Donnerstag, 15. November 2012

Investitionsruinen

vor nicht allzu langer Zeit habe ich hier im Blog mal ueber meinen liebsten schottischen Whisky berichtet. Dieser stammt aus dem kleinen Staedtchen Oban an der Westkueste Schottlands, ungefaehr 1 Stunde Fahrzeit von Glasgow. Im damaligen Beitrag ging es um bestimmte Anlaesse, an denen ich meine zugegeben doch sehr teure Whiskyflasche hervorhole und mir ein Glas genehmige.

Wie man auch unter Schottischer Whisky noch einmal nachlesen kann, war der bisher letzte Anlass fuer ein Glaeschen das gleichzeitige Eintreffen der Baugenehmigung und des deutschen Arbeitsvertrages. Man teilt sich so ein edles Getraenk eben ein und weil es sehr schwer sein wird, wieder an eine solche Flasche heranzukommen, sucht man sich die Anlaesse ganz besonders sorgfaeltig aus. Man bedenke schliesslich, dass diese Sorte Whisky nur im Shop der Destillerie verkauft wird. Ich muesste also wirklich wieder nach Schottland fahren, sobald der letzte Schluck entweder verdunstet ist oder getrunken wurde.

Aber noch ist ja genug drin in der Flasche. Und das ist auch gut so, denn der naechste Anlass war ja beim damaligen Whiskygenuss schon in Sicht. War doch mit dem Eintreffen des Arbeitsvertrages die Finanzierungsbestaetigung einer Bank nicht mehr weit entfernt. So dachte ich.

Der letzte Schluck aus der Flasche liegt nun aber leider doch schon fast drei Monate zurueck. Diese Bank-Bestaetigung will und will einfach nicht kommen. Auch die Bank, fuer die ich mal wieder eine dieser unvermeidbaren Kurzreisen auf mich nehmen musste, konnte sich nicht zu einer Bestaetigung durchringen, die ohne schwierigen Bedingungen auskommen konnte. Im Prinzip geht es um die alte Geschichte, auch ein edles Huf Haus wird im Postleitzahlenbereich 027 so schlecht bewertet, dass es als Sicherheit fuer einen Kredit nicht ausreicht. Jedenfalls nicht bei meiner Eigenkapitalquote. Und dabei hatte diese Bank den Kreditrahmen schon so weit nach unten gesetzt, dass mir die Gedanken an die entstandene Finanzierungsluecke durchaus ein paar schlaflose Naechte bereiteten.

Aber irgendwie hatten wir diese Luecke schliessen koennen, sonst waere es vor zwei Wochen ja nicht zum Kreditantrag gekommen. Was fehlt also noch zum Glueck? Ach ja, eine weitere Sicherheit im sehr hohen fuenfstelligen Bereich soll gestellt werden. Nur woher die jetzt nehmen? Spar- und Barguthaben sind weitestgehend im Eigenkapital verplant, verpfaendbares Immobilieneigentum gibt es in der engeren Familie nicht. Irgendeine andere Idee? Lotto spielen? Machen wir doch schon. Ein reicher Goenner vielleicht?

Was also machen? Stecken wir den Kopf jetzt in den Sand und geben auf? Soweit ist es natuerlich noch nicht. Wer den letzten Beitrag "Verpassen" gelesen hat, der weiss, dass wir inzwischen was ganz anderes in den Sand gesteckt haben. Naemlich diesen Bagger hier.


Man erkennt sogar meinen Herrn Bauleiter rechts, der trinkt wohl gerade etwas

Wie geht das denn, werden sich vielleicht einige fragen. Wie kann man denn den Tiefbau anfangen, ohne dass die Finanzierung des Hauses vollstaendig geklaert ist? Nun die Antwort auf diese Frage ist ganz einfach.

Weil man eben ohne Tiefbau keinen Keller bauen kann! Dumme Frage, also wirklich.

Habe ich damit den Sinn der Frage richtig verstanden? Wohl eher nicht, das war ja auch nur ein Scherz. Aber es stimmt wirklich. Nur noch eine Woche und dann kommen auf meinem Gelaende ein paar kleine gruene Maennchen an, ich meine natuerlich gruene Autos. Und aus denen steigen dann wohl zwei oder drei Huf Monteure aus und bereiten die Bodenplatte vor. Kurz danach kommt der Beton, dann der Keller und das Beste daran, wir werden keinen Tag dieser Action verpassen. Denn wir reisen genau einen Tag vor Beginn der Arbeiten an und werden uns diesen Teil des Hausbaus nicht als kleinen weissen Punkt auf der Webcam angucken muessen. Denn bisher haben wir den Bagger so wie im Bild unten gesehen. Besser als gar nichts, grosses Kino, so eine Webcam. Es wird bestimmt nicht viele Bauherren geben, die bei ihrem Vorhaben so einen Luxus haben.
Aber zurueck zur eigentlichen Frage. Wie kann es angehen, dass mit den Tief- und Kellerarbeiten begonnen wird, ohne dass man ganz sicher weiss, ob am Ende das Geld fuer ein Haus wirklich da ist. Warum wuerde man so etwas machen?

Die Antworten sind vielschichtig. Und ich bin mir sicher, dass die folgenden Argumente fuer viele immer noch nicht ausreichend sein wuerden, sich auf so ein riskantes Spiel einzulassen.
Hier also erstmal die Argumente fuer dieses Vorgehen:
  • Der Keller wird noch komplett aus dem Eigenkapital bezahlt. Das ist aber eigentlich kein Argument, sondern eine Grundvoraussetzung. Haette schon der Keller und der Tiefbau finanziert werden muessen, dann waere hier eh nichts losgegangen
  • Im Ortsteil Waltersdorf ist ab dem spaeten November eigentlich mit Bodenfrost und Schnee zu rechnen. Da sich im Wetterbericht aber eine gewisse Warmphase abzeichnete, ergab sich noch ein kurzes Fenster fuer den Tiefbau in diesem Jahr. Und diese Chance wollten wir nutzen. Haetten wir das verpasst, dann waere hier vor Maerz wohl nichts gegangen. Dann haette es mit Sicherheit keinen Einzug im Fruehjahr 2013 gegeben und wir wuerden auf Monate in unserer nicht ganz billigen Ferienwohnung festsitzen
  • Saemtliche Vorarbeiten, wie zum Beispiel der Anschluss der Versorgungsleitungen fuer Wasser, Strom und auch die Erdwaermebohrung waren bereits in Auftrag gegeben und haetten auch kurzfristig gestoppt werden muessen 
  • Da wir bereits im November 2011 den Planungsvertrag mit Huf unterschrieben haben, gelten fuer uns noch die Preise von 2011. Diese Preisgarantie laeuft aber Anfang 2013 aus. Jede Finanzierung, die wir hier eventuell durchbekommen, haette aber schon bei dem derzeitigen Preis mehr oder weniger grosse Luecken. Wuerde der 2013 Preis nur um 3% steigen, liesse sich die dann noch groessere Luecke wohl kaum noch stemmen. Durch den nun bald erfolgenden Baubeginn sind wenigstens die vereinbarten Preise sicher. Das bringt wenigstens ein klein wenig Planungssicherheit, wenn man bei unserem Projekt davon ueberhaupt noch reden kann.
  • Es macht einem Keller relativ wenig aus, wenn er laenger als geplant ohne Haus so rumsteht. Sobald der Boden verfuellt und die Treppenoeffnung verschlossen ist, ist der Keller verwitterungssicher. Das Huf Fachwerk und die grosszuegige Verglasung, wie in den Bildern vom Beitrag Schluesselfertig oder dem Grundriss in Luecken schliessen zu sehen, kommt ja erst spaeter mit dem Haus. Wenn das dann einmal kommt.
Ueber die Risiken dieses Unterfangens brauche ich eigentlich nicht viel zu schreiben. Ich will lieber gar nicht erst darueber nachdenken, was waere, wenn wir wirklich ueberhaupt keine Finanzierung zustandebringen. Dieser Zustand wird nicht eintreten, so einfach ist das. Es wird vielleicht etwas laenger dauern, aber irgendeine Bank wird zuschlagen. Davon bin ich fest ueberzeugt, sonst haetten wir diesen Schritt auch nicht gewagt.

Dass unser Keller vielleicht doch einmal eine Investitionsruine werden koennte, diese Moeglichkeit ist aber trotzdem nicht ganz auszuschliessen. Und aus genau dem Grund habe ich diesem Beitrag ja auch genau diesen Titel gegeben. Kommen wir also noch einmal auf den anfangs besprochenen Whisky zu sprechen.

Kein Zusammenhang?       Doch!

Wie bereits erwaehnt, kommt dieser Whisky aus der kleinen schottischen Stadt Oban. Diese Stadt hat neben der Destillerie noch so einiges mehr vorzuweisen, zum Beispiel wurde von hier das erste Transatlantik-Telefon-Kabel nach Amerika verlegt. Aber ich will auf etwas anderes hinaus. Denn auf dem Bild unten, welches die Strandpromenade der Stadt zeigt, befindet sich auch eine der schoensten Investitionsruinen ueberhaupt.

Oban mit Investitionsruine
Es handelt sich hier um dem McCaig's Tower, ein Versuch, das Kolosseum von Rom nachzubauen. Fertig ist dieser Bau damals vor ueber hundert Jahren aber nicht geworden, am Ende fehlte es an Geld und Umsetzungswillen. Heute befindet sich sogar ein Bild dieses Towers auf jedem Etikett der Oban Whiskyflaschen, im Inneren wurde inzwischen ein Park angelegt, der Turm kann bestiegen werden und die Aussicht von dort ist einfach phantastisch. Vielleicht beinhaltet die finale Umsetzung nicht alle gewuenschten Details, aber hier steht er nun, Jahrzehnte nach Baubeginn. Und er ist ohne Zweifel eine Touristenattraktion und zum Wahrzeichen der Stadt geworden. Also eigentlich ist fast alles so gekommen, wie es vom Herrn McCaig einmal geplant war. Nur eben spaeter, viel spaeter.

Bitte jetzt aber keine vorschnellen Rueckschluesse ziehen. Ich habe hier nicht behauptet, dass mein unfertiger Keller einmal das neue Wahrzeichen von Waltersdorf wird. Wobei ich aber schon auf die beschreibenden Worte des Touristenfuehrers gespannt waere, der auf dem Denkmalpfad unweigerlich an dem Keller vorbei muss. In diese gefuehrte Wanderung wuerde ich mich dann ganz sicher irgendwann einmal inkognito einbuchen. Man kann sich manchmal an wirklich kleinen Dingen erfreuen.

Sonntag, 11. November 2012

Verpassen

Wenn man auf sein Leben irgendwann einmal zurueckblicken wird, dann wird man sich mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht so sehr ueber die Sachen aergern, die man gemacht oder erlebt, sondern eher bedauernd auf Sachen zurueckblicken, die man verpasst hat. Es sei denn natuerlich, man ist irgendwie straffaellig geworden, aber davon gehe ich jetzt einfach mal nicht aus.

Das Motto sollte also sein, zu versuchen, moeglichst wenige seiner Traeume oder Plaene auszulassen. Klar, man kann nicht alles schaffen, aber die Gefahr etwas zu verpassen steigt immens, wenn man die Ausfuehrung bestimmter Traeume auf einen unbestimmten Zeitpunkt in die Zukunft verschiebt oder wenn man die innere Einstellung hat, an einen Event nur deshalb jetzt nicht teilnehmen zu muessen, weil es diesen in der Theorie ja alle paar Jahre wiederkehrend gibt.

Auch wenn ich es wirklich nicht wahrhaben will, es ist nunmal so, ich befinde mich in der Mitte des Lebens. Man kann sich das zwar schoen rechnen und nur die Lebensjahre zaehlen, an die man sich ganz gut erinnern kann. Das wuerde dann so zirka 8 bis 10 Jahre am Beginn des Lebens ausklammern und die Rechnung wieder etwas besser aussehen lassen. Aber wer weiss denn schon, wie dann spaeter die letzten 8 bis 10 Jahren laufen werden. Vielleicht muesste man die ja dann auch wegrechnen. Man weiss ja noch nicht einmal, wann diese letzten 8 bis 10 Jahre anfangen.

Gehen wir also mal davon aus, dass wir jetzt in der Mitte des Lebens sind, dann sollte man ja schonmal kurz ueberlegen, was wir bis hier denn alles schon so verpasst haben oder wohl doch sehr wahrscheinlich verpassen werden. Und da fallen mir leider doch schon ein paar Sachen ein.

Sehr schade finde ich zum Beispiel, dass ich die Fussball WM 2006 in Deutschland verpasst habe. Vielleicht war ich ja sogar der einzige Fussballfan weltweit, der trotz laufender Ticketbewerbung mit Bangen gehofft hat, lieber kein Ticket zugeteilt zu bekommen. Ich haette es eh verfallen lassen muessen. Wir wohnten ja damals schon seit einem Jahr in England, was aber alleine nun noch kein Grund gewesen waere, andere sind von viel weiter angereist. Aber dass meine hochschwangere Frau in genau den Wochen der WM auf meiner Anwesenheit bestehen wuerde, haette ich mir auch schon vor der Ticketbestellung denken koennen. Folglich war ich also gluecklich, dass ich bei der Kartenverlosung leer ausgegangen bin. Noch nicht einmal ein einziges Public Viewing konnte ich sehen. Immerhin hatte ich die ganze Zeit die deutsche Fahne im Fenster haengen. Die einzige in der Strasse, vielleicht sogar die einzige in der ganzen Stadt. Es gab ja damals kein direktes Aufeinandertreffen mit England, das konnte ich mich also durchaus trauen.

Das Ausgangsverbot in Erwartung des ersten Babys sorgte im gleichen Jahr fuer ein weiteres Auslassen einer vielleicht einmaligen Gelegenheit. Ich war zur sogenannten 3 Peak Challenge eingeladen, einer Sportveranstaltung, zu denen britische Firmen Teams schicken, die dann innerhalb 24 Stunden auf den jeweils hoechsten Berg von England, Schottland und Wales rennen duerfen. Und das inklusive Fahrtzeit zwischen den jeweiligen Stationen. Um allerdings eine gefaehrliche Raserei auf den Autobahnen zu vermeiden, wird aber nur die Zeit des eigentlichen "Wanderns" gezaehlt und die Zeit fuer die Fahrten zwischen den Bergen wird festgeschrieben. Nun sind die Berge in diesen drei Laendern ja nicht so hoch, keiner wuerde ernsthaft das gleiche mit Deutschland, der Schweiz und Oesterreich versuchen. Aber anstrengend und spannend ist diese Tour trotzdem, schliesslich treten hier ja eher untrainierte und nicht gerade fitte Buerotiger an. Solche wie ich eben. Dieser Event findet uebrigens jedes Jahr statt, ich habe mich aber nie wieder ernsthaft darum beworben. Und naechstes Jahr wohnen wir nicht mehr hier. Verpasst eben.

Gerade in den letzten beiden Jahren haette es in London ja so einige Events gegeben, die man eigentlich nicht haette verpassen sollen. Angefangen hat es mit der Hochzeit von Prinz William und Kate, dann die grosse Parade zum Jubilaeum der Koenigin und natuerlich die Olympischen und Paralympischen Spiele. Kann ich mich bei den Spielen noch damit herausreden, dass wir leider keine Tickets bekommen haben, so haette bei den beiden anderen Events ja nur ein Zugticket gereicht. Und trotzdem haben wir die ausgelassen. War es das Wetter oder die ueberfuellten Zuege, verbunden mit der polizeilichen Warnung, Reisen nach London moeglichst zu unterlassen? Ist ja auch egal. Waere hier ein Wille gewesen, dann haette es auch einen Weg gegeben. Sogar zu Olympia haetten wir dann gehen koennen, zum Marathon oder zum Strassenradrennen brauchte man ja gar keine Tickets. Immerhin sind wir waehrend der Spiele mehrfach einfach so durch London geschlendert, haben also einiges von der Atmosphäre mitbekommen.

Mein Bedarf an koeniglicher Familie war eigentlich schon seit 2005 gedeckt, damals haben wir es immerhin nach Windsor geschafft, um Prinz Charles und Camilla bei der Hochzeit zu besuchen. Nicht, dass wir eine Einladung gehabt haetten, wir sind einfach nur ein Teil des gemeinen Fussvolks gewesen, das mit einem kurzen Blick auf einen Zipfel des Auto-Korsos schon gluecklich gewesen waeren. Ein unglaubliches Gedraengel, wer sich das mit einem Kind antun will, der haette verrueckt sein muessen. Oder ein Brite eben. Diese Art von Events ueberlasse ich also gerne den Angehoerigen dieser Nation, nichts fuer mich. Fast acht Jahre wohnen wir jetzt hier, nie habe ich auch in der Entfernung je einen der Royals live gesehen. Eine fehlende Erfahrung, die ich uebrigens mit den meisten Englaendern teile.

Jetzt steht ja nun bald der Umzug nach Deutschland an. Da wir also nur noch Monate auf der Insel vor uns haben, sollte man schnell die Frage stellen, was wir bisher ausgelassen haben. Was wollen wir auf keinen Fall verpassen und sollten dann noch schnellstmoeglich planen und ausfuehren, bevor wir uns auf die Faehre einchecken. Viel faellt mir da aber nicht ein. Eine Motorradreise nach Irland oder Schottland haette ich gerne noch gemacht, das werde ich aber in den naechsten zwei Monaten nicht mehr schaffen. Winter in Schottland ist auch nicht unbedingt ein Motorradreisetraum. Und Irland kann man ja auch von einem Wohnort in Deutschland erreichen. Sehr viel einfacher waere es aber von hier gewesen. Sollten diese Motorradtouren wirklich das Einzige sein, wo ich Gefahr laufe, die zu verpassen? Wenn ja, dann haben wir unsere Anwesenheit auf der Insel ja doch intensiv genutzt. Ich muss nicht jede Stadt oder jede Landschaft gesehen haben, um unser Leben hier zu vervollstaendigen. Ohne Wehmut koennte es also losgehen in den naechsten Lebensabschnitt.

Interessant nur, dass auch der neue Lebensabschnitt gleich wieder mit dem Verpassen von einmaligen Gelegenheiten anzufangen scheint. Die Gruende, warum es leider nicht anders geht, sind diesmal einfach die Entfernung, der nicht ausreichende Urlaub und natuerlich auch die mit einer Reise verbundenen Kosten. Ich hatte ja im letzten Beitrag schon einmal alle Reisen aufgezaehlt, die im Zusammenhang mit dem Hausbauprojekt so angefallen sind. Verpasst haben wir da ja bisher noch nichts, aber nun geht mal tatsaechlich was los auf der Baustelle - und prompt sind wir nicht da.

Wir werden also leider den beruehmten ersten Spatenstich verpassen, daran fuehrt wohl kein Weg vorbei. Auch wenn dieser erste Stich ganz unromantisch mit einem grossen Bagger ausgefuehrt wird, ich haette das schon gerne gesehen. Da arbeitet man seit ueber einem Jahr an so einem Hausbauprojekt, und wenn dann endlich die ersten Erdmassen bewegt werden, dann sitzt man in ueber 1300 Kilometern Entfernung und versucht, auf der Webcam des Ortes Waltersdorf wenigstens ein klein wenig von den Vorgaengen auf der Baustelle zu erhaschen. Viel wird man da aber nicht erkennen koennen, das Bauland ist zwar gut zu sehen, aber eben doch zu weit weg und somit zu klein. Vielleicht erkennt man wenigstens den Bagger.

Es ist ja nun nicht so, dass ich in meinem Leben noch keinen Bagger gesehen habe. Im zarten Alter von sieben Jahren bin ich mit meiner Familie in den ersten fertiggestellten Block im Schweriner Neubaugebiet Grosser Dreesch Teil 3 eingezogen, das Leben auf einer Baustelle nebst der Ansicht trocknender Bodenplatten, riesiger Kraene und Bagger habe ich noch sehr gut in Erinnerung. (Hatte ich nicht gerade erst gesagt, an die ersten 8 Jahre erinnere ich mich nicht? Kommt jetzt alles wieder!) Aber damals waren das ja alles fremde Baugruben. Die eigene sieht man mit ganz anderen Augen. Die Schoenheit eines Loches erschliesst sich doch bestimmt nur dem Bauherrn.

Aber was soll's. Es ist wie es eben ist. Im weiteren Verlauf des Hausbaus wird es ja viele weitere Hoehepunkte geben, fuer die es die Chance unserer Anwesenheit noch gibt. Unser Herr Tiefbauer hat immerhin versprochen, vom Geschehen auf der Baustelle viele Fotos zu machen, somit erleben wir diese dramatischen Momente wenigstens in der Zweitverwertung. Hoffentlich wird das der einzige Schluesselmoment sein, den wir verpassen. Denn wie schon anfangs erwaehnt, am meisten bedauern wird man spaeter einmal das, was man nicht erlebt hat. Und deshalb werde ich das mit dem Bagger irgendwann einmal nachholen. Es gibt zwar keine zweite Chance fuer einen ersten Spatenstich, aber ich habe immer noch einen Gutschein fuer einen Tag im Baggerland in der Naehe von Berlin. Sollte es die Firma noch geben, dann rufe ich da demnaechst mal an und lege einen Termin fuer naechstes Jahr fest. Waere ja schlimm, wenn dieser Gutschein verfallen wuerde und ich auch diesen Bagger verpasse.

Montag, 5. November 2012

Meine wichtigsten Kurzreisen


Ich nehme mal an, dass es mein Arbeitgeber nicht der Einzige ist, der kurz vor Jahresende wieder vermehrt den Einsatz von Video- oder Telefonkonferenzsystem propagiert, um die Mitarbeiter von unnoetigen Dienstreisen und damit unnoetigen Kosten abzuhalten. Die Erinnerung an diese Technologien startet meist in der Mitte der zweiten Jahreshaelfte und dauert bis ins neue Jahr. Im neuen Jahr faengt ein neues Budget an und sehr schnell pegelt sich das Verhaeltnis Buero zu Reisen wieder ungefaehr da ein, wo es auch ein Jahr vorher schon war, denn die meisten Reisen ja nun doch keine unnoetigen Ausfluege, sondern eben einfach notwendig.

Denn nicht jedes Problem laesst sich aus der Entfernung loesen, nicht jede Aufgabe kann man mittels Internet und Telefon bearbeiten. Reisen wird sich also auch in Zeiten der totalen globalen Kommunikation auch in Zukunft nicht immer vermeiden lassen. Und das gilt nicht nur im beruflichen Umfeld, sondern erst recht auch im privaten Leben.

Private Reisen werden ja meistens mit dem Begriff Urlaub gleichgesetzt. Eine Art Reisen also, auf die man sich das ganze Jahr freut, fuer die man vielleicht sparen musste und fuer die man sich mindestens eine Woche Zeit nimmt, besser sind zwei oder gar drei. Es gibt aber auch im privaten Leben Reisen, die man nur deshalb antritt, weil sie eben nicht vermeidbar sind. Meist sind bei solchen Reisen andere Wege der Kommunikation eher unueblich, umstaendlicher oder einfach unangemessen. Heute moechte ich mal ueber ein paar meiner Reisen berichten, die zwar sehr kurz waren, aber einen staerkeren Einfluss auf mein Leben hatten,  als es ein dreiwoechige Urlaub vermoegen koennte.

Die erste Reise aus dieser Kategorie ging nach Kanada. Vor diesem Trip bin ich noch nie in Amerika gewesen. Schon lange hatte ich eine Reise auf diesen Kontinent geplant. Bestimmt hat ja jeder so ein gewisses Bild von Amerika und wuerde gerne besuchen, dieses bei einem Besuch dann so weit wie moeglich zu bestaetigen. Leider liess sich das aber nicht realisieren, denn bereits beim Buchen war klar, dass diese Reise meinem Amerikabild nicht sehr nahe kommen wuerde, ging es doch in die noch recht europaeisch wirkende Stadt Montreal. Nicht nur war die Sprache dort fuer mein Bild von Amerika einfach falsch, auch die Autos waren recht unamerikanisch normal und von der Architektur her erinnerte mich die Stadt eher an Paris. Und viel mehr als die Stadt wuerde ich wohl auch nicht zu Gesicht bekommen, hatte ich mir fuer diese Reise ja nur vier Tage Zeit genommen.

Vier Tage sind in Anbetracht der Kosten eines Kanadafluges schon verdammt kurz. Allerdings war der Grund der Reise eben kein Urlaub sondern das erste Treffen mit einer Internetbekanntschaft, und hier musste man schon recht genau abwaegen, wie lange man so eine Reise plant. Denn nichts ist so unvorhersehbar wie der Verlauf eines ersten persoenlichen Kennenlernens – ganz egal, dass diesem Treffen bereits mehrere Monate naechtlicher Chats, Webcamsessions und Telefonate vorangegangen sind. Was wuerde man denn auch mit den restlichen Tagen anfangen, wenn sich das Ganze als Desaster herausstellen sollte. So einfach auf Urlaub umschalten koennte ich da jedenfalls nicht. Aber alles lief bestens, ich haette durchaus laenger bleiben wollen. Und was fuer ein Glueck, dass wir beim Rueckflug einen Zwischenstopp in New York einlegen mussten, so konnte ich wenigstens aus dem Fenster einen Blick auf die wohl bekannteste aller Skylines Amerikas erhaschen und so wenigstens ein klein wenig von meinem Amerikabild sehen.Nur zwei Wochen spaeter sind dann die Flugzeuge in die Tuerme des World Trade Centre geflogen.

Meine Auserwaehlte war inzwischen auch in Ihr Heimatland Mexiko zurueckgekehrt, die Normalitaet der naechtlichen Chats und Telefonate wollte sich aber nicht mehr so richtig einstellen. Nach einem ersten persoenlichen Treffen konnten die elektronischen Medien einfach keinen Ersatz mehr bieten, es musste also nach Mitteln und Wegen gesucht werden, wie man schnellstmoeglich eine Anschlussreise, dieses Mal eben nach Mexico organisieren koennte. Und da demnaechst ihr Geburtstag anstand, waere es doch eine tolle Idee, sie zu ihrem Ehrentag einfach zu ueberraschen. Leider fiel dieser Geburtstag in eine berufliche Phase, in der ein laengerer Urlaub einfach nicht moeglich war, aber deshalb wollte ich die Idee dieser Ueberraschung trotzdem nicht aufgeben. Und so wurde auch diese Reise viel kuerzer als erhofft, nur drei Tage hatte ich Zeit – nicht wirklich viel, wenn man bedenkt, dass alleine der Flug 11 Stunden dauert und dann auch noch mehrere Stunden Busfahrt hinzukommen. 

Wie aber ueberrascht man jemanden, wenn man die genaue Adresse nicht kennt und auch nicht erfragen kann. Wobei mir die Kenntnis der Adresse nur bedingt geholfen haette, ich beherrsche ja leider die spanische Sprache nicht und waere beim Versuch, mich alleine durch das mexikanische Fernbussystem zu navigieren, am Ende wohl am Strand in Acapulco gelandet. Auch keine schlechtes Ziel, aber eben nicht die Idee der Reise. So eine Ueberraschung sollte am besten von einer Person vor Ort betreut und ermoeglicht werden. Wie dumm haette es denn ausgesehen, wenn sich das Geburtstagskind spontan zu einem Clubabend aufgemacht haette, und ich dann stundenlang alleine im Haus Ihrer Eltern ohne gemeinsame Sprache auf die Rueckkehr haette warten muessen.

Zum Glueck hatte ich rechtzeitig Kontakt mit der Schwester aufnehmen koennen, die Flugdaten wurden uebermittelt , die Abholung am Flughafen organisiert und es wurde mir auch versprochen, dass sich die zu Ueberraschende an dem Abend nicht aus dem Hause entfernen wuerde. Alles war bestens vorbereitet, wenn nur das Flugzeug in Madrid nicht kaputt gegangen waere. Und da sass ich nun, ohne wirklich zu wissen, wie man jetzt die Schwester von der langen Verspaetung unterrichten koennte. Man bedenke, das Ganze ist mehr als zehn Jahren her, damals hatte man noch keine Smartphones und auch Internet Terminals waren noch kein normaler Standard an den Flughaefen dieser Zeit. Zum Glueck gelang es mir doch noch, in der letzten Minute eine Nachricht senden zu lassen, danach blieb nur noch zu hoffen, dass die Schwester vor der Abfahrt nach Mexico Stadt nochmal in ihre Mails guckt, keine Selbstverstaendlichkeit damals.

Nur ein reichliches halbes Jahr nach dieser kurzen und doch so aufregenden Reise wurden bereits  Hochzeitsvorbereitungen getroffen. Rueckbetrachtend kann mal also sagen, dass das die wohl wichtigsten Kurztrips meines Lebens waren. Die Reisen nach Kanada und Mexiko haben nicht nur mein Leben sondern auch das meiner Frau veraendert. Nur wenige Reisen danach, wenn ueberhaupt eine, haben einen solchen Eindruck hinterlassen. Aber es gibt doch noch eine, ueber die es sich hier zu berichten lohnt, bevor ich endlich aufklaere, was das Ganze eigentlich mit einem Bautagebuch zu tun hat. 

Zum Zeitpunkt der naechsten Reise waren wir schon fast drei Jahre verheiratet, hatten Deutschland bereits den Ruecken gekehrt und es uns in einem kleinen Haus im Elsass gemuetlich gemacht. Das Leben war wunderbar, die gute franzoesische Kueche, gepaart mit einem ruhigen Leben im Ausland, welches sich noch gar nicht so richtig wie Ausland anfuehlte. Viele meiner Kollegen waren aus Frankfurt mit nach Strassburg gegangen, im Dorf haben fast alle deutsch gesprochen, wir konnten sogar ohne Probleme deutsches Radio empfangen oder in Deutschland unseren Wochenendeinkauf erledigen. Ein richtiges Auswandern war das jedenfalls noch nicht.

Mit der Gemuetlichkeit war es kurz danach aber leider vorbei, die Firma hatte den unpopulaeren Entschluss gefasst, unser Lotterleben in Bad Strassburg zu beenden und die Arbeitsplaetze an den Standort Paris zu verlagern. Wer mitkommen wollte, der durfte natuerlich – allerdings galt dieses Angebot wohl eher den franzoesischen Kollegen, alle anderen wurde recht schnell klar, dass in Paris leider auch die Konzernsprache auf franzoesich umgestellt wird. Ich haette mich durchaus auch zurueck nach Deutschland versetzen lassen koennen, aber ohne wirkliche Aufgabe dort haetten wohl die Finger einer Hand gereicht, die restlichen Monate bis zur betriebsbedingten Kuendigung vorherzusagen. Zeit fuer meinen ersten Arbeitgeberwechsel.

Wir wollten aber schon noch etwas im Ausland bleiben, zum Glueck hatte ich aber schon kurze Zeit spaeter zwei Anzeigen im Internet gefunden, die recht gut zu meinem Profil passten. Also wurden Bewerbungen verschickt und tatsaechlich gab es von beiden Firmen Einladungen zu Vorstellungsgespraechen. Dass sich die Firmen entweder im Sueden der Schweiz oder in London befanden, stoerte mich nicht. Ich hatte nicht wirklich damit gerechnet, dass wir im Elsass bleiben koennen. Und das Organisieren von Kurzreisen ist ja kein Problem fuer mich, wie ich schon beweisen konnte. Allerdings gab es doch eine nicht zu unterschaetzende Herausforderung, und die lag in dem Datum der Reise. Ich verwende hier bewusst den Singular, denn es muss schon ein boeser Scherz vom Termingott gewesen sein, als er beide Interviews auf den gleichen Tag gelegt hat. Anrufen zwecks Terminverschiebung brachte nichts, denn, so unglaublich das auch klingen mag, es hatten sich auch noch andere auf diese Jobs beworben und an dem genannten Tag sollten in beiden Haeusern Interviewmarathons stattfinden. Immerhin war die Zeit flexibel, somit wurde das Schweizer Interview auf 7 Uhr morgens gelegt und das Londoner auf 14 Uhr – dort dann in englischer Zeit, das gab mir noch eine weitere Stunde.

Fuer ein 7 Uhr Interview empfiehlt es sich, schon am Vorabend anzureisen. Schnell hatte ich mir die entspannendste aller Anfahrten herausgesucht und mich fuer die Bahnreise entschieden. Von Strassburg ging es zuerst im uralten klapprigen Waggon auf die kurze Reise nach Basel und hier durfte ich dann zum ersten Mal in meinem Leben die Vorzuege der Schweizer Staatsbahn erleben. Die, so wurde mir berichtet, beste Bahn der Welt. Ohne Verspaetungen und ausgestattet mit dem modernsten und saubersten Fahrzeugen, die man sich bei einer Bahn nur vorstellen kann. Ich freute mich richtig darauf.

Puenktlich verliessen wir dann auch den Bahnhof Basel, um nur zehn Minuten, wir hatten noch gar nicht richtig das Stadtgebiet verlassen, wieder stehenzubleiben. Kurze ahnungslose Minuten spaeter wurde uns dann endlich gebeichtet, was fuer eine Schweizer Staatsbahn doch so unvorstellbar sein muss. Die Lokomotive hatte den Geist aufgegeben und liess sich unter keinen Umstaenden zur Weiterfahrt bewegen. Und da ja so etwas bei der SBB einfach nicht passieren darf und vielleicht ja auch noch nicht passiert ist, gab es auch keinen Notfallrettungsplan – auf die Idee, vielleicht eine zweite Lokomotive zu schicken, kam man wohl nicht. Stattdessen wurden wir gebeten, den Zug zu verlassen und uns in Eigenregie zurueck auf den Weg in den Bahnhof Basel zu begeben. Wir waren ja zum Glueck noch im Stadtgebiet, das sollte also mittels Strassenbahn relativ leicht moeglich sein. Leider lag zwischen Bahntrasse und Stadtgebiet noch ein Acker, der im November auch noch nicht richtig gefroren war. Zum Glueck hatte ich meine Interviewhose im Gepaeck, nur ueber meine Schuhe machte ich mir ernsthaft Sorgen. Mal sehen ob zur Standardausruestung eines Schweizer Hotels ein Kaercher gehoeren wuerde.

Die Interviews am folgenden Tag liefen dann aber doch recht erfolgreich. Mein allererstes Jobinterview auf englisch – und das um sieben Uhr morgens und trotz der stressreichen Anreise – dass mich die Firma am Ende sogar eingestellt haette, war hoffentlich nicht nur ein Versehen. Das Angebot kam ja eh zu spaet, wir hatten bereits die Weichen in Richtung London gestellt. Der Suedwesten der Schweiz waere ja noch franzoesischer als Paris gewesen.

Sobald man sein Heimatland verlassen hat, ist es verstaendlich, dass die Zahl und Haeufigkeit der privaten Kurzreisen stark ansteigt. Man will ja nicht alle Bruecken abbrechen und wenigstens zu den wichtigsten Geburtstagen, Hochzeiten oder Schultreffen anwesend sein. Ansonsten geraet man eventuell noch in Vergessenheit, etwas, was wir unbedingt vermeiden wollten, war der Umzug nach England ja nie als Dauerloesung geplant. Beschreiben werde ich diese Reisen hier aber nicht, keine Sorge. Ich wollte mich ja auch nur auf die Reisen beschraenken, die einen Einfluss auf unser weiteres Leben hatten. Und da zaehlen Geburtstagsfeiern oder Klassentreffen eben doch nicht dazu.

Im letzten Jahr hat es sie aber wieder gehaeuft gegeben, Reisen mit dem Potential, Weichen fuer ein anderes Leben zu stellen. Mit Neid lese ich oft in anderen Bautagebuecher, wie nach Feierabend oder in der Mittagspause mal so eben auf die Baustelle gefahren wird oder man sich mit dem Bauleiter, Notar, Architekt oder irgendeiner anderen Bauperson trifft. Sich am Wochenende einfach mal so ins Auto setzen, um sich nach Grundstuecken in der Naehe des derzeitigen Wohnortes umzusehen, klingt so herrlich normal, war bei uns aber leider nicht moeglich. Denn immer, wenn unsere Anwesenheit in Baugelegenheiten notwendig wurde, war das mit einer Reise von der Insel auf das Festland verbunden. Dieser Beitrag hat ja nun einmal das Thema Reisen bekommen, deswegen liste ich unten mal alle Reisen auf, die bei uns zum Thema Hausbau angefallen sind:

  • Die erste Reise war noch als Motorradurlaub getarnt, konnte auch noch gut mit einem Ueberaschungsbesuch bei der Geburtstagsfeier meines Onkels verbunden werden (ich scheine Geburtstagsueberraschungen zu lieben) – aber trotzdem gehoert diese Reise zum Hausbau dazu, habe ich ja hier zum ersten Mal das Land, welches bald unser Huf Haus tragen soll, gesehen. Beschrieben hatte ich die Reise ja schon recht ausfuehrlich. Stattgefunden hatte sie im Juli 2011

  • Kurz nach dieser Tour galt es noch den Rest der Familie zu ueberzeugen, dass wir uns ein Leben in dieser laendlichen Gegend vorstellen konnten. Also wurden meine beiden Frauen ins Auto geladen fuer den zweiten Besuch auf dem Land, diesmal bei viel besserem Wetter, was vielleicht zum wohlwollenden Einverstaendnis meiner Frau beigetragen hat. Bei der Gelegenheit haben wir uns auch noch ein im Bau befindliches Haus der Firma Meyer angeguckt. Denn so eine Reise muss sich ja lohnen, es gibt eben einfach viel zu viel zu erledigen bei so einer Haussache.
  • Die beiden ersten Trips waren mit Sicherheit notwendig, man entscheidet sich ja nicht fuer ein Bauland nur aufgrund von Fotos. Aber noch waren das freiwillig Touren. Erst der naechste Termin war ein Pflichttermin, denn ein Notar erwartet fuer die Unterschrift unter den Kaufvertrag die persoenliche Anwesenheit. Auf dieser Reise im Oktober 2011 fand auch der erste Besuch eines Da-Vinci Musterhauses statt, sowie Treffen mit zwei weiteren Bautraegern auf dem Land.
  • Zwischen der letzten und der naechsten Reise lag die Entscheidung fuer Huf Haus. Wir hatten zwar auch ein Huf Musterhaus in der Naehe von London besucht, aber das war ja keine Reise. Und mein Besuch beim Herrn Huf Haus Verkaeufer in Wuppertal wurde ja im Rahmen einer Dienstreise nach Feierabend vorgenommen, das kann ich somit nicht als private Reise gelten lassen. Zweck dieser Reise war, dem Herrn Verkaeufer und Architekten zuerst unser Bauland im schoenen winterlichen Waltersdorf zu praesentieren, um dann im Bauamt die Bebaubarkeit zu klaeren. Anschliessend ging es noch zur Grundrissplanung in das Wohnzimmer meiner Mutter. Stattgefunden hat diese Reise im Dezember 2011.
  • Bis zur naechsten Fahrt gingen ein paar Wochen ins Land, die Plaene fuer das Haus wurden erstellt und die ersten Kostenschocks ueberwunden. Die Reise ging diesmal nach Wuppertal, zwecks Ansicht der 3D Zeichnungen, Abschluss der Planungsphase und Unterschreiben des Kaufvertrages. Diese Tour liess sich gut mit dem Geburtstag der Oma verbinden, wobei dieser in einer ganz anderen Ecke Deutschlands stattgefunden hatte. Zum Glueck muss man fuer Hin- und Rueckflug ja nicht unbedingt den gleichen Flughafen verwenden. Und fuer die lange Fahrt zwischen den beiden Standorten hatten wir uns einen richtig schoenen Mietwagen gegoennt, wenigstens einmal wollten wir doch bei Huf im richtigen Auto vorfahren. Leider musste das Auto in der Musterhaussiedlung draussen bleiben, wurde also gar nicht gesehen. Den haette ich mal schon beim Besuch auf dem Bauamt dabei haben sollen. Aber immerhin kann ich so versichern, dass die Firma Huf auch solche Bauherren ernst nimmt, die einen Hyundai Atos, unser damaliges Mietauto, fahren. Das war doch mal ein richtig serioeser Test, oder? Der Termin dieser Reise war im Februar 2012.
  • Im Zweimonatsrythmus ging es weiter. Im April 2012 stand das Austattungsprotokoll an. Darueber hatte ich an anderer Stelle im Blog ja schon genug geschrieben.Also schnell weiter
  • Wobei ganz so schnell ging es dann nicht, denn bis zur naechsten Reise vergingen fast 4 Monate. Erst im August gab es wieder einen Grund fuer den weiten Weg nach Sachsen. Zugegeben, der eigentliche Grund war eine Hochzeit in der Familie, aber es waere eine Verschwendung gewesen, haetten wir nicht auch noch ein paar Termine untergebracht, die mit dem Haus zu tun haben. So wurden unter anderem die Kueche geplant, Treffen mit potentiellen Tiefbauern durchgefuehrt und auch meine eigene Geburtstagsparty ausgerichtet. Was hatte das Letztere jetzt mit dem Haus zu tun? Auf dem ersten Blick nicht wirklich viel, aber immerhin wurde die Party in der Pension direkt neben dem Bauland gefeiert, die perfekte Gelegenheit also, auch dem Rest der Familie den zukuenftigen Standort des Hauses zu zeigen.
  • Noch gar nicht lange her, im Oktober 2012, fand die Reise zum Zweck des ersten Treffens mit dem zukuenftigen Herrn Bauleiter statt. Beim Treffen waren auch Herr Tiefbauer und Herr Stromanschluss anwesend, geladen waren eigentlich auch Herr Trinkwasseranschluss und Herr Telekom, aber beide waren wohl anderweitig verhindert. Ueber diesen Termin werde ich aber in einem spaeteren Post etwas mehr schreiben. Ich bin halt noch nicht so weit, dass ich diesen Blog mittels Beschreibung der Baugrube und der Hausanschluesse zu einem echten Bautagebuch machen kann. Denn immer noch haben wir ja eine Huerde zu nehmen, die der Finanzierung. Und genau fuer diese Huerde durfte ich mich nur zwei Wochen nach der Rueckkehr schon wieder auf den Weg machen
  • Und genau von dieser soeben angesprochenen Reise bin ich gerade erst zurueck. Ich hatte ja schon im letzten Beitrag berichtet, dass es beim Thema der Finanzierung durchaus etwas positive Nachrichten gibt, denn eine Bank hat mir jetzt wenigstens ein Angebot gemacht, damit war diese Huerde aber eben noch nicht genommen. Mit diesem Angebot bekommen wir zwar nicht die volle Summe, aber immerhin ist die Luecke in der Finanzierung nun um einiges kleiner geworden. Es ist das einzige Angebot, das wir haben, wobei schon das Wort Angebot nicht ganz zuzutreffen scheint. Es gibt eigentlich kein Wort, dass dieses Papier beschreibt. Am naehesten trifft wohl zu: Ein Beispielsrechnung-fuer die wir uns eine Finanzierung vorstellen koennten-fuer die sie sich jetzt bewerben muessen-und die wir dann immer noch ablehnen koennen-Bescheid. Und fuer diese Finanzierung haben wir uns jetzt beworben. Und auch das ging nur persoenlich. So oft wie in diesem Jahr war ich in den letzten 7 Jahren nicht zusammengenommen in Sachsen. Immerhin konnte ich mal testen, wie es so ist, nach Prag zu fliegen, um von dort aus das Bauland schneller zu erreichen. Leider liegt der Flughafen vom Autobahnanschluss Richtung Liberec gesehen am falschen Ende der Stadt, und ich habe mich anfangs nicht aus Prag herausgefunden. Somit kann ich noch nicht final sagen, ob ein Flug in die Oberlausitz ueber den Flughafen Prag fuehren sollte. Fuer zukuenftige Reisen wird die Antwort auf diese Frage aber durchaus noch wichtig werden. Die Bank will sich uebrigens bis spaetestens Mitte naechster Woche fuer oder gegen eine Kreditzusage entscheiden, und dann werden wir auch wissen, wieviele solcher Kurzreisen in diesem Jahr noch dazukommen werden. Bleibt nur die Frage, ob eine Bank auch Reisekosten zu Bauterminen als Eigenkapital-Nebenkosten anerkennt.


Donnerstag, 25. Oktober 2012

Luecken schliessen


Nicht sehr oft ist es eine gute Idee, ein Projekt unvollendet zu lassen. Es mag ja durchaus manchmal gute Gruende geben, ein Projekt schon vor dem erfolgreichen Abschluss aufzugeben, aber in den meisten Faellen ist eine solche vorzeitige Aufgabe einem Misserfolg gleichzusetzen. Es wurde vermutlich bereits einiges an Geld und Zeit investiert, aber ausser Erfahrung nichts gewonnen. Auch wenn die Entscheidung fuer den Stopp vielleicht richtig war und eine Fortfuehrung des Projektes nur zu noch groesseren Verlusten und einem am Ende noch viel groesserem Misserfolg gefuehrt haette, die meisten von uns wuerden bestimmt doch viel lieber nach der wirklich letzten Option suchen, das Ganze noch zu retten und zu einem wuerdigen Abschluss zu bringen.

Einfach aufgeben und sich wegen der ungerechten Welt selbst bemitleiden? Soweit ist es bei uns ja noch nicht. Es stimmt zwar schon, dass man sich nicht hartnaeckig in unsinnige Traeume verbeissen und ab und zu auch mal der Realitaet stellen sollte. Aber ich sehe uns nun mal in maximal einem Jahr in unserem neuen Huf Haus wohnen. Dieses Bild alleine gibt mir schon genug Energie, das Haus Bau Projekt weiter zu verfolgen. Ich bringe angefangene Projekte einfach gerne zu Ende, wenn sich nur die Chance dazu ergibt und die Vorteile ueberwiegen. Wir koennen doch unsere Baugenehmigung nicht unvollendet lassen, das waere ja eine Schande.

Fangen wir also damit an und bringen endlich mal etwas zu Ende, was ich schon vor Monaten begonnen habe. Viel fehlte ja nicht mehr, eigentlich ist nur noch eine kleine Luecke zu schliessen. Danach ist zwar das Projekt nicht fertig, aber ein sogenannter Meilenstein wurde erreicht. Meilensteine eignen sich hervorrragend, um bei lange laufenden und komplexen Projekten die Belegschaft bei Laune zu halten. Und mit dem heutigen  Beitrag schliesse ich die letzte Luecke vor dem Erreichen unseres naechsten Meilensteins - das letzte Kapitel  der Beschreibung des Grundrisses unseres Wohnkellers. Kein wirklich grosser Meilenstein, werden bestimmt einige sagen. Aber immerhin 5 Monate hat es doch gedauert, um heute an diesen Punkt zu kommen. 

Schauen wir uns also nochmal kurz an, wo wir vor ueber einem Monat aufgehoert haben. Deutlich ist sie zu erkennen auf der rechten Seite, die zu schliessende Luecke.

Viel fehlte also wirklich nicht, nur noch eine Wand und das erste Geschoss waere vollstaendig umschlossen und beschrieben gewesen. Fehlender Elan und Frust bei der Finanzierung wurde als Grund fuer den Verzug geltend gemacht, aber wenn man sich den Grundriss oben betrachtet, so kurz vor Schluss haette es eine so lange Pause nun auch nicht geben muessen. Heute beseitigen wir diesem Makel, wir schliessen die Luecke. 

Ich will jetzt ja hier nicht aberglaeubisch werden, aber vielleicht wird das Erreichen dieses Meilensteines dann auch neuen Schwung in das echte Projekt bringen. Vielleicht ist diese fehlende Wand ja das Symbol fuer die einzige noch fehlende Grundvorausetzung zum Gelingen des Projektes, der Baufinanzierung. Ist diese Luecke erst einmal geschlossen, dann haben wir einen Keller und damit auch das Fundament fuer die weiteren Etagen. Darauf laesst sich dann weiter aufbauen, genug zu tun gibt es ja wirklich, schliesslich fehlen ja dann immer noch zwei Stockwerke. Bevor ich hier aber ins philosophieren abdrifte, ziehen wir lieber doch schnell den letzten Strich in den Grundriss.


Und schon ist es passiert. Der Keller ist endlich vollstaendig und das letzte Wandelement und somit das letzte verbliebene Zimmer sichtbar. Und was fuer ein Zimmer das ist! Ein Zimmer, in dem ich mich, so jedenfalls der Plan, taeglich mehrere Stunden aufhalten werden muss. Wie der Name in der Zeichnung ja bereits verraet, in diesem Zimmer soll einmal gearbeitet werden. 

Es ist ja ein Teil des Plans, bei meinem Rueckzug nach Deutschland nehme ich meinen derzeitigen Job mit - und das, obwohl sich das neue Haus in bedeutender Entfernung vom Standort meines Arbeitgebers befindet. Das Konzept heisst "Heimarbeit" - etwas, was ich hier in England viel zu selten machen konnte, weil es sich mit dem Laptop am Esstisch neben einer laermenden Fuenfjaehrigen auch nicht wirklich gut arbeiten laesst. Besonders nervig wird es, wenn diese Person mich dann noch nachdruecklich auffordert, endlich auf Youtube umzuschalten und "Peppa Pig" zu starten.

Ich hatte in meinem Leben schon so einige Arbeitsplaetze. Die erste Phase meines Berufslebens fand als Auszubildender in einer Audiwerkstatt statt, sehr schnell wurde mir aber klar, dass ich mir Autos viel lieber angucke und damit fahre, als mir abtauenden Schnee in den Kragen tropfen zu lassen. Darueber hatte ich aber schon einmal geschrieben, wenn ich mich recht erinnere. Ueberspringen wir diese Phase also und gucken auf den ersten richtigen Job, und zu dem gehoerte mein erstes Buero. 

Und das war wirklich kein Schlechtes. Genau gegenueber der Frankfurter Messe mit bester Aussicht auf die Werbetafel, auf denen ich als einer der ersten die Ankuendigungen der zu erwartenden Pop- und Rockkonzerte lesen durfte. Mit Spannung konnte ich immer verfolgen, wenn der Mann mit der Leiter einen neuen Termin nebst Namen eines Superstars montierte, um dann bei Interesse eben mal kurz in der Mittagspause ein Ticket zu besorgen. Nie wieder in meinem Leben war ich bei so vielen Konzerten, wie in diesen Jahren. Es war aber auch herrlich bequem, denn auch die Anfahrt und das Parken, normalerweise die Hoelle bei einer ausverkauften Festhalle, war unglaublich einfach. Ein persoenlicher Tiefgaragenplatz direkt vor dem Halleneingang, besser geht es ja eigentlich gar nicht. 

Leider fiel nach ein paar Jahren auch unserer Firma auf, dass es uns hier viel zu gut geht und somit stand der erste Umzug an. Es ging in den Industriepark Hoechst, der Blick auf die Frankfurter Skyline wurde mit rauchenden Schornsteinen und Gasleitungsspaghetti ausgetauscht. Vorbei die schoene Zeit mit dem freien Parken in Frankfurt Stadtmitte. Eigentlich gab es hier fuer uns nur noch ein Privileg, und das war die sogenannte Einfahrtgenehmigung. Das konnte der Betriebsrat immerhin noch durchsetzen, damit wir, die aus der schoenen Stadtmitte in den grauen Industriepark umziehen mussten, wenigstens etwas hatten, was uns ueber die armen Kollegen erhob, die immer schon im Park gearbeitet hatten.

Nun war unser Buerohaus ja leider gleich am Tor Sued, ein echter Vorteil war so eine Einfahrtgenehmigung dann eigentlich nicht. Haette man sein Buero irgenwo in der Mitte des Parkes gehabt, ja das waere toll gewesen. Im beheizten Auto an den ganzen Nasen vorbeifahren, die an der Bushaltestelle der blauen oder roten Linie warten, irgendwann in der Zukunft 20 Minuten zick zack durch den Park auf dem undirektesten aller Wege zum Arbeitsplatz gekarrt zu werden. 

Erwaehnenswert an den Bueros im Industriepark war eigentlich nur der Platzueberfluss. Nicht einmal meine erste Wohnung war so gross, wie unser Doppel-Buero dort. Ganze 5 Fenster an nur einer Seite. Fuer diese Menge Fenster haette sich man im Frankfurter Bueroturm mindestens in den Vorstand dienen muessen. Denn dort zaehlte die Devise, wer mehr Fenster im Buero hat, steht hoeher in der Hierarchie. Das Berufsleben ist manchmal ganz schoen simpel.

Der Aufenthalt im Indutsriepark war nur von kurzer Dauer, kurz darauf folgte auch schon der naechste Umzug. Diesmal betraf es aber nicht die ganze Firma sondern nur die Jungen und Wilden, die sich ein Arbeitsleben ausserhalb Deutschlands vorstellen konnten. Es wurden Freiwillige fuer den neuen Standort in Strassburg gesucht und unter anderem in mir gefunden. Ein Luxusumzug allererster Guete stand hier an, nicht einen Finger haetten wir krumm machen muessen. Die haetten uns auch die Kisten eingepackt, alles war inklusive. Nur, wer laesst sich schon gerne in seiner Waesche rumwuehlen? 
Auch bei der Ankunft konnten wir gemuetlich dabei zusehen, wie sich langsam unser gemietetes kleines Haeuschen in einen schoenen Lebensraum verwandelte. Sogar ein Elektriker wurde engagiert, der auf gut Glueck unsere Deckenlampen angebracht hat. Dass wir danach leider unseren Wohnzimmertisch an eine ganz andere Stelle gestellt haben, ist ja auch wirklich unsere Schuld. 

Nie haette ich gedacht, dass dieser Wegzug aus Deutschland erst 10 Jahre spaeter rueckgaengig genmacht werden wuerde. Wobei man sich in Strassburg ja nicht wirklich weg von Deutschland fuehlt. Wir konnten noch deutsche Radiosender empfangen, sind regelmaessig in Deutschland einkaufen gewesen und in unserem kleinen Dorf im Elsass sprachen auch alle deutsch. Wenn auch eine altertuemliche Art Deutsch. Das Buero in Strassburg war aber das ganze Gegenteil von altertuemlich sondern wirklich erste Klasse. Nicht zu gross oder zu klein, ein top-moderner Schreib- und dazu ein kleiner Besprechungstisch, mein erstes Einzelbuero. Und das Allerbeste - bodentiefe Fenster mit Aussicht in die freie Natur. Ein wunderbares Raumgefuehl, da sich mein Buero auch noch ebenerdig im Erdgeschoss befand, hatte man eher das Gefuehl, man arbeitet auf einer Terrasse.

Auf jeden Fall war es genau dieses Buero, welches ich in unserem Huf Haus Grundriss nachempfinden wollte. Ebenerdig mit Tuer nach Aussen, viel Licht und dazu eine schoene Aussicht. Wenn ich so auf den Grundriss gucke, dann ist das wirklich ganz gut gelungen. Fenster gibt es in alle Richtungen ausser Norden Fenster, denn auch die Tuer im Osten wird wie ein Fenster ganz aus Glas sein. Licht , Licht , Licht.
Richtig schoene Aussicht wird es in Richtung Westen und Sueden geben. Im Westen der Blick auf die Berge, und beim Blick in den Sueden (im Bild Oben) wird das Auge an den 330kg amerikanischen Chrom und Stahlross haengen bleiben. Noch nie war eine Aussicht aus einem meiner Bueros schoener.

Mit so einer Umgebung wird das, was sich im Buero selber abspielt, eigentlich zur Nebensache. Arbeit, die schoenste Nebensache der Welt. Ich kann nur froh sein, dass mein Chef diesen Blog nicht liest. Ich kann es jedenfalls kaum erwarten, bis ich dieses Buero zu meiner regulaeren Arbeitstelle machen kann. Die Vorfreude ist jedenfalls riesig.

Ist euch aufgefallen, dass ich noch kein einziges Wort ueber das Buero hier in England verloren habe? Sollte ich eigentlich noch nachholen, denn schliesslich ist es ja dieses Buero, welches ich fuer mein Huf Haus Buero in der Zukunft hinter mich lassen werde. Immerhin, an einem grossen Fenster sitze ich hier auch, das ist bereits ein Privileg. Aber ansonsten hat das hiesige Buero wenig mit meiner Idealvorstellung zu tun. Der Rest des recht grossen Raumes besteht aus sogenannten 4er Cubicles - Leo uebersetzt das Wort interessanterweise unter anderem auch mit Schlafzelle. Die Waende dieser Arbeitskabinen sind in einem wunderbarem Unterhosenblaugrau und genau in so einer Hoehe, dass wir alle wie die Erdhoernchen ein klein wenig darueber herausgucken koennen. Inzwischen habe ich mich an diese Art Grossraumbuero gewoehnt, mich stoeren auch die Kollegen nicht mehr, die aufgrund ihrer Stimmgewalt sogar fuer Ferngespraeche eigentlich kein Telefon braeuchten. Immerhin gibt es den Kaffee umsonst, wobei ich aber bei den Maschinen hier dringend von Kaffee mit Milch abraten wuerde. 

Damit waere sie also geschlossen, die letzte Luecke im Grundriss unseres Wohnkellers. Lange genug hat es gedauert. Dieser Post wurde aber bewusst "Luecken schliessen" genannt, bewusst wurde also der Plural gewaehlt. Es muss also noch mindestens eine andere Luecke geben, um den Plural zu rechtfertigen. 
Derzeit stellt unser Haus ja noch eine Bauluecke dar, aber das meine ich nicht. Ich rede hier auch nicht ueber die recht haeufig auftretenden Zahnluecken unserer Tochter, die in Summe ganz schoen ins Geld gehen, weil es ohne Zahnfee leider nicht mehr geht. Aber mit dem Thema Geld sind wir schon genau auf der richtigen Faehrte. Denn die Luecke, die ich hier doch noch ansprechen will, hat wieder mit unserer Finanzierung zu tun. 

Schon wieder also das leidige Thema, als haette ich mich da nicht in den letzten Beitraegen schon genuegend drueber ausgelassen. Aber dennoch will ich die neuesten Entwicklungen auf dieser Seite kurz erwaehnen. Denn es gibt tatsaechlich welche, und die sind trotz aller Schwierigkeiten, die weiterhin bestehen, erstmal gar nicht schlecht. Nach Monaten des Wartens haben wir nun tatsaechlich doch eine Bank gefunden, die uns finanzieren wuerde. Die Konditionen sind den Umstaenden entsprechend ausreichend gut, alles bestens also, gaebe es da nicht diese schmerzhafte Luecke. Denn auch bei dieser Bank wird es eines leider nicht geben, die Auszahlung in voller Hoehe der angefragten Finanzierungssumme. 

Jetzt hatten wir zugegebenermassen in Erwartung eines Superzinssatzes ja durchaus eine Finanzierungssumme angefragt, die grosszuegig geplant war. Lieber zuviel als zu wenig, dann braucht man ja am Ende vielleicht nicht alles abrufen und muss auch ganz sicher nicht noch einmal teuer nachfinanzieren. Dann waeren in der Finanzierung auch so Nettigkeiten wie Aussenanlagen, neue Moebel oder eine schicke Einbaukueche drin gewesen. Und immer noch haette es am Ende ein klein wenig uebriges Eigenkapital gegeben, man will ja nicht komplett auf Null absinken. 

Daraus wird jetzt leider nichts, im Gegenteil. Die vorgeschlagene Finanzierung reisst eine richtige Luecke in die Kalkulation, ganz einfach zu berechnen mit der folgenden Rechnung: 

Baukosten 
                 - minus bereits bezahlt 
                 - minus das jetzt vorgeschlagene Bankdarlehen 
                 - minus das maximal einbringbare Eigenkapital
= Luecke

Trotzdem bleibe ich dabei, das sind gute Neuigkeiten. Denn im Vergleich zu dieser Luecke hatten vorher ja aufgrund des komplett fehlenden Bankdarlehens eine richtiges Vakuum, eine gaehnende Leere. Je laenger ich mir diese Luecke angucke, ums so kleiner kommt sie mir vor, wird zum Spalt, der sich doch irgendwie verspachteln lassen sollte.Woher nehmen, die Beantwortung dieser Frage steht zwar noch aus - aber dieses Problem ist in die Region der loesbaren Herausforderungen heruntergestuft worden. Das Projekt lebt wieder.






Samstag, 13. Oktober 2012

Irrwege


War das jetzt schon die laengste Zeit ohne einen neuen Beitrag fuer diesen Blog? Das letzte Mal, als ich hier ein Update reingestellt habe, ist schon fast zwei Wochen her. Rekordverdaechtig.

Ist das jetzt wieder so eine Schreibhemmung, mit der ich mich schon vor Wochen einmal versucht habe herauszureden? Oder war ich etwa wieder zu beschaeftigt und bin vor lauter anderer Verbindlichkeiten nicht zum schreiben gekommen? Verbindlichkeiten, die sich im Nachhinein als Fussball EM herausstellten.

Stimmt alles nicht. Die Antwort ist dieses Mal ganz einfach. Ich will es auch gar nicht beschoenigen und drumherum reden, der Elan, der mich am Anfang des Blogs einmal versprechen liess, hier mindestens einmal pro Woche etwas zu schreiben, der ist eben einfach weg.

Es war ein schleichender Abschied. Es ist ja nun nicht so, dass ich keine neuen Themen haette. Ich habe es ja noch nicht einmal geschafft, wenigstens eine Etage des neuen Hauses komplett zu beschreiben. Und daneben gibt es sogar bei den Bauvorbereitungen durchaus etwas Bewegung, ueber die sich schreiben liesse. Denn ich weiss jetzt, wie man zu einem Baustromkasten kommt oder wie man aus dem Ausland einen Telekomanschluss trotz nicht funktionierender 0800 Nummern bestellt. Ich koennte hier auch beschreiben, wie die Reaktion meiner englischen Kollegen war, als ich endlich mit der Neuigkeit herausruecken durfte, dass ich zurueck aufs Festland ziehe.

Durchaus interessante Themen, jedenfalls fuer mich. Etwas, dass ich gerne ich zehn oder zwanzig Jahren nochmal lesen wuerde, auf meiner Terrasse sitzend im Schatten meiner riesigen Obstbaeume, die ich mir zwecks Abgrenzung eines unbedingt zu schuetzenden Biotops anpfanzen musste und die mir seit Jahren meine schoene doch eigentlich unverbaubare Aussicht versperren.

An fehlenden Themen liegt es also nicht. Und wenn ich einmal wirklich gar nichts mehr zu sagen haette, einen mittellangen Aufsatz wuerde ich trotzdem hinbekommen. Arbeite ich ja schliesslich schon seit ueber sieben Jahren unter englischen Verhaeltnissen, in denen man viel redet ohne ein Wort zu sagen. Nirgendwo anders kann man das so schoen lernen, wie in englischen Bueros. Kein Wunder, dass das Original der Serie "Stromberg" aus England kommt. Hier heisst die Serie einfach "The Office" und spielt in Slough. Und genau im Nachbarort wohne ich auch noch. Aber ich schweife total ab.

Worueber wollte ich denn eigentlich schreiben? Ach ja, warum ich keinen Elan mehr fuer den Blog habe. Ist das wirklich ein interessantes Thema? Folgt jetzt gleich seitenweise Selbstmitleid und der Zorn des kleinen Mannes ueber die Selbstsucht der Bankenkonzerne?

Vor fast drei Wochen durften wir ja erfahren, dass diese Dabbeldieduh Bank uns nicht als Schuldner will. Alles nicht so wild, dachten wir da noch. Es gibt ja auch noch andere Banken. Zum Problem wird das ganze erst, wenn auch diese Banken nicht Teil meiner persoenlichen Schuldenkrise werden wollen.

Aber immerhin haetten wir zu diesem Zeitpunkt wenigstens eines. Denn wenn wir irgendwann einmal auch von der letzten Bank die Absage bekommen haben, dann haben wir wenigstens die Gewissheit, dass man sich spaetestens jetzt etwas neues einfallen lassen muss. Dann haette man wenigstens den Schlusspunkt erreicht, der zum Startpunkt einer neuen Geschichte werden koennte.

Hey - was soll's - die Ersparnisse waren ja zum Hausbau bereits vorbereitet. Jetzt lungern die bei nur 0,1% Zinsen rum. Hauen wir die doch einfach aufm Kopp und kaufen uns nen schickes Auto? Oder wir nehmen nen halbes Jahr Urlaub und ueberweisen einen Batzen Geld an die Jungs von Globebuster, die dann mit mir eine Motorradreise rund um die Welt unternehmen. Das waer doch mal was.

Aber soweit ist es ja noch nicht. In den letzten drei Wochen haben wir diesen Punkt ja noch nicht erreicht. Das einzige, was es in den letzten drei Wochen genug gab ist: Nichts.

Keine weitere Absage, erst recht keine Zusage... Auch keine: "Wir bearbeiten Ihre Anfrage und melden uns" Email. Nein. Einfach nur nichts.

Das allerdings nervt richtig. Situationen, in denen man hilflos auf die Entscheidung anderer wartet, kennt man ja schon. Jeder, der schon einmal eine Bewerbung fuer seinen Traumjob losgeschickt hat und dann voller Hoffnung aber auch mit einer gewissen Angst tagtaeglich den Brieftraeger erwartet, hat eine solche Phase schonmal durchgemacht. Aufregend? Vielleicht. Nur koennte ich auf diese Art der Aufregung derzeit gerne verzichten. In diesen Bewerbungsphasen hatte ich eine solche Aufregung eigentlich immer ganz gut im Griff. Man musste sich einfach nur nicht auf diesen einen Job versteifen und locker bleiben. Auch wenn sich die Stellenbeschreibung wie ein Auszug aus dem Luxuskreuzfahrtkatalog gelesen hat, auch dieser Job wird am Ende seine Haken haben und am Ende wird man auch wieder jammern.  Vielleicht waere es sogar besser, wenn man den Job doch gar nicht bekommt, solange man solche Gedanken hat, kann Aufregung ueber das Erscheinen des Brieftraegers gar nicht erst aufkommen.

Uebertragen wir das doch mal auf die Geschichte mit unserem Haus. Beworben haben wir uns diesmal um eine Finanzierung. Alle Unterlagen liegen vor. Arbeitsvertrag, Gehaltsnachweis - alles sorgfaeltig kopiert und versendet. Vorher sich nochmal versichern lassen, dass man mit diesen Papieren auch ordentlich beeindrucken kann, denn bei der Bewerbung fuer einen Traumjob will man ja auch nur mit echt guten Zeugnissen vorstellig werden. Zwecks Erhoehung der Erfolgsaussichten sollte man auch noch ein paar weitere Nachweise der besonderen Befaehigung fuer den Job beilegen. Also irgendwelche Angeberzertifikate, Auslandsaufenthalte bei der Tante in Oesterreich oder Kopien von Veröffentlichungen in der Schuelerzeitung. In diesem Fall wurde also Grundstueckskaufvertrag, Eigenkapitalnachweis und KfW Beiblatt angefuegt, was soll jetzt noch schiefgehen. Das ganze jetzt noch schoen verpackt und unter Zuhilfenahme eines Headhunters - in diesem Fall nennen wir ihn mal Finanzierungsberater - an den gewuenschten Arbeit(Geld)geber versendet. Eine Zusage waere dann der Schluessel zum Glueck, der letzte noch fehlende Baustein zum Traumjob - also dem Traumhaus.

Was dann kommt, ist die Wartezeit. Und da heisst es, ruhig bleiben. Keine Gedanken verschwenden an das: "Was, wenn die absagen, was machen wir dann?"  Genau diese Aufregung will ich vermeiden. Hilfreich dabei ist, sich immer wieder einzureden, dass man gar nicht ungeduldig ist und man total ueber den Dingen steht. Das ganze lief bei uns in 4 Phasen ab. Fangen wir also am besten gleich damit an...


Phase 1: Die Selbstueberschaetzung. 

Was bin ich nicht fuer ein toller Hecht. Was ich nicht alles so mitbringe fuer diesen Job, begehrtes Spezialistenwissen und jahrelange Erfahrungen in der Branche. Das Bauland sogar schon gekauft und bezahlt, und trotzdem immer noch nen paar Euros in der Kasse die zu einer dicken Eigenkapitalquote reichen. Dazu nen schoenes Gehalt und nen Arbeitgeber, bei dessen Namen die Banken dieser Welt mit der Zunge schnalzen. Die sollen doch froh sein, mich als Kunden zu bekommen, endlich mal ein Darlehensvertrag, der sich richtig lohnt.


Phase 2: Die zwanghafte Selbstbestaetigung 

Was haben wir nicht bisher alles schon erreicht! In jedem bisherigen Job ist es doch immer sehr gut gelaufen, man hat Dinge bewegt und vorangebracht. Wir haben Erfolge vorzuweisen, jawohl. Wir haben bereits eine Baugenehmigung, trotz der strengsten Gestaltungssatzung der Welt. Wir haben die Firma dazu bewegt, uns trotz Eurokrise und Doppel-Rezession einen Arbeitsvertrag fuer die Uebersendung nach Deutschland auszustellen. Bisher lief alles bestens, und das, darauf sind wir besonder stolz, trotz der vielen Stolpersteine. Aber genau die machen das Ganze doch erst wirklich interessant und nur mit denen wird man das Resultat am Ende noch viel mehr geniessen koennen. Warum sollte diese Gluecksphase gerade jetzt aufhoeren, c'mon - das stehen wir jetzt auch noch durch


Phase 3: Der Fuchs und die Trauben 

Warum will ich diesen neuen Job ueberhaupt? Wenn ich es mir recht ueberlege, dann gefaellt mir der Gedanke, mich taeglich mit Tausenden anderen Pendlern in die Londoner Tube zu zwaengen, ganz und gar nicht. Oder zweimal im Monat 700 Kilometer nach Duesseldorf ins Buero fahren muessen, bei den ganzen Baustellen. Schon bei dem Gedanken wird mir schlecht. An so einem Hufhaus sieht man sich auch irgendwann mal satt, irgendwann ist der tolle Effekt, im Freien zu wohnen, verflogen und wir regen uns ueber verrueckt gewordene Dunstabzugshauben auf. Dafuer wirklich so nen Haufen Geld bezahlen, ist es das wirklich wert? Was koennte man nicht noch so alles fuer schoene Dinge mit diesem Geld machen. Wenn die Bank jetzt alle absagen sollte, dann tun die mir sogar einen Gefallen. 


Phase 4: Der Plan B 

Andere Vaeter haben auch schoene Toechter. Und ueberhaupt, was ist falsch an dem Job, den ich derzeit habe. Vielleicht rede ich ja mal mit dem Chef und es gibt nen nettes neues Projekt. Und wenn es mit dieser Bewerbung nicht klappen sollte, es gibt ja Alternativen. Dann finden wir eben eine andere, leichter finanzierbare Hausvariante. Oder wir bauen einfach gar nicht mehr. Jeden Tag wird weltweit die Flaeche von hunderten Fussballfeldern mit Beton versiegelt, das muessen wir ja nun nicht auch noch mitmachen. Das Land kriegen wir bestimmt wieder verkauft, irgendwann. Vielleicht mit Gewinn, wer weiss. Und im Internet habe ich letztens so eine richtig schoene Villa mit Blick in die Berge gesehen. Sogar guenstiger als unser geplantes Haus. Da rufe ich doch gleich mal an und frage nach einem Besichtigungstermin. Auch ohne Huf Haus wird das Leben weitergehen, schade um die bereits geleistete Anzahlung. Lehrgeld fuer den Groessenwahn. Kleinere Broetchen schmecken auch nicht schlechter. In England muessen wir deswegen noch lange nicht bleiben, das geht auch gar nicht. Vertrag ist Vertrag.


So ungefaehr sahen sie aus, die vier Phasen, die wir in den letzten Wochen so durchliefen. Wobei das Wort Phase eigentlich schlecht gewaehlt war, unterstellt das ja eine gewisse Sequenz. Besser passen wuerde das Wort: Gemuetszustande. Die oben genannten Zustaende wechseln sich derzeit doch recht haeufig ab. Man springt vor und zurueck und manchmal treffen sogar zwei Zustaende gleichzeitig zu. Beobachten liess sich aber, dass, je laenger die Wartezeit dauert, der Zustand 1 immer seltener vorkommt . Man wird  leiser.

Derzeit durchleben wir gleichzeitig die Phase 4 und 2 - mit leichtem Uebergewicht fuer Zustand 4. Wir gucken wirklich schon nach gebrauchten Haeusern, kein Witz. Und das Beste daran, der Gedanke gefaellt uns noch nichtmal allzu schlecht. Das Leben steckt doch voller Ueberraschungen. Ist es nicht schoen, dass es fast fuer jede Herausforderung verschiedene Loesungsmoeglichkeiten gibt.

Damit will ich es heute mal beschliessen. Hatte ich nicht schon am Beginn dieses Blogs einmal geschrieben, dass der Ausgang der Geschichte alles andere als deutlich oder gesichert ist. Zu keinem Zeitpunkt unseres Projektes war das zutreffender, als fuer die letzten Tage.

Mittwoch, 26. September 2012

Was nun?

Es ist fast genau vier Monate her, da habe ich hier mit der Beschreibung unseres Huf Haus Grundrisses angefangen. Und es wird nicht mehr lange dauern, dann habe ich ich es wirklich geschafft und immerhin die erste Etage voll beschrieben. Nur noch ein Zimmer.

Was haelt mich also auf? Das eine Zimmer schaffen wir auch noch. Und dann koennen wir endlich den Wohnkeller verlassen und uns den anderen Etagen widmen. Gibt ja deren noch zwei. Die Beschreibung dieser Etagen sollte dann auch etwas schneller gehen, es gibt da ja weniger Zimmer und diese sind bei weitem auch nicht so interessant. Was ist schon eine Kueche gegen eine Harley Ecke oder ein Heimkino mit Flugsimulator. Vier Monate pro Stockwerk, da wohn ich ja vielleicht ehr im Haus, als das dieser Blog hier fertig ist.

Schreibe ich also heute ueber dieses geheimnisvolle letzte Zimmer im Keller und hole etwas auf in meinem Blogverzug?

Die Antwort ist: Nein!

Ich schiebe das aus gegebenen Anlass doch noch etwas auf.

Es gibt manchmal Tage, an denen mir wirklich gar nicht zum Schreiben zumute ist. Und ein solcher Tag haelt bei mir jetzt seit fast zwei Wochen an.
OK, werden manche sagen, offensichtlich schreibe ich ja jetzt wieder, ist die Blockage also vorbei. Denen muss ich aber leider sagen, dass heute wohl nicht im gleichen Stil der letzten Beitraege weiter berichtet wird. Heute schreibe gar nicht ich, heute schreibt der Frust.

Was ist passiert? Sicherlich nicht hilfreich ist, dass in den vier Monaten seit dem Beginn der Beschreibung des Wohnkellers noch nicht einmal das Loch in der Erde vorhanden ist, in das dieser Wohnkeller einmal hinein soll. Aber das ist nicht der Grund. Das wusste ich ja schon vor vier Monaten, dass sich hier noch auf unabsehbare Zeit nicht viel bewegen wird. Deswegen ja auch die Idee mit dem langatmigen Beschreiben des Grundrisses, irgendwie muss der Blog ja auch einen Inhalt bekommen.

Inzwischen gab es ja auch sogar ein paar Highlights, die auf eine baldige Beendigung dieses Schlummerzustandes hinweisen. Schliesslich sind ja mit der Baugenehmigung und dem deutschen Arbeitsvertrag zwei Schluesseldokumente hier angekommen, die den weiteren Projektfortschritt um einiges beschleunigen sollten. Warum also jetzt doch Frust?

Spulen wir nochmal zu den Anfaengen des Blogs zurueck. In einem meiner ersten Beitraege hatte ich da mal ueber die vier Probleme philosphiert, die man beim Bauen loesen muss.
  • Das Bauland
  • Eine Baufirma
  • Eine Baugenehmigung
  • Geld
Inzwischen sind drei dieser Probleme aus der Welt. Das Bauland war ja eigentlich gar kein Problem sondern der Ausloeser fuer alles was danach passierte. Wenn ich so lese, wie lange andere Bauherren nach dem geeigneten Stueck Land gesucht haben, da kann ich fuer uns nur sagen, Glueck gehabt. Ich gebe ja zu, dass es sich bei uns nicht um eine Gegend Deutschlands handelt, in der Grundstuecke als heisse Spekulationsware gehandelt werden. Das Grundstueck, welches wir als unser Traumland gefunden hatten, wuerde bei vielen Bauherren, die ihre eigenen Kriterien ansetzen, eher glatt durchfallen. Eine schoene Aussicht ist eben nicht alles. Aber wir sind immer noch super gluecklich mit den kleinen Stueck Land, welches vielleicht bals unser Haus tragen wird.

Den Weg zur Findung der Baufirma hatte ich auch schon ausfuehrlich beschrieben. Dass wir am Ende bei Huf gelandet sind, kann man im Titel des Blogs ja schon lesen. Gruende dafuer gab es viele und bisher bereuen wir diese Entscheidung auch kein bisschen. Gebaut wurde zwar noch nichts, aber was wir bis hier fuer eine Betreuung hatten und die Art und Weise, wie wir durch die Planungsphase geleitet wurden, nicht ein einziger Grund zur Beanstandung. Gekroent wurde diese Planungsphase dann mit der Erteilung der Baugenehmigung.

Ein Huf Haus in Waltersdorf, trotz Gestaltungssatzung und Biotop. Das muss man erstmal hinbekommen. Zwei andere Baufirmen, mit denen wir in der ganz fruehen Phase unseres Projektes zu tun hatten, haetten sich nicht einmal getraut, einen solchen Antrag einzureichen. "Das kriegen Sie eh nicht genehmigt, das plane ich gar nicht erst" - diesen Kommentar gab es von der einen Firma. Und bei der anderen habe ich es immerhin mal geschafft, die Huf Haus Webseite aufzurufen, um damit bildhaft den gewuenschten Stil zu beschreiben. Das hat fuer einiges an Heiterkeit im Buero gesorgt, so naiv kann doch keiner sein, sich so ein Haus bei der Gestaltungssatzung auch nur ansatzweise zu wuenschen. "Das schlagen Sie sich mal gleich aus dem Kopf".

Jetzt habe ich aber die Baugenehmigung. Es musste zwar ein paar Aenderungen an dem Huf Art 3 Standardhaus geben, aber der Stil des Huf Hauses wurde komplett gerettet und, so finde ich, sogar neu definiert. Wer hat denn schon einmal ein Huf Haus mit 45 Grad Dachneigung gesehen? Oder eines mit Schieferdach? Wir kriegen beides! Wer lacht jetzt hier noch?
Hatte ich mich hier im Blog eigentlich schonmal bei meinem Architekten dafuer bedankt? Falls nein, dann sei das hier doppelt und dreifach nachgeholt. Klasse Job.

Also eigentlich viele Gruende zur Freude, wenn nicht doch noch ein Problem aus der obigen Liste ausstehen wuerde. Wenn man die Liste oben nochmal kurz durchgeht, dann steht da als vierter und letzter Eintrag "Geld". Warum steht dort nicht "Deutscher Arbeitsvertrag", dann waere doch alles paletti ? Hatte ich denn nicht schon beim Eintreffen des deutschen Arbeitsvertrages meine geliebte Whiskyflasche hervorgeholt und den Meilenstein gefeiert? Was fuer ein Missverstaendnis meiner Lage!

Fuer diejenigen unter Euch, die den Beitrag "Peanuts" aus dem Monat Februar noch nicht gelesen haben oder sich vielleicht nicht mehr erinnern, hier nochmal die kurze Zusammenfassung des damaligen Inhaltes. Keine Sorge, das wird jetzt kein langer Text, eigentlich ist fuer den heutigen Beitrag nur wichtig, dass dort damals unterstellt wurde, dass es zwei grundsaetzlich verschiedene Typen Banken bei der Hausfinanzierung gibt. Die eine Bank moechte gerne ein moeglichst wertvolles und gut verkaufbares Haus als Sicherheit. Und der anderen Bank reicht eine gute Bonitaet des Kunden, ausreichend Eigenkapital und ein Nettoeinkommen, bei dem die zukuenftige Monatsrate weit weniger als 50% verzehren wird. Der ersten Sorte Bank ist ein deutscher Arbeitsvertrag recht schnurz, fuer die andere ist er das entscheidende Kriterium.

Der Beitrag "Peanuts" beschreibt ausfuehrlich, dass ein Huf Haus in der Oberlausitz fuer die erste Sorte Bank ungefaehr so fehl am Platz ist, wie ein Dekra Pruefer beim Harley Treffen und deshalb fuer eine moegliche Finanzierung unseres kleinen Haeuschens nicht in Frage kommt. Aber es gibt ja noch die andere Sorte Bank, somit war fuer mich das Eintreffen des deutschen Arbeitsvertrages der Schluessel in die Welt der Hausfinanzierung. Grund genug fuer einen Whisky.

Sollte der Herr Hufhausverkaeufer ruhig recht behalten, der damals glaubte, dass ein Bauherr in meinem Alter und mit meinem Finanzierungswunsch (immerhin 30% Eigenkapital und ein bereits bezahltes Grundstueck) ein Traumkunde jeder Bank sein sollte. Und hatte nicht die beauftragte Finanzberatung, die nach Uebersendung meines Vetrages alle Eckdaten in das Internet-Antragsformular einer bekannten Direktbank hineingeklimpert hatte, sofort eine gruene Ampel als Ergebnis des Online-Checks? Im Online Check war auch schon eine Schufa Abfrage enthalten, mein Schufa E-mail Alarm hat mir das sofort gepetzt.

Warum nur, um alles in der Welt, wurde mein Finanzierungsantrag bei dieser Bank nun doch final abgelehnt? Ist die Welt denn nicht schwarz oder weiss? Packen wir mal alle Banken, die nur auf den Hauswert gucken, auf die schwarze Seite, dann bleiben doch nur noch weisse Banken. Und nun scheint es auf einmal auch graue zu geben. Also solche, die zuerst behaupten, dass eine gute Bonitaet des Kunden ausreicht, dann aber trotzdem aufgrund der Hausbewertung unruhig werden und den Rueckzieher machen.

Ich will hier nicht den ganzen Beitrag "Peanuts" wiederholen, schon damals habe ich mich herrlich dareuber geaergert, dass man unser schoenes Huf Haus mit Haeusern vergleicht, die dem unsrigen im Bezug auf Design, Ausstattung, Modernitaet und Exklusivitaet nicht einmal annaehernd an die Guertellinie reichen. Das muss doch eine Bank auch einsehen.

Oder liegt es an mir als Bankkunde? Ich hatte in meinem Leben erst einen Kredit, den habe ich damals beim Autokauf benutzt, um im Autohaus als Barzahler auftreten zu koennen und einen fetten Rabatt einzukassieren. Diesen Kredit habe ich immer schoen ordentlich per Bankeinzug bezahlt und nach vier Jahren war das Thema durch. OK, mein Dispokredit sieht manchmal das untere Limit, das liegt aber daran, dass auf dem deutschen Konto kein regelmaessiges Einkommen verbucht wird und eine Ueberweisung aus England immer ueber 20 Euro Gebuehren kostet. Aber ansonsten bin ich wirklich ein ganz ordentlicher Schuldner.

Wie geht es nun weiter? Gibt es vielleicht gar keine weissen Ritter mehr, also Banken, die auch zu Kunden halten, die etwas mehr investieren wollen als der Durchschnitt der Region? Banken, die ihre Kreditentscheidung wenigstens zum Teil auf einem gewissen Vertrauensvorschuss basieren lassen. Im Zweifel fuer den Kunden, das mag uebertrieben klingen, aber sind neben genialen Architekten nicht auch risikobereite Finanzierer verantwortlich zu zeichnen fuer die schoensten und meist bewunderten Bauwerke der Welt? Und wieviel Prozent Eigenkapital hatten die wohl damals?

Vielleicht wird es unser Huf Haus ja nicht in diese Liga schaffen, aber mit einer Seite im 2014 Huf Kalender rechne ich ganz fest. Doch das laesst die heutigen Banken wohl eher kalt. Die noch nicht ausgestandene Immobilien- und Eurokrise und wohl auch gewisse Erfahrungen mit den Herrn Dr. Schneiders dieser Welt haben die Banken vielleicht wirklich so risikoscheu werden lassen, dass sich schon jetzt schoene Haeuser nur noch in den Speckguerteln betuchter Grosstaedte finanzieren lassen. Es wird ja viel geschrieben, dass der Trend wieder dahin geht, dass die Leute in die Staedte zurueckziehen, dass die durchschnittliche Groesse der Baugrundstuecke zurueckgeht. Huf hat auf diesen Trend auch mit dem neuen Bautyp "Art 2" reagiert, ich im Gegensatz war noch nie ein Freund von Trends. Und folgerichtig werde ich auch diesen Trend auslassen, wenn irgendwie moeglich.

Aber all das beantwortet leider nicht die Frage, wie es denn hier wirklich weitergehen soll. Auch wenn wir drei der vier Probleme oben genannter Liste loesen konnten, so ist doch jedes dieser Probleme ein Showstopper und bringt das ganze wackelige Projekt zum Einsturz. Wird dieser Blog bald seine erste Namensaenderung erfahren und dann  "(K)ein Hufhaus fuer die Oberlausitz" heissen?

Wenn ich ehrlich bin, habe ich wirklich keinen Plan B. Zu sicher war das Gefuehl, dass ein Arbeitsvertrag gleichbedeutend mit einem Darlehensvertrag ist. Zu sehr habe ich mir die Vorteile der Oberlausitz schoen geredet und dabei das fuer die Banken wohl viel bedeutendere Kriterium der Strukturschwaeche ausgeblendet. Die Oberlausitz mag nach meiner Rechnung im Herzen Europas liegen, das macht sie aber leider nicht zur besonders finanzierungswuerdigen Hausbauregion.

Gewisse Entscheidungen sind bereits gefallen, die nicht mehr so leicht umkehrbar sind. Der deutsche Arbeitsvertrag ist unterschrieben, Geldanlagen wurden ohne Ruecksicht auf Verluste aufgeloest, bedeutende und mit Sicherheit nicht rueckforderbare Zahlungen an Huf Haus und andere Firmen sind bereits geleistet. Wir haben sogar schon die ersten Angebote von Umzugsfirmen, haben eine Uebergangswohnung gefunden und einen Lagerplatz fuer die Moebel organisiert. Und nun sitzen wir da und wissen nicht, wo wir wohl in einem Jahr wohnen werden. Da hab ich ja was schoenes angerichtet.

Aber ich werde hier nicht in Selbstmitleid verfallen. Keiner hat uns zu dieser Entscheidung gezwungen und bisher lief ja eigentlich auch alles recht vielversprechend. Langsam war alles und auch mit Sicherheit nicht geradlinig, das stimmt schon... aber immer ging es doch irgendwie weiter. Vielleicht koennen wir auch dieses eine Mal noch auf eine Kehrtwende hoffen? Es gibt ja noch ein paar Banken, bei denen die Entscheidung noch aussteht.

Es gibt in jedem Leben Situationen, die nach einer ausweglosen Lage aussehen oder zutiefst traurig und bedauernswert sind. Solche Ereignisse sind manchmal groesserer und manchmal kleinerer Natur. Manche halten nur einen Augenblick an, wenige Tage vielleicht, wie zum Beispiel das Nichtbestehen einer Pruefung oder ein leichter Unfall. Manche Schicksale halten den Betroffenen fuer Wochen, Monate oder sogar Jahre im Griff - und in einigen Faellen muss man sich irgendwann mit der neuen Situation abfinden und arrangieren, weil nur so wenigstens ein Stueck Normalitaet ins Leben zurueckkehren kann. Wer die Uebertragungen der Paralympics im Fernsehen gesehen hat, der kann sich vielleicht ein klein wenig vorstellen, was ich hier meine.

Verglichen mit solchen und anderen Schicksalen ist unser derzeitiges Problem doch wirklich unbdeutend und klein. Stoerend ist es zwar, aber es wird schon irgendwie weitergehen. Ich will da eigentlich auch gar nichts mehr drueber schreiben, viel wichtiger ist mir jetzt, dass ich auf diesem Weg viele Gruesse und die besten Genesungswuensche in ein Krankenhaus irgendwo in Berlin oder Brandenburg schicke, in dem gerade eine Person, die uns auf dem bisherigen Weg so gut und umfassend beraten und betreut hat, ganz andere Sorgen hat. Vielleicht koennen Sie das hier irgendwann einmal lesen, vielleicht auf dem neuen iPad, der bald als Geschenk Ihrer Kollegen bei Ihnen landen wird. Auch wenn wir uns nie persoenlich getroffen haben, so druecken wir doch alle Daumen, dass sich bei Ihrer Behandlung schon bald erste Erfolge messen lassen.

Und vielleicht koennen Sie dann auch irgendwann einmal lesen, dass diese dumme Bankgeschichte endlich ausgestanden ist und wir aufgrund Ihrer Beratung und Hilfe am Ende doch zu einer Finanzierung und damit zu einem Haus gekommen sind. Viele Gruesse und nochmals Gute Besserung wuenscht Ihnen aus dem fernen England ... Ihr Huf Haus Blogger

Samstag, 15. September 2012

Woran man merkt, dass man aelter wird

Heute werde ich also etwas philosphisch. Befinde ich mich ja gerade in einem Alter, was man durchaus so langsam als die Mitte des Lebens bezeichnen sollte. Aber ist das gleichzusetzen mit Alt? Deswegen hier heute mal die Frage verbunden mit ein paar moeglichen Antworten.

Um auf diese Frage eine Antwort zu finden moechte ich aber jegliche Ueberlegungen die in die Richtung der vielen koerperlichen Gebrechen gehen, gleich mal ausschliessen. Wenn die Arme nicht mehr lang genug sind, um die Zeitung zu lesen oder wenn man sich beim Schuhe zubinden fragt, was mich nicht gleich noch so erledigen koennte, wenn man schonmal unten ist, dann ist man ueber den ersten Zeitpunkt, in dem man sich bewusst wurde, dass man nicht ewig jung bleiben wird, ja eh schon lange hinaus. Es geht mir also um diesen allerersten Zeitpunkt, den ich hier suche.

Es gab da mal so ein Ketten-Email in dem viele Punkte aufgefuehrt wurden, die einem zeigen sollen, dass man alt ist. Und auch das hat mir nicht geholfen, beschreibt das Alt sein ja einen Zustand und ich suche nach einem Zeitpunkt. Ausserdem haette der Text mal dringend eine Ueberarbeitung noetig, denn jemand der sich noch an den Kanzler vor Helmut Kohl erinnern kann, der ist sogar schon im Lebensabschnitt nach alt, wuerde ich sagen. Und als bekennender Ossi, der die sich in den Siebzigern fuer alles moegliche inklusive Schnuller und Tooth-Fairy interessiert hat, kann ich diesen Indiz fuer das Alt sein also ausschliessen. Das mit der Tooth Fairy kommt im Alter ja noch einmal, oder? Vielleicht kenn ich dann den jeweiligen Kanzler, kann mich aber wohl nicht mehr an seinen Namen erinnern.

Folge ich dem Text weiter, ich weiss zum Beispiel, dass Twix mal Raider hiessen, das ist doch noch nicht lange her, bin ich aber vielleicht doch schon alt. Aber wie schon gesagt, das wollte ich ja eigentlich nicht wissen. Ich will lieber versuchen, den Zeitpunkt in der Vergangenheit auszumachen, an dem mir bewusst wurde, dass das Alt sein jetzt begonnen hat. Das kann doch nicht so schwer sein.

Wie auf die meisten Fragen, hat auch hier das Internet die meisten Antworten. Wobei man hier oft auf Listen stoesst, die die Frage nach dem Aelter- mit der Frage des Erwachsenwerdens vertauschen. Die erste eigene Wohnung oder der erste richtige Job sind zweifellos Teil des Erwachsenwerdens, aber alt ist man zu so einem Zeitpunkt ja noch nicht. Und Indizien ob man auf einem Rockfestival auffallen wuerde sind mir auch egal.

Vielleicht ist es ja wirklich gar nicht moeglich, einen solchen Moment genau zu bestimmen und das Ganze ist eher so ein schleichender Uebergang. Aber bevor ich das akzeptieren wuerde, suche ich noch etwas weiter.

Stelle ich doch einfach mal eine Behauptung auf. Man wird alt ab dem Tag, an dem Eltern in einem Restaurant nicht mehr automatisch fuer uns bezahlen. Das ist wohl auch doch eher ein Indiz fuers Erwachsenwerden, ich mache also den gleichen Fehler wie diese Internetlisten. Ok neuer Versuch.

Alt ist man ab dem Tag, an dem einen Fussballspieler oder Popstars wie kleine Kinder vorkommen. Das passt doch gut. Schliesslich sind die meisten dieser Stars ja auch erwachsen, also mehr oder weniger. Und wenn man die trotzdem als Kinder empfindet, dann ist man doch ganz sicher alt. Dumm nur, dass sich eine Fussballerkarriere ueber so viele Jahre erstrecken kann, es also Fussballer in allen moeglichen Altersklassen gibt. Bis vor kurzem hat in der englischen Nationalmannschaft noch ein gewisser Ryan Giggs gespielt, und der ist in meinem Alter. Bei Olympia 2012 in London ging er gerade erst zum aelteste Torschuetze in die Turniergeschichte ein.

Popstars, die sich weit in der zweiten Lebenshaelfte befinden, gibt es auch genug. Wenn es also mit dem Alt sein warte, bis ich diesen Personenkreis als kleine Kinder empfinde, dann koennte ich das Alt sein am Ende vielleicht sogar noch verpassen. Klar gibt es schon den einen oder anderen Vertreter dieser beiden Berufsgruppen, die mir wie kleine Kinder vorkommen, aber zum Alt fuehlen hat es da bisher bei mir nicht gereicht.

Die Musiker von heute tangieren mich einfach zuwenig. Der Tag, an dem ich realisieren musste, dass ich keinen einzigen Titel der Top 10 mit Sicherheit benennen koennte, ist schon eine Weile her. In einem Londoner Kaufhaus wurde ich einmal weggeschoben, wegen irgendeinem Star, der hier gerade einkauft. Auf meine Frage, wer das denn ist, wurde ich fast ausgelacht. Ein gewisser Neyo, ganz sicher habe ich den Namen jetzt auch noch falsch geschrieben. Aber das ist mir sowas von egal. Den Namen hatte ich bis dahin wirklich nie gehoert. Musikgeschmaecker sind ja auch verschieden und wer mit Mitte 20 noch die Charts kennt, der sollte sich vielleicht doch langsam mal darueber Gedanken machen, ob er sich altersgerecht verhaelt.

Der letzte Satz klang jetzt aber schon ganz schoen alt, oder? Habe ich den gesuchten Zeitpunkt also doch schon ueberschritten und ich sollte mich zu den Alten zaehlen?

OK, ich gebe auf, ich scheine mich wirklich jenseits diesen Zeitpunkts zu befinden. Es ist dann wohl doch nicht so, dass es einen einzelnen Zeitpunkt gibt, an dem das Alt sein anfaengt. Alle oben genannten Punkte sind solche Zeitpunkte - und alle liegen bei mir in der Vergangenheit. Und letzten Monat kam noch einer dazu.

Ich war mit meiner Tochter im Kino und auf dem Weg in den Saal mit der "Sonntag Morgen Kind mit Eltern" Vorstellung lief ich an einem Poster eines bald erscheinenden Filmes mit dem Titel "Total Recall" vorbei. Die totale Erinnerung, das Komische daran war nur, dass es auf dem Poster keinerlei Anzeichen gab, dass hier ein Herrn Schwarzenegger mitspielt. Es musste sich hier also um eine neuere Version dieses Klassikers aus dem Jahre 1990 sein.

Nun weiss man ja schon, dass Hollywood ab und zu uralte Filme neu verfilmt und damit modernisiert. Soviel zum Thema Kreativitaet. Aber hier wuerde man doch erwarten, dass das Original irgendein Schwarz-Weiss Schinken aus den 50er oder 60er Jahren ist, bei dem man heute aufgrund der damaligen Art der Kamerafuehrung und des Schnittes nach maximal 15 Minuten im Kino einschlafen wuerde. Als Beispiel denke ich hier mal an den Film von 1950 "Vater der Braut" mit Spencer Tracy und Elisabeth Taylor - fuer den ich mich immer zu jung fand. Ich mag nur die Version mit Steve Martin von 1991.

Aber hier reden wir ueber einen Film von 1990, fuer den ich mir durchaus noch ein heutiges Publikum vorstellen koennte. Die Special Effects der Original-Variante werden vielleicht nicht mehr beeindrucken aber uns doch wenigstens auch nicht zum gaehnen bringen. Wieso wird denn von so einem Film jetzt schon ein Remake gemacht? Sind nicht erstmal die 70er Jahre dran? Wo ist denn das Remake von "Saturday Night Fever" - habe ich das verpasst?

Das Ganze hat mich, muss ich zugeben, ganz schoen frustriert. War ich doch bisher der Meinung, man ist nur so alt, wie man sich. Dieser Moment hat mir dann aber doch zu verstehen gegeben, dass man gewissen Anzeichen des Alterns nicht entweichen kann und diese ohne Nachfrage einfach so serviert bekommt. Und das Jahre bevor der Koerper dann schlussendlich auseinanderfaellt und man sein eigenes Spiegelbild nicht mehr sehen will.

Ich koennte jetzt diese Begebenheit einfach vergessen und einfach nicht mehr ins Kino gehen. Auf diese Art koennte ich den Termin des Altseins noch mindestens vier Jahre nach hinten schieben, denn so lange sollte es ja schon dauern, bis dieser Film mal im Fernsehen kommt. Bleibt nur die Frage, was machen wir bis dahin? Denn wir sind eigentlich richtige Kinofans, lieben Filme ohne Werbeunterbrechung und im Grossformat verbunden mit dem richtigen Sound.

Endlich kann ich diesen Post wieder auf das Thema Haus umlenken. Zum Glueck haben wir in unserem neuen Haus ja einen Wohnkeller. Die dort befindlichen Raeume habe ich auch schon fast alle hier beschrieben. Und bisher hatten alle Raeume, die zum Wohnkeller zaehlen, also nicht der Heizungsraum und nicht der eigentliche Keller, eines gemeinsam, es gab da ausreichend Tageslicht. Der naechste Wohnkeller-Raum aber, wird der einzige unterirdische Raum sein. Ein Fenster wird es zwar aus Belueftungsgruenden geben, aber das wird nur zu einem Lichtschacht fuehren. Viel Licht wird es in dem Raum also nicht geben.

Was fuer eine Nutzung koennte so ein Raum denn nun bekommen? Bitte nur um ernstgemeinte Vorschlaege und auch nur solche, die keinen Bezug zu meiner Schwiegermutter haben. Ich suche hier nach einer Anwendung, fuer die es nicht viel Licht braucht. Und wer den oberen Teil des Beitrages gelesen hat, der weiss natuerlich, dass ich hier ueber ein Heimkino nachdenke.

Was, ausser wenig Licht, braucht so ein Raum denn noch, um sich fuer ein Heimkino zu eignen. Gucken wir erst einmal auf den Grundriss. Unten rechts befindet sich also dieser Raum. Das ist weit weg von allen moeglichen Schlafzimmern, gut fuer den Surround Sound und somit schonmal gut.
Weiterhin braucht so ein Raum eine gewisse Laenge. Man will ja nicht mit der Nase vor der Leinwand sitzen. Aus diesem Grund wurde das Fenster dann eben an die westliche Wand verschoben und nicht an die kuerzere Wand im Norden, wo es vielleich besser passen wuerde. Damit haben wir diese Wand dann frei fuer einen grossflaechigen Fernseher oder eine Leinwand und koennen einen Sitzabstand von 4 Metern erreichen. Mehr waere noch besser gewesen, aber laenger ist das Haus nun leider nicht.  


Ich bin mir aber sicher, dass der Platz reichen wird und wer mir das nicht glaubt, der kann gerne mal in die E Kinos auf der Frankfurter Zeil besuchen. Da sind einige Saele sogar noch kleiner. Der Name Saal verbietet sich da eigentlich und dafuer wird sogar richtig heftig Eintritt verlangt. Noch schlimmer ist nur noch das Frankfurter Kino am Turm, da stehen sogar Saeulen mitten im Raum. Wer Pech hat, kann sich also das  Breitwandbild auf zwei getrennten Abschnitten angucken. Es bleibt dabei, gegen solche Art von Kinos wird es unser Heimkino allemal aufnehmen koennen. Wir konkurrieren ja nicht mit dem Kinopolis im MTZ.

Bleibt die Frage nach der Einrichtung. Auch da hat man schon so einiges in echten Kinos gesehen. Es gibt sie immer noch, die Kinos, die eher Restaurants gleichen. Man sitzt also richtig an einem Tisch und guckt nebenbei einen Film. Das endet dann fuer die meisten mit einer Nackenstarre, so richtig Kinostimmung kommt da jedenfalls nicht auf. Besser gefallen hat mir da ein Kino in Frankfurt Bockenheim in denen ausrangierte Flugzeugsessel der ersten Klasse zum Platznehmen einluden. Toll. So richtig mit ausfahrender Beinstuetze und Ausklapptisch. Einziges Problem hier, die Sitze waren aus Leder und somit etwas kuehl. Dann doch lieber die klassische Variante mit viel Pluesch, so wie hier im Bild. Wo sollte ich denn auch alte Flugzeugstuehle herbekommen?



Damit koennte mein heutiger Beitrag eigentlich enden. Wir bauen also ein Heimkino ein und fuegen dem Haus einen weiteren Freizeit-Spass-Faktor hinzu. Das galt als abgemacht und fertig geplant, bis mir im englischen Fernsehen auf einmal die Werbung einer Versicherung in die Quere kam. In dieser Serie von Werbespots zeigen Menschen, was sie alles so fuer verrueckte Dinge in ihre ueberschuessigen Raeume untergebracht haben. Und am besten gefiel mir der Typ, der sich einen absolut echt wirkenden Flugsimulator installiert hat und jetzt von seinem Spare-Bedroom aus die ganze Welt bereist. Ich finde das Bild unten einfach genial. Wer den ganzen Spot sehen moechte, hier ist der Link.


Ist es nicht wunderbar, wenn man in seinem Haus einen Raum haben wird, der sich nicht zum Wohnen eignet? Einen Raum, der foermlich nach einer Zweckentfremdung schreit, der nur zum Spass genutzt werden sollte. Dort koennten Aquarien aufgebaut werden, gross genug, um mit seinen Fischen zu schwimmen. Auch das gibt es in diesen Werbespots zu sehen. Oder komplette Diskotheken im Stil der Siebziger, Bowlingbahnen - wer den Platz hat, warum auch nicht. Oder ein komplettes Formel 1 Auto als Sitzgelegenheit fuer die authentische Rennsimulation.

Natuerlich sind das alles hier nur Hirngespinste, aber der Kreativitaet steht nichts im Weg, Der Kollege oben hat 8 Jahre fuer den Aufbau seines Cockpits gebraucht, die richtig guten Dinge dauern halt etwas laenger. Eine Inspiration ist er auf jeden Fall.  Sollen doch die anderen glauben, wir sind alt, solange wir unserem Spieltrieb freien Lauf lassen koennen, sind wir im Herzen jung. Und nur darauf kommt es schliesslich an.