Sonntag, 9. Juni 2013

Wasser im Keller

Ich gebe es ja zu, der Titel dieses Beitrages ist etwas reißerisch und irreführend. Es stimmt wohl, in der Oberlausitz hat es in den letzten Tagen und Wochen extrem viel geregnet. Nun ist das ja erst mal nichts Besonderes, doch wer die Nachrichten in diesen Tagen gesehen hat, der weiß, über welchen Regen ich hier spreche.

Wir sind nochmal mit dem blauen Auge davongekommen, soviel vorweg. Unser neues Haus steht ja zum Glück im oberen Teil des Dorfes, das vom Himmel fallende Wasser verwandelte dort zwar alle ins Tal führenden Straßen in Bäche, ließ die angrenzenden Häuser aber weitestgehend in Ruhe. Ich war aber schon etwas besorgt, denn derzeit haben meine schönen neuen Regenfallrohre noch keinerlei Verbindung zu so etwas wie einer Regenwasser-Drainage, und auch das Konzept einer Regenwasserversickerung existiert derzeit nur im Kopf unseres Tiefbauers. Ich hatte noch gut das Gerede des Huf Haus Elektrikers im Ohr, der mir von einem Bauherren in Bayern erzählte, dem aufgrund der noch nicht vorhandenen Regenwasserableitung der nagelneue Keller durch die Fensterschächte vollgelaufen ist. Springt für soetwas dann eigentlich die Gebäudeversicherung ein, die von Huf zwingend auf das Ausstattungsprotokoll geschrieben wird?

Doch wie schon gesagt, es ist alles nochmal gut gegangen. Das Haus stand zwar eine Weile in einem braunen See, doch dieser war zu keiner Zeit tief genug, um das Holz meiner Huf-Haus-Keller-Fassade zu beeindrucken. Ist „tief“ hier nun eigentlich das richtige Wort? Der See rings um unser Haus war nicht „hoch“ genug, sollte es wohl heißen.

Und doch haben auch wir jetzt Wasser im Keller. Allerdings war diese Art des Wassereinbruchs bis ins Detail geplant und teuer bezahlt, kam also nicht als Überraschung. Er ist vielmehr ein Verdienst der Kooperation der örtlichen Wasserwerke und meines Tiefbauers, und war lange erwartet und herbeigesehnt worden. Ich hoffe nur, daß es mir die wirklich bemitleidenswerten Flutopfer nicht übelnehmen, daß ich gerade in dieser Woche das Wasser in unserem Keller zum Thema meines Blogs mache. Ich will mir gar nicht erst vorstellen, was die derzeit durchmachen müssen. Schon aufgrund der räumlichen Nähe kenne ich natürlich die Städte Dresden, Bad Schandau und Pirna sehr gut, doch auch in Deggendorf bin ich zu Bundeswehrzeiten sehr oft gewesen. Jetzt zu sehen, wie diese wunderbaren Städte derzeit im Schlamm versinken, ist unendlich traurig, dabei ist es auch egal, daß es Dresden vor elf Jahren sogar noch schlimmer erwischt hat.

Hoffen wir also, daß das Wasser recht bald aus diesen Städten wieder verschwindet, beziehungsweise dahin zurückkehrt, wo es hingehört. Denn Wasser gehört entweder in einen Fluss, Bach, See, Teich oder Ozean – oder eben, dann aber auf eine geordnete Art und Weise, in den Keller. Und wie so eine Ordnung aussehen kann, ist auf dem unteren Bild abgebildet.




Der erste Schritt auf dem Weg bis zu diesem bedeutendem Hausanschluss war noch recht einfach. Wie in einem früheren Beitrag bereits geschrieben, hatte ich ja das nette Angebot von Huf Haus ausgeschlagen, sich für mich um sämtliche Erd- und Anschlussarbeiten zu kümmern. Das „Wertvolle Basis“ genannte Paket war in meinem Budget einfach nicht drin, somit hatte mich schon erkundigt, wie und wo man sich denn in Waltersdorf um einen Wasseranschluss bewirbt.

Zu meiner Überraschung kamen kurze Zeit später doch mehrere große Umschläge mit ausgefüllten Antragsformularen sowie idiotensicheren kleinen Pfeilen, von Hand auf Post-it’s gemalt, die mir zeigen sollten, wo genau ich noch zu unterschreiben hatte. Was nur noch fehlte, war der frankierte Freiumschlag mit der Adresse der SOWAG, doch deren Anschrift stand ja im Begleitschreiben – und im Vergleich zu den Kosten der „wertvollen Basis“ waren die Kosten einer Briefmarke durchaus noch vertretbar. Ein wirklicher Super Service, damit hatte ich nicht wirklich gerechnet.


Die Anträge gingen kurze Zeit später in die Post, um dann haben für Monate nichts mehr davon zu hören. Doch zum Glück zogen sich ja die Baugenehmigung und die Finanzierungsbestätigung noch lange genug hin, so daß diese Wartephase keinen Stress verursachte. Doch irgendwann wurde sogar ich unruhig. Die Aufbauphase des Kellers ließ sich ja noch mit einem Wasserschlauch vom Nachbarn überbrücken, und auch der Tiefbauer brauchte kein Wasser. Doch im Anschreiben der Firma Huf war klar beschrieben, daß spätestens zwei Wochen nach Aufstellung Wasser im Haus liegen muß, also innerhalb einer Leitung selbstverständlich.


Zum damaligen Zeitpunkt war die Aufstellung immer noch für den Februar terminiert, es wurde langsam Herbst, und noch immer hatten wir nichts vom Wasserwerk gehört. Ist mein Antrag überhaupt bei denen angekommen oder hätte ich den lieber mit der Flaschenpost senden sollen? Vorgewarnt durch sorgenvolle Berichte in anderen Bautagebüchern war es langsam an der Zeit für den ersten Anruf. Sofort hatte ich eine wirklich nette Dame am Telefon, die leider nur eine einzige Neuigkeit für mich hatte, nämlich die, daß die zuständige Kollegin gerade im Urlaub ist. Klar, denn auch das hatte ich schon in anderen Bautagebüchern gelesen, keine Überraschung bis hier. Immerhin wurde ich an den obersten Wassermann der Behörde verwiesen, allerdings mit der Warnung, daß dieser eigentlich nie unter der angegebenen Telefonnummer erreichbar ist. Sei es drum, ich habe es trotzdem versucht, und hatte ihn prompt am Apparat. Heute war  mein Glückstag.


Das Glück hielt aber nicht lange, denn leider konnte er nur vermelden, daß er von einem Antrag zu einem Neubau in Waltersdorf noch nie etwas gehört oder gesehen hatte. Noch nicht einmal Gerüchte schien es im Hause zu meinem Antrag zu geben, und außerdem war dafür ja auch die Frau Urlaub zuständig. Also Geduld haben und nur noch den Urlaub abwarten, danach wird sich der Antrag bestimmt finden lassen.  



Wenige Tage später, oder waren es Wochen, ich erinnere mich nicht mehr, konnte ich mit der frisch erholten Bearbeiterin dann tatsächlich sprechen. Den Grundsatz, daß man direkt nach einem längeren Urlaub nicht mit dringenden Wünschen und Anfragen an Amts- und Würdenträger herantreten sollte, vernachlässigend, erlaubte ich mir, sie auf meinen Antrag anzusprechen. „Oh ja, der ist hier“ - Großes Aufatmen, die Post wurde also zugestellt – das Minimalergebnis des Anrufes war somit schon erreicht. Der Rest des Gesprächs war dann eher unbefriedigend. „Bis wann brauchen Sie den Anschluss?“ „Wissen Sie eigentlich, welchen Monat wir haben?“ „Sie können sich sicher vorstellen, daß Wasseranschlussarbeiten im Winterhalbjahr schon recht schwierig sind“ (Sie meinte: „Unmöglich“) „Wir wissen ja noch nicht einmal, von welcher Hauptleitung wir Ihr Grundstück anschließen sollen“ – Immerhin wollte sie sich jetzt mit höchster Priorität um unser Anliegen kümmern. Solche Aussagen lernt man im Kurs „Vertrieb 1.0“ – ein Kurs, in dem man, wie der Name schon sagt, lernt, wie man Kunden vertreibt. In ein paar Tagen sollte ich wieder anrufen – wahrscheinlich eine Abwimmel-Methode aus dem gleichen Kurs. 

Ein paar Tage später war sie wie ausgewechselt, was meine Theorie zu den Anfragen direkt nach einem Urlaub bestätigte. Inzwischen hatte sie sogar zwei Optionen gefunden, wie das Wasser am besten zum neuen Haus geleitet werden könnte, und siehe da, es gab bereits einen Anschluss nur wenige Meter rechts vom vorgesehenen Übergabepunkt. Man müsste nur über das Grundstück meines Nachbarn einen Graben legen, und dann sollte der Anschluss schnell herstellbar sein, vielleicht sogar bis Februar, aber das wollte sie mir dann doch nicht versprechen. Am liebsten hätte ich ihr diese Option des Anschlusses schon am Telefon zugesagt, doch eine innere Stimme sagte mir, daß ich dazu vielleicht doch den Nachbarn wenigstens befragen wollte. Wohl nur eine Formalität, schließlich war er mir ja wohlgesonnen, von ihm hatte ich ja unser Grundstück abgekauft, da wird er mir doch bei so einer Lappalie jetzt nicht im Wege stehen.


Ihr merkt es bestimmt schon an der Wortwahl, natürlich wollte er keine Wasserleitung auf (oder besser: „unter“) seinem Grundstück haben. Dieses Grundstück, welches sich genau zwischen uns und seinem Wohnhaus befindet, will er irgendwann auch einmal verkaufen. Aus Gründen, die ich nicht genau verstand, irgendetwas mit Wegerecht und Wertminderung, erteilte er mir also eine Absage. Somit blieb mir nur die andere Option, doch die hatte es in sich. Bei dieser zweiten Option musste nicht nur die Dorfhauptwasserader unter der so schön asphaltierten Durchgangsstraße gefunden und angezapft werden, danach musste die Leitung genau an der Grundstücksgrenze meines mir nicht ganz so wohlgesonnenen Nachbarn entlang zu unserem Grundstück geführt werden, um dann dort an der dem Übergabepunkt genau gegenüberliegenden Seite auf das Haus zu treffen. Wir mußten also mit der Leitung nochmal eine halbe Runde ums Haus, noch blöder kann man einen Wasseranschluss fast nicht planen. Kurz mal überschlagen, die Leitung würde fast 100 Meter lang werden und das Wasser muß sich in Zukunft fast auf dem gesamten Weg eine recht starke Steigung hinaufquälen. Auf den Wasserdruck in der Dusche bin ich gespannt, wenn das Wasser überhaupt bis da hoch kommt. Aber wenigstens mindern wir den Wert des Grundstücks unseres Nachbarn nicht, man muss versuchen, in jedem Kompromiss das Positive zu sehen.

Somit stand schon mal der Verlauf der Trasse fest, verblieb nur noch die Frage des Termins. Februar war zu dem Zeitpunkt bereits sehr ambitioniert, doch zum Glück hatten die Verzögerungen bei der Finanzierungszusage hier bereits für Entspannung gesorgt. Man konnte mit der Erstellung des Anschlusses also getrost bis zum nächsten Frühling warten. Aus naheliegenden Gründen würde mein Tiefbauer gleich den Graben übernehmen, es gab eigentlich nur noch das eine Problem, daß wir irgendwie einen 3 Tage-Termin finden müssen, der noch vor der Aufstellung oder kurz dahinter liegt. Und in diesen drei Tagen sollte auch kein größerer Transportes für das Huf Haus geplant sein. Denn wenn wir die Wasserleitung bauen, dann ist die Straße dicht. Ist die Straße in ihrer kompletten Breite schon zu schmal für große Fahrzeuge, mit unserem Graben wird sie vollends zum Wanderweg. 

So einen Termin gab es allerdings nicht, also wurde die Verlegung der Leitung Ende April dann einfach erzwungen. Innerhalb von wenigen Stunden hatte mein Tiefbauer mit nur einem weiteren Mitarbeiter den gesamten Graben gezogen, die Asphaltdecke der Hauptstraße zerschnitten und ein Kopfloch rund um die Hauptwasserleitung gegraben. Daneben stand ein sorgenvoller Huf Mitarbeiter, der nicht aufhören konnte, zu betonen, daß er Montag eine große Lieferung erwartet und deshalb freien Zugang zum Grundstück bräuchte.



Alles war somit vorbereitet für das Eintreffen der Wasserwerke am nächsten Morgen, die dann nur noch einen blauen, flexiblen Plastikschlauch mit einem schnellen Schnitt an die Länge des Grabens anpassen, diesen dann an die Leitung anschließen und in den vorbereiteten Graben schmeißen mussten. Warum dafür ein Team von fünf Leuten anreisen musste, war mir nicht ganz klar, doch irgendwo muß der Preis ja herkommen, den so ein Wasseranschluss kostet. Beim gemeinsamen Blick auf die Kellerwanddurchführung durfte ich dann noch die beiden Standardsprüche hören, mit deren Kenntnis man sich für fast jede Stelle bei einem Amt qualifiziert. Diese Sprüche sind: „Das geht so nicht“ und „Das haben wir noch nie so gemacht“, sogar ein Hausmeister braucht mehr Standardsätze für seinen Job, mindestens aber den einen: „Hier können Sie nicht parken“. Hätten wir doch einen Hausmeister zur Verfügung gehabt in der Woche mit der Tiefenbohrung (für Insider).


Danach ging es auch schon wieder ans Verfüllen des Grabens, schließlich hing uns der Liefertermin vom folgenden Montag im Nacken. Für meinen Tiefbauer hieß das Wochenendarbeit, doch nur das Ergebnis zählt. Wir hatten jetzt endlich eine Wasserleitung und dazu einen schönen sandigen Seitenstreifen an unserer Straße. Dieser schöne Sandstreifen sollte doch in der Lage sein, den von den Huf Tiefladern zerfahrenen Rand-Grünstreifen zu kompensieren und damit meinem Nachbarn eines seiner Argumente gegen unsere Baumaßnahme zu nehmen.


Doch dann kam der große Regen. Ich hatte ja schon zu Beginn des Beitrags erwähnt, daß wir zwar von der Flut der letzten Tage nicht wirklich betroffen sind, aber daß der Regen die Straßen zu Bächen oder kleineren Flüssen verwandelte, das traf auch für die im Bild oben sichtbare kleine Gasse zu. An dem Sand haben wir uns jedenfalls nur wenige Tage erfreut, denn inzwischen liegt der vollständig unten vor der Garageneinfahrt meines mir wohl immer weniger wohlgesonnenen Nachbarn. Ich nehme an, daß dieser Zustand einer noch immer nicht komplett ausgeschlossenen guten Nachbarschaft wieder nicht sehr zuträglich war.

Ich hätte die Stoppuhr stellen können, denn so sicher wie das Amen in der Kirche kam bereits kurze Zeit später der Anruf von der Gemeinde. Waren wir schon wieder angezeigt worden? Ich hatte es ja kommen sehen und den Sand mittels einer eiligst geborgten Schaufel nebst Schubkarre von der Straße bereits geborgen. Doch es regnete ja immer weiter, und mit dem Wasser kam immer mehr Sand unten beim Nachbarn an. Es muß doch aufgrund des Wetters von der Gemeinde auch so etwas wie eine gewisse Gnade geben!

Und es es gab sie wirklich, denn der Anruf hatte gar nicht die Intention eines Anschisses, sondern es wurde nur höflich gefragt, wann wir mit den Baumaßnahmen fertig sind. Die Gemeinde würde gerne den Seitenstreifen mit Pflaster befestigen, damit diese dauernden Verunreinigungen bei jedem Regenguss endlich aufhören und der arme Herr Nachbar nicht bei jeder Ausfahrt den Allrad bei seinem Mercedes hinzuschalten muß. Kein Wort fiel über meinen Sand-Erdrutsch. Ein Wunder war geschehen. Sofort zog ich los, um ein Lottoticket zu kaufen. Doch damit hatte ich mein Glück dann doch wohl etwas überfordert, gewonnen haben wir natürlich nichts. Und dabei hätte ich das Geld für die fast 8.000 Euro Rechnung für den Wasseranschluss richtig gut gebrauchen können. Für das Geld hätten wir uns auf Jahre mit „Evian“ duschen können. Immerhin gelang mir der inzwischen bereits historische Schnappschuss von unserer Wasseruhr. Daß ich diesen Zählerstand nie wieder sehen werde, dafür wird das Duschvergnügen meiner Frau schon recht schnell sorgen.



Samstag, 1. Juni 2013

Die erste Halbzeit

Bisher hatte ich es sorgsam vermieden, in einem meiner Beiträge das Thema Fussball anzufassen. Auf dem Gebiet bin ich auch bei weitem kein Experte, obwohl mich das ja offensichtlich bisher nicht davon abgehalten hat, zu bereits so vielen anderen Themen das Internet vollzuschreiben. Ich bin ein sogenannter Schoenwetterfan, gucke eigentlich nur zur WM oder EM ein Spiel und kenne den Namen des Kapitaens meines Liebslingsvereins nicht. Und was hätte das Thema Fussball hier auch verloren, das hier soll ja schließlich ein Bautagebuch sein. Zwischen dem Bau eines Hauses und dem Fussball gibt es keine Gemeinsamkeiten, basta. Das Problem ist nur, daß man in dieser Woche voll von fussballerischen Grossereignissen an diesem Thema eigentlich nicht vorbeikommt.

Somit findet heute also der Fussball doch noch seinen Weg in diesen Blog. Irgendwie werde ich den Dreh schon finden, einen Bezug zwischen Fussball und dem Haus Bau zu erkennen.

Womit aber anfangen? Am besten mit dem Beginn des Spieles und einer kleinen Vorschau, was uns im folgenden erwarten wird. Lassen wir mal alle Spiele von irgendwelchen KO-Runden weg, dann weiß man bei einem Fussballspiel relativ genau, wie lange es dauern wird. Nicht, dass ich das hier wirklich schreiben muesste, aber im Schnitt sind es etwas mehr als 90 Minuten, Nachspielzeit schon eingerechnet. In der Mitte gibt es eine Pause, und auch die ist immer relativ gleich lang. Durch diese festen Spielzeiten kann man sehr genau planen und weiss schon vor Beginn des Spieles, fuer wann man das Sammeltaxi zum Stadion bestellt.

Nun dauert so ein Huf Haus Projekt natürlich etwas länger. Die interessante Frage ist daher eher, ob sich bei solch einem Bau die Länge des Projektes bereits zu Beginn genauso exakt planen laesst. Alles spricht dafür, denn wir haben einen Plan, genauer gesagt, einen Baustellenablaufplan. Dieser zeigt genau an, in welcher Kalenderwoche mit welchem Gewerk auf der Baustelle zu rechnen ist. Das letzte Kreuz steht in der sehnsüchtig erwarteten Zeile mit dem Titel "Hausübergabe". Die Wochen zwischen Baubeginn und diesem Kreuzchen lassen sich damit leicht zaehlen und schon hat man die auf dem Tag genaue Länge der Bauphase. Keine Ueberraschungen also, der Aufbau eines Huf Hauses laeuft genauso strukturiert ab wie ein Fussballspiel. Sogar eine richtige Halbzeitpause gibt es auf dem Plan und es ist sogar vermerkt, zu welchen Zeitpunkten der Schiedsrichter, in diesem Fall der Bauleiter, einschreiten wird. 

Die erste Version des Baustellenablaufplans hielten wir schon beim Ausstattungsprotokoll in der Hand. Unbekannt waren damals eigentlich nur der genaue Baubeginn, aber als Anhaltspunkt über die erwartende Länge des Programmes konnte er schon dienen. Somit war der Zeitraum zwischen Anstoss (Beginn Aufstellung) und Abpfiff (Übergabe) ziemlich genau 3 Monate. Angepfiffen wurde, wie bereits bekannt, Mitte April, also sollte der Abpfiff irgendwann Mitte Juli liegen. Vielleicht mit ein paar Minuten Nachspielzeit, vielleicht verletzt sich ja ein Spieler (Bauarbeiter - den Fall hatten wir sogar schon) - aber in der zweiten Julihälfte sollten wir schon mit der Pokalübergabe rechnen können.

Leider sah das die zweite Version des Ablaufplanes ganz anders. Anscheinend vertraute die Leitstelle ihrem Team, hinsichtlich deren Fähigkeit Tore zu schießen, nicht genug und hat die Verlängerung und das Elfmeterschiessen gleich mit eingeplant. Und wie im Fussball gibt es als Zugabe sogar noch die berüchtigte und bei jedem Fan verhasste Sommerpause, noch dazu genau vor dem Elfmeterschiessen. Das würde sich im Fussball-Leben kein Fan bieten lassen.

Aus unserer Idee vom Juli wurde somit Mitte September, immerhin ganze zwei Monate mehr, als angedacht. Wir würden also nicht nur den Sommer im Haus komplett verpassen, sondern müssen sogar wichtige Familienereignisse wie meine nächste Null oder den Schuleintritt unserer Tochter außerhalb des Hauses planen. Ihr könnt euch vorstellen, daß diese Ankündigung keine Begeisterung in der Fankurve ausgelöst hat.

Sofort wurden Gründe für diese ungeplante Verlängerung gesucht. War unser Haus aufgrund der Hanglage, des Steildaches, der aufwendigen Fachwerkverglasung im Keller oder etwa aufgrund der Ausstattung am Ende besonders komplex geworden? Oder waren wir mit dem Aufbau Mitte April nur in eine sehr arbeitsreiche Periode gerutscht, in der einfach alles etwas länger dauern wird, verglichen mit einem Bauprojekt im ersten Quartal? Keine dieser Fragen führte zu befriedigenden Antworten. Sogar bei den anwesenden Huf Arbeitern gab es für eine solch lange Bauzeit kein Verständnis. Beflügelt von dieser Fachmeinung wurde also das Schiedsgericht angerufen und zu einer Stellungnahme gebeten. Die zuständige Kommission tagte kurz darauf und konnte zum Glueck eine Lücke im Regelwerk finden. Das Elfmeterschießen wurde ersatzlos gestrichen, die Verlängerung aber beibehalten. Immerhin konnte der Übergabetermin auf Mitte August vorgezogen werden.

Mehr konnten wir nicht herausholen. Schon mit dem derzeitigen Plan werden sich zum Ende hin die Gewerke im Haus gegenseitig auf den Füssen stehen. Und an der Sommerpause rütteln wir mal lieber auch nicht. Wir wollen ja den hart arbeitenden Huf Haus Monteuren nicht ihre Betriebsferien abstreitig machen. Dumm ist nur, daß diese zweiwoechige Pause so kurz vor unserer Hausübergabe liegt. Es hätten doch nur noch die Bodenbeläge und ein paar Endmontagen gefehlt, aber diese Arbeiten werden sich dann leider gedulden müssen. Und so muessen auch wir.

Waere das Huf Bauprojekt ohne Betriebsferien geplant worden, dann liesse sich so ein Baustellenablauf in zwei Halbzeiten und eine Halbzeitpause einteilen. Ich habe es nachgezählt, es passt wirklich ganz genau. Inklusive der Hausaufstellung dauert die erste Halbzeit sieben Wochen, dem folgt eine dreiwöchige Halbzeitpause. Dieser folgt, wer haette es gedacht, die zweite Halbzeit, und weil zwei Haelften schon aus mathematischen Gruenden immer gleich gross sein sollten, ist diese jedenfalls in unserem uebearbeitetem Plan auch genau sieben Wochen lang.

Was meine ich nun aber mit der Halbzeitpause? Gibt es denn wirklich in jedem Bauprojekt eine 3 Wochen Phase, in der alle Gewerke eine geplante Pause einlegen? Nun, nicht ganz, denn wie auch beim Fussball, ist eine Huf Bau Halbzeitpause nicht komplett ohne Aktivitaet. Statt Cheerleadertänzen oder irgendwelchen Verlosungen wird bei Huf Haus zu Beginn der Halbzeitpause fix der Estrich eingebracht, sich danach selbst überlassen und trocknen gelassen. Weiterhin werden die Halbzeitpausen ja auch gerne von den Ersatzspielern genutzt, sich auf dem Platz warmzuhalten, und um den Prozess auch bei uns zu unterstuetzen, wird zum Ende der Pause noch mal kurz die Heizung hoch- und wieder runtergefahren. Nichts wirklich Aufregendes, aber wegen der Pause geht man ja auch nicht zu einem Fussballspiel. Die Action findet nun mal in den beiden Halbzeiten statt. Und davon haben wir jetzt die erste hinter uns.

Und was das für eine Halbzeit war. Schon in den ersten fünfzehn Minuten (also zwei von sieben Wochen auf 45 Minuten gerechnet) konnten wir ein Feuerwerk an Aktionen sehen, für die es sich unbedingt lohnt, einen Teil des Jahresurlaubs zu opfern. Die Aufstellphase ist der Hammer, nach nur einer Woche hat man ein dichtes Haus und nach einer weiteren sieht es von außen komplett fertig aus. Im Bild unten habe ich unter Mithilfe von Nachbars Hecke geschickt die Mondlandschaft rings um unser Haus ausgeblendet.


Im Fussball würde man nach so einer stürmischen Anfangsphase schon von einer Vorentscheidung sprechen. Es war klar, daß diese Geschwindigkeit in den nächsten Spielminuten nicht zu halten ist. Und das trotz dem im Vergleich zum Fussball eher unüblichen Vorgang, daß der 1.FC Huf Haus zu diesem Zeitpunkt mal so eben die komplette Mannschaft ausgetauscht hat. Nachdem in den ersten Spielminuten nur Stürmer auf dem Platz waren, kamen jetzt etwas gelassenere Charaktere, die dem Spiel ein wenig Ruhe gaben. Auf einmal gab es so etwas wie eine taegliche Mittagspause und auch der Feierabend ging nicht mehr einher mit dem Sonnenuntergang. Leider fielen auch die bierseligen Runden am Tresen der Pension der neuen Spielweise zum Opfer.

Doch auch die neue Mannschaftsaufstellung hatte ihre klaren Rollen und Aufgaben. Es gab die Schreiner, die das Spiel von innen gestalteten, die Heizungs- und Sanitärtruppe, die mit ihren Leitungen vom zentralen Heizungskeller aus geschickt die Räume ueberbrueckten, und natürlich die für das Endergebnis so wichtigen Elektriker, die ihre Fäden durch das gesamte Spielfeld ziehen, von deren Arbeit man nach dem Abpfiff aber fast nichts mehr sehen wird.

Zeigen wir jetzt doch einfach ein paar Bilder vom Spiel, und fangen am besten mit den Elektrikern an, bevor deren Arbeit unter dem Putz und der Fussbodenheizung für immer verschwindet.

Es ist sicher nicht die Farbe, anhand derer diese Kabel unterschieden werden
Der Schaltschrank, und dabei hatte ich gar keine Stil Art Möbel bestellt
Nichts für Kurzsichtige. Schwarze Lichtschalter auf schwarzem Grund.
Die Elektriker werden wir auch in der zweiten Halbzeit wiedersehen. Stolz zeigten sie mir schon, mit welchen Mitteln sie in der anderen Spielhälfte die Gunst des Publikums erobern wollen. Denn sie haben mit dem KNX System noch einen gewaltigen Trumpf im Ärmel, ich durfte immerhin eines dieser schicken Bedienpanels schon einmal anfassen. Leider muß ich noch etwas Geduld haben, bevor diese ihr gesamtes Spielpotential offenbaren, denn das Team Elektrik wird erst kurz vor Spielende wieder in Erscheinung treten.

Auch das nächste Gewerk ist nicht aufs Schoenspielen aus. Die meiste Zeit mussten diese Spieler im dunklen feuchten Technikkeller auf ihren Einsatz warten, die Zeit dort wurde aber genutzt, diesen mit allerhand schweren Gerätschaften vollzustellen. 

Links, das ist die Wärmepumpe. Hätte ich mir irgendwie größer vorgestellt.
Doch dabei wollte es dieses Team nicht belassen. Nachdem das Team Elektrik so langsam das Feld wieder räumte, kam ihre Stunde und nach kurzer Zeit hatten sie jeden Quadratzentimeter des Platzes unter ihre Herrschaft gebracht.

Man beachte die moderne Sitzgruppe nebst Designertisch in unserem Wohnzimmer.
In diesem Zimmer klebt bereits eine beleuchtete Fototapete mit dem Motiv eines Oberlausitzer Umgebindehauses.
Es ist doch schön, daß sich die Fotos von Digitalkameras inmer auch das Datum und die Uhrzeit merken, an denen sie geschossen wurden. Das macht es im Nachhinein leicht, auszurechnen, wie lange ein gewisser Arbeitsschritt gedauert hat. Zwischen den beiden unten gezeigten Fotos vom gleichen Objekt lagen ungefähr zwei Wochen. 




Und dazwischen passierte in allen Räumen dieses hier:


Wenn man lange genug guckt, dann fangen die vier kreisrunden Loecher an zu tanzen. Probiert es aus.
Das Team Sanitär und Heizung kommt auch noch einmal in der zweiten Halbzeit, allerdings sind das dann andere Monteure speziell für die Endmontage. Auf diesem Weg also vielen Dank für die wohlige Wärme, die wir bei dieser Masse an Heizleitungen im ganzen Haus erwarten sollten.

Bleibt noch ein Team, welches bereits in der ersten Halbzeit auftrat. Speziell dieses Team der Schreiner wird sich nicht beschweren können, daß man die Resultate der Arbeit später nicht mehr sehen wird. Dazu sind deren Objekte einfach viel zu prominent. Ein paar Beispiele:

Unser schönes Treppengeländer, leider aufpreispflichtig
der Ausbau des Treppenhauses im Keller
und sogar unser erstes Regal, alles verdanken wir den Schreinern

Dann kam der Abpfiff. Im Gegensatz zum Fussball gab es keinerlei Nachspielzeit, ganz im Gegenteil, denn sogar eine ganze Woche früher waren diese Gewerke fertig. Leider hatte das keine Auswirkungen auf den Termin der Hausübergabe. Die nun folgende Halbzeitpause wird dadurch nur eine Woche länger.

Wir freuen uns schon auf die zweite Halbzeit, in deren Verlauf wir langsam und Stück für Stück auf das gewünschte Resultat hinarbeiten werden. Ich bin mir jetzt schon sicher, daß wir von dem Ergebnis genauso begeistert sein werden, wie wir es beim Abpfiff des wahren großen Fussballspieles dieser Woche waren. Ein Traum in Schwarz-Gelb, schoen, daß diese regional so verwurzelte Truppe trotz schlechter Voraussetzungen dieses Spiel doch noch und dann auch mit wirklich schönem Fussball gewinnen konnte. Ein ganzes Land ist stolz - ich rede hier natürlich über den Klassenerhalt von Dynamo Dresden in der zweiten Liga. Wen interessiert denn schon die Champions League oder der DFB Pokal?




Dienstag, 21. Mai 2013

Don't mess with the King

Das waren sie also, die Aufbauwochen. Mit ihnen endete der wohl aufregendste Abschnitt eines Huf Haus Bauprojektes. Ab jetzt stand ja "nur" noch der Innenausbau an. Nicht, daß ich die harte und wichtige Arbeit dieser Gewerke in irgendeiner Art und Weise herabwürdigen will, doch so spannend wie die Aufstellung eines Hauses mit schweren Geräten wie einem 50 Tonnen Kran und immerhin 9 Tiefladern können die nun folgenden Bauphasen doch eigentlich nicht mehr sein.

So dachte ich jedenfalls am Beginn der Woche 3. Ich sollte falsch liegen.

Diese Woche sah auf dem Huf-Bauplan den Beginn der Schreiner-, Elektro- und Sanitärarbeiten vor. Wir erwarteten also nur innerhalb des Hauses eine emsige Betriebsamkeit . Aber noch gab es eine weitere wichtige Aufgabe im Aussenbereich, die auf dem Ablaufplan der Firma Huf nur in einem Nebensatz erwähnt wurde. Um die Inbetriebnahme der Heizung in der nahen Zukunft zu ermöglichen, sollte innerhalb von 2 Wochen nach Aufstellung des Hauses die Erdwärmebohrung und das Einbringung der Sonden durchgeführt werden. Und genau das stand für die Woche 3 nun also an.

In einem früheren Beitrag hatte ich ja schon erwähnt, daß wir uns gegen die im Standard erhältliche Luft-Wärmepumpe entschieden hatten und an deren Stelle die Variante der Tiefenerdwärme bevorzugten. Unten in 100 Metern Tiefe ist es auch im tiefsten Waltersdorfer Winter immer wohlig warm, dasselbe kann man von der Luft an der Erdoberfläche in diesen Monaten nicht behaupten. Zum Glück bietet aber Huf die Variante der Erdwärmepumpe ohne Aufpreis an, man muß sich nur selbst um die besagte Bohrung kümmern.

Gekümmert hatte ich mich sogar schon im letzten Jahr, die von mir gewählte Firma machte einen soliden und seriösen Eindruck, der Preis lag in der erwarteten Region und auch der nachfolgende Prozess der Beantragung einer solchen Bohrung beim zuständigen Amt erweckte den Eindruck, daß die Kollegen nicht erst seit gestern in dieser Branche tätig sind. Bei einer geplanten Heizleistung unserer Wärmepumpe von 12,4kW waren also zwei Löcher mit jeweils 100 Metern vorgesehen, da war aber noch nicht sicher, ob auch das Warmwasser über die Wärmepumpe beheizt werden sollte. Wenige Wochen vor der Bohrung erreichte uns dann endlich ein Brief der Firma RedBlue Energy, der Elektro- und Sanitärfirma im Huf Verbund, mit genaueren Angaben. Und selbstverständlich heizen wir auch unser Dusch- und Badewasser mit Erdwärme, und schon waren unsere beiden geplanten Bohrlöcher 120 Meter tief. Na ja, wir wollen ja nicht riskieren, daß uns mitten im Duschvorgang das warme Wasser ausgeht. Hätte ich vielleicht doch noch erwähnen sollen, wie lange so eine durchschnittliche Dusche meiner Frau dauert und was für heiße Temperaturen dabei zum Einsatz kommen, der Bohrmeister hätte bestimmt noch 2 x 30 Meter draufgelegt. Sicher ist sicher. Ich werde hier im Blog von unseren Erfahrungen berichten, aber vielleicht habt ihr ja dann schon vorher das Kreischen meiner Gattin gehört und könnt euch euren Reim machen. 


In den wenigen Wochen, die wir jetzt schon an unserem neuen Standort leben, haben wir bereits eine Menge Leute kennengelernt. Und mit dem Einprägen von neuen Namen ist es bei uns leider nicht weit her, darin ist meine Frau genauso schlecht, wie ich. Irgendwann werden wir bestimmt die wichtigsten Nachbarn beim Namen kennen, bis dahin behelfen wir uns mit Bezeichnungen, die als Codes in Ermangelung der echten Namenskenntnis verwendet werden. In unserer unmittelbaren Nachbarschaft leben zum Beispiel Grumpy, Spice Girl, Fatty, Funny Face und Skeleton - um nur einige zu nennen. Und auch der Chef der Bohrfirma bekam sofort einen solchen Code verpasst, obwohl wir hier den Namen eigentlich kannten. Einfach zu groß war die Ähnlichkeit mit dem Schauspieler Kevin James, der Chef unserer Bohrfirma hieß hier also nur noch "King of Queens".


Wie es sich für einen richtigen King gehört, übernahm er kurz danach die Herrschaft über den Teil des Baulandes, den wir für die Bohrungen vorgesehen hatten. Dabei ließ er sich auch nicht von der Tatsache abschrecken, daß der Weg zu den Bohrpunkten durch ein neues Haus versperrt und auch der Weg über unsere schützenswerte Wiese für seine Armee eigentlich tabu war. Wo ein Wille ist, da ist ein Weg, und der führte über eine unbefestigte Fahrstrasse, die unser Grundstück im Norden begrenzt. Danach ging es quer über das Grundstück meines Vermieters, dessen Wiese anscheinend nicht so schützenswert ist und mit Fahrzeugen befahren werden darf, um dann mit der gesamten Kavallerie kurz vor der Baugrenze in unser Land einzufallen.

Ja, diese Bilder sind von der Firmenhomepage - ich hatte leider das Fotografieren vergessen

Nachdem der Einmarsch geglückt war, wurde sofort Stellung bezogen und das Land an seinen Grenzpunkten mit schwerem Gerät abgesteckt. An der einen Seite stand nach kurzer Zeit ein Schüttgutcontainer, an der nächsten der Riesenkompressor und vor dem Haus wurde der Stolz der Truppe aufgebaut, der knallrote Bohrhammer.


Und damit ging der Kampf gegen die seit Jahrmillionen unberührte Natur unterhalb unseres Grundstückes los. Innerhalb weniger Stunden waren auch schon die ersten Opfer zu beklagen, zuerst traf es die Regenwasserzisterne meines Vermieters, dessen Inhalt dem Riesendurst des Bohrers einfach nicht genug zu bieten hatte. Es würde Tage, wenn nicht Wochen dauern, bis diese den alten Füllstand wieder erreichen würde.

Ein nicht minder trauriges Schicksal traf kurze Zeit später eine Gartenwasserleitung, die dem Druck der Wasserpumpe nicht standhielt und die Sitzecke meiner Nachbarn mit einem Regenguss tropischen Ausmaßes bedachte. Erst der historische Hausbrunnen, der auf den schönen Namen "Heideborn" hört, war den Wasseransprüchen der Tiefenbohrung gewachsen.

Das ganze Wasser wird eigentlich nur zur Spülung der Bohrung benötigt, es wird sauber in das Bohrloch hinein gepumpt und kommt dreckig wieder raus. Danach muß es irgendwo hin, und weil wir nicht mutig genug waren, das Wasser einfach in den gemeindlichen Abwasserkanal einzuleiten, ließen wir es eben auf dem Grundstück versickern. Wie das Bauherren mit viel kleineren Grundstücken organisieren, ist mir ein Rätsel. Zum Glück hatte es in den Wochen vor der Bohrung recht wenig geregnet, der Boden war also sehr aufnahmebereit für das graue Nass. Die nächsten Opfer unseres Tiefendranges waren dann wohl eine nicht näher bestimmbare Anzahl Wühlmäuse, die sich vor der Sintflut nicht mehr rechtzeitig retten konnten. Es mußte Verluste geben bei einem solchen Eingriff in die Natur.

Derweilen stand der King siegessicher auf dem Land und beobachtete das Inferno. Brummend und hämmernd war der Bohrer im ersten Loch bereits gut und gerne 80 Meter verschwunden, alles deutete auf einen schnellen Sieg hin. Für die ganze Aktion hatte der King ja auch nur zwei Tage angesetzt, da war nicht viel Zeit für Sentimalitäten. Mit welchem Widerstand hätte er auch rechnen sollen? So ein Bergfels machte ihm keine Sorgen, je fester, desto besser. Und es war doch nur die Ruhe vor dem Sturm, denn es formierte sich eine gewisse Abwehr. Diese agierte zunächst nur im Verborgenen, im Schutze der Dunkelheit.

Am nächsten Morgen war das Ergebnis des ersten Gegenangriffes für alle in der Form eines aufgebrochenen Tankdeckels sichtbar. Dem Mercedes Actros LKW fehlten 500 Liter Diesel. Der erste Diebstahl seit Beginn der Baumaßnahmen.

Doch mit dem LKW hatten sich die Gegner das falsche Ziel ausgesucht. Dieses Fahrzeug war ja für den Erfolg der Mission strategisch eher unbedeutend, es stand ja nur für den späteren Abtransport der schweren Geräte bereit und bis dahin eigentlich nur rum. Die Bohrungen konnten also weitergehen und der Fortschritt war sogar schneller als geplant. Bereits am Mittag des zweiten Tages war das zweite Loch in der Tiefe von 120 Metern angekommen, das Ziel war erreicht, jetzt nur noch schnell die Sonde hineinstecken und den geordneten Rückzug antreten. Der King hatte es wieder einmal geschafft, er hatte ein weiteres Stück Erde unterworfen und für die Ausbeutung durch eine Wärmepumpe gefügig gemacht.

Doch noch gab sich der Gegner nicht geschlagen. Hatte schon die Nacht und Nebelaktion am Tank des Actros nichts gebracht, erfolgte der nächste Anschlag aus dem Untergrund. Oder besser gesagt, im Untergrund. Denn irgendwo in 70 Metern Tiefe wurde ein Felsbrocken organisiert, der sich nun dem Einbringen der Sonde widersetzte. Da konnte die gesamte Mannschaft mit vereinten Kräften an der Sonde schieben, es gab kein Vorankommen. Es half alles nichts, die Sonde wurde wieder aus dem Boden entfernt und der Bohrer musste zum dritten Mal ran. Dies bedeutete leider mehr als einen ganzen Tag Verzögerung, bedingt durch den Umstand, daß am nächsten Morgen der Tag der Arbeit begann, ein Tag, der ironischerweise arbeitsfrei bleiben mußte.

Einen ganzen Tag lang herrschte also Ruhe auf dem Feld, der King hatte sich in sein Heimatland zurückgezogen, in der Erwartung eines sicheren Sieges einen Tag später. Dass dieser Tag der Höhepunkt der Drei-Tage Offensive werden sollte, war nicht wirklich vorherzusehen. Nichts deutete darauf hin, daß der Gegner des Bauvorhabens am dritten Tag doch noch einmal zur Tat schreiten würde. Und diesmal war es sogar eine offen ausgetragene Konfrontation und nicht nur feige Sabotage. Die Aktvitäten auf dem Bohrfeld waren eigentlich schon beendet, die Sonden steckten fest in beiden Löchern. Alles war bereit für den Rückzug, als ersichtlich wurde, daß die einzige Straße, die in die Heimat führte, durch ein parkendes Auto zugestellt war.



Nun, das kann ja mal passieren, daß sich jemand in einen unbefestigten Weg verfährt und damit versehentlich den einzigen Ausweg versperrt. Doch hier herrschte leider pure Absicht, denn der Fahrer des Wagens stand breitbeinig mit verkreuzten Armen neben seinem Auto und ließ verlauten, daß er sein Blech keinen Millimeter bewegen wird, weil er das Recht hätte, hier zu stehen. Die Bohrmannschaft in seiner Meinung hat sich Zugang zum Land über eine nicht öffentliche Straße verschafft, und für diese Straße nimmt er sich nun das Recht heraus, sie zu seinem persönlichen Parkplatz umzufunktionieren. Falls die Frage hochkommen sollte, es handelte sich natürlich wieder um meinen lieben Nachbarn, der ja schon mehrfach mit verschiedenen lächerlichen Aktionen gegen die Bauarbeiten auffällig wurde.

Jetzt gab es für den King zwei Möglichkeiten. Seines Rechtes der freien Bewegung beraubt, hätte er Gewalt anwenden und mit seinem Radlader den kleinen Opel anheben und an die Seite stellen können. Diese Option wurde ernsthaft diskutiert, doch aus Angst vor Kratzern am Radlader wieder verworfen. Die zweite Option war die Anforderung von Verstärkung, und die kam dann auch kurze Zeit später in der Form der örtlichen Polizei. Nach einer Schnellschulung in der Theorie der Straßenverkehrsordnung war uns dann allen schnell klar, was eine öffentliche von einer nicht-öffentlichen Straße unterscheidet. Ganz einfach gesagt, alles was wie eine Strasse aussieht und nicht mittels Schranke oder Verkehrsschilder Fahrzeuge an der Einfahrt behindert, ist öffentlich, egal ob befestigt oder nicht. Daß der Nachbar sein Auto mutwillig und unter Billigung der Behinderung der Bohrfirma in dieser öffentliche Straße geparkt hat, erfüllte den Tatbestand der Nötigung. So sah es nicht nur der King sondern auch der Polizist, und somit kam es zur Anzeige.

Wir standen bei dieser ganzen Aktion eigentlich nur kopfschüttelnd daneben. Mit meinen verbalen Versuchen, auf das Gemüt dieser Person einzuwirken, konnte ich leider nichts erreichen. Ich weiß ja inzwischen, daß dieser Nachbar niemals unser Freund werden würde, doch ein klein wenig mehr Selbstbeherrschung hätte ich einem zirka Vierzigjährigen Erwachsenen durchaus zugetraut. Sogar sein Vater kam während dieser Aktion auf mich zu und schüttelte mir die Hand, verbunden mit der Aussage, daß auch er ratlos ist. Ein einsamer Kampf gegen einen Hausbau, isoliert sogar von seinen eigenen Eltern. Wieviel ihn diese Anzeige jetzt kosten wird, will ich mir lieber gar nicht ausmalen. Denn es war offensichtlich, daß er hier mit dem King an den Falschen geraten ist. Eine Bohrkolonne nebst schweren Geräten für mehrere Stunden auf einem Grundstück einzusperren, ist kein Kavaliersdelikt. Anwalts- und Gerichtskosten, Verdienstausfall für die Firma und andere noch nicht bekannte Kosten werden diese unbedachte Aktion zu einer richtig teuren Angelegenheit machen.

Don't mess with the King. Es wird ihm hoffentlich eine Lehre sein.

Samstag, 11. Mai 2013

Der Haken am Dach

Der heutige Beitrag birgt das Risiko, bereits Bekanntes noch ein weiteres mal zu verwerten und als Neuigkeit darzubieten. Ist doch das Dach auch wirklich schon mehrfach Gegenstand diverser Ausführungen gewesen, dem werten Stammleser sollten die Geschichten mit der Gestaltungssatzung, dem Dach als Eigenleistung, dem Änderungsantrag beim Amt, der Ablehnung, dem Einspruch und der frohen Botschaft der Genehmigung schon bekannt sein.

Ist damit aber zum Thema Dach wirklich bereits die ganze Geschichte geschrieben? Oder fehlt zu dieser Geschichte nicht noch so etwas wie der Schluß? Der letzte Beitrag zum Thema beinhaltete ja nur die gute Nachricht, daß wir jetzt doch das Huf Haus Dach auf das Haus legen dürfen. Doch mit der Genehmigung war das Dach ja noch nicht gedeckt. Es fehlte also noch die Ausführung und diese wird heute also zum Inhalt des voraussichtlich letzten Beitrags zum Thema werden.

Spulen wir aber doch noch einmal kurz zurück. Noch vor wenigen Wochen gingen Huf Haus und auch wir davon aus, daß die Dacheindeckung bauseits ausgeführt wird. Huf Haus hätte zwar auch ein satzungskonformes Naturschieferdach organisieren können, doch warum sollten wir dafür extra einem Westerwälder Dachdecker die schwere Reise nach Ostsachsen zumuten, wenn diese Art der Dacheindeckung durch einen Oberlausitzer Dachdecker wahrscheinlich im Schlafe verrichtet werden könnte. Wenn man die Anzahl der in Schiefer gedeckten Umgebindehäuser betrachtet, wird klar, daß sich hier in der Gegend genügend Expertenwissen finden lassen sollte. Lassen wir den Westerwälder Dachdecker also mal wo er ist und belassen diesen Teil der Wertschöpfung in der lokalen Wirtschaft.

Nun möchte ich gerne zugeben, daß diese Entscheidung nicht aus reiner Nächstenliebe getroffen wurde. Es war zwar durchaus ein schönes Gefühl, mit dem Auftrag einer lokalen Firma zu einem Einkommen zu verhelfen, aber wirklich ausschlaggebend war dann doch der Fakt, daß das lokale Angebot nur ungefähr die Hälfte dessen vom anonymen Westerwälder Dachdecker kosten sollte. Leider habe ich das Westerwälder Angebot nie im Detail zu Gesicht bekommen, kann also nicht sagen, wie sich die 100% Mehrkosten erklären lassen. Pure Reisekosten können das ja aber nicht sein, die Oberlausitz liegt ja nicht in Australien.

Zu dem Schieferdach will ich aber jetzt eigentlich nicht mehr viel schreiben, dieses ist ja inzwischen Geschichte und gar nicht auf unserem Haus gelandet. Nur das hier möchte ich zu dem Thema aber doch noch loswerden. Durch verschiedene Kommentare im Blog und Emails habe ich gelernt, daß der Firma Huf Haus der zweifelhafte Ruf anhaftet, bauseitigen Leistungen sehr skeptisch oder sogar negativ gegenüberzustehen. Zu lesen war unter anderem, daß Anfragen nach einem Ausbauhaus oder anderen Eigenleistungs-Zwischenstufen bei Huf arrogant abgeblockt und durch diese Vorgehensweise einige Bauherren in die Hände der Konkurrenz getrieben wurden. Huf Häuser gäbe es nur schlüsselfertig, nur dadurch läßt sich die hohe Huf Haus Qualität bis zur letzten Bodenfliese garantieren. Denn nichts wäre schlimmer, als wenn man einem potentiellen Kunden ein Huf Haus mit vermurkstem Innenausbau präsentieren würde. Soweit das Vorurteil.

Inzwischen weiß ich, daß es in der Realität auch anders laufen kann. In unserem speziellen Fall wurde das Huf Haus Dach jedenfalls ohne das geringste Wimperzucken aus dem Ausstattungsprotokoll herausgerechnet, inklusive aller Schneefang- oder Schornsteinfegertreppeneinrichtungen. Die wirklich einzige besorgte Frage kam vom Finanzierungsservice, ob denn das Haus mit einem bauseitigen Dach immer noch ein KfW70 Haus ist, aber ansonsten sah alles sehr nach Routine aus. Wir waren also bei weitem kein Einzelfall, eher das Gegenteil schien die Realität zu sein. Nicht nur werden heutzutage Huf Häuser auf bauseitige Keller gestellt, sondern wohl auch tatsächlich als Ausbauhaus in den verschiedensten Stufen angeboten. Sogar von Beispielen, bei denen die Huf Haus Leistung nach dem reinen Aufstellen schon komplett abgeschlossen war, habe ich gehört. Entweder hat Huf Haus hier das Geschäftsprinzip kürzlich geändert oder die Kommentare stammen von Kunden, die an den falschen Berater geraten sind. Zu halten ist dieses Vorurteil aber mit Sicherheit nicht.

Also zurück zu unserer Geschichte mit dem Dach. Und damit gleich zum nächsten Vorurteil, welches besagt, daß sich Huf Haus (aber wahrscheinlich fast alle Hersteller von Fertighäusern) recht unflexibel mit Last Minute Änderungen zeigen. Sobald das Ausstattungsprotokoll mit Blut unterzeichnet vorliegt und durch die letzte Prüfung der internen Inquisition gekommen ist, sind Änderungen nicht einmal dann möglich, wenn man im Gegenzug die Abtretung sämtlicher Persönlichkeitsrechte anbieten würde. Und ist das Haus sogar bereits produziert, dann wäre es wohl wahrscheinlicher, daß die Briten den Euro einführen und kochen lernen, als daß sich jetzt noch irgendwelche Änderungen an der Ausstattung des Huf Hauses durchsetzen lassen. Was ist nun dran an diesem Vorurteil? Gab es etwa auch bei uns einen Mister Grumpy, dessen Rolle darin besteht, jegliche Änderungswünsche nach dem AP-Sign-Off-"D"-Day abzublocken? (Den Namen: "Mr. Grumpy" habe ich in einem anderen Blog gefunden, leider konnte mich die Dame vom Empfang aber nicht zu ihm durchstellen, er hat wohl inzwischen die Firma verlassen)

So also lief es bei uns:
Unser Haus lag wohl schon verpackt auf dem Anhänger, als die Nachricht, daß wir nun doch mit dem Huf Dach bauen, endlich eintraf. Inzwischen war bereits der Rahmen für das liegende Dachfenster für ein Schieferdach vorbereitet und die Dachlattung aufgrund der Annahme, daß diese zur bauseitigen Leistung gehört, bei der Produktion des Hauses weggelassen worden. Huf hätte also auf die bauseitige Ausführung in Schiefer bestehen können, was wirklich ein herber Rückschlag für unser Bauvorhaben gewesen wäre.

Nun ist es ja mit Sicherheit bei bestimmten Änderungen wirklich schwierig, diese so spät im Projekt noch zu ermöglichen. Doch in unserem Fall hatten wir Glück. Der Eindeckrahmen konnte in letzter Minute, auf dem Anhänger liegend wahrscheinlich bei laufendem Motor der Zugmaschine, gerade noch angepasst werden und die fehlende Dachlattung wurde einfach dem Aufstellteam auf die To-Do Liste gesetzt. Wenn es in unserem Projekt bisher überhaupt einen Mister Grumpy gab, dann war das für einen kurzen Moment der Herr Vorarbeiter, der mit einem zwinkerndem Auge sagte, daß er sehr auf das bauseitige Dach gehofft hatte. Der Kelch einer Steildacheindeckung inklusive der Anbringung der Dachlattung hätte durchaus an ihnen vorbeiziehen mögen. Als Erklärung gab er an, daß bei einem Tegalit Dach jede Ungenauigkeit bei der Lattung sofort auffallen würde, genau aus dem Grund sollte diese lieber im Werk vorgenommen werden. Und jetzt dürfen sie das doch auf der Baustelle machen, noch dazu an einem ungewohnt steilen Dach. Der Umstand, daß dem ungeplanten Arbeitsschritt der Dacheindeckung nur noch die Fahrt in den heimischen Westerwald zum wohlverdientem Wochenende folgen sollte, hat zur Erhöhung der Begeisterung für die zusätzliche Aufgabe wahrscheinlich nicht viel beigetragen.

Doch nun genug der vielen Worte. Es ist an der Zeit, für die Geschichte der Dacheindeckung endlich ein Happy End zu finden und Bilder sprechen zu lassen. Dieses Kapitel war neben der Finanzierung mit Sicherheit das nervenaufreibendste im gesamten Projekt. Ich will gar nicht erst versuchen mir auszumalen, wie die Geschichte mit dem lokalen Dachdecker gelaufen wäre. Dieser hätte mit Sicherheit auch eine erstklassige Arbeit geliefert, war aber für das Jahr eigentlich schon ganz gut ausgebucht. Von der Frage, woher ich das Geld für den damit verbundenen Aufpreis genommen hätte, einmal ganz abgesehen.

Das Anbringen der Dachlattung hat fast einen Tag gedauert

Bereits zu sehen ist der beeindruckende Schneefang
Das liegende Dachfenster mit dem neuen Rahmen
Und so findet sie also ihren Abschluß, unsere Dach-Story. Doch so ganz einfach lasse ich diese Geschichte nun doch nicht enden. Denn eine kleine Überraschung gab es ja noch, und der Vollständigkeit halber will ich diese nicht auslassen.

Unerwartet bekam unser Dach auf einmal Pickel. Zuerst dachte ich, dieser Ausschlag wurde aufgrund irgendwelcher  Sicherheitsvorschriften notwendig, die ein Abrutschen der Truppe von besonders steilen Dächern verhindern sollen. Aber irgendwie sahen diese Haken nicht nach einer übergangsweisen Dachsteigehilfe aus, und auf Nachfrage wurde mir das leider bestätigt. Schneefanghaken sind das, und diese sind in dieser Region Deutschlands bei der zu erwartenden Schneelast in Verbindung mit dem steilen glatten Tegalit Dach zwingend vorgeschrieben. Nur gut, daß es für alles Vorschriften gibt, ob diese Haken schön aussehen, ist ja auch zweitrangig. Sicherheit geht vor. Wie aber funktionieren die? Sollen diese Haken den Schnee auf dem Dach halten oder ein geordnetes und ungefährliches Abrutschen fördern, ich weiß es nicht. Wir sind ja auch das einzige Haus im ganzen Dorf mit diesen Haken, ich könnte also noch nicht einmal bei den Nachbarn um Erfahrungsberichte bitten.

Ein Dach mit Akne
Immerhin wurden diese Haken in einem recht ansprechenden Muster verlegt, sie geben dem Dach also durchaus eine individuelle Note. Das Dach sieht damit zwar anders aus als erwartet, aber das nehmen wir jetzt einfach mal hin. Somit hat es der Ort Waltersdorf am Ende doch noch geschafft, die Dachdeckung zu beeinflussen, statt der Gestaltungssatzung war es eben die Schneesicherheit. Gönnen wir ihm den Triumph.

Unser Haus hat ein Dach, das ist jetzt alles was zählt. Und mit einem Dach sieht so ein Haus gleich ganz anders aus und fügt sich auch ganz anders in die Umgebung ein. Ein guter Moment, hier mal zwei Beispiele unserer neuen Panorama-Foto-App vorzuführen.







Freitag, 3. Mai 2013

Unser Haus kriegt ein Gesicht

der Schnee hat sich ja nun schon seit einigen Wochen aus Waltersdorf verzogen. Während der Hausstellphase konnte man auf der Lausche, dem höchsten Berg des Zittauer Gebirges, zwar noch ein paar weiße Fetzen sehen, doch auch die sind mittlerweile verschwunden. Und das ist auch gut so, denn, so sagten mir die Nachbarn, wenn auf der Lausche noch Schnee liegt, dann könnte auch im Tal noch einmal etwas kommen. Diese Gefahr ist jetzt also gebannt.

Die Einzige, die dem Schnee wohl etwas nachtrauert, ist unsere Tochter. Vorbei sind die Zeiten, in denen sie bequem auf dem Schlitten zur Schule gezogen wurde. Ab jetzt heißt es selber laufen. Und genau das ist an den meisten Tagen mit viel Überzeugungsarbeit verbunden. Als Eltern muß man dann kreativ sein und Wege finden, wie man eine lauffaule Sechsjährige zum Wandern animiert. Ein Erfolgsrezept haben wir leider auch nicht, doch am besten scheint zu funktionieren, sie mit verschiedensten auf der Wegstrecke befindlichen Highlights bei Laune zu halten. Zum Glück gibt es aus kindlicher Sicht ein paar davon, zum Beispiel kommen wir an mehreren Kaninchenställen vorbei und auch die vielen kleinen Bäche, in die sich so herrlich Steine werfen lassen, helfen da schon weiter.

Als neuesten Spaß suchen wir seit ein paar Tagen Häuser mit einem Gesicht. Die Idee dazu hatte sie sogar selber, denn sie war es, die das erste Haus gefunden hatte, in dem man wirklich so etwas wie ein Gesicht erkennen konnte. Man muß da noch nicht einmal sehr viel Phantasie haben. Unten im Bild ist dieses Haus zu sehen, ich habe mir die Freiheit genommen und beim Mund etwas nachgeholfen.


Da sich dieses Haus ganz in der Nähe unseres Zieles, dem Kindergarten befindet, kann man es fast auf der gesamten Wegstrecke als Motivation für das Weiterlaufen verwenden. "Komm, wir gehen zu dem Haus mit dem Gesicht" - und meistens geht es dann weiter. Und wenn sie partout nicht mit uns laufen will, dann hilft noch das Drohen mit dem Haus mit dem bösen Blick. Zum Glück haben in Waltersdorf einige Häuser sogenannte Fledermausgauben in den Dachflächen.

Wenn man auf das Auto verzichten will, sind uns eben viele Mittel recht, sollten wir damit das Kind rechtzeitig in den Kindergarten kriegen. Und noch können wir sie mit der Drohung: "...das Haus schaut dich ganz grimmig an" beeindrucken.  Wer weiß, wie lange das noch geht. Irgendwann wird sie vielleicht diese Häuser mit den drohenden Augen nicht mehr sehen und auch keine Gesichter bestehend aus Fenstern und Türen mehr erkennen. Es ist zwar schade, aber die kindliche Phantasie wird irgendwann bei jedem durch die nüchterne Betrachtungsweise der Erwachsenen ersetzt.


Ich gehe jetzt mal davon aus, daß dieser Blog in der Mehrzahl von Erwachsenen gelesen wird. Und einige werden sich vielleicht schon gefragt haben, was ich mit diesem Ausflug in die kindliche Vorstellungswelt eigentlich erreichen will. Denn auch ich hätte bis vor wenigen Tagen nicht gedacht, daß ich im Blog mal etwas über Gesichter von Häusern schreiben werde.

Die Idee dazu kam von einem der Huf Haus Monteure. Zu diesem Zeitpunkt waren zwar noch nicht einmal alle Dachelemente verlegt, aber trotzdem konnte man die Form des zukünftigen Hauses schon gut erkennen. Just in diesem Moment kam die Frage des Monteurs, wie das Haus denn bisher so gefalle. Ihr könnt Euch meine Antwort bestimmt vorstellen, denn mir ist sie leider entfallen. Die Worte "Wunderbar" und "Phantastisch" kamen aber ganz sicher darin vor. Woran ich mich aber genau erinnere, war seine Antwort. Wörtlich sagte er: "Dann warte mal auf morgen, dann kriegt das Haus sein Gesicht". Und damit war das Thema für den heutigen Beitrag gefunden.

Morgen würde es also das Gesicht geben, im logischen Schluß ergibt sich also der Fakt, daß das Haus im Moment des Gespräches noch kein Gesicht hatte. Und ungefähr so hat das Haus zu dem Zeitpunkt ausgesehen.

  

Auch wenn das Dach schon gedeckt gewesen wäre, das Haus würde trotzdem immer noch recht komisch aussehen. Die Waltersdorfer Gestaltungssatzung hätte mit so einem Haus wahrscheinlich kein Problem, doch ein typisches Huf Haus sieht anders aus. Der Herr Architekt wusste schon, wovon er spricht, als er sagte, wie wichtig der Huf Haus typische Dachüberhang ist. Ohne Dachüberhang hat das Haus eine Glatze. Oder anders ausgedrückt, ohne Dachüberhang hat das Haus kein Gesicht.  

Wie sehr dieser Dachüberstand den Charakter des Hauses veränderte, konnte man am nächsten Morgen auch wirklich sehen. Die typischen Huf Haus Züge wurden sofort erkennbar, und dabei war der Überhang erst auf einer Seite montiert. Hier entsteht ein echtes Huf Haus, Dachwinkel hin oder her. 


Kurze Zeit später war das Huf Haus Gesicht dann fast vollständig, . Unverwechselbar, zeitlos und schön.


Es fehlte eigentlich nur noch die Nase, doch auch die gab es nur kurze Zeit später in der Form eines Balkons.


So sieht es also aus, ein Huf Haus Gesicht mit Steildach. Trotz des ungewöhnlichen Winkels zeigt es stolz seine Verwandschaft mit dem Ursprungsdesign der frühen 70er Jahre. Dieser Anblick ist inzwischen genauso unverwechselbar wie die Silhouette eines Porsche 911. Ich würde einen hohen Geldbetrag darauf wetten, daß wirklich jeder einzelne, der jetzt in unserem Dorf interessiert vor dem Haus steht, dieses zweifelsfrei als Huf Haus erkennen kann. Dafür muß man noch nicht einmal ein Fertighauskenner sein, es reicht, einfach nur das weiß-grüne Werbebanner am Balkon zu lesen.