Samstag, 1. Juni 2013

Die erste Halbzeit

Bisher hatte ich es sorgsam vermieden, in einem meiner Beiträge das Thema Fussball anzufassen. Auf dem Gebiet bin ich auch bei weitem kein Experte, obwohl mich das ja offensichtlich bisher nicht davon abgehalten hat, zu bereits so vielen anderen Themen das Internet vollzuschreiben. Ich bin ein sogenannter Schoenwetterfan, gucke eigentlich nur zur WM oder EM ein Spiel und kenne den Namen des Kapitaens meines Liebslingsvereins nicht. Und was hätte das Thema Fussball hier auch verloren, das hier soll ja schließlich ein Bautagebuch sein. Zwischen dem Bau eines Hauses und dem Fussball gibt es keine Gemeinsamkeiten, basta. Das Problem ist nur, daß man in dieser Woche voll von fussballerischen Grossereignissen an diesem Thema eigentlich nicht vorbeikommt.

Somit findet heute also der Fussball doch noch seinen Weg in diesen Blog. Irgendwie werde ich den Dreh schon finden, einen Bezug zwischen Fussball und dem Haus Bau zu erkennen.

Womit aber anfangen? Am besten mit dem Beginn des Spieles und einer kleinen Vorschau, was uns im folgenden erwarten wird. Lassen wir mal alle Spiele von irgendwelchen KO-Runden weg, dann weiß man bei einem Fussballspiel relativ genau, wie lange es dauern wird. Nicht, dass ich das hier wirklich schreiben muesste, aber im Schnitt sind es etwas mehr als 90 Minuten, Nachspielzeit schon eingerechnet. In der Mitte gibt es eine Pause, und auch die ist immer relativ gleich lang. Durch diese festen Spielzeiten kann man sehr genau planen und weiss schon vor Beginn des Spieles, fuer wann man das Sammeltaxi zum Stadion bestellt.

Nun dauert so ein Huf Haus Projekt natürlich etwas länger. Die interessante Frage ist daher eher, ob sich bei solch einem Bau die Länge des Projektes bereits zu Beginn genauso exakt planen laesst. Alles spricht dafür, denn wir haben einen Plan, genauer gesagt, einen Baustellenablaufplan. Dieser zeigt genau an, in welcher Kalenderwoche mit welchem Gewerk auf der Baustelle zu rechnen ist. Das letzte Kreuz steht in der sehnsüchtig erwarteten Zeile mit dem Titel "Hausübergabe". Die Wochen zwischen Baubeginn und diesem Kreuzchen lassen sich damit leicht zaehlen und schon hat man die auf dem Tag genaue Länge der Bauphase. Keine Ueberraschungen also, der Aufbau eines Huf Hauses laeuft genauso strukturiert ab wie ein Fussballspiel. Sogar eine richtige Halbzeitpause gibt es auf dem Plan und es ist sogar vermerkt, zu welchen Zeitpunkten der Schiedsrichter, in diesem Fall der Bauleiter, einschreiten wird. 

Die erste Version des Baustellenablaufplans hielten wir schon beim Ausstattungsprotokoll in der Hand. Unbekannt waren damals eigentlich nur der genaue Baubeginn, aber als Anhaltspunkt über die erwartende Länge des Programmes konnte er schon dienen. Somit war der Zeitraum zwischen Anstoss (Beginn Aufstellung) und Abpfiff (Übergabe) ziemlich genau 3 Monate. Angepfiffen wurde, wie bereits bekannt, Mitte April, also sollte der Abpfiff irgendwann Mitte Juli liegen. Vielleicht mit ein paar Minuten Nachspielzeit, vielleicht verletzt sich ja ein Spieler (Bauarbeiter - den Fall hatten wir sogar schon) - aber in der zweiten Julihälfte sollten wir schon mit der Pokalübergabe rechnen können.

Leider sah das die zweite Version des Ablaufplanes ganz anders. Anscheinend vertraute die Leitstelle ihrem Team, hinsichtlich deren Fähigkeit Tore zu schießen, nicht genug und hat die Verlängerung und das Elfmeterschiessen gleich mit eingeplant. Und wie im Fussball gibt es als Zugabe sogar noch die berüchtigte und bei jedem Fan verhasste Sommerpause, noch dazu genau vor dem Elfmeterschiessen. Das würde sich im Fussball-Leben kein Fan bieten lassen.

Aus unserer Idee vom Juli wurde somit Mitte September, immerhin ganze zwei Monate mehr, als angedacht. Wir würden also nicht nur den Sommer im Haus komplett verpassen, sondern müssen sogar wichtige Familienereignisse wie meine nächste Null oder den Schuleintritt unserer Tochter außerhalb des Hauses planen. Ihr könnt euch vorstellen, daß diese Ankündigung keine Begeisterung in der Fankurve ausgelöst hat.

Sofort wurden Gründe für diese ungeplante Verlängerung gesucht. War unser Haus aufgrund der Hanglage, des Steildaches, der aufwendigen Fachwerkverglasung im Keller oder etwa aufgrund der Ausstattung am Ende besonders komplex geworden? Oder waren wir mit dem Aufbau Mitte April nur in eine sehr arbeitsreiche Periode gerutscht, in der einfach alles etwas länger dauern wird, verglichen mit einem Bauprojekt im ersten Quartal? Keine dieser Fragen führte zu befriedigenden Antworten. Sogar bei den anwesenden Huf Arbeitern gab es für eine solch lange Bauzeit kein Verständnis. Beflügelt von dieser Fachmeinung wurde also das Schiedsgericht angerufen und zu einer Stellungnahme gebeten. Die zuständige Kommission tagte kurz darauf und konnte zum Glueck eine Lücke im Regelwerk finden. Das Elfmeterschießen wurde ersatzlos gestrichen, die Verlängerung aber beibehalten. Immerhin konnte der Übergabetermin auf Mitte August vorgezogen werden.

Mehr konnten wir nicht herausholen. Schon mit dem derzeitigen Plan werden sich zum Ende hin die Gewerke im Haus gegenseitig auf den Füssen stehen. Und an der Sommerpause rütteln wir mal lieber auch nicht. Wir wollen ja den hart arbeitenden Huf Haus Monteuren nicht ihre Betriebsferien abstreitig machen. Dumm ist nur, daß diese zweiwoechige Pause so kurz vor unserer Hausübergabe liegt. Es hätten doch nur noch die Bodenbeläge und ein paar Endmontagen gefehlt, aber diese Arbeiten werden sich dann leider gedulden müssen. Und so muessen auch wir.

Waere das Huf Bauprojekt ohne Betriebsferien geplant worden, dann liesse sich so ein Baustellenablauf in zwei Halbzeiten und eine Halbzeitpause einteilen. Ich habe es nachgezählt, es passt wirklich ganz genau. Inklusive der Hausaufstellung dauert die erste Halbzeit sieben Wochen, dem folgt eine dreiwöchige Halbzeitpause. Dieser folgt, wer haette es gedacht, die zweite Halbzeit, und weil zwei Haelften schon aus mathematischen Gruenden immer gleich gross sein sollten, ist diese jedenfalls in unserem uebearbeitetem Plan auch genau sieben Wochen lang.

Was meine ich nun aber mit der Halbzeitpause? Gibt es denn wirklich in jedem Bauprojekt eine 3 Wochen Phase, in der alle Gewerke eine geplante Pause einlegen? Nun, nicht ganz, denn wie auch beim Fussball, ist eine Huf Bau Halbzeitpause nicht komplett ohne Aktivitaet. Statt Cheerleadertänzen oder irgendwelchen Verlosungen wird bei Huf Haus zu Beginn der Halbzeitpause fix der Estrich eingebracht, sich danach selbst überlassen und trocknen gelassen. Weiterhin werden die Halbzeitpausen ja auch gerne von den Ersatzspielern genutzt, sich auf dem Platz warmzuhalten, und um den Prozess auch bei uns zu unterstuetzen, wird zum Ende der Pause noch mal kurz die Heizung hoch- und wieder runtergefahren. Nichts wirklich Aufregendes, aber wegen der Pause geht man ja auch nicht zu einem Fussballspiel. Die Action findet nun mal in den beiden Halbzeiten statt. Und davon haben wir jetzt die erste hinter uns.

Und was das für eine Halbzeit war. Schon in den ersten fünfzehn Minuten (also zwei von sieben Wochen auf 45 Minuten gerechnet) konnten wir ein Feuerwerk an Aktionen sehen, für die es sich unbedingt lohnt, einen Teil des Jahresurlaubs zu opfern. Die Aufstellphase ist der Hammer, nach nur einer Woche hat man ein dichtes Haus und nach einer weiteren sieht es von außen komplett fertig aus. Im Bild unten habe ich unter Mithilfe von Nachbars Hecke geschickt die Mondlandschaft rings um unser Haus ausgeblendet.


Im Fussball würde man nach so einer stürmischen Anfangsphase schon von einer Vorentscheidung sprechen. Es war klar, daß diese Geschwindigkeit in den nächsten Spielminuten nicht zu halten ist. Und das trotz dem im Vergleich zum Fussball eher unüblichen Vorgang, daß der 1.FC Huf Haus zu diesem Zeitpunkt mal so eben die komplette Mannschaft ausgetauscht hat. Nachdem in den ersten Spielminuten nur Stürmer auf dem Platz waren, kamen jetzt etwas gelassenere Charaktere, die dem Spiel ein wenig Ruhe gaben. Auf einmal gab es so etwas wie eine taegliche Mittagspause und auch der Feierabend ging nicht mehr einher mit dem Sonnenuntergang. Leider fielen auch die bierseligen Runden am Tresen der Pension der neuen Spielweise zum Opfer.

Doch auch die neue Mannschaftsaufstellung hatte ihre klaren Rollen und Aufgaben. Es gab die Schreiner, die das Spiel von innen gestalteten, die Heizungs- und Sanitärtruppe, die mit ihren Leitungen vom zentralen Heizungskeller aus geschickt die Räume ueberbrueckten, und natürlich die für das Endergebnis so wichtigen Elektriker, die ihre Fäden durch das gesamte Spielfeld ziehen, von deren Arbeit man nach dem Abpfiff aber fast nichts mehr sehen wird.

Zeigen wir jetzt doch einfach ein paar Bilder vom Spiel, und fangen am besten mit den Elektrikern an, bevor deren Arbeit unter dem Putz und der Fussbodenheizung für immer verschwindet.

Es ist sicher nicht die Farbe, anhand derer diese Kabel unterschieden werden
Der Schaltschrank, und dabei hatte ich gar keine Stil Art Möbel bestellt
Nichts für Kurzsichtige. Schwarze Lichtschalter auf schwarzem Grund.
Die Elektriker werden wir auch in der zweiten Halbzeit wiedersehen. Stolz zeigten sie mir schon, mit welchen Mitteln sie in der anderen Spielhälfte die Gunst des Publikums erobern wollen. Denn sie haben mit dem KNX System noch einen gewaltigen Trumpf im Ärmel, ich durfte immerhin eines dieser schicken Bedienpanels schon einmal anfassen. Leider muß ich noch etwas Geduld haben, bevor diese ihr gesamtes Spielpotential offenbaren, denn das Team Elektrik wird erst kurz vor Spielende wieder in Erscheinung treten.

Auch das nächste Gewerk ist nicht aufs Schoenspielen aus. Die meiste Zeit mussten diese Spieler im dunklen feuchten Technikkeller auf ihren Einsatz warten, die Zeit dort wurde aber genutzt, diesen mit allerhand schweren Gerätschaften vollzustellen. 

Links, das ist die Wärmepumpe. Hätte ich mir irgendwie größer vorgestellt.
Doch dabei wollte es dieses Team nicht belassen. Nachdem das Team Elektrik so langsam das Feld wieder räumte, kam ihre Stunde und nach kurzer Zeit hatten sie jeden Quadratzentimeter des Platzes unter ihre Herrschaft gebracht.

Man beachte die moderne Sitzgruppe nebst Designertisch in unserem Wohnzimmer.
In diesem Zimmer klebt bereits eine beleuchtete Fototapete mit dem Motiv eines Oberlausitzer Umgebindehauses.
Es ist doch schön, daß sich die Fotos von Digitalkameras inmer auch das Datum und die Uhrzeit merken, an denen sie geschossen wurden. Das macht es im Nachhinein leicht, auszurechnen, wie lange ein gewisser Arbeitsschritt gedauert hat. Zwischen den beiden unten gezeigten Fotos vom gleichen Objekt lagen ungefähr zwei Wochen. 




Und dazwischen passierte in allen Räumen dieses hier:


Wenn man lange genug guckt, dann fangen die vier kreisrunden Loecher an zu tanzen. Probiert es aus.
Das Team Sanitär und Heizung kommt auch noch einmal in der zweiten Halbzeit, allerdings sind das dann andere Monteure speziell für die Endmontage. Auf diesem Weg also vielen Dank für die wohlige Wärme, die wir bei dieser Masse an Heizleitungen im ganzen Haus erwarten sollten.

Bleibt noch ein Team, welches bereits in der ersten Halbzeit auftrat. Speziell dieses Team der Schreiner wird sich nicht beschweren können, daß man die Resultate der Arbeit später nicht mehr sehen wird. Dazu sind deren Objekte einfach viel zu prominent. Ein paar Beispiele:

Unser schönes Treppengeländer, leider aufpreispflichtig
der Ausbau des Treppenhauses im Keller
und sogar unser erstes Regal, alles verdanken wir den Schreinern

Dann kam der Abpfiff. Im Gegensatz zum Fussball gab es keinerlei Nachspielzeit, ganz im Gegenteil, denn sogar eine ganze Woche früher waren diese Gewerke fertig. Leider hatte das keine Auswirkungen auf den Termin der Hausübergabe. Die nun folgende Halbzeitpause wird dadurch nur eine Woche länger.

Wir freuen uns schon auf die zweite Halbzeit, in deren Verlauf wir langsam und Stück für Stück auf das gewünschte Resultat hinarbeiten werden. Ich bin mir jetzt schon sicher, daß wir von dem Ergebnis genauso begeistert sein werden, wie wir es beim Abpfiff des wahren großen Fussballspieles dieser Woche waren. Ein Traum in Schwarz-Gelb, schoen, daß diese regional so verwurzelte Truppe trotz schlechter Voraussetzungen dieses Spiel doch noch und dann auch mit wirklich schönem Fussball gewinnen konnte. Ein ganzes Land ist stolz - ich rede hier natürlich über den Klassenerhalt von Dynamo Dresden in der zweiten Liga. Wen interessiert denn schon die Champions League oder der DFB Pokal?




Dienstag, 21. Mai 2013

Don't mess with the King

Das waren sie also, die Aufbauwochen. Mit ihnen endete der wohl aufregendste Abschnitt eines Huf Haus Bauprojektes. Ab jetzt stand ja "nur" noch der Innenausbau an. Nicht, daß ich die harte und wichtige Arbeit dieser Gewerke in irgendeiner Art und Weise herabwürdigen will, doch so spannend wie die Aufstellung eines Hauses mit schweren Geräten wie einem 50 Tonnen Kran und immerhin 9 Tiefladern können die nun folgenden Bauphasen doch eigentlich nicht mehr sein.

So dachte ich jedenfalls am Beginn der Woche 3. Ich sollte falsch liegen.

Diese Woche sah auf dem Huf-Bauplan den Beginn der Schreiner-, Elektro- und Sanitärarbeiten vor. Wir erwarteten also nur innerhalb des Hauses eine emsige Betriebsamkeit . Aber noch gab es eine weitere wichtige Aufgabe im Aussenbereich, die auf dem Ablaufplan der Firma Huf nur in einem Nebensatz erwähnt wurde. Um die Inbetriebnahme der Heizung in der nahen Zukunft zu ermöglichen, sollte innerhalb von 2 Wochen nach Aufstellung des Hauses die Erdwärmebohrung und das Einbringung der Sonden durchgeführt werden. Und genau das stand für die Woche 3 nun also an.

In einem früheren Beitrag hatte ich ja schon erwähnt, daß wir uns gegen die im Standard erhältliche Luft-Wärmepumpe entschieden hatten und an deren Stelle die Variante der Tiefenerdwärme bevorzugten. Unten in 100 Metern Tiefe ist es auch im tiefsten Waltersdorfer Winter immer wohlig warm, dasselbe kann man von der Luft an der Erdoberfläche in diesen Monaten nicht behaupten. Zum Glück bietet aber Huf die Variante der Erdwärmepumpe ohne Aufpreis an, man muß sich nur selbst um die besagte Bohrung kümmern.

Gekümmert hatte ich mich sogar schon im letzten Jahr, die von mir gewählte Firma machte einen soliden und seriösen Eindruck, der Preis lag in der erwarteten Region und auch der nachfolgende Prozess der Beantragung einer solchen Bohrung beim zuständigen Amt erweckte den Eindruck, daß die Kollegen nicht erst seit gestern in dieser Branche tätig sind. Bei einer geplanten Heizleistung unserer Wärmepumpe von 12,4kW waren also zwei Löcher mit jeweils 100 Metern vorgesehen, da war aber noch nicht sicher, ob auch das Warmwasser über die Wärmepumpe beheizt werden sollte. Wenige Wochen vor der Bohrung erreichte uns dann endlich ein Brief der Firma RedBlue Energy, der Elektro- und Sanitärfirma im Huf Verbund, mit genaueren Angaben. Und selbstverständlich heizen wir auch unser Dusch- und Badewasser mit Erdwärme, und schon waren unsere beiden geplanten Bohrlöcher 120 Meter tief. Na ja, wir wollen ja nicht riskieren, daß uns mitten im Duschvorgang das warme Wasser ausgeht. Hätte ich vielleicht doch noch erwähnen sollen, wie lange so eine durchschnittliche Dusche meiner Frau dauert und was für heiße Temperaturen dabei zum Einsatz kommen, der Bohrmeister hätte bestimmt noch 2 x 30 Meter draufgelegt. Sicher ist sicher. Ich werde hier im Blog von unseren Erfahrungen berichten, aber vielleicht habt ihr ja dann schon vorher das Kreischen meiner Gattin gehört und könnt euch euren Reim machen. 


In den wenigen Wochen, die wir jetzt schon an unserem neuen Standort leben, haben wir bereits eine Menge Leute kennengelernt. Und mit dem Einprägen von neuen Namen ist es bei uns leider nicht weit her, darin ist meine Frau genauso schlecht, wie ich. Irgendwann werden wir bestimmt die wichtigsten Nachbarn beim Namen kennen, bis dahin behelfen wir uns mit Bezeichnungen, die als Codes in Ermangelung der echten Namenskenntnis verwendet werden. In unserer unmittelbaren Nachbarschaft leben zum Beispiel Grumpy, Spice Girl, Fatty, Funny Face und Skeleton - um nur einige zu nennen. Und auch der Chef der Bohrfirma bekam sofort einen solchen Code verpasst, obwohl wir hier den Namen eigentlich kannten. Einfach zu groß war die Ähnlichkeit mit dem Schauspieler Kevin James, der Chef unserer Bohrfirma hieß hier also nur noch "King of Queens".


Wie es sich für einen richtigen King gehört, übernahm er kurz danach die Herrschaft über den Teil des Baulandes, den wir für die Bohrungen vorgesehen hatten. Dabei ließ er sich auch nicht von der Tatsache abschrecken, daß der Weg zu den Bohrpunkten durch ein neues Haus versperrt und auch der Weg über unsere schützenswerte Wiese für seine Armee eigentlich tabu war. Wo ein Wille ist, da ist ein Weg, und der führte über eine unbefestigte Fahrstrasse, die unser Grundstück im Norden begrenzt. Danach ging es quer über das Grundstück meines Vermieters, dessen Wiese anscheinend nicht so schützenswert ist und mit Fahrzeugen befahren werden darf, um dann mit der gesamten Kavallerie kurz vor der Baugrenze in unser Land einzufallen.

Ja, diese Bilder sind von der Firmenhomepage - ich hatte leider das Fotografieren vergessen

Nachdem der Einmarsch geglückt war, wurde sofort Stellung bezogen und das Land an seinen Grenzpunkten mit schwerem Gerät abgesteckt. An der einen Seite stand nach kurzer Zeit ein Schüttgutcontainer, an der nächsten der Riesenkompressor und vor dem Haus wurde der Stolz der Truppe aufgebaut, der knallrote Bohrhammer.


Und damit ging der Kampf gegen die seit Jahrmillionen unberührte Natur unterhalb unseres Grundstückes los. Innerhalb weniger Stunden waren auch schon die ersten Opfer zu beklagen, zuerst traf es die Regenwasserzisterne meines Vermieters, dessen Inhalt dem Riesendurst des Bohrers einfach nicht genug zu bieten hatte. Es würde Tage, wenn nicht Wochen dauern, bis diese den alten Füllstand wieder erreichen würde.

Ein nicht minder trauriges Schicksal traf kurze Zeit später eine Gartenwasserleitung, die dem Druck der Wasserpumpe nicht standhielt und die Sitzecke meiner Nachbarn mit einem Regenguss tropischen Ausmaßes bedachte. Erst der historische Hausbrunnen, der auf den schönen Namen "Heideborn" hört, war den Wasseransprüchen der Tiefenbohrung gewachsen.

Das ganze Wasser wird eigentlich nur zur Spülung der Bohrung benötigt, es wird sauber in das Bohrloch hinein gepumpt und kommt dreckig wieder raus. Danach muß es irgendwo hin, und weil wir nicht mutig genug waren, das Wasser einfach in den gemeindlichen Abwasserkanal einzuleiten, ließen wir es eben auf dem Grundstück versickern. Wie das Bauherren mit viel kleineren Grundstücken organisieren, ist mir ein Rätsel. Zum Glück hatte es in den Wochen vor der Bohrung recht wenig geregnet, der Boden war also sehr aufnahmebereit für das graue Nass. Die nächsten Opfer unseres Tiefendranges waren dann wohl eine nicht näher bestimmbare Anzahl Wühlmäuse, die sich vor der Sintflut nicht mehr rechtzeitig retten konnten. Es mußte Verluste geben bei einem solchen Eingriff in die Natur.

Derweilen stand der King siegessicher auf dem Land und beobachtete das Inferno. Brummend und hämmernd war der Bohrer im ersten Loch bereits gut und gerne 80 Meter verschwunden, alles deutete auf einen schnellen Sieg hin. Für die ganze Aktion hatte der King ja auch nur zwei Tage angesetzt, da war nicht viel Zeit für Sentimalitäten. Mit welchem Widerstand hätte er auch rechnen sollen? So ein Bergfels machte ihm keine Sorgen, je fester, desto besser. Und es war doch nur die Ruhe vor dem Sturm, denn es formierte sich eine gewisse Abwehr. Diese agierte zunächst nur im Verborgenen, im Schutze der Dunkelheit.

Am nächsten Morgen war das Ergebnis des ersten Gegenangriffes für alle in der Form eines aufgebrochenen Tankdeckels sichtbar. Dem Mercedes Actros LKW fehlten 500 Liter Diesel. Der erste Diebstahl seit Beginn der Baumaßnahmen.

Doch mit dem LKW hatten sich die Gegner das falsche Ziel ausgesucht. Dieses Fahrzeug war ja für den Erfolg der Mission strategisch eher unbedeutend, es stand ja nur für den späteren Abtransport der schweren Geräte bereit und bis dahin eigentlich nur rum. Die Bohrungen konnten also weitergehen und der Fortschritt war sogar schneller als geplant. Bereits am Mittag des zweiten Tages war das zweite Loch in der Tiefe von 120 Metern angekommen, das Ziel war erreicht, jetzt nur noch schnell die Sonde hineinstecken und den geordneten Rückzug antreten. Der King hatte es wieder einmal geschafft, er hatte ein weiteres Stück Erde unterworfen und für die Ausbeutung durch eine Wärmepumpe gefügig gemacht.

Doch noch gab sich der Gegner nicht geschlagen. Hatte schon die Nacht und Nebelaktion am Tank des Actros nichts gebracht, erfolgte der nächste Anschlag aus dem Untergrund. Oder besser gesagt, im Untergrund. Denn irgendwo in 70 Metern Tiefe wurde ein Felsbrocken organisiert, der sich nun dem Einbringen der Sonde widersetzte. Da konnte die gesamte Mannschaft mit vereinten Kräften an der Sonde schieben, es gab kein Vorankommen. Es half alles nichts, die Sonde wurde wieder aus dem Boden entfernt und der Bohrer musste zum dritten Mal ran. Dies bedeutete leider mehr als einen ganzen Tag Verzögerung, bedingt durch den Umstand, daß am nächsten Morgen der Tag der Arbeit begann, ein Tag, der ironischerweise arbeitsfrei bleiben mußte.

Einen ganzen Tag lang herrschte also Ruhe auf dem Feld, der King hatte sich in sein Heimatland zurückgezogen, in der Erwartung eines sicheren Sieges einen Tag später. Dass dieser Tag der Höhepunkt der Drei-Tage Offensive werden sollte, war nicht wirklich vorherzusehen. Nichts deutete darauf hin, daß der Gegner des Bauvorhabens am dritten Tag doch noch einmal zur Tat schreiten würde. Und diesmal war es sogar eine offen ausgetragene Konfrontation und nicht nur feige Sabotage. Die Aktvitäten auf dem Bohrfeld waren eigentlich schon beendet, die Sonden steckten fest in beiden Löchern. Alles war bereit für den Rückzug, als ersichtlich wurde, daß die einzige Straße, die in die Heimat führte, durch ein parkendes Auto zugestellt war.



Nun, das kann ja mal passieren, daß sich jemand in einen unbefestigten Weg verfährt und damit versehentlich den einzigen Ausweg versperrt. Doch hier herrschte leider pure Absicht, denn der Fahrer des Wagens stand breitbeinig mit verkreuzten Armen neben seinem Auto und ließ verlauten, daß er sein Blech keinen Millimeter bewegen wird, weil er das Recht hätte, hier zu stehen. Die Bohrmannschaft in seiner Meinung hat sich Zugang zum Land über eine nicht öffentliche Straße verschafft, und für diese Straße nimmt er sich nun das Recht heraus, sie zu seinem persönlichen Parkplatz umzufunktionieren. Falls die Frage hochkommen sollte, es handelte sich natürlich wieder um meinen lieben Nachbarn, der ja schon mehrfach mit verschiedenen lächerlichen Aktionen gegen die Bauarbeiten auffällig wurde.

Jetzt gab es für den King zwei Möglichkeiten. Seines Rechtes der freien Bewegung beraubt, hätte er Gewalt anwenden und mit seinem Radlader den kleinen Opel anheben und an die Seite stellen können. Diese Option wurde ernsthaft diskutiert, doch aus Angst vor Kratzern am Radlader wieder verworfen. Die zweite Option war die Anforderung von Verstärkung, und die kam dann auch kurze Zeit später in der Form der örtlichen Polizei. Nach einer Schnellschulung in der Theorie der Straßenverkehrsordnung war uns dann allen schnell klar, was eine öffentliche von einer nicht-öffentlichen Straße unterscheidet. Ganz einfach gesagt, alles was wie eine Strasse aussieht und nicht mittels Schranke oder Verkehrsschilder Fahrzeuge an der Einfahrt behindert, ist öffentlich, egal ob befestigt oder nicht. Daß der Nachbar sein Auto mutwillig und unter Billigung der Behinderung der Bohrfirma in dieser öffentliche Straße geparkt hat, erfüllte den Tatbestand der Nötigung. So sah es nicht nur der King sondern auch der Polizist, und somit kam es zur Anzeige.

Wir standen bei dieser ganzen Aktion eigentlich nur kopfschüttelnd daneben. Mit meinen verbalen Versuchen, auf das Gemüt dieser Person einzuwirken, konnte ich leider nichts erreichen. Ich weiß ja inzwischen, daß dieser Nachbar niemals unser Freund werden würde, doch ein klein wenig mehr Selbstbeherrschung hätte ich einem zirka Vierzigjährigen Erwachsenen durchaus zugetraut. Sogar sein Vater kam während dieser Aktion auf mich zu und schüttelte mir die Hand, verbunden mit der Aussage, daß auch er ratlos ist. Ein einsamer Kampf gegen einen Hausbau, isoliert sogar von seinen eigenen Eltern. Wieviel ihn diese Anzeige jetzt kosten wird, will ich mir lieber gar nicht ausmalen. Denn es war offensichtlich, daß er hier mit dem King an den Falschen geraten ist. Eine Bohrkolonne nebst schweren Geräten für mehrere Stunden auf einem Grundstück einzusperren, ist kein Kavaliersdelikt. Anwalts- und Gerichtskosten, Verdienstausfall für die Firma und andere noch nicht bekannte Kosten werden diese unbedachte Aktion zu einer richtig teuren Angelegenheit machen.

Don't mess with the King. Es wird ihm hoffentlich eine Lehre sein.

Samstag, 11. Mai 2013

Der Haken am Dach

Der heutige Beitrag birgt das Risiko, bereits Bekanntes noch ein weiteres mal zu verwerten und als Neuigkeit darzubieten. Ist doch das Dach auch wirklich schon mehrfach Gegenstand diverser Ausführungen gewesen, dem werten Stammleser sollten die Geschichten mit der Gestaltungssatzung, dem Dach als Eigenleistung, dem Änderungsantrag beim Amt, der Ablehnung, dem Einspruch und der frohen Botschaft der Genehmigung schon bekannt sein.

Ist damit aber zum Thema Dach wirklich bereits die ganze Geschichte geschrieben? Oder fehlt zu dieser Geschichte nicht noch so etwas wie der Schluß? Der letzte Beitrag zum Thema beinhaltete ja nur die gute Nachricht, daß wir jetzt doch das Huf Haus Dach auf das Haus legen dürfen. Doch mit der Genehmigung war das Dach ja noch nicht gedeckt. Es fehlte also noch die Ausführung und diese wird heute also zum Inhalt des voraussichtlich letzten Beitrags zum Thema werden.

Spulen wir aber doch noch einmal kurz zurück. Noch vor wenigen Wochen gingen Huf Haus und auch wir davon aus, daß die Dacheindeckung bauseits ausgeführt wird. Huf Haus hätte zwar auch ein satzungskonformes Naturschieferdach organisieren können, doch warum sollten wir dafür extra einem Westerwälder Dachdecker die schwere Reise nach Ostsachsen zumuten, wenn diese Art der Dacheindeckung durch einen Oberlausitzer Dachdecker wahrscheinlich im Schlafe verrichtet werden könnte. Wenn man die Anzahl der in Schiefer gedeckten Umgebindehäuser betrachtet, wird klar, daß sich hier in der Gegend genügend Expertenwissen finden lassen sollte. Lassen wir den Westerwälder Dachdecker also mal wo er ist und belassen diesen Teil der Wertschöpfung in der lokalen Wirtschaft.

Nun möchte ich gerne zugeben, daß diese Entscheidung nicht aus reiner Nächstenliebe getroffen wurde. Es war zwar durchaus ein schönes Gefühl, mit dem Auftrag einer lokalen Firma zu einem Einkommen zu verhelfen, aber wirklich ausschlaggebend war dann doch der Fakt, daß das lokale Angebot nur ungefähr die Hälfte dessen vom anonymen Westerwälder Dachdecker kosten sollte. Leider habe ich das Westerwälder Angebot nie im Detail zu Gesicht bekommen, kann also nicht sagen, wie sich die 100% Mehrkosten erklären lassen. Pure Reisekosten können das ja aber nicht sein, die Oberlausitz liegt ja nicht in Australien.

Zu dem Schieferdach will ich aber jetzt eigentlich nicht mehr viel schreiben, dieses ist ja inzwischen Geschichte und gar nicht auf unserem Haus gelandet. Nur das hier möchte ich zu dem Thema aber doch noch loswerden. Durch verschiedene Kommentare im Blog und Emails habe ich gelernt, daß der Firma Huf Haus der zweifelhafte Ruf anhaftet, bauseitigen Leistungen sehr skeptisch oder sogar negativ gegenüberzustehen. Zu lesen war unter anderem, daß Anfragen nach einem Ausbauhaus oder anderen Eigenleistungs-Zwischenstufen bei Huf arrogant abgeblockt und durch diese Vorgehensweise einige Bauherren in die Hände der Konkurrenz getrieben wurden. Huf Häuser gäbe es nur schlüsselfertig, nur dadurch läßt sich die hohe Huf Haus Qualität bis zur letzten Bodenfliese garantieren. Denn nichts wäre schlimmer, als wenn man einem potentiellen Kunden ein Huf Haus mit vermurkstem Innenausbau präsentieren würde. Soweit das Vorurteil.

Inzwischen weiß ich, daß es in der Realität auch anders laufen kann. In unserem speziellen Fall wurde das Huf Haus Dach jedenfalls ohne das geringste Wimperzucken aus dem Ausstattungsprotokoll herausgerechnet, inklusive aller Schneefang- oder Schornsteinfegertreppeneinrichtungen. Die wirklich einzige besorgte Frage kam vom Finanzierungsservice, ob denn das Haus mit einem bauseitigen Dach immer noch ein KfW70 Haus ist, aber ansonsten sah alles sehr nach Routine aus. Wir waren also bei weitem kein Einzelfall, eher das Gegenteil schien die Realität zu sein. Nicht nur werden heutzutage Huf Häuser auf bauseitige Keller gestellt, sondern wohl auch tatsächlich als Ausbauhaus in den verschiedensten Stufen angeboten. Sogar von Beispielen, bei denen die Huf Haus Leistung nach dem reinen Aufstellen schon komplett abgeschlossen war, habe ich gehört. Entweder hat Huf Haus hier das Geschäftsprinzip kürzlich geändert oder die Kommentare stammen von Kunden, die an den falschen Berater geraten sind. Zu halten ist dieses Vorurteil aber mit Sicherheit nicht.

Also zurück zu unserer Geschichte mit dem Dach. Und damit gleich zum nächsten Vorurteil, welches besagt, daß sich Huf Haus (aber wahrscheinlich fast alle Hersteller von Fertighäusern) recht unflexibel mit Last Minute Änderungen zeigen. Sobald das Ausstattungsprotokoll mit Blut unterzeichnet vorliegt und durch die letzte Prüfung der internen Inquisition gekommen ist, sind Änderungen nicht einmal dann möglich, wenn man im Gegenzug die Abtretung sämtlicher Persönlichkeitsrechte anbieten würde. Und ist das Haus sogar bereits produziert, dann wäre es wohl wahrscheinlicher, daß die Briten den Euro einführen und kochen lernen, als daß sich jetzt noch irgendwelche Änderungen an der Ausstattung des Huf Hauses durchsetzen lassen. Was ist nun dran an diesem Vorurteil? Gab es etwa auch bei uns einen Mister Grumpy, dessen Rolle darin besteht, jegliche Änderungswünsche nach dem AP-Sign-Off-"D"-Day abzublocken? (Den Namen: "Mr. Grumpy" habe ich in einem anderen Blog gefunden, leider konnte mich die Dame vom Empfang aber nicht zu ihm durchstellen, er hat wohl inzwischen die Firma verlassen)

So also lief es bei uns:
Unser Haus lag wohl schon verpackt auf dem Anhänger, als die Nachricht, daß wir nun doch mit dem Huf Dach bauen, endlich eintraf. Inzwischen war bereits der Rahmen für das liegende Dachfenster für ein Schieferdach vorbereitet und die Dachlattung aufgrund der Annahme, daß diese zur bauseitigen Leistung gehört, bei der Produktion des Hauses weggelassen worden. Huf hätte also auf die bauseitige Ausführung in Schiefer bestehen können, was wirklich ein herber Rückschlag für unser Bauvorhaben gewesen wäre.

Nun ist es ja mit Sicherheit bei bestimmten Änderungen wirklich schwierig, diese so spät im Projekt noch zu ermöglichen. Doch in unserem Fall hatten wir Glück. Der Eindeckrahmen konnte in letzter Minute, auf dem Anhänger liegend wahrscheinlich bei laufendem Motor der Zugmaschine, gerade noch angepasst werden und die fehlende Dachlattung wurde einfach dem Aufstellteam auf die To-Do Liste gesetzt. Wenn es in unserem Projekt bisher überhaupt einen Mister Grumpy gab, dann war das für einen kurzen Moment der Herr Vorarbeiter, der mit einem zwinkerndem Auge sagte, daß er sehr auf das bauseitige Dach gehofft hatte. Der Kelch einer Steildacheindeckung inklusive der Anbringung der Dachlattung hätte durchaus an ihnen vorbeiziehen mögen. Als Erklärung gab er an, daß bei einem Tegalit Dach jede Ungenauigkeit bei der Lattung sofort auffallen würde, genau aus dem Grund sollte diese lieber im Werk vorgenommen werden. Und jetzt dürfen sie das doch auf der Baustelle machen, noch dazu an einem ungewohnt steilen Dach. Der Umstand, daß dem ungeplanten Arbeitsschritt der Dacheindeckung nur noch die Fahrt in den heimischen Westerwald zum wohlverdientem Wochenende folgen sollte, hat zur Erhöhung der Begeisterung für die zusätzliche Aufgabe wahrscheinlich nicht viel beigetragen.

Doch nun genug der vielen Worte. Es ist an der Zeit, für die Geschichte der Dacheindeckung endlich ein Happy End zu finden und Bilder sprechen zu lassen. Dieses Kapitel war neben der Finanzierung mit Sicherheit das nervenaufreibendste im gesamten Projekt. Ich will gar nicht erst versuchen mir auszumalen, wie die Geschichte mit dem lokalen Dachdecker gelaufen wäre. Dieser hätte mit Sicherheit auch eine erstklassige Arbeit geliefert, war aber für das Jahr eigentlich schon ganz gut ausgebucht. Von der Frage, woher ich das Geld für den damit verbundenen Aufpreis genommen hätte, einmal ganz abgesehen.

Das Anbringen der Dachlattung hat fast einen Tag gedauert

Bereits zu sehen ist der beeindruckende Schneefang
Das liegende Dachfenster mit dem neuen Rahmen
Und so findet sie also ihren Abschluß, unsere Dach-Story. Doch so ganz einfach lasse ich diese Geschichte nun doch nicht enden. Denn eine kleine Überraschung gab es ja noch, und der Vollständigkeit halber will ich diese nicht auslassen.

Unerwartet bekam unser Dach auf einmal Pickel. Zuerst dachte ich, dieser Ausschlag wurde aufgrund irgendwelcher  Sicherheitsvorschriften notwendig, die ein Abrutschen der Truppe von besonders steilen Dächern verhindern sollen. Aber irgendwie sahen diese Haken nicht nach einer übergangsweisen Dachsteigehilfe aus, und auf Nachfrage wurde mir das leider bestätigt. Schneefanghaken sind das, und diese sind in dieser Region Deutschlands bei der zu erwartenden Schneelast in Verbindung mit dem steilen glatten Tegalit Dach zwingend vorgeschrieben. Nur gut, daß es für alles Vorschriften gibt, ob diese Haken schön aussehen, ist ja auch zweitrangig. Sicherheit geht vor. Wie aber funktionieren die? Sollen diese Haken den Schnee auf dem Dach halten oder ein geordnetes und ungefährliches Abrutschen fördern, ich weiß es nicht. Wir sind ja auch das einzige Haus im ganzen Dorf mit diesen Haken, ich könnte also noch nicht einmal bei den Nachbarn um Erfahrungsberichte bitten.

Ein Dach mit Akne
Immerhin wurden diese Haken in einem recht ansprechenden Muster verlegt, sie geben dem Dach also durchaus eine individuelle Note. Das Dach sieht damit zwar anders aus als erwartet, aber das nehmen wir jetzt einfach mal hin. Somit hat es der Ort Waltersdorf am Ende doch noch geschafft, die Dachdeckung zu beeinflussen, statt der Gestaltungssatzung war es eben die Schneesicherheit. Gönnen wir ihm den Triumph.

Unser Haus hat ein Dach, das ist jetzt alles was zählt. Und mit einem Dach sieht so ein Haus gleich ganz anders aus und fügt sich auch ganz anders in die Umgebung ein. Ein guter Moment, hier mal zwei Beispiele unserer neuen Panorama-Foto-App vorzuführen.







Freitag, 3. Mai 2013

Unser Haus kriegt ein Gesicht

der Schnee hat sich ja nun schon seit einigen Wochen aus Waltersdorf verzogen. Während der Hausstellphase konnte man auf der Lausche, dem höchsten Berg des Zittauer Gebirges, zwar noch ein paar weiße Fetzen sehen, doch auch die sind mittlerweile verschwunden. Und das ist auch gut so, denn, so sagten mir die Nachbarn, wenn auf der Lausche noch Schnee liegt, dann könnte auch im Tal noch einmal etwas kommen. Diese Gefahr ist jetzt also gebannt.

Die Einzige, die dem Schnee wohl etwas nachtrauert, ist unsere Tochter. Vorbei sind die Zeiten, in denen sie bequem auf dem Schlitten zur Schule gezogen wurde. Ab jetzt heißt es selber laufen. Und genau das ist an den meisten Tagen mit viel Überzeugungsarbeit verbunden. Als Eltern muß man dann kreativ sein und Wege finden, wie man eine lauffaule Sechsjährige zum Wandern animiert. Ein Erfolgsrezept haben wir leider auch nicht, doch am besten scheint zu funktionieren, sie mit verschiedensten auf der Wegstrecke befindlichen Highlights bei Laune zu halten. Zum Glück gibt es aus kindlicher Sicht ein paar davon, zum Beispiel kommen wir an mehreren Kaninchenställen vorbei und auch die vielen kleinen Bäche, in die sich so herrlich Steine werfen lassen, helfen da schon weiter.

Als neuesten Spaß suchen wir seit ein paar Tagen Häuser mit einem Gesicht. Die Idee dazu hatte sie sogar selber, denn sie war es, die das erste Haus gefunden hatte, in dem man wirklich so etwas wie ein Gesicht erkennen konnte. Man muß da noch nicht einmal sehr viel Phantasie haben. Unten im Bild ist dieses Haus zu sehen, ich habe mir die Freiheit genommen und beim Mund etwas nachgeholfen.


Da sich dieses Haus ganz in der Nähe unseres Zieles, dem Kindergarten befindet, kann man es fast auf der gesamten Wegstrecke als Motivation für das Weiterlaufen verwenden. "Komm, wir gehen zu dem Haus mit dem Gesicht" - und meistens geht es dann weiter. Und wenn sie partout nicht mit uns laufen will, dann hilft noch das Drohen mit dem Haus mit dem bösen Blick. Zum Glück haben in Waltersdorf einige Häuser sogenannte Fledermausgauben in den Dachflächen.

Wenn man auf das Auto verzichten will, sind uns eben viele Mittel recht, sollten wir damit das Kind rechtzeitig in den Kindergarten kriegen. Und noch können wir sie mit der Drohung: "...das Haus schaut dich ganz grimmig an" beeindrucken.  Wer weiß, wie lange das noch geht. Irgendwann wird sie vielleicht diese Häuser mit den drohenden Augen nicht mehr sehen und auch keine Gesichter bestehend aus Fenstern und Türen mehr erkennen. Es ist zwar schade, aber die kindliche Phantasie wird irgendwann bei jedem durch die nüchterne Betrachtungsweise der Erwachsenen ersetzt.


Ich gehe jetzt mal davon aus, daß dieser Blog in der Mehrzahl von Erwachsenen gelesen wird. Und einige werden sich vielleicht schon gefragt haben, was ich mit diesem Ausflug in die kindliche Vorstellungswelt eigentlich erreichen will. Denn auch ich hätte bis vor wenigen Tagen nicht gedacht, daß ich im Blog mal etwas über Gesichter von Häusern schreiben werde.

Die Idee dazu kam von einem der Huf Haus Monteure. Zu diesem Zeitpunkt waren zwar noch nicht einmal alle Dachelemente verlegt, aber trotzdem konnte man die Form des zukünftigen Hauses schon gut erkennen. Just in diesem Moment kam die Frage des Monteurs, wie das Haus denn bisher so gefalle. Ihr könnt Euch meine Antwort bestimmt vorstellen, denn mir ist sie leider entfallen. Die Worte "Wunderbar" und "Phantastisch" kamen aber ganz sicher darin vor. Woran ich mich aber genau erinnere, war seine Antwort. Wörtlich sagte er: "Dann warte mal auf morgen, dann kriegt das Haus sein Gesicht". Und damit war das Thema für den heutigen Beitrag gefunden.

Morgen würde es also das Gesicht geben, im logischen Schluß ergibt sich also der Fakt, daß das Haus im Moment des Gespräches noch kein Gesicht hatte. Und ungefähr so hat das Haus zu dem Zeitpunkt ausgesehen.

  

Auch wenn das Dach schon gedeckt gewesen wäre, das Haus würde trotzdem immer noch recht komisch aussehen. Die Waltersdorfer Gestaltungssatzung hätte mit so einem Haus wahrscheinlich kein Problem, doch ein typisches Huf Haus sieht anders aus. Der Herr Architekt wusste schon, wovon er spricht, als er sagte, wie wichtig der Huf Haus typische Dachüberhang ist. Ohne Dachüberhang hat das Haus eine Glatze. Oder anders ausgedrückt, ohne Dachüberhang hat das Haus kein Gesicht.  

Wie sehr dieser Dachüberstand den Charakter des Hauses veränderte, konnte man am nächsten Morgen auch wirklich sehen. Die typischen Huf Haus Züge wurden sofort erkennbar, und dabei war der Überhang erst auf einer Seite montiert. Hier entsteht ein echtes Huf Haus, Dachwinkel hin oder her. 


Kurze Zeit später war das Huf Haus Gesicht dann fast vollständig, . Unverwechselbar, zeitlos und schön.


Es fehlte eigentlich nur noch die Nase, doch auch die gab es nur kurze Zeit später in der Form eines Balkons.


So sieht es also aus, ein Huf Haus Gesicht mit Steildach. Trotz des ungewöhnlichen Winkels zeigt es stolz seine Verwandschaft mit dem Ursprungsdesign der frühen 70er Jahre. Dieser Anblick ist inzwischen genauso unverwechselbar wie die Silhouette eines Porsche 911. Ich würde einen hohen Geldbetrag darauf wetten, daß wirklich jeder einzelne, der jetzt in unserem Dorf interessiert vor dem Haus steht, dieses zweifelsfrei als Huf Haus erkennen kann. Dafür muß man noch nicht einmal ein Fertighauskenner sein, es reicht, einfach nur das weiß-grüne Werbebanner am Balkon zu lesen.





Dienstag, 30. April 2013

Das erste Wochenende

An jedem Wochenende verändert der Ort Waltersdorf seinen Charakter. Aus dem ruhigen und beschaulichen Dorf wird ein stark besuchtes Touristenmagnet. Fast im Minutentakt fahren die Motorräder oder Mountain-Biker durch die Hauptstraße, zur Verärgerung des Silbermeeres, das sich mit ihren Sommerskistöcken auf den Weg in die Berge macht. Ab und zu kommt ein vollgepackter Oldtimerbus vorbei, davon scheint dieses kleinste Mittelgebirge Deutschlands trotzdem mindestens drei zu haben. Es gibt sie mit oder ohne Anhänger, als Doppeldecker oder einfach, für jeden Geschmack eben. Und auch der Kinderspielplatz direkt neben unserer Pension hat Hochbetrieb, sehr zur Freude meines Vermieters, denn die dort befindliche Seilbahn zerrt ganz gehörig an seinen recht schwachen Nerven.

Direkt vor unserer Unterkunft befindet sich ein kleines Café, bei schönem Wetter sitzen dort die ermatteten Ausflügler und sorgen dafür, dass dieses Unternehmen trotz gähnender Leere zwischen Montag und Freitag doch ganz gut läuft. Man kommt recht leicht ins Gespräch mit den Leuten dort, wenn man wissen will, worüber man so redet im Ort, sollte man sich dort einfach mal unterzumischen. Besonders das letzte Wochenende war natürlich besonders interessant für diese Art der Meinungsforschung, denn endlich gab es mal etwas Neues zum bequatschen, nämlich das ungewohnte Haus da direkt neben dem Café.

Nun ist es ja nicht so, daß die Akzeptanz der Nachbarn und Besucher mein wichtigstes Kriterium bei der Auswahl des Haustyps war. Aber nach dieser wirklich anstrengenden Woche, auch wenn ich gar nicht persönlich mitgearbeitet habe, brauchte ich einfach mal etwas Selbstbestätigung. Nicht, daß ich nach nur einer Woche schon Zweifel an unserem neuen Haus hätte, aber nach dem ganzen Stress und dem Ärger mit dem Nachbarn würde mir ein wenig Zustimmung von unbeteiligten Personen einfach mal etwas gut tun.

Ich rechne ja nicht wirklich mit einer komplett ungeteilten Zustinmmung. So ein Huf Haus polarisiert nun einmal, es gibt wohl nur wenige, die dazu gar keine Meinung haben. Passt so ein Huf Haus hier wirklich hin oder nicht, wird es sich jemals einfügen in die Landschaft oder für immer stören wie ein eingerissener Fussnagel? Was spricht man so über das doch recht außergewöhnliche Design mit dem vielen Glas und der dadurch sehr  modernen Erscheinung?

Mischen wir uns also mal unter die Leute und finden es heraus.

Nach nur wenigen Minuten gab es auch schon eine erste Tendenz. Entgegen der Vermutung nimmt die Akzeptanz eines solchen Hauses mit dem fortschreitenden Lebensalter des Betrachters nicht ab. Zustimmung aber auch Ablehnung verteilt sich auf alle Altersgruppen. Das Spektrum ist dabei recht weit und reicht von "Endlich wird hier mal was Modernes gebaut" bis zu "Wieviel mußte der Mensch dem Bauamt denn zahlen, damit er für sowas die Genehmigung bekommt?".

Diese Frage hätte ich sofort beantworten können, ich wollte mich aber nicht unbedingt als Bauherr outen und es hätte dem Meinungsträger bestimmt auch nur weiter frustriert, wenn er erfahren hätte, daß die Zahlungen an das Bauamt nicht über die vereinarten Gebührensätze hinausgingen. Auch die Frage: "Wer baut denn so ein Haus hier in diese Gegend" ließ ich lieber unkommentiert, ich hatte den Eindruck, daß der Schwerpunkt der Frage nicht auf dem "Wer" sonder auf dem "So ein Haus" lag. Denn schon nach ein paar Minuten meines Undercoverstudiums der Volksmeinung wurde offensichtlich, daß die Mehrheit sehr wohl zugeben mußte, daß das Haus sehr gut gefällt, es aber nicht in das Ortsbild passt.

Ich will jetzt hier mal ignorieren, daß es vereinzelt sogar die Meinung gab, das neue Haus würde das Ortsbild zerstören. Mit Sicherheit hätte dieselbe Person vor 100 Jahren dasselbe über den ersten Wolkenkratzer in New York gesagt, und ein gewisser Prinz Charles behauptet das sogar heute noch über die Bankentürme in der Londoner City. Es wird sie immer geben, diejenigen, die am liebsten die Zeit anhalten wollen und jeden Ort über kurz oder lang in ein Museumsdorf verwandeln würden.

Zwischen dem kompletten Stillstand in einem Museumsdorf und der Zerstörung eines Ortsbild durch einen absolut unpassenden Bau müssen doch noch ein paar Zwischenstufen liegen. Angestrebt wird also so etwas wie eine behutsame Weiterentwicklung des Ortsbildes ohne Beeinträchtigung des ortsüblichen Charakters. Auch wenn die extreme Auslegung der Gestaltungssatzung das Ziel eines Museumsdorfes hat, so lag die finale Entscheidung eben doch beim Bauamt. Und dieses wollte Weiterentwicklungen und Neuinterpretationen in einem gewissen Rahmen eben durchaus zuzulassen. Daran werden sich die Mitbürger jetzt wohl gewöhnen müssen.

Aber wie fügt es sich denn nun ein in das Ortsbild? Ist was dran an der Meinung oder ist das nur der unsichere Umgang mit dem Neuen und Unbekannten? Um hier objektiv sein zu können, helfen vielleicht ein paar Vorher-Nachher Bilder.

Hier das erste Bild, aufgenommen im November letzte Jahres von der Webcam an der Hubertusbaude. Ich bitte das schlechte Wetter zu entschuldigen, aber ich habe bewußt nach einem Bild gesucht, in dem das Wetter ungefähr vergleichbar mit dem heutigen ist.


Hier das Bild von heute:

Sticht das Haus wirklich stark heraus? Das einzige, was man dem Haus auf diesem Bild vorwerfen kann, ist die Farbe. Diese Webcam guckt vom Berg ja ziemlich genau in Richtung Norden in das Tal. Da unser Haus eine exakt Nord-Süd Ausrichtung hat, schaut sich die Kamera also ziemlich genau den Giebel an. Der Giebel ist zu 100% verglast, wirkt also bei einem leeren unbeleuchteten Haus recht schwarz. Ungewohnt ja, aber ansonsten dürfte das aus diesem Blickwinkel der wohl einzige nennenswerte Unterschied zwischen unserem und den umliegenden Häusern sein. Größe und Grundform sowie Dachwinkel passen ja eigentlich.

Versuchen wir jetzt mal ein Bild aus einem anderen Winkel und aus einer kürzeren Entfernung. Vorher sah es dort so aus:

 
Und heute (zugegeben ist mein Foto aus einer anderen Jahreszeit und nicht so professionell aufgenommen)


Ich bin wirklich gespannt, ob es von dieser Postkarte einmal eine Neuauflage geben wird. Wird es unser Haus dann auf das Foto schaffen oder wird der Fotograph versuchen, den Eindruck eines Museumsdorfes zu bewahren und etwas nach links schwenken? Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis wir das wissen. 

Noch Zeit für ein weiteres Vorher-Nachher-Bild?




Die drei Vorher - Nachher Vergleiche zeigen mir nur eines. Das neue Haus fällt vor allem deshalb auf, weil an genau der Stelle vorher nichts war. Nun steht hier ein Haus, welches noch nicht einmal ein gedecktes Dach und Außenanlagen im Design eines Tagebaus hat. Klar passt so etwas nicht 100% ins Ortsbild. Aber betrachten wir uns doch noch einmal kurz das letzte Bilderpaar. Ist Euch hier das große weiße Haus rechts im Bild ins Auge gestochen? Stört dieses Haus das Ortsbild?

Ich will dazu jetzt keinen Kommentar abgeben, aber ich weiß durch die Berichte der Nachbarn, daß dies dem Haus vor wenigen Jahren extrem vorgeworfen wurde. Es gab ein Zeter und Mordio, der arme Bauherr war für Monate das Dorfgespräch und das Bauamt mußte sich Kontrollanrufe von ernsthaft besorgten Mitbürgern gefallen lassen. Inzwischen haben sich die Leute wieder beruhigt und haben jetzt ja auch durch unser Huf Haus ein neues Gesprächsthema. Überzeugt bin ich, daß auch unser Haus hier einmal akzeptiert werden wird, was sollen die Leute auch anderes machen. Auffallen wird das Haus wohl immer, es ist nun einmal anders und im Vergleich zu den Häusern der Nachbarschaft noch keine 300 Jahre alt.


Mittwoch, 24. April 2013

Aufstellen - Die "Wir geben nochmal Gas" Phase

Der wohl aufregendste Tag bisher in der Bauphase war mit Sicherheit der Montag. Zuzusehen, wie hier innerhalb eines Tages ein komplettes Erdgeschoß hingestellt wurde (zugegeben, noch ohne Innenwände) - das war schon beeindruckend. Der Dienstag und der Mittwoch hatte zwar seine Highlights, so zum Beispiel der Carport oder die Treppe, aber auch wenn am Mittwoch Abend schon die ersten Obergeschoß - Giebelwände standen, so sah das Ganze bei weitem noch nicht nach dem Haus aus, wie wir es von unseren 3D Zeichnungen kannten.

Ein richtiger Fortschritt wurde uns wieder für den Donnerstag versprochen. Das Haus wird langsam seine Form annehmen, nix mehr "Palast der Republik". Man wird nach diesem Tag ohne Zweifel erkennen können, daß es sich hier um ein Einfamilien-Wohnhaus handelt, und nicht um ein Bürogebäude, wie von Nachbarn auch schon vermutet. Wir waren sehr gespannt.

Allerdings war eines der ersten Bilder, welches wir auf der Baustelle sehen konnten, das eines schmerzverzerrten Gesichtes. Das Gesicht gehörte zu einem der Huf Haus Youngster und war mit einem beunruhigendem Griff an die Schulter verbunden. Irgendetwas war wohl passiert. Auf meine Frage, ob alles in Ordnung sei, gab es zwar die männermäßig akzeptierte Antwort, es wäre alles in Ordnung, doch nach nur wenigen Minuten wurde mein dann doch Angebot angenommen und wir befanden uns auf dem Weg in die Notfallannahme im Zittauer Krankenhaus.

Die englische Variante dieser Abteilung wird "Accidents & Emergencies" genannt, und diesen Bereich der englischen Krankenhäuser kannte ich schon zur Genüge. Meistens warten dort Patienten mit dem Kopf unterm Arm artig in einer Reihe, und wer nicht gerade in Ohnmacht fällt oder zu verbluten droht, hat auch keine Chance, die Warteschlange zu überspringen. Was für eine andere Welt ist doch dagegen ein deutsches Krankenhaus. Ich habe mich nun leider schon zu lange vom deutschen Gesundheitssystem entfremdet, weiß gar nicht mehr, was es hierzulande für einen Ruf geniest. In den Zeitungen liest man ja so einiges Negatives, aber dazu kann ich nur sagen... hier wird echt auf einem hohem Niveau gejammert. In einem Buch mit unnützem Wissen habe ich einmal gelesen, daß in England die Pizza schneller ins Haus kommt als der Notarzt, probiert habe ich das nie, aber glauben kann ich das durchaus. Die Notfallaufnahme in Zittau war jedenfalls komplett leer. Nicht, weil es etwa keine Notfälle gäbe, es muß wohl wirklich an den relativ kurzen Wartezeiten liegen. Vielleicht hatten wir ja nur einen guten Tag erwischt, die Wartezeit reichte jedenfalls gerade aus, um den bei Betriebsunfällen obligatorischen Fragebogen auszufüllen.

Wenn es überhaupt etwas zu bemängeln gab bei dieser Krankenhauserfahrung, dann wäre das der Umstand, daß sich im Wartezimmer nur bereits recht zerlesene Exemplare von irgendwelchen Frauenmagazinen befanden. Ich sollte mich ja eigentlich auch für die eine oder andere Diät interessieren, aber trotzdem habe ich bisher noch keinen rechten Zugang zu dieser Art Presse gefunden. Die einzige Alternative war nur die "Apothekenrundschau", es blieb mir also nichts weiter übrig, als sich den halbwegs lesbaren Kurzroman reinzuziehen.

Zum Glück dauerte die Behandlung des armen Huf Haus Kollegen nur etwas über eine Stunde, und dann ging es auch endlich wieder in Richtung Baustelle, auf der sich inzwischen mit Sicherheit gewaltige Dinge getan hatten, Dinge, von denen man nichts in irgendwelchen Frauenzeitschriften lesen würde. Und wow, was für ein Fortschritt. Fast alle Innenwände des Obergeschosses standen bereits, ich konnte gerade noch das Einsetzen der letzten Wand beobachten. Alle Achtung.



Weiterhin ist das Haus inzwischen auch zu einem Gerüst gekommen, wohl ein Vorzeichen auf das baldige Eintreffen des Daches. Noch nicht das Dach, aber immerhin schon der zu erwartende Dachwinkel, nahm dann auch so langsam seine Form an. Denn mit dem letzten Teil des Glasgiebels gab es schon einmal einen guten Eindruck, wie hoch das Ganze am Ende werden würde. Beeindruckend, soviel kann ich nur sagen.



Leider war es mir auch am Nachmittag nicht vergönnt, die ganze Zeit auf der Baustelle verbleiben zu können. Ein weiterer Arzttermin (diesmal geplant) stand an.Und wieder gingen ein paar Stunden ins Land, in denen das Haus gewaltige Fortschritte machte. Sogar ein Ersatz für unseren krankgeschriebenen Kollegen war zwischenzeitlich eingetroffen. Mal so eben aus dem 600km entfernten Hartenfels herbeigeordert.

Einige der Innenwände waren inzwischen in die Höhe geschossen und zusätzlich waren die beiden Giebel bereits mit den Balken verbunden, die allesamt Pfette genannt werden können, ohne dabei gleich beleidigt zu sein. Der große Moment war nur noch Minuten entfernt, bald würde das erste Dachelement auf dem Haus landen. Und so war es dann auch. Langsam senkte sich das schwere Teil auf das Dachgebälk, um kurze Zeit später wieder in die Höhe gezogen und neben dem Haus abgelegt zu werden.






Das 45° Dach verweigerte einfach die neue Bedeckung. Ich glaubte sogar, hier ein kurzes Fluchen aus dem Mund des Herrn Vorarbeiter zu hören, das ging aber schnell im Kreischen der Kettensäge unter. Was nicht passt wird passend gemacht, ein Grundsatz, der auch für Huf Häuser wohl manchmal gelten muß. Zum Glück ist Holz ja geduldig und nach einer Weile gab sich das Dachelement dann doch geschlagen und ließ sich auf die Zwangsehe mit dem Rest des Hauses ein.

Mittlerweile war es dann aber schon wieder recht spät geworden, die restlichen Dachelemente mußten auf den nächsten Tag warten. Vom Freitag wurde dann auch wirklich noch die komplette erste Tageshälfte gebraucht, bis endlich das Dach geschlossen war. Auch wenn ich nicht weiß warum, aber so war das doch irgendwie ein feierlicher Moment und um ein Haar hätte ich mich zu einem Applaus hinreißen lassen. Das konnte ich mir aber im letzten Moment dann doch noch verkneifen, zu sehr erinnerte mich das an die Klatscher in den hinteren Reihen der Ferienflieger, die dem Piloten zujubeln, weil er wieder mal seinen Job richtig gemacht hat. Ich habe es also beim fotografieren belassen. Die sehen fast wie ein Kurzfilm aus.






Und damit war das geplante Ziel für die Woche dann doch erreicht. Die Huf Haus Arbeiter packten zusammen, die Baustelle wurde aufgeräumt und ja, es stimmt wirklich, auch der Mannschaftsbus wurde von gefegt. Das war damals also keine Show für das englische Fernsehen, sondern dieses Ritual findet wirklich statt. Wer fährt auch schon gerne mit einem dreckigen Auto nach Hause?

So hätte es jetzt eigentlich auf die Autobahn gehen können, der Motor lief schon fast, da gab es dann doch noch unerwarteten Besuch. Auf einmal standen vier grüne Männchen auf der Baustelle und hielten uns sehr bedeutende und hochoffiziell aussehende Ausweise unter die Nase. Die lieben Kollegen vom Zoll hatten nach nur 5 Tagen unsere Baustelle endlich gefunden und begaben sich jetzt hier auf die Jagd nach Schwarzarbeitern. Nichts, was man lieber hätte, so kurz vor dem verdienten Wochenende. Geduldig mussten viele Fragen beantwortet werden - unter anderem nach dem Bruttogehalt, und dabei dachte ich immer, in Deutschland redet man über so etwas nicht. Nach nur 30 Minuten war der Spuk dann aber vorbei, es klickten ein paar Handschellen (natürlich nicht, aber so hört sich das dramatischer an). Bei der Abfahrt der grünen Männchen wurden diese nochmal kurz von unserem lieben Nachbarn angehalten, ich konnte die Konversation aufgrund der Entfernung leider nicht mithören, aber die Körpersprache sagte schon genug. Wir hatten alle so eine Ahnung, wem wir diesen Besuch zu verdanken haben. Es wird hoffentlich der letzte Streich dieser Person gewesen sein, mit welchen Mitteln will er denn jetzt noch versuchen, diese Baustelle zu stoppen?

Die nächste Woche sollte um einiges ruhiger werden. Es wird keine großen LKW's mehr in der engen Auffahrt geben (insgesamt 9 LKW Ladungen mußten durch diese hohle Gasse). Auch der Kran wird Anfang der Woche schon verschwinden. Lassen wir dem Nachbarn und vor allem den fleißigen Huf Haus Bienchen also erstmal ein geruhsames Wochenende.

Dem Haus stand die erste Bestandsprüfung im Erholungsort Waltersdorf bevor. Am Wochenende verdreifacht sich die Anzahl der Menschen im Ort schlagartig, bin ja mal gespannt, ob ich mich unters Volk mischen und ein paar Originalkommentare aufschnappen kann.




Dienstag, 23. April 2013

Aufstellen - Parkende Autos

Der Mittwochmorgen stand ganz im Zeichen des Carports. Dieser hatte zwar für lange Zeit auf der Budget-Streichliste gestanden, doch in letzter Minute wurde er dann doch im Ausstattungsprotokoll belassen. Zu einem Huf Haus passt aber auch wirklich nur ein original Huf Nebengebäude.



Und da stand er nun in seiner Pracht, die Wohneinheit für eines unserer Fahrzeuge. Wohin wir das andere Auto stellen werden, ist noch ein ungelöstes Problem. Insbesondere der Standort des Carports warf bei den Nachbarn einige Fragen auf. Warum wir den nicht weiter nach vorne an die Straße gestellt haben, ob wir denn wirklich so viele Meter Einfahrt vom Schnee beräumen wollen. Sie meinen es eben gut mit uns, die lieben Nachbarn. Ich persönlich finde immer noch, daß der Platz des Carports perfekt gewählt wurde, überdacht er doch so nebenbei unsere Eingangstür gleich noch mit. Der Kofferraum befindet sich somit fast schon im Haus, bei unseren wöchentlichen Großeinkäufen zählt jeder Meter, die man die voll beladenen Klappkisten nicht tragen muß.

Einen solch schönen Platz hatte noch kein Auto in unserer Familie
Somit wäre das also geklärt, in Zukunft ist wenigstens für ein Auto der Parkplatz sicher. Das andere wird wohl nur im Weg stehen. Und wie sich das anfühlt, konnten wir kurz danach auch gleich mal testen. Denn er hat es wieder getan! Unser Nachbar hat seinen langen Mercedes schon wieder so in seine Ausfahrt gestellt, daß er mit der langen Schnauze weit genug in die Straße ragte, um ein Rangieren der Tieflader unmöglich zu machen. Hatten wir das Gleiche nicht schon im letzten Jahr? Damals mußten wir das Ordnungsamt rufen, weil der Kollege nicht auf unser Klingeln und Klopfen reagieren wollte. Müssen wir das echt noch einmal haben. Das mit der fehlenden Sperrung der Straße und das mit dem Verteilen der Gesteinsbrocken, das war neu und kreativ. Aber die Einfahrt zuparken, ist doch nun wirklich ein alter Hut. 

Immerhin hat sich der Nachbar dieses Mal nicht in seiner Wohnung verschanzt, sondern verlud in Seelenruhe seine Sommerreifen in den Kofferraum. Unterstellen wir also mal keine böse Absicht, falscher Alarm - ich hatte zum Glück noch nicht beim Ordnungsamt angerufen. Was nun aber machen mit der ungeplanten räumlichen Nähe zum Widersacher? Sollte man jetzt schon die Chance für eine Aussprache nutzen? 

Zum Glück nahm mir der Nachbar die Entscheidung ab und fing von ganz alleine zu reden an. Und dadurch erfuhr ich endlich, was er von uns, unserem Haus, den Bauaktivitäten, der Firma Huf und auch meinem derzeitigen Vermieter und vorherigen Grundstücksbesitzer hält. Er wollte an genau dieser Stelle einfach kein Haus haben. Und jetzt kommt so ein Schnösel und baut einen solch unpassenden Glaspalast genau in seine liebste Blickrichtung (Ich wußte ja nicht, daß er sich in der Vergangenheit so gerne das alte Dorfschulgebäude angeguckt hat). Spätestens jetzt war klar, daß ich den Zeitpunkt einer Aussprache besser um ein paar Jahrzehnte verschieben sollte. Freunde werden wir wohl nicht werden, hoffentlich können wir uns wenigstens darauf einigen, daß wir uns gegenseitig einfach in Ruhe lassen. 

Er fuhr seinen silbernen Panzer dann zum Glück recht schnell weg. Der Weg war wieder frei für die nächsten großen Teile - die Arbeiten am Obergeschoß konnten beginnen. 





Nur neunzig Minuten später standen auch schon alle Außenwände der oberen Etage. Das Haus wirkte jetzt ungefähr so wie ein erhöhter Basketballplatz ohne Körbe und Ball. Das nimmt dem Spiel zwar seinen Reiz, ist aber sicherer für die überdimensionalen Glaswände. 

So langsam wurde es Zeit für eine erste Begehung. Noch etwas zögernd standen wir kurze Zeit später auf der Kippleiter, die an der Türschwelle unseres Haupteingangs lehnte. So ähnlich wird er also aussehen, der erste Anbllick kurz nach Betreten unseres Hauses. Ich hoffe, dann etwas sauberer und aufgeräumter.


Doch auch in der zukünftigen Küche war von Ordnung noch keine Spur. Irgendwo da hinten am Fenster wird sich einmal die Spüle befinden. Bei der Aussicht werden wir uns wohl ums Abwaschen zanken. Na ja, reden wir in ein paar Monaten nochmal drüber. 

 
Im Obergeschoß gab es aufgrund der unendlich hohen Decke ein kaum zu übertreffendes Gefühl von Platz. 


Was könnte man auf dieser Etage nicht alles anstellen, so ganz ohne Zwischenwände. Aber leider brauchen wir auf dieser Ebene doch noch so etwas wie Zimmer. Aber um mir die richtig vorstellen zu können, dazu fehlten mir die Wände. Immerhin konnte ich schon mal einen Eindruck bekommen, wie denn der zukünftige Blick aus der Badewanne sein könnte. Wir wollen ja gerne eine freistehende Badewanne haben, die wir in so einem Winkel zum Raum anrichten wollen, damit  wir ohne Halsverrenkungen direkt ins Freie gucken können. Ungefäht so wie auf dem Foto unten wird dieser Blick dann sein. Das Badewasser wird wohl in Zukunft recht häufig kalt werden.