffnungszeremonie ausgerechnet. Das Ergebnis?   4:1 - also ist es viermal wahrscheinlicher, dass es waehrend dieser zwei Stunden regnet. Na dann.
Olympia ist auch nicht das einzige Sportereignis in diesen Tagen und Wochen, die vom Wetter betroffen sind oder noch werden. Wimbledon wurde, wie so oft schon in den letzten Jahren, immer wieder vom Regen unterbrochen, das freie Training am Freitag und Samstag bei der Formel 1 in Silverstone wurde abgebrochen und das Rennen am Sonntag sogar in Frage gestellt. Aber nicht nur in England spielt das Wetter verrueckt und stoert den Sport. Auch am Sachsenring bei der Motorrad WM sah es nicht viel besser aus.  

Eigentlich gibt es sowas wie schlechtes Wetter eigentlich nicht. Alles nur eine Frage der Einstellung und der richtigen Kleidung. Lassen wir das Thema Wetter also mal so, wie es es ist... wir koennen es ja eh nicht aendern.



Stattdessen, wie ich bereits angekuendigt hatte, wollte ich in den vielen Wochen, in denen bei unserem Hausbau nicht viel passiert, eben ueber andere Themen schreiben. Wetter bot sich da derzeit einfach nur an.
Auch bin ich ja bei der Beschreibung unseres Grundrisses noch nicht einmal ueber das erste Zimmer hinaus gekommen. Schreibe ich eben an dem Thema jetzt mal ein kleines Stueck weiter.

Wenn es draussen stuermt und regnet, eine Flutwarnung der naechsten folgt und man seine Autos nicht mehr in der Naehe von Fluessen parken soll, wenn auch im Fernsehen nichts gutes kommt, weil Wimbledon, Formel 1, Moto GP und auch Olympia wegen Regen abgesagt werden (ich uebertreibe) - und wenn man fuer einen Spaziergang gerade seinen Taucheranzug und seine Schwimmflossen nicht findet, dann sollte doch wenigstens das neue Haus irgendwie eine Moeglichkeit bereithalten, uns zu erwaermen und den Tag zu verschoenern. Und wo in einem Haus koennte es denn waermer sein, als in der eigenen kleinen Sauna. Schliessen wir also den ersten Raum des Hauses, oder besser des Wohnkellers, hier endlich ab und fuegen die Sued-Ost Ecke (links im Bild) hinzu.


Was man hier erkennen kann, wird leider auch nach der Aufstellung des Hauses vorerst nur auf dem Papier existieren. Denn der Einbau einer Sauna gehoert genauso wie der des kleines Bades oder der des im letzten Beitrag erwaehnten Pubs zum noch zu planenden Innenausbau des Wohnkellers. Aber wichtig war uns bei der Planung eben, dass bereits alle Anschluesse liegen werden , somit sollte der doch Einbau spielend leicht werden. Es koennte also irgendwann einmal eine Sauna in unserem Haus geben, ich kann es selbst kaum glauben.

Bisher gab es in meinem Leben nur eine kurze Phase, in der ich ein regelmaessiger Saunagaenger war. Das war die Phase, in der sich die Sauna eben genau da befand, wo sie im neuen Haus auch wieder hinkommen wird... im eigenen Keller. Und ja, so wohlhabend war ich schon einmal, wenn auch meine damalige Behausung nur ein Studentenwohnheim war. Danach habe ich zwar schon versucht, diesem Hobby weiter zu froenen, aber das war immer mit dem Verlassen des Hauses und einer recht weiten Fahrt verbunden. Dann musste meist ein in keinem Verhaeltnis stehendes Eintrittsgeld berappt werden um dann mit wildfremden Leuten gemeinsam zu schwitzen und dabei aufzupassen, wo man gerade hinguckt. Das Interesse liess jedenfalls recht schnell nach. Wird es sich mit einer eigenen Sauna wiederbeleben lassen, nun, wir werden es sehen. Das Kabel liegt erstmal.

Damit wollte ich den heutigen Beitrag eigentlich beenden. Jede Woche ein Stueckchen des geplanten Grundrisses, damit laesst sich die ereignisfreie Zeit bis zum Bau gut ueberbruecken. Aber es gab da einen Kommentar zu einem meiner frueheren Beitraege, wo gefragt wurde, wie es denn hier nun weitergegangen ist... und ob wir inzwischen ein Huf Haus haben. OK.. es gibt Informationsbedarf, schoen, auf diese Art zu erfahren, dass da draussen ein gewisses Interesse besteht. Hier also mal ein Update in schnellen Stichpunkten, damit die wenigen Ereignisse der letzten Wochen wenigstens kurz gewuerdigt werden.
  • Die Planung der Ausstattung wurde abgeschlossen. Unser Besuch in Hartenfels war ja schon Mitte April, innerhalb von zwei Tagen sind wir da durch alle moeglichen Haus-Komponenten gestuermt. Und trotzdem hat es danach mehr als zwei Monate gedauert und unendlich viele Emails und Telefonate gebraucht, um all diese Entscheidungen im sogenannten Austattungsprotokoll festzuschreiben. Ich werde ueber die interessantesten dieser Fragen und Antworten, die sich dabei ergaben, noch ausfuehrlich schreiben. Aber immerhin gibt es jetzt ein unterschriebenes Protokoll mit den verbundenen Kosten und das macht die weitere Planung der Finanzen schon etwas einfacher. Und als Tip fuer alle zukuenftigen Huf Bauherren, nehmt euch viel Zeit, die verschiedenen Versionen des Protokolls bis zur Unterschrift mehrfach zu lesen und wirklich genau zu pruefen. Dieses Dokument wird die Bibel des Hausbaus sein. Was da nicht steht wird auch nicht gebaut, jeder Fehler wird also richtige Folgen haben. 
  • Es gibt Entwicklungen bei der Entscheidung zur Heizungsart (Erdwaerme) und des Dachs (Schiefer). Dazu auch mehr in spaeteren Beitraegen. Aber immerhin wissen wir jetzt, was sowas kostet - auch sehr hilfreich.
  • Wenig Neuigkeiten gibt es bei der Baugenehmigung. Den Brief, dass die Unterlagen vollstaendig sind, haben wir schon seit fast zwei Monaten, am 10.August laeuft die Drei Monate Frist ab, nach der der Antrag als automatisch genehmigt gilt. Aber darauf vertrauen wir mal lieber nicht. Immerhin konnte ich in einem dieser Formularen lesen, dass es hilfreich waere, wenn auch die zukuenftigen Nachbarn ueber die Plaene informiert sind und diese im Prinzip keine Einwaende gegen die Lage und Form des zukuenftigen Hauses haben. Also wurde flugs ein kleines Anschreiben mit einer Kopie des Lageplanes erstellt und nach Waltersdorf gesendet. Daumen druecken, dass es da keine Probleme gibt, laut den saechsischen Gesetzen ist zwar keine Zustimmung fuer die Erteilung einer Genehmigung erforderlich, aber stoeren wuerde diese sicher nicht. Und wir wollen ja eine gute Nachbarschaft, genau!
  • Gute Neuigkeiten gib es von der Seite des deutschen Arbeitsvertrages, eine der Vorbedingungen fuer eine moegliche Finanzierung. Es gibt erste Signale der deutschen Personalabteilung, dass im August wohl mit der Uebersendung des Vertrages zu rechnen ist, ich soll schonmal meine ganzen Zeugnisse seit Abitur sammeln und uebersenden und mich langsam um eine deutsche Krankenversicherung kuemmern. Anscheinend musste das Ganze nun doch nicht durch das Standard - Bewerbungsverfahren - was den Vorgang doch um einiges beschleunigt hat. Immerhin scheint meine groesste Sorge, die ich mit der Verzoegerung bei der Finanzierung verbunden habe, dass sich die Zinsen fuer Baugeld extrem erhoehen, nicht einzutreten. Als freundliche Geste der EZB wurden die Leitzinsen gerade noch rechtzeitig gesenkt, was einen sehr positiven Knick nach unten bei den Zinsen nach sich zog. Haette ich damals im November eine Finanzierung sofort bekommen, ich haette fast 0.5% mehr bezahlt als heute, und das, obwohl mir damals gesagt wurde, ich solle so schnell wie moeglich eine Entscheidung treffen, die Zinsen wuerden in sehr kurzer Zeit steigen. Glueck gehabt, hoffentlich haelt das noch bis Ende August an, wenn ich mit meinem Antrag bei den Banken wohl vorstellig werde.
Rueckbetrachtend, so ganz ereignisfrei waren die letzten Wochen dann doch nicht. Aber die meiste Zeit verbringen wir eben doch mit Warten. Warten auf Ereignisse und Entwicklungen, auf die wir nicht viel Einfluss haben. Neidisch lese ich in anderen Bautagebuechern, wie da langsam die Keller und Erdgeschosse wachsen, bei einem Studienkumpel begann sogar schon der Innenausbau. Und alle haben zu mehr oder weniger der gleichen Zeit angefangen. Nur gegen meine Schwester bin ich noch im Rennen, die hatten die erste Ablehnung ihrer Baugenehmigung schon im Briefkasten, aber das will ich mal nicht als schlechtes Zeichen gelten lassen. Im Gegensatz, ich suche einfach nach guten Zeichen und Signalen.. und da reicht mir schon, dass Huf Haus im Facebook letzten Freitag 1973 Freunde hatte. 1973 - das ist mein Geburtsjahr, na was soll denn jetzt noch schiefgehen?




Samstag, 30. Juni 2012

Fussball EM

Zugegeben, im Monat Juni war ich nicht sehr produktiv, was das Erzeugen von neuen Blogeintraegen betrifft. Ich war, um es mal salopp zu sagen, etwas abgelenkt. Klar, es war ja auch Fussball-EM und wer glaubt, dass ein Blog in so einer Zeit gegen einen Fernseher bei mir eine Chance haette, der muss ja nur mal gucken, wie wenig bei mit in diesem Monat im Blog gelandet ist. Ganze zwei Beitraege, peinlich.

OK, die EM ist nun endlich vorbei, das Finale gucke ich nicht. Das letzte Mal, dass ich bei einer solchen Veranstaltung das Finale geguckt habe, war in 2008. Wir waren in einem Hotel in Luzern und im Haus befand sich das wohl einzige spanische Restaurant der Stadt. An Schlaf war nach dem Spiel jedenfalls nicht zu denken.

Ein richtig frustrierender Abend und sowas habe ich mir seitdem eben nicht mehr angetan. Das deutsche Team hat ja auch seitdem das letzte Spiel einer Meisterschaft immer ausgelassen.
Viel Erfolg morgen an die spanische Mannschaft, da gewinnt dann wenigstens einer bei uns im Haus. Denn ich unterstelle meiner lieben Frau schon seit langem, dass sie aufgrund der gleichen Muttersprache immer schon heimlich diese Suedeuropaeer unterstuetzt hat, zugeben wuerde sie das nie, aber ich habe ja Augen im Kopf.
 
Wenn wir wenigstens neben Deutschland auch noch England unterstuetzen koennten. Aber dann waeren wir wohl noch ein ganzes Stueck trauriger. Eine Europa- oder Weltmeisterschaft aus englischer Sicht ist schon eine traurige Veranstaltung. In 2006 und 2010 noch wurden die Erwartungen durch Revolverblaetter wie die "Sun" unermesslich hoch geschraubt, aber gebracht hat es nichts. Es wollte hier einfach keine echte Partystimmung aufkommen. In 2012 hat dann sogar diese Zeitung aufgegeben, Hoffnung und gute STimmung zu verbreiten. Wenn man mit englischen Kollegen und Freunden ueber die EM sprach, dann gab es meist nur ein trauriges Gesicht mit der wenig verheissungsvollen Aussage: "Warum sollten wir ueber die EM reden, unser Team ist doch einfach nur Schei...e".
Um die Kollegen etwas aufzumuntern, habe ich dieses Bild hier neben unseren Buero-Kaffeeautomat gehaengt... das hat aber auch wohl nur kurz die Stimmung erheitert.


Tja, selber Schuld, wenn man in seiner eigenen Premier League kaum noch Englaender mitspielen laesst. Ich habe mal gelesen, dass bei Arsenal London im Schnitt pro Spiel nur 1,6 Englaender auflaufen.Im Gegensatz dazu war es schon erstaunlich, dass so viele der Leistungstraeger der anderen eurpaeischen Nationalmannschaften ihre Broetchen bei einem englischen Klub verdienen.

Der Englaender hatte die EM relativ schnell abgehakt. Ich kann auch nicht wirklich behaupten, dass sich das Land waehrend der EM stark veraendert haette. Es gab kaum Haeuser, an denen die Rot-Weissen Fahnen wehten. Im Supermarkt habe ich dieses Mal kein Extra Regal gesehen, in denen England Supporter Artikel verkauft wurden. Folgerichtig fuhren auch kaum Autos mit diesen kleinen Faehnchen rum. Public Viewing oder hupende Auto-Korsos - alles Fehlanzeige.

Der Englaender ertraegt das Spiel seiner Nationalmannschaft am liebsten in der Privatsphaere seines kleinen muffigen Lieblings-Wohnzimmers - genau.. damit meine ich den Pub um die Ecke. Denn nur in einem Pub ist er genau dort, wo man nach der Niederlage seiner Mannschaft am liebsten ist: Unter Leidensgenossen und in der Naehe einer gut gekuehlten Bierzapfanlage. Da laesst sich so mancher Fehlpass oder sogar Rooneys neue Frisur viel leichter ertragen.

Auch ich hab so einen lokalen Pub. Nur 3 Minuten vom Buero entfernt befindet sich das "Thatched Cottage" - ich kann noch nichtmal ungefaehr schaetzen, wieviele Abende ich hier waehrend einer Fussballuebertragung verbracht und dabei versucht habe, als Deutscher nicht unbedingt gross aufzufallen.

Thatched Cottage
Wenn ich irgendetwas aus England mit nach Deutschland nehmen koennte, dann waere das die Pub Kultur. Ein Pub ist hier wirklich die Erweiterung des Wohnzimmers, hier geht man hin um Leute zu treffen, dabei kann man Billiard, Dart oder alle moeglichen Brett- und Kartenspiele spielen. Es gibt an jeder Ecke einen Fernseher und wenn gerade mal kein Fussball oder Cricket oder Rugby oder Pferderennen oder Tennis kommt, dann versenkt man sein Geld eben in eine Fruchtmaschine... fuer den, der jetzt glaubt, es gaebe im Pub einen Automat zur Verabreichung eines Obstsaftes, dem sei gesagt, dass "Fruit Machine" hier der Name fuer diese blinkenden und nervigen Spielautomaten ist. Habe ich vorher auch nicht gewusst, aber ein passender Name ist das irgendwie schon.

Desweiteren gibt es in so einem Pub Bier fuer die Maenner und Lager fuer die Schnoesel. Die Sorte Lager ist am ehesten mit dem deutschen Pilsner zu vergleichen, wird aber nur im Suedosten Englands bevorzugt. Da, wo die reichen Schnoesel eben wohnen.

Und man kann auch essen in solchen Pubs, wenn man es sich denn traut. Wenn man erstmal ueber die Hemmschwelle des Pub-Food hinweg ist und gegen Frittiertes nichts mehr einzuwenden hat, dann wird man so ein Essen sogar recht gut finden. Ich finde es inzwischen super, brauchte aber eine gewisse Gewoehnungszeit. In England muss man aber auch leider wirklich sehr viel Geld bezahlen, um in Restaurants ein Essen erwarten zu koennen, das ueber dem allgemeinen Pub - Niveau liegt. Eine Mittelklasse gibt es kaum, entweder Pub oder drei Sterne, dazwischen liegt fast nichts, ausser vielleicht die vielen indischen und thailaendischen Restaurants. Dass sich von den 10 Top Restaurants der Welt aber 5 in England befinden sollen, konnte ich fast nicht glauben. Das habe ich aber wirklich mal irgendwo gelesen und weil das hier gut zu dem Thema passt, schreibe ich das einfach mal in den Blog, ob es nun stimmt oder nicht. Das ist ja auch keine Doktorarbeit hier.

Ganz sicher weiss ich aber, dass wir hier in Maidenhead ein Restaurant mit dem Namen "The Fat Duck" haben, und die standen wirklich jahrelang an der Spitze der Top-Restaurants im Michelin Fuehrer. Tische dort sind fuer Monate ausgebucht und man braucht schon ein recht dickes Portemonnaie, um sich neben den 14 Gaengen auch noch etwas Wein leisten zu koennen.

Aber bleiben wir mal bei unseren finanziellen Moeglichkeiten und gehen zurueck in den Pub. Wie schon gesagt, am liebsten wuerde ich mein geliebtes "Thatched Cottage" einpacken und mitnehmen, wenn es irgendwann einmal wieder zurueck nach Deutschland gehen sollte. Aber wenn ich mir die Waltersdorfer Gestaltungssatzung angucke, dann koennte ich den ja eh nicht dort aufstellen. Was bleibt mir also uebrig?

Papier ist ja zum Glueck geduldig und da unser neues Haus ueber einen Wohnkeller verfuegen wird, in dem aber ausser meinem Motorrad keiner wohnt, koennte sich durchaus ein Platz finden lassen, in dem sich soetwas wie eine Pub - Replika unterbringen lassen wird. Es gibt ja Moebel, mit denen sich ein Pub taeuschend echt nachstellen laesst. Dazu noch ein Fernseher an die Wand und eine Bierzapfanlage, alles keine grossen Investitionen, man muesste halt nur den Platz haben. Es ist also mal wieder an der Zeit, auf unseren geplanten Grundriss zu gucken.

Wir bleiben also weiterhin im Keller. Dort hatte ich im Teil 1 unserer Grundriss-Serie ja schon ueber meine zukuenftige Motorradecke philosophiert. Zur Erinnerung, diese befindet sich in der Sued-West Ecke des Kellers, genau der Ecke also, die komplett oberhalb der Erdoberflaeche bleibt und somit mit einer grosszuegigen Fensterfassade versehen werden kann. Die Motorrad-Ecke ist Teil eines groesseren Raumes, im Plan "Hobby" genannt. Jetzt fuegen wir also das naechste Teil in unser grossesGrundrisspuzzle hinzu. Wir bewegen uns im Raum etwas nach links und so sieht das dann irgendwann einmal aus.


Wie man sehen kann. der Raum "Hobby" ist nicht nur nach links gewachsen, nein, er hat auch eine Nische nach unten bekommen. Und hier... man kann es im Bild ja schon erkennen ... werden sich Anschlussmoeglichkeiten fuer eine Kueche befinden. 

Nun kann jeder mit seinem Wohnkeller ja planen, was er will. Wenn man hier eine echte Einliegerwohnung einrichten moechte, dann macht so eine Kueche richtig Sinn. Mir sind auch schon wohlwolllende Vorschlaege angetragen worden, den Wohnkeller zu einer Art Ferienwohnung auszubauen. Und diese sollte sich speziell in der Wintersaison eventuell sogar ganz gut vermieten lassen. Und dann lass ich die Feriengaeste vielleicht auch noch auf meiner Harley sitzen, oder was?

Nein, zumindest in den ersten Jahren brauchen wir wohl keine keine vollwertige Kueche im Keller. Stattdessen, Ihr ahnt es vielleicht schon, koennte hier eine Art Theke eingebaut werden, und ich waere dumm, wenn ich mir die Chance entgehen lassen sollte, diese im Stil eines typisch englischen Pubs herzurichten.


Und dann waere er hier, mein Pub.

Der Wohnkeller wird so langsam meine Lieblingsebene. In der Zukunft dann werde ich in den oberen Etagen wohl nicht so haeufig anzutreffen sein. Was sagt da eigentlich meine liebe Frau dazu? OK, bisher habe ich ihr da nur ein: "Du bist verrueckt" entlocken koennen. Das nenne ich doch mal eine hoffnungsvolle Aussicht auf eine spaetere volle Zustimmung. Es sind ja auch noch ein paar Raeume im Keller uebrig, die dann eventuell eher den Wuenschen und Vorlieben der weiblichen Bewohner folgen muessten. Aber dazu in mehr in den spaeteren Beitraegen.

Diese Idee eines Pubs im eigenen Haus, noch dazu mit einer Harley in Sichtweite, bringt den Spass in das Planen eines Hauses. Und traeumen kostet ja auch nichts, wobei das in diesem Zusammenhang nicht ganz stimmt. Fuer das Motorrad wurde schon eine verbreiterte Eingangstuer geplant, die gab es natuerlich nicht umsonst. Und auch fuer die Strom- und Wasser - Anschlussmoeglichkeiten in dieser Kuechen (Pub)-Nische fanden sich so einige Kostenpositionen in unserem Austattungsprotokoll wieder. Traeumen ist also doch schon etwas teuer geworden.

Ob dieser Pub einmal kommen wird, das ist nicht die Frage. Die Frage ist die nach dem Wann. Die Antwort habe ich zwar noch nicht, es wird wohl erstmal keine Prioritaet haben. Aber ganz dringend wird der Pub ja erst im Sommer 2014 gebraucht. Denn dann ist wieder Fussball Weltmeisterschaft. Und dann klappt es auch endlich mit dem Titel, ganz sicher.

Traeumen ist vielleicht nicht umsonst, aber traeumen laesst sich wenigstens nicht verbieten.

Morgen wuensche ich erstmal Spanien viel Glueck. Aber 2014 wird unser Jahr. 




Donnerstag, 14. Juni 2012

Autos und Haeuser


Was ist eigentlich ein Markenname? Ab wann kann ein Produkt mit Recht von sich behaupten, alleine durch seinen Namen eine gewisse Alleinstellung am Markt zu haben? Fuer viele Firmen scheint es trotz der damit verbundenen Ausgaben fuer Werbung trotzdem extrem erstrebenswert zu sein, fuer ihre Produkte Markennamen zu finden, die Kunden dazu verleiten, trotz hoeherer Preise und eventuell auch anderer Nachteile doch genau immer wieder dieses Produkt nachzufragen. Ist der Mensch einfach ein Gewohnheitstier und greift deshalb nur zu bekannten Namen?

Werbung wirkt, auch wenn wir es fuer uns selbst nicht wahrhaben wollen. Werbung folgt der Idee, mittels farbenfroher Bilder und ausgefeilten Textbotschaften gewoehnlichen Produkten Eigenschaften zuzuschreiben, um sie damit unvergleichbar mit Konkurrenzprodukten zu machen. Wer also nach dem Genuss eines klebrigen Getraenkes Fluegel erwartet oder mit seinen Cornflakes irgendwelche Tiger wecken will, der muss dann halt zum Markenprodukt greifen.

Cornflakes und Dosengetraenke gehoeren ja zu der Gruppe der Produkte, die nicht lange im Regal liegen bleiben und deshalb besonders heftig umworben werden. Denn mit Werbung schafft man Marken und hat man erstmal einen Markennamen, dann ist alles super. Der Kunde wird aufhoeren,  Preise zu vergleichen oder Kleingedrucktes zu lesen und immer nur den gleichen Nuss-Nougat Aufstrich, die gleiche Cola oder das gleiche Waschmittel in den Einkaufswagen legen. Dabei muss Werbung noch nichtmal sehr gut sein, es reicht auch, wenn man ungewollt „komisch“ ist und trotzdem kennt man nach einer Weile sogar ein „Seitenbacher Muesli“.

Also ein Markenname muss her, will man erfolgreich und auf hohem Preisniveau verkaufen. Eigentlich ganz einfach und doch so schwer. Denn was tun, wenn sich die Firma in einem Markt befindet, in denen der Konsument die Produkte nicht jede Woche oder jeden Monat kauft, sondern vielleicht sehr viel seltener. Dann ist das schon um einiges schwieriger mit dem Markennamen. Meist ist hier der Name des Herstellers selbst die Marke. Und die meisten Hersteller haben ja nur einen Namen, und den kann man meist nur einmal am Markt positionieren. Und hat man das erstmal vergeigt, dann geht ein Umbenennen nur recht schwer, wenn ueberhaupt. Man denke nur an die Fernseh- und Radiofirma „Lucky Goldstar“ , die sich durch eine jahrelange Billigstrategie mit diesem Namen jeglichen Zugang in den hochpreisigen und edlen Marktbereich verbaut hatten, jetzt heissen die nur noch „LG“ und schon laeuft der Laden. Aber auch dieser Name musste erstmal bekannt werden, was das gekostet hat, laesst sich wohl kaum noch nachvollziehen.

Das Beispiel „LG“ hat deutlich gemacht, ein Firmenname, der schon mit einer vordefinierten Meinung ueber die zu erwartende Qualitaet belegt ist, kann trotz neuer und verbesserter Produkte jegliche Chancen fuer den Eintritt in ein interessanteres Marktsegment erschweren. Hier verlassen wir den Einflussbereich eines einfachen Markennamens. Ist der Name der Firme gleich mit dem Namen einer bekannten Marke, dann bekommt die Firma ein sogenanntes Image. Ein Image aufzubauen dauert gleich nochmal viel laenger, als eine einfache Marke, und ein solches nachtraeglich nochmal zu aendern, das ist bisher noch nicht vielen Firmen gelungen. „Skoda“ ist vielleicht ein gutes Beispiel, aber dafuer mussten die sich ja auch von „Volkswagen“ uebernehmen lassen. Und trotzdem hat es fast zehn Jahre gedauert, dass man ueber die Qualitaet dieser Autos nicht mehr laechelt.

Ein Image laesst sich also nicht ueber Nacht aufbauen, sowas wird ueber Jahre sorgfaeltig entwickelt und muss dann gepflegt werden. Daneben muss es auch zu den Produkten der Firma und zu den Zielkunden passen um moeglichst glaubwuerdig zu wirken. Ein Toyota Prius sollte also auf einem Werbeposter nicht unbedingt vor einer 30 Meter Yacht parken.

Wie ist das nun bei Haeusern? Gibt es auch Markennamen unter Hausherstellern? Und falls ja, werden mit diesen Namen dann auch bestimmte Rueckschluesse auf Qualitaet oder Preislage moeglich? Oder sind Haeuser dafuer doch zu individuell und somit wenig vergleichbar? Die meisten Hausbaufirmen werben ausschliesslich in Fachmagazinen, zielen also damit auf Kunden, die sich eh schon fuer den Hausmarkt interessieren. Das wird bei Kunden, die echte Kaufabsichten haben, vielleicht zu Interesse und einer Kontaktaufnahme fuehren. Und damit hat eine solch spezialisierte Werbung ihren Zweck wohl auch erfuellt, aber kann man damit ein Haus zu einer Marke machen?

Nun ist ein Haus ja kein Produkt, das mehrfach im Leben auf der Einkaufsliste steht. Und Haeuser kauft man auch selten spontan und mehr als einen Kunden zu einer ersten Kontaktaufnahme zu bewegen wird eine Werbeanzeige vielleicht nicht schaffen. Nur wenige Firmen dieser Branche haben es ueber die Jahre geschafft, sich ein Image zuzulegen, die meisten Namen bleiben den meisten Nicht-Bauinteressenten wohl doch eher fuer immer unbekannt.

Das ist vielleicht erstmal kein Problem, ausser fuer Journalisten, die in Nicht-Baufachzeitschriften ueber eine diese Firmen schreiben muessen und dabei nicht davon ausgehen koennen, dass die Firmennamen den werten Lesern schon irgendwie bekannt vorkommen. Wie also ueber solche Firmen schreiben, ohne den eventuell nicht bauinteressierten Leser zuerst mit einer langwierigen Beschreibungen der jeweiligen Produkte oder der Markstellung zu langweilen. Die Loesung fuer dieses Dilemma machen sich die meisten dann ganz einfach. Man macht sich zum Beispiel zunutze, dass sich bereits vorher die Autofirmen mit viel Aufwand um ein Image bemueht haben, und borgt sich dieses Image einfach.
Ich kann nun nicht fuer jede Hausfirma ein Pendant aus der Automobilbranche wiedergeben, wir lesen ja nicht jeden Artikel ueber alle moeglichen Haushersteller. Aber alleine in den letzten drei Wochen habe ich Beitraege gefunden, die folgende Vergleiche heranzogen:
  • Weberhaus – der Mercedes unter den Fertighausherstellern
  • DaVinci Haus – ein Klassiker wie der Porsche 911 (in „Der Bauherr“)
  • Und nicht zu vergessen Huf Haus, die gehen meistens fuer nicht als weniger als der Bentley oder gar Rolls Royce unter den Hausbaufirmen weg – unter anderem im „Daily Telegraph“ – aber die kennen vielleicht auch nur englische Automarken
Was wollen uns die Journalisten damit nun sagen? Bestimmt nicht, dass
  • Weber Haeuser im letzten Jahrzehnt mit einigen Qualitaetsproblemen zu kaempfen hatten und dabei bevorzugt von Taxifahrern gekauft werden
  • DaVinci Haeuser sich seit 50 Jahren kaum im Design geaendert haben (was bei einer Firma, die erst seit Ende der Achtziger Jahre Haeuser im Fachwerstil baut, ein toller Trick waere), viel verbrauchen und nur fuer kinderlose Paare oder Singles geeignet sind
  • Huf Haus Kunden gar nicht selbst im Haus wohnen, sondern dafuer meistens Bedienstete haben, die das fahren, stop, das wohnen fuer einen uebernehmen. Der Hufhausbesitzer versteckt sich lieber im Hinterhaus hinter verdunkelten Fenstern
OK, vielleicht kann man nicht jede Nuance des Images einer Automarke auf ein Haus uebertragen. Aber das wollen die lieben Journalisten ja auch gar nicht, erreichen wollen sie wohl nur, dass man mittels eines solchen Vergleiches ungefaehr einschaetzen kann, wie sich die verschiedenen Haeuser am Markt positionieren wollen. Folgt man dem, ist ein Weberhaus in der gehobenen Preisklasse und schon etwas fuer Besserverdienende und DaVinci oder Huf bliebe fuer die meisten nur ein unerreichbarer Traum. Wollen die Hausfirmen wirklich dieses Image haben?

Ich glaube nicht, dass der Vergleich mit Automarken ausschliesslich in die Richtung der Kaufkraft der angesprochenen Kaeuferschicht zielt. Das wird zwar auch eine Rolle spielen, aber zusaetzlich vermute ich, dass mittels solcher Vergleiche auch gewisse Ansprueche hinsichtlich der Qualitaet auf das Haus uebertragen werden sollen. Die gleichen Ansprueche, die auch ein Kunde dieser Automarken haben wuerde. Als potentieller Weberhaus Kunde, der jetzt weiss, dass sein Haus der Mercedes unter den Fertighausherstellern ist, sollte man also ein ueberdurschnittliches Mass an Qualitaet erwarten koennen. Und wenn dann ein potentieller Huf Haus Kunde sogar so wohlklingende Namen wie Bentley oder Rolls Royce liest, dann steigen seine Erwartungen gleich ganz ins Unermessliche. Oder gibt es Automarken, die einen besseren Ruf hinsichtlich Qualitaet haben? 

Nun kann ich ueber die Qualitaet von Weber oder DaVinci Haeusern nicht sher viel schreiben, interessiere ich mich ja nun aus bekannten Gruenden eher fuer Huf Haeuser. Ist ein Huf Haus nun der Rolls Royce unter den Systemhausherstellern? In jedem bisherigen Huf Haus Blog, in zahllosen Forumsbeitraegen, Testberichten und natuerlich auch in der beruehmten Episode in der englischen „Grand Designs“ Serie, ueberall wurde die ausserordentliche Qualitaet der Huf Haeuser bejubelt und umschwaermt. Sollten also Huf Haeuser keine Fehler haben? Stimmt der Vergleich mit Rolls Royce und Huf Haus borgt sich dieses Image zu Recht?

Gehen wir nochmal zu den Automarken zurueck. Wie wuerde zum Beispiel ein Rolls Royce Kunde reagieren, der, nachdem er im Auto fuer ein paar Monate gefahren wurde (wie schon gesagt, der faehrt ja nicht selber) auf einmal feststellt, dass, sagen wir mal, die elektrische Sitzmassage nicht richtig funktioniert. Das ist zwar kein zum Fahren wirklich notwendiges Detail, aber man hat das Auto ja auch nicht nur zum Fahren erworben sondern wollte moeglichst viel Luxus mitgeliefert bekommen. Und nun funktioniert das gute Stueck nicht mehr. Wuerde so ein Rolls Royce Kunde sich in ein Forum begeben und sich ueber die Qualitaet der britischen BMW Tochter beschweren. Und sich damit dem Gespoett und der Haeme anderer Forumsbetreiber aussetzen, die jetzt mal einem Menschen, der offensichtlich zuviel Geld hat, mal so richtig einen reinwuergen koennen? Unwahrscheinlich, oder?

Wohl wissend, dass ich mir nie einen Rolls Royce kaufen werde, so weiss ich doch, wie ich reagieren wuerde. Fragt also jemand, wie denn mein neues Auto so ist, ich wuerde jeglichen Makel unterschlagen und erzaehlen, dass dieses Auto aufgrund der herausragenden Verarbeitungsqualitaet wirklich jeden Pfennig wert ist, schliesslich reden wir hier ueber einen Rolls Royce, und da darf es einfach keine Maengel geben, das ist unmoeglich, dafuer war er einfach zu teuer. Ich wuerde ganz sicher nicht zugeben, dass auch ein Rolls Royce am Ende auch nur ein Auto ist, in unzaehligen manuellen Arbeitsschritten in den britischen Midlands erzeugt, einer Gegend, die auch fuer andere hochqualitative Produkte, wie zum Beispiel Rover oder Austin bekannt geworden ist. Und unterschlagen wuerde ich auch, dass meine Edelkarrosse zu 95% aus Materialien oder Baugruppen besteht, die auch in viel billigeren Autos verbaut werden. OK, ich wuerde mich ueber die defekte Sitzmassage aergern, aber an meinem grundsaetzlichen Verstaendnis, dass Rolls Royce die qualitativ besten Autos der Welt baut, wuerde ich nicht ruetteln. Ich habe wohl einfach nur Pech gehabt und vertraue jetzt auf das Geschick des Kundendienstes, der ja bei einem so hochpreisigen Produkt ganz bestimmt auch erstklassig ist. Soweit, so naiv.

Ich fahre ja auch keinen Rolls Royce, sondern einen schon etwas in die Jahre gekommenen Audi. Aber mit dem hat sich im Prinzip genau die oben beschriebene Geschichte abgespielt. Dieser Audi war mein allererster Neuwagen, mein ganzer Stolz, gekauft im Vertrauen, eines der qualitativ besten Mittelklassenautos zu kaufen. Dieses Image hatte Audi fuer mich schon lange, mit grosser Wahrscheinlichkeit stammt dieses Image aus meiner Zeit als KfZ Mechaniker Azubi in einer VW/Audi Werkstatt. Einen Audi durfte da nicht jeder anfassen, erst recht keine Lehrlinge mit zwei linken Haenden und dreckigen Fingern. Ein Audi war etwas Besonderes, wer in dieser Werkstatt an Audis arbeiten durfte, der stand automatisch damit auf einer hoeheren Stufe der internen Mechaniker-Hierarchy. Sowas praegt, gleich nach Bestehen der Fahrpruefung musste es einfach ein Audi sein. Und folgerichtig war mein erstes Auto dann ein Trabant, denn auch Audi kommt ja urspruenglich aus Zwickau, ich war also nahe dran an der Erfuellung meiner mobilen Autotraeume.
Ein Audi mag zwar jetzt nicht jedermanns Geschmack sein und ueberzeugte BMW oder Daimler Fans nicht hinterm Ofen hervorlocken, aber mit Bezug auf die Qualitaet und wie sich dieses Auto einfach von innen so anfuehlt, da kommt keine der anderen beiden Marken ran. Davon war ich ueberzeugt.
Irgendwann war es dann endlich soweit, ein nagelneuer Audi stand vor der Tuer, die sorgen- und maengelfreie Zeit konnte also losgehen. Und in den ersten zwoelf Monaten gab es auch nur wenige Probleme, nichts, worueber man sich aufregen muesste. Es gab:
  • Einen Riss in der Frontscheibe
  • Eine defekte Tachoeinheit, besonders schoen in der Nacht, weil das ganze Teil blieb komplett dunkel, damit war es also auch egal, dass der Tacho oder der Drehzahlmesser nicht ging
  • Einen CD Wechsler, der keine CD’s mehr findet (auch Original CD’s, fuer den Fall jemand unterstellt mir hier was)
  • Leerlaufschwankungen, besonders schoen an der Ampel, wenn das Nachbarauto glaubt, man will ein Wettrennen provozieren
Ich glaube, es haben schon Leute Neuwagen mit weniger Maengeln mit dem Verdacht auf Montagsautosyndrom zurueckgegeben. Ich war auch wirklich recht frustriert, will ich ja gar nicht abstreiten. Was stimmte denn hier nicht mit den ganzen euphorischen Testberichten und meinem eigenen Selbstverstaendnis bezueglich der hochgepriesenen Audi Qualitaet?

Habe ich damals aber entnervt Leserbriefe an Autobild geschrieben? Blogs oder Foren gab es damals ja noch nicht. Nein, habe ich nicht, denn trotz der beschriebenen Probleme, die uebrigens saemtlich kostenlos und endgueltig als Garantiefaelle behoben wurden, war das immer noch mein Traumwagen. Das Auto fuehlte sich trotz allem immer noch wie ein qualitativ hochwertiges Produkt an, nichts klapperte oder knisterte, alles fuehlte sich hochwertig an, der Motor war eine reinste Freude. Das Auto machte einfach Spass. So frustrierend diese Ausfaelle auch waren, diese konnten alle behoben werden, ab dann war Ruhe. Und inzwischen ist das Auto stolze 12 Jahre alt und hat ueber 250.000 Kilometer auf dem Buckel, ohne jeglichen weiteren Mangel.

Und jetzt kommt es zur Heiligsprechung, denn vor ein paar Tagen fuhr ein Kollege bei mir mit, ein unbeirrbarer BMW Fan. Er konnte meinen Audi mit dem nur zehn Jahre alten 5-er BMW seines Vaters vergleichen, mit nur 150.000 km Laufleistung. Hier das Original Zitat „Ich kann nicht glauben, dass dieses Auto hier aelter und mehr gefahren ist, als das Auto meines Vaters. So wie der BMW im Vergleich dazu knistert, klappert und rumpelt. Und dieser hier, man koennte glauben, der sei neu. Das Design ist vielleicht nicht mehr ganz frisch, aber ansonsten haettest Du wahrscheinlich keinen Grund, dir sehr schnell ein neues Auto zuzulegen“. Inzwischen will er seinen Vater, der seine Autos offensichtlich auch lange haelt, zu einem Kauf eines Audis bewegen. Man kann es fast nicht glauben, oder?

Worauf will ich eigentlich mit diesem Beitrag hinaus? Zuerst ging es um das Thema Marken und Image, dann ein Vergleich zwischen Autos und Haeusern. Und im letzten Abschnitt ein Bericht ueber meine Erfahrungen mit Maengeln bei einem Qualitaetsprodukt. Ich will nun aber doch noch einmal auf das Thema Hausbau zurueckkommen. Huf Haus hat ja auch schon ohne den Vergleich mit Rolls Royce einen erstklassigen Ruf beim Thema Qualitaet. Nichts anderes war bisher zu lesen oder zu hoeren. Aber auch Huf Haeuser werden von Menschen gebaut, aus Materialien, die auch andere Haushersteller verwenden. Und wichtige Komponenten, wie zum Beispiel die Heizung, werden durch dafuer besser spezialisierte Firmen hergestellt und geliefert und finden sich somit auch in Haeusern der verschiedensten Hersteller. Ganz wie bei einem Auto besteht auch so ein Huf Haus aus Tausenden Bauteilen, die zwar aehnlich wie Autos im Schutze einer Werkhalle und unter Zuhilfenahme hochpraeziser Verarbeitungsvorgaenge erzeugt werden, aber eben doch erst am Ende ein Haus ergeben und dann irgendwie als gemeinsames Ganzes funktionieren muessen. Huf scheint dabei nur wenige Fehler zu machen, der gute Ruf kommt ja nicht von irgendwo her. Aber es ist unausbleiblich, dass bei einem so komplexen Produkt eben doch hin und wieder Dinge passieren, die man bei einem Haus dieser Preisklasse vielleicht nicht erwartet haette. Muss man da wirklich viele Worte darueber verlieren? Ganz sicher gibt es doch auch nagelneue Rolls Royce auf dieser Welt, an denen nach einigen Wochen schon irgendwelche Maengel abgestellt werden mussten. Wuerde ein Rolls Royce Besitzer dann gleich einen Blog eroeffnen und seinen Frust von der Seele schreiben?

Zumindest bei Huf Haus gibt es so einen Blog aber jetzt. Der erste frustrierte Huf Haus Kunde, ueber den ich lesen konnte. Was war passiert?

Ganz zum Anfang gab es wohl schon Probleme bei der Planung und mit einem recht unfreundlichen Architekten. Huf kauft die Architekten ja extern ein, das sind also keine Huf Mitarbeiter, und in dem Fall wurde der Architekt wohl auch schnell ausgetauscht. Klingt erstmal gar nicht so uebel, aber leider war das auch nur der Anfang der Problemserie. Darueber schreibt man auch noch keinen Blog.

Die richtigen Gruende fuer den Frust kommen jetzt erst, angefangen mit der Heizung. Zuerst wurde wohl eine falsche Heizungsart eingebaut, statt Erdwaerme- eine Luft-Wasser-Waermepumpe. Das klingt nun schon fast unglaublich. Nicht nur wird im Austattungsprotokoll ueber mehrere Seiten die Heizungsart beschrieben und der Kunde gebeten, jede einzelne dieser Seiten mit den Vereinbarungen gegenzuzeichen, auch in der Zeichnung des Keller-Technikraumes haette man sehen muessen, dass eine Luftwaermepumpe recht grosse Be- und Entlueftungsschaechte benoetigt. Wenn an beiden Stellen aber wirklich eine Erdwaermepumpe vermerkt war und dann trotzdem die falsche Heizung geliefert wurde, dann ist mir echt schleierhaft, wie so etwas passiert. Wobei, mir ist auch aus dem Blog von Ric Capucho ein Bericht bekannt, in dem er beschreibt, dass er die falschen Dachziegel geliefert bekam. Er hat das aber recht locker gesehen, der Fehler fiel schnell auf und wurde ohne Murren behoben, nicht einmal ansatzweise wurde der Versuch unternommen, ihn doch noch auf die neue Dachfarbe umzustimmen um die Extratour ins Lager zu umgehen.  

Inzwischen hat auch unsere Blogschreiberin die korrekte Heizung bekommen, ich hoffe mal, das lief aehnlich problemlos ab, aber immer noch ist die Bauherrin nicht zufrieden. Die jetzt eingebaute Erdwaermepumpenanlage ist wohl nur in der Lage entweder das Wasser oder die Raeume warm zu bekommen, aber wohl nicht beides gleichzeitig. Und dazu kommt, dass sie dabei weit mehr verbraucht, als versprochen oder sogar gesetzlich erlaubt. Angegeben wurde ein Jahresstromverbrauch von 9.000 kWh fuer die Heizung alleine! Rechnet man das mal kurz nach, mit einer angenommenen Jahresarbeitszahl der Waermepumpe von 3,5 (fuer eine Erdwaermepumpe kein besonders hoch gegriffener Wert) und bei 200qm Wohnflaeche komme ich auf ueber 150kWh/(qm*a). Das sind 50% mehr als laut EnEV fuer Neubauten erlaubt! Und sogar mehr als doppelt so viel, als ein KfW70 Haus eigentlich verbrauchen darf. Wir nehmen ja mal an, dass es sich bei dem genannten Haus um eines der neuen Huf Generation „Green(R)evolution“  und somit ume ein KfW70 Haus handelt. Wie ist denn sowas moeglich?
Andere Gruende fuer den Frust sind
  • eine Dunstabzugshaube, die sich mehrfach taeglich vom Stromkreis trennt und dadurch die Digitaluhr auf Null zurueckstellt
  • die kontrollierte Be- und Entlueftung, in diesem Fall besonders komplex ist, weil mit Raumluftbefeuchtung versehen, die innerhalb weniger Stunden ein schoenes Gewaechshausklima im Haus erzeugt
  • einer der Jalousiemotoren ist kaputt, somit bleibt eine der Jalousien immer unten (besser waere wohl gewesen, der Motor haette den Geist aufgegeben, als die Jalousie gerade oben war?)
  • schlecht schliessende Balkon- und andere Tueren
  • ein 15 cm Riss in einem Balken
Ich will jetzt hier nicht den gesamten Inhalt dieses etwas anderen Blogs wiedergeben. Wer Lust hat, der kann das alles viel ausfuehrlicher lesen unter diesem Link hier http://hufhausmaengel.blogspot.co.uk/

Reichen die oben aufgefuehrten Punkte jetzt schon aus, die Qualitaet bei Huf grundsaetzlich anzuzweifeln? Fuehlt sich das Haus dadurch jetzt etwa billig an oder ist es eventuell sogar in der Konstruktion gefaehrdet? Gibt es in der Liste irgendwelche Maengel, die sich gar nicht oder nur mit einem unverhaeltnissmaessig grossen Aufwand reparieren lassen?
Ich habe den Blogbeitrag, wen wundert es, jetzt schon mehrfach gelesen, die meisten der Maengel koennte man in einer der zwei unten aufgefuehrten Kategorien einsortieren:
  • Maengel, die mit Komponenten der Ausstattung (Heizung, Lueftung, Jalousien, Dunstabzugshaube) zusammenhaengen, also mit der Konstruktion des Hauses nichts zu tun haben
  • Maengel wie schlecht schliessende Tueren, Risse im Fenstersilikon, Fliegengitter – die sich eigentlich leicht und ohne grossen Kosten abstellen lassen sollten
Noch Gruende zur Sorge? Eigentlich nicht, oder? Kann man also schon Entwarnung geben und die frustrierten Aeusserungen der Bloggerkollegen schon wegsortieren?
Vielleicht noch nicht ganz. Denn dieser Blog hat eines ganz sicher gezeigt, auch ein Rolls Royce kann aufgrund einer Haeufung an Maengeln ein ganz schoen frustrierendes Auto werden. So frustrierend, dass man mit dieser Nachricht sogar an die Oeffentlichkeit will.
Wer kennt eigentlich noch die alte Marketingweisheit, dass von zehn zufriedenen Kunden vielleicht nur ein Einziger jemanden anderen von seinen guten Erfahrungen berichtet, dass aber ein unzufriedener Kunde alleine mindestens zehn weiteren Personen von seinem Pech erzaehlen wird. Und im Internetzeitalter werden aus zehn Personen ganz schnell Tausende.

Nun ist das Verhaeltnis zwischen zufriedenen und enttaeuschten Huf-Kunden ja immer noch eindeutig auf der Seite derer, die so ein Haus sofort und bedenkenlos weiterempfehlen wuerden. Wuerde Huf aber seine Haeuser bei ebay verkaufen, dann waere die 100% bei den positiven Bewertungen jetzt futsch. Das ist zwar schade, aber auch nicht das Ende der Welt. Vielleicht ist damit auch nur ein Stueck Realitaet in unsere persoenliche Huf Geschichte zurueckgekehrt. Waren ja gerade die vielgepriesene und besungene Qualitaet und das Vertrauen, dass man mit Huf ohne Sorgen ein Haus auch dann bauen kann, wenn man sich in den meisten Wochen waehrend der Bauzeit in ueber 1.000 km Entfernung befindet, die Punkte, die wohl am ausschlaggebendsten fuer unsere Kaufentscheidung waren.

An meiner Ueberzeugung, dass wir uns richtig entschieden haben, hat der Blog-Beitrag jedenfalls nicht geruettelt. Aber vielleicht ist man ja jetzt etwas sensibilisiert worden, und dafuer danke ich der Blog-Kollegin. Wir wissen noch nicht, wie es bei unserem Hausbau am Ende laufen wird, und ich habe grosse Hoffnungen, dass sich auch bei dem beschriebenen Haus die Maengel irgendwann alle abstellen lassen und die Bauherrin nebst Familie endlich zu dem Wohnerlebnis kommt, welches man in einem Huf Haus erwarten wuerde. Schliesslich baut ja keiner ein Huf Haus, weil er mal eben irgendwo bauen und leben moechte. So ein Haus ist mit Emotionen verbunden. Und es ist die Natur von Emotionen, dass sie leicht zwischen den Extremen schwanken. Aus tiefstem Frust kann schnell wieder Begeisterung werden. 

Der Vergleich von Haeusern mit Autos hinkt natuerlich und vereinfacht doch recht stark. Aber trotzdem hat mich die Geschichte der Bauherrin an meine erste Erfahrung mit einem Neuwagen erinnert. Gekauft aufgrund der Begeisterung fuer die Marke und dem fast blinden Vertrauen in die Qualitaet des Produktes, frustriert aufgrund der hohen Anzahl an Maengeln, die zwar jeder fuer sich durchaus als Lappalie haetten durchgehen koennen, das Vertrauen wiedergewonne, weil sich die Maengel irgendwann abstellen liessen und keine neuen Maengel dazukamen. Und jetzt nach zwoelf Jahren ohne groessere Probleme ein ueberzeugter Kunde, der sich nicht vorstellen kann, jemals eine andere Marke zu fahren. Ich druecke die Daumen, dass sich das am Ende auch bei dem Haus unserer Bloggerin so entwickeln wird.

Sonntag, 3. Juni 2012

Diamanten Jubiläum

Heute war mal wieder einer der Tage, an denen man mit grossen Plaenen aufgestanden ist und am Ende doch den ganzen Tag vor dem Fernseher verbracht hat.

Der grosse Plan bestand eigentlich darin, frueh aufzustehen und mit dem Auto in die Stadt zu fahren. Dort im kostenlosen (nur Sonntags) Parkhaus parken und mit dem Zug nach London, um dort wenigstens einen Teil der grossen Queen Jubiläums-Bootshow zu sehen.

Bisher haben wir von dem Jubiläum noch nicht so viel mitgekommen. Entgegen der allgemeinen Nachrichtenlage haengen in unserer Strasse kaum "Union Jacks" an den Haeusern. Auch in den Geschaeften kamen die Blau-Rote-Weissen Farben auch nur sehr sporadisch vor und "Street Parties" gab es in unserer langweiligen Strasse auch bisher keine. Man sieht zwar vereinzelt Jugendliche und Kinder in rot-weissen T-Shirts mit der Aufschrift "Come on England", aber das hat wohl eher mit der bevorstehenden Fussball-Europameisterschaft zu tun.

Um also das Jubiläum nicht ganz zu verpassen, wollten wir heute frueh eigentlich nach London fahren. Denn schliesslich koennte das hier ja schon das letzte Jahr fuer uns hier im Koenigreich sein, und da wollten wir doch wenigstens einmal die Queen sehen. Schon vor sieben Jahren, kurz nach unserem Umzug, hatten wir uns aus genau diesem Grund einmal auf den Weg nach Windsor gemacht, die Hochzeit von Charles und Camilla stand an. Beste Gelegenheit zum "Royals Gucken".
Aus rechtlichen Gruenden musste die Hochzeit ja in einem oeffentlichen Rathaus stattfinden, ganz entgegen der eigentlichen Idee von Prinz Charles, das das gerne hinter den verschlossenen Mauern des Windsor Castle stattfinden lassen wollte. Der rechtliche Grund bestand darin, dass in England jede Hochzeit in einem offiziellen dafuer vorgesehenen Gebaeude oder Raum stattfinden muss, man waere zwar bereit gewesen, fuer diese koenigliche Hochzeit einen Raum im Schloss Windsor als offiziellen Raum zu deklarieren, aber das haette bedeutet, dass danach auch jeder andere englischen Plebs das Recht gehabt haette, in diesem Raum zu heiraten. Wahrscheinlich hat der Gedanke, in Zukunft jede Menge Proletariats-Hochzeiten im Schloss zu haben, den Prinz dann doch in das normale Rathaus getrieben, also unsere Chance, davon etwas zu sehen.

OK, wir waren zwar da, und konnten auch jede Menge koenigliche und sonstige bekannte Gesichter sehen, das waren aber alles Doppelgaenger. Immerhin waren wir nah genug dran, die lange Reihe der wartenden Hochzeitsgaeste zu sehen, die geduldig auf Einlass in das Schloss warteten. Haetten wir gewusst, wer da alles auf der Gaesteliste stand, wir haetten doch mal etwas genauer hingeschaut. So haben wir neben den Royals eben auch Elton John und David Beckham verpasst.
Immerhin konnten wir von dem Event eine Erinnerungstasse mitnehmen. Das klingt jetzt vielleicht komisch und altmodisch, ich fand die Idee aber gut, dass sich auf dieser Tasse das falsche Hochzeitsdatum befindet. Denn die Hochzeit musste kurzfristig um einen Tag verschoben werden, das ungeplante Ableben des Papstes hatte den eigentlichen Termin unmoeglich werden lassen. Und so habe ich jetzt eine Tasse, die in ein paar Jahren mal Millionen in ebay bringen wird. Ich nehme ja mal, dass die anderen Sammler die anderen x-Millionen Tassen, die allesamt das falsche Datum bekommen haben, zu meinem Gunsten irgendwann einmal fallen lassen werden.

Genau ein Jahr spaeter haetten wir wieder eine gute Gelegenheit zum Queen Gucken gehabt. Im April 2006 wanderte sie mehrere Stunden durch die Haupstrassen von Windsor und liess sich vom Volk zum achtzigsten Geburtstag gratulieren. Aber auch das haben wir verpasst, ist ja auch gemein, denn das wurde gar nicht offiziell angekuendigt. Wie soll man das dann auch wissen?

Da wohnen wir nun schon fast genau neben dem Lieblingsschloss der Queen und haben es in ueber sieben Jahren trotzdem nicht geschafft, sie wenigstens einmal zu Gesicht zu bekommen. Mehrfach waren wir als Tourist sogar zu einem Zeitpunkt im Schloss, an dem sie anwesend war, gut erkennbar durch die koenigliche Standarte auf dem Dach. Aber ausser dass man dan weniger Eintritt zahlt, weil man eh nicht in die Raeume sondern nur durch den Hof schlendern darf , hat so eine koenigliche Anwesenheit keine Vorteile. Gezeigt hat sie sich bei so einer Gelegenheit noch nie. Wahrscheinlich war sie aber eh schlecht gelaunt, weil aufgrund der unguenstigen Windrichtung wieder einmal die dicken Jumbos in 200m Hoehe ueber das Schloss hinwegdonnerten um im nahe gelegenen Heathrow zu landen. Und da es sich bei dem Flughafen um einen recht betriebsamen handelt, war da einiges los in der Luft. Dieser Laerm hat mal einen amerikanischen Touristen zu der Frage hingerissen, warum die das Schloss so nahe an den Flughafen gebaut haben. Kein Witz, das habe ich mir nicht ausgedacht, mir hat ein englischer Touristenfuehrer unter Eid geschworen, dass diese Geschichte stimmt.

Aber heute sollte es soweit sein, wir wuerden nach London fahren und uns einen gemuetlichen schattigen Platz an der Themse suchen und von dort dann die wohl tausend Boote an uns vorbeischippern sehen. Und auf einem dieser Boote, wahrscheinlich dem groessten und schoensten, wird dann eine kleine aeltere Dame stehen, das wird sie dann wohl sein. Rechts und links von Ihr ein paar stattliche Gestalten in Admiralsuniform mit ganz viel Lametta, das sind die drei Generationen Prinzenrolle. Dazu noch ein paar feine Damen unter riesigen Hueten, von denen aber nur Kate ein echter Hingucker ist. Es sei denn, die lassen auch ihre Schwester mit aufs Koenigsboot, auch die ist, wenn man mal original englischen Jugendjargon einfliessen lassen darf, recht fit. 

Leider wurde wieder nichts daraus. Denn zwei Sachen hielten uns dann doch von der abenteuerlichen Reise nach London ab. Da waere zum einen der Gegensatz zwischen geschaetzten zwei Millionen Leuten mit festen Reiseabsichten und der darauf bestens vorbereitete englische Nahverkehr. Wenn sogar der Rundfunk bereits 9 Uhr morgens meldet, dass man eventuelle Absichten einer Fahrt nach London lieber sein lassen sollte, weil die Zuege jetzt schon Passagiere auf den Bahnsteigen stehen lassen, dann muss da doch was falsch laufen. Unser Wohnort liegt an der wichtigen West-Ost-Bahnverbindung. Zuege kommen hier auf dem Weg nach London entlang des M4 Korridors an einigen groesseren Staedten vorbei, man kann sich dann wohl ausmalen, wieviel Platz in der letzten groesseren Stadt vor Endstation in London Paddington dann noch gewesen waere. Das Konzept von Sonderzuegen, wie es in Deutschland einmal fuer jede Loveparade ueblich war, kennt man hier nicht, ein koenigliches 60 jaehriges Kronjubiläum scheint noch nicht genug Anlass fuer so einen Aufwand zu sein. Und an so einem Tag mit dem Auto nach London, so bloed muesste man erstmal sein.

Der andere Grund, und das war dann letztendlich ausschlaggebend fuer unsere Entscheidung Pro-Sofa, war der Wetterbericht. Jeder hat ja von London schon seine vorgefertigte Meinung ueber das zu erwartende Wetter. Und bisher haette ich dieser Meinung immer widersprochen, denn ich kann durchaus behaupten, dass auch wir hier ab und zu den blauen Himmel sehen. Im Jahresmittel regnet es in London weniger als in Mailand, das erzaehle ich jedem, der mir seine ungefragte Meinung ueber das Wetter an unserem derzeitigen Wohnort mitteilt. Nicht, dass ich diese These je nachgeprueft haette, das habe ich wohl irgendwo mal aufgeschnappt und seitdem gehoert sie zu meinen unbewiesenen Weisheiten. Aber sicher ist eines, es war hier in England, also wir uns im Sommer 2006 eine portable Klimaanlage gekauft haben. Nur mit dieser konnten wir die Temperaturen damals in einem einigermassen ertraeglichen Bereich halten, wenn auch nur im unteren Wohnbereich. Noch nie habe ich in einer unserer bisherigen Wohnungen eine Klimaanlage vermisst. Das koennte aber auch an der besonders hochwertigen englischen Bauweise unseres Hauses liegen.

Heute jedenfalls haetten wir keine Klimaanlage gebraucht, sondern einen moeglichst grossen und stabilen Regenschirm. Heute stimmte jedes Vorurteil ueber englisches Wetter bis ins Detail. Es stuermte und goss dabei aus Kannen, es war die reinste Freude fuer einen Tag Anfang Juni. Zuerst hatten wir uns wegen unseres Zuhausebleibens noch geaergert, nachdem wir das Drama aber im Fernsehen miterleben konnten, war uns klar, dass wir eine gute Entscheidung getroffen hatten.


Taten uns die Leute leid. Manche hatten seit morgens 7 Uhr in der Naehe der Themse gehockt, und dabei hatte der Regen schon gestern abend angefangen und seitdem eigentlich nicht aufgehoert. Auf das koenigliche Schiff wurde eiligst ein Regenschutz montiert, viele der fast eintausend Boote waren aber komplett offen und dem Unwetter somit voll ausgesetzt. Die Gaeste auf den Aussichtsplattformen der Dampfer haetten sich die schicke Sonntagskleidung auch sparen koennen.

Am Ende der Parade sang trotzdem noch ein Chor unter Beihilfe des London Philharmonic Orchestra Klassiker wie "Oh Britannia" und "God Save The Queen" - unter einem Regenprassel, auf den unsere Regendusche stolz gewesen waere. Patschnass waren die, die schwarzen Anzuege bzw. Kleider klebten den Saengern schwer am Koerper. Das Makeup lief den Damen foermlich aus den Augen und die vorher sicherlich top gestylten Haare, man singt schliesslich fuer die Queen nicht jeden Tag, alles ruiniert.


Die Gruppe gab aber ihr Bestes und die haben trotz widrigster Umstaende wirklich schoen gesungen. Gefragt habe ich mich nur, wieviel davon bei der Queen angekommen ist. Was hoert man schon unter einem Plexiglasdach bei stroemenden Regen?


Am Ende der Show fand noch ein kurzes Feuerwerk statt, abgeschossen von der Tower Bridge, das verschwand aber sofort in den tiefhaengenden Wolken und legte sich kurz daraud als Dampfglocke ueber das koenigliche Schiff. Nicht, dass man ohne diese Dampfhaube sehr viel mehr gesehen haette. Da fiel das wetterbedingte Wegbleiben der Royal Air Force Flugstaffel wenigstens nicht so auf.


 
Und da ging sie nun dahin, eine unserer letzten Chancen, noch vor dem Wegzug aus England die Queen zu sehen. Um jetzt ueberhaupt noch eine Chance zu haben, muessen wir wohl anfangen, uns fuer Pferderennen zu interessieren. Mein Schwager hatte da mehr Glueck, schon nach drei Monaten in Cambridge konnte er immerhin Prinz Charles einmal die Hand schuetteln. Die Welt ist ungerecht.

Mit unserem Hausbau hatte dieser Blogbeitrag nun nicht so viel zu tun, aber wie schonmal erwaehnt, ist das hier ja auch kein reines Bautagebuch. Ich will also gar nicht erst versuchen, irgendwelche Parallelen zu Huf-Haus oder der Oberlausitz herzustellen. Ich koennte zwar berichten, dass auch die Firma Huf dieses Jahr ein Jubiläum feiert, sogar 100 Jahre, aber das ist den Huf Haus Fans wahrscheinlich eh schon bekannt. Und regnen kann es in der Oberlausitz auch ordentlich, spaetestens seit meiner Motorradtour mit angehaengter Grundstuecksuche kann ich das voll unterschreiben.


Dienstag, 29. Mai 2012

Meine Ecke

es ist immer wieder interessant, zu lesen, mit welchen Suchbegriffen man irgendwie in meinem Blog gelandet ist. Wonach manche im Internet so suchen, schon witzig. Und inzwischen kann ich mit einigem Stolz behaupten, dass recht viele dieser Suchanfragen bei mir auch wirklich die eine oder andere Antwort finden, ob diese am Ende allerdings nuetzlich war, das sagt meine Statistik leider nicht.
Es gibt aber doch einen sehr prominenten Suchbegriff, den ich bisher ganz bewusst ausgelassen habe.
Denn ich habe auch wirklich noch nicht viele Worte ueber unseren "Huf Haus Grundriss" verloren.

Die meisten Bautagebuecher, bei denen ich mitlese, haengen schon meist recht am Anfang den gesamten Grundriss aller Etagen der geplanten Haeuser in den Blog. Da guckt man dann mal kurz drauf und findet das schoen oder auch nicht, aber so richtig erschliesst sich mir nie, warum der Grundriss denn genau so wie gezeigt einmal geplant wurde. Nehmen wir doch an, dass die meisten ihre Haeuser in der Idee bauen, so lange wie moeglich darin wohnen zu bleiben. Dann muessen doch auch unendlich viele Stunden Entwickeln und Verwerfen in die Gestaltung des Grundrisses geflossen sein. Und fast nichts wird ja spaeter einmal das Wohlbefinden im eigenen Haus mehr beeinflussen, als die optimale Anordnung der Zimmer, Fenster und Tueren. Trotzdem verschwenden die meisten Baublogs nicht wirklich viele Worte zu dem Thema, sondern heften einfach eine Serie von Bildern in den Text und ueberlassen es dem Leser, sich selber einen Reim auf die Zeichnung zu machen.

OK, will ich mal versuchen, hier anders zu sein. Zeit habe ich ja genug. Zugegeben, die meisten der anderen Blogs haben auch schon genuegend ueber den jeweiligen Baufortschritt zu berichten. Doch genau da kann ich leider noch nicht viel beisteuern. Nennenswerte Fortschritte auf unserem Bauland gab es seit Monaten nicht, dort wurde noch kein einziger Grashalm umgeknickt. Betrachte ich meinen derzeitigen Fortschritt bei Baugenehmigung und Finanzierung, dann wird das wohl auch noch eine Weile so bleiben.
Weil ich aber trotzdem den Ehrgeiz habe, hier jede Woche etwas schreiben, muss ich eben das Thema der Grundrisse so richtig breit angehen. Man moege es mir nachsehen. 

Wenn ich oben behauptet habe, bisher noch nichts ueber unseren Grundriss verraten zu haben, dann stimmt das nicht ganz. Denn in einem noch nicht lange zurueckliegenden Beitrag liess ich zu dem Thema ja schon ein ganz klein wenig was blicken. Besonders die geplante Nutzung eines ganz speziellen Platzes im zukuenftigen Wohnkeller wurde dort schon einmal umrissen. Und an genau diese Stelle komme ich jetzt also nochmal zurueck und starte von hier die lange Reise durch das Haus.
Diese erste zu beschreibende Stelle ist in Wirklichkeit sogar nur eine Ecke eines recht grossen Zimmers an der Suedseite unseres Wohnkellers. Genauer handelt es sich hier um die Sued-West-Ecke des sogenannten Hobbyraumes. Das ist also genau die Ecke des Kellers, die spaeter einmal aus unserem Hanggrundstueck herausgucken wird und somit vollen Zugriff auf natuerliches Licht hat.
So sieht die laut der letzten Architekten Zeichnung in dieser Ecke aus.Nichts besonderes, oder?


Das ist ja noch nicht wirklich ein kompletter Grundriss, oder?
Aber wir sind ja auch erst am Anfang. Und trotzdem geht schon alles durcheinander. Die obige Zeichnung is inzwischen schon laengst nicht mehr aktuell. Denn in der Zwischenzeit gab alleine an dieser einen Stelle schon zwei nicht unwesentliche Aenderungen. Zum einen ist die Wand rechts, also die im Westen, jetzt eine echte Betonwand und nicht mehr komplett aus Glas. Und zum anderen gibt es an der Suedwestlichen Ecke  jetzt auch keine geschlossene Glaswand mehr, sondern neuerdings eine Glas-Fluegel-Kipp-Tuer. Gegen Aufpreis laesst sich die sogar von aussen aufschliessen und auch eine Mindest-Lichte-Breite von einem Meter und eine so niedrig wie moegliche Schwelle war mir dort sehr wichtig.

Was hat es denn nun mit dieser Tuer so auf sich, warum reite ich auf der herum? Wer den frueheren Beitrag jetzt schon gelesen hat und sich noch erinnert, der wird vielleicht noch wissen, dass durch genau diese Tuer einmal ein dickes, schweres Motorrad geschoben werden muss. Eine 330kg schwere Harley traegt man auch nicht so einfach ueber eine 10cm Tuerschwelle. Und eine lichte Breite unter einem Meter haette bedeutet, dass ich die Maschine nur nach vorheriger Demontage der Rueckspiegel ins Haus bekommen haette. Wie man sieht, alles durchdacht hier.
Wer beim Betrachten des obigen Bildes wirklich gedacht hat, "Hobby" heisst bei uns "Gewichte stemmen" der hat nur zum Teil recht. Das schwerste Stueck Eisen im Haus wird allerdings nicht auf einer Hantelbank liegen, sondern auf zwei dicken Raedern im Wohnkeller stehen. Damit bin ich dem Traum eines gewissen Wolfgang Fierek, der seine Harley am liebsten im Wohnzimmer hat, so nahe wie gekommen, wie es Ehefrauengenehmigungsfaehig war.

Wir haben also noch gar nicht richtig begonnen, die ganzen Grundrisse hier zu beschreiben, und trotzden gibt es schon die erste grundlegende Berichtigung. Unten die verbesserte Variante, diesmal mit Tuer und Motorrad. Man verzeihe mir bitte das schlechte Foto. Meine bescheidenen Kenntnisse der digitalen Bildbearbeitung liessen zu dieser spaeten Nachtstunde leider kein besseres Ergebnis zu.
Haette ich einfach so, ohne jeglichen Kommentar, den Grundriss des Architekten in den Blog kopiert, ein so wichtiges Detail wie meine zukuenftige "Motorradgarage" ware da doch glatt untergegangen. Und dabei war es dem Herrn Architekten sehr wohl bekannt, dass sich bei diese, meine Ecke nicht in ein Moechtegern-Fitness-Studio entwickeln wird. Welche Firma auch immer diese Architektursoftware entwickelt hat, ein dringender Verbesserungsvorschlag waere, unbedingt ein Motorrad als Standardmoebelstueck aufzunehmen.

Denn, ich muss ja auch ehrlich sein und zugeben, das gute Teil ist die meisten Monate des Jahres nur ein teures Moebelstueck. Immerhin eine Woche Ausfahrt konnte ich bisher pro Jahr heraushandeln, verbunden mit dem obligatorischen Vor- und Nachgezaenk. In den vielen unendlich langen Wochen zwischen diesen Ausfahrten war dann nur Staub wischen und Chrom polieren das groesste der Motorradevergnuegen. Und beide Aktivitaeten finden in Zukunft eben innerhalb des Hauses statt und nicht mehr in der zugigen Garage unter der flackernden Neonroehre inmitten von Tonnen ehemals dringend anzuschaffender und jetzt komplett vergessener Kinderspielgeraete.

Ueber die weitere Gestaltung dieses Raumes bin ich mir aber noch nicht im Klaren. Sicher ist aber, dass ich darueber wohl ganz alleine entscheiden kann, meine liebe Frau naehert sich freiwillig der Maschine nicht auf zwei Meter. Und so habe ich jetzt, noch bevor das Haus ueberhaupt gebaut wurde, schon meine persoenliche Ecke gefunden. Und mit der kann ich machen was ich will. Deshalb kommen hier jetzt auch nur meine Ideen vor, in der Reihenfolge, wie sie mir in den vergangenen Wochen so in den Sinn gekommen sind.

Was fuer Ideen gab es also schon?
Zum Glueck haben wir uns vor Wochen aus Kostengruenden bei der Westwand gegen die komplette Glasvariante entschieden. Denn die nun verfuegbare Betonwand hat so viel mehr Verwendungsmoeglichkeiten. Eine der Ideen fuer diese Ecke war zum Beispiel eine kleine Werkstatt. Die neue Wand koennte herrlich zum Befestigen von Werkzeug dienen. Probiert das mal an einer Glaswand. Und eine kleine Werkbank wuerde auch davor passen.
Warum eigentlich nicht? Zwei linke Haende sollte ich ja nicht haben, denn, ich kann es selber kaum noch glauben, in meinen wilden Jugendjahren habe ich einmal den Beruf eines Automechanikers erlernt. Das ist aber schon viele Jahre her, ich habe bei dem kurzlebigen Versuch der Ausuebung dieses Berufes dann doch recht schnell gelernt, dass ich mir Autos sehr viel lieber nur angucke, als mich im Blaumann darunterzuklemmen und mir das Tauwasser in den Nacken rieseln zu lassen. So sehr ich auch die Idee einer eigenen kleinen Werkstatt romantisch verklaere, wenn ich ganz ehrlich zu mir selber bin, das ist vielleicht doch nicht so mein Ding. Also weg damit.

Eine andere Idee waere das komplette Klischee einer Wand voll mit Postern und Regalen mit allerlei Harley Memoralien. Vielleicht noch die eine oder andere "Born to be wild" oder "Live to ride" Fahne, alles schoen in Schwarz und Orange gehalten, die perfekte Kopie der Stammkundenecke jedes x-beliebigen Harley Haendlers. Fehlt eigentlich nur noch, dass ich mir ein Tattoo wachsen und einen Bart stechen lasse. Diese Idee hielt sich doch recht lange, aber ich hasse Baerte und deswegen wurde auch das Bild recht schnell verworfen.

Mein derzeitiger Favorit fuer das Design dieser Motorradecke kommt eher aus der Kategorie Motorradreisen. Das kleine Motorrad mag vielleicht nicht wirklich viele Ausfahrten pro Jahr bekommen, aber wenn es rausgeht, dann auch richtig. Wales, Norwegen, 50 Alpenpaesse in einer Woche, fast alle deutschen Mittelgebirge, all das hat die dicke Berta schon gesehen. Und noch viele andere Ziele stehen auf der Wunschliste. Was koennte also an diese neue Betonwand besser passen, als eine taeuschend echt aussehende Fototapete mit einer Szene aus der Kategorie Motorrad-Reise-Traumziele. Stellt man es geschickt an, dann herrscht in unserem Wohnkeller in Zukunft alsbald die perfekte Illusion einer Hochalpenstrasse, oder haettet Ihr etwa gedacht, dass es sich im Bild unten um etwas anderes als eine Fototapete handelt?


Nein?
Ich schon, ist ja auch keine. Aber ganz sicher kann man sich da nie sein. Man muss halt auch ein kleines bisschen Phantasie haben. Solche Fototapeten kann man heutzutage in sehr beeindruckender Qualitaet und unglaublicher Detailtiefe im Internet bestellen. Das hat mit den Vertretern aus den Sechziger Jahren einfach gar nichts mehr zu tun. Einfach das richtige Motiv und die Groesse auswaehlen, und schon parkt man seine Maschine auf absoluten Traumstrassen, wie zum Beispiel dieser hier vom "Tal des Feuers" in der Wueste Nevadas, gefunden bei bilder-welten.net.


Ein Motorrad und eine Tapete, damit waere diese Ecke des Hauses schon so gut wie eingerichtet.
Weitere Moebel braucht es da auch nicht, eventuell nur noch ein bequemer Stuhl fuer die vielen Stunden, in denen "Mann" das Motorrad und die Tapete huldigen wird. Um dabei dann ganz langsam den Bezug zur Realitaet zu verlieren und sich dabei zu erwischen, die Chancen fuer eine echte Ausfahrt nach Nevada auszuloten.
Doch das ist wohl erstmal nur eine Traeumerei. Bis dahin bleibt das Sitzen in eben diesem Schaukelstuhl das wohl ungefaehrlichste und einzige Motorradvergnuegen. Welche Art von Bestechung ich an meine liebe Frau fuer so eine Ausfahrt aufbringen muesste, ich will es mir lieber gar nicht erst vorstellen. Eine schicke Kueche jedenfalls interessiert sie kein bisschen. Waere ja auch zu einfach gewesen, wenn meine liebe Gattin hier auch mal ueber ein paar geschlechtstypische Stereotypes verfuegen koennte.

So ich muss jetzt aufhoeren zu schreiben, die Waschmaschine ist fertig.